Drum strebe vorwärts unverzagt, Mein theures, deutsches Vaterland I
Lokales.
Gießen, 2. Septbr. Im Monat August wurden von der Schutzmannschaft Anzeigen erstattet: Wegen schädlicher Ausdünstung 4, Lebcnsmtttelfälschung 15, bösartiger Thiere 4, sonstige Sanitätspolizei 2. Sicherheitspolizei: Bettler 38, Trunkenheit 10, Ruhestörung 106, Diebstahl 22, Betrug und Unterschlagung 2, schwere Körperverletzung 1, Verstoß gegen das Meldewesen 13, sonstige Sicherheitspolizei 16. Ferner im Interesse der Sittenpolizei wegen Thierquälerei 5, gegen Prostitmrte 10, wegen Störung der Sonntagsfeter 1, wegen Ueber- tretung der Feieräbendstunde 24, sonstige Sittenpolizei 9. Gewerbepolizei: Droschken ordnung 5, Dienstmannsordnung 1, sonstige Gewerbepolizei 28. Stratzenpolizei: wegen unterlassener Straßenreinigung 8, Fabrordnung 12, sonstige Straßenpoitzet 52. Baupolizei 8, Feuerpolizei 5, Steuerdefraudation 7. Arretirt wurden: 37 Bettler, 5 Obdachlose, 8 Betrunkene, 8 Prostitmrte, wegen Widerstand 2, wegen Diebstahl 8, 1 wegen Betrug und Unterschlagung, sonstige Verhaftungen 3, auf Requisition 2, Schulkinder 2. Ferner hatte die Schutzmannfchaft nachfolgende Besorgungen anszuführen: Sie hatte 81 Ladungen zu bestellen, 197 Briefe auszutragen, 1033 Steuerzettel zu befördern und 169 Anforderungszettel zu in- sinuiren. An Impfpflichtige wurden 1 und außerdem noch sonstige 10 Meldungen besorgt. Umfragen bei sammtltchen Goldarbeitern, Uhrmachern und Händlern wurden 9 gehalten, außerdem hatten 36 Vernehmungen bei Gericht zu erfolgen. Nachdem noch 68 Verfügungen, 47 Ermittelungen, 49 Ausschreiben und Transportpapiere zu besorgen waren, schließt der Bericht mit 1 Vorführung im verflossenen Monat. —
DerruischteS
— sDom deutschen Kronprinzen 1 Gelegentlich der Anwesenheit des deutschen Kron- Prinzen in Ulm wird folgende kübsch- Episode erzählt: .Zum Dejeuner, da« der Kronprinz im Mrstensalon de« Babnbof« -innahm, war anfanq« für 12 Personen gedeckt. Unerwartet kam nock W »• Stauffenderg aus Reissen, um den Kronprinzen zu begrüßen und wurde alcickfall« zur Tafel aelaoen. Damit «ar aber d,e omino>e Zahl „13 »oll und man befand sich in eeni er Verlegenheit, wie dem abzuhelfen wäre In diesem «ugenblicke kommt d.e Frau ines Unterosficier« de« 5. Regiments mit ihrem ,n die wurttembergische Uniform g-kl- oetm 6jähr,gen Knaben und bittet um die Erlaubniß, dem Kronprtnzen durch die Hand des Klemen einen Blumenstrauß überreickcn zu dürfen. Der Kronprinz nahm das Bouquet freundlich an ^sef.Echelnd den jungen Krieger als Vierzehnten an den Trsch, wo es sich dtefer denn auch trefflich schmecken ließ "
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Deutschland.
Darmstadt, 1. Septbr. Seine Königliche Hoheit der Großherzog wohnten heute Vormittag der Jnspicirung des zweiten Großberzoglichen Jnfan- terie-Regiments (Großherzog) Nr. 116 aus dem Griesheimer Schießplatz bei, nahmen darauf im Großherzoglichen Schlosse militärische Meldungen entgegen und empfingen den Oberhofprediger Bender, den Steuer-Jnspector Weigel, sowie den Pfarrer Matthes von Jugenheim; zum Vortrag den Staatsmtnister Frhrn. v. Starck und den Mintsterial-Prästdenten Schleiermacher.
Berlin, 30. August. Die Residenz der Majestäten wie der Prinz, lichen Herrschaften wird am 9. September aus Potsdam nach Berlin verlegt. An demselben Tage treffen auch die bislang noch nicht anwesenden fürstlichen Gäste des Hofes in Berlin ein. Nach Beendigung der Manöver geht der Kaiser bekanntlich an den Rhein. Am letzten Septcmbertage feiert die katser- liche Familie das Geburtsfest der Kaiserin in Baden und von dort kehrt der Kaiser im October bittet nach Berlin zurück. — Die Annahme, daß die Uebernahme des preußischen Handelsministeriums durch den Fürsten Bismarck persönlich nicht auf bloßer Zufälligkeit beruhe, sondern mit der beabsichtigten Revision der Gewerbeordnung zusammenhänge, gewinnt Bestätigung. Wie weiter verlautet, hätte vor längerer Zeit zwischen dem Reichskanzler und dem Staatsmintster Hofmann gerade der Umstand zu Differenzen geführt, daß der letztere die Vorschläge über das Jnnungswesen selbstständig und ohne vorherige Verständigung mit dem Fürsten Bismarck ausgearbeitet hatte. — Fürst Hohenlohe verläßt morgen Abend Berlin und begibt sich auf seine Besitzungen; seine Abwesenheit dürfte 4 Wochen dauern. Der Fürst kehrt sodann hierher zurück und wird die Leitung des Auswärtigen Amtes so lange weitcrführen, bis in dieser Beziehung endgültige Bestimmungen getroffen sind.
Berlin, 1.September. Das Armee-Verordnungsblatt bringt folgende Ansprache des Kaisers an die Armee (von uns bereits gestern auszugsweise mitgetheilt):
Soldaten des deutschen HeereS!
Es ist Mir heute ein tief empfundenes Bedürfniß, Mich mit Euch in der Feier des Tages zu vereinigen, an welchem vor zehn Jahren des allmächtigen Gottes Gnade den deutschen Waffen einen der glorreichsten Siege der Weltgeschichte verliehen hat.
Ich rufe denen, welche in jener Zeit schon der Armee angehörten, die ernsten Empfindungen in die Erinnerung zurück, mit denen wir in diesen Krieg gegen eine uns in ihren ausgezeichneten Eigenschaften bekannte Armee gingen, ebenso aber auch die allgemeine Begeisterung und das erhebende Gefühl, daß alle deutschen Fürsten und Völker eng verbunden für die Ehre des deutschen Vaterlandes eintraten.
Ich erinnere an die ersten Tage banger Erwartung, an die bald folgenden ersten Siegesnachrichten, an Weiße, bürg, Wörth, Sptchern, an die Tage vor Metz, an Beaumont und wie endlich bann bei Sedan die Entscheidung in einer unsere kühnsten Hoffnungen und größten Erwartungen weit übertreffenden Weise fiel.
Ich erinnere auch mit wärmstem Dankgesühl an die bochverdtenten Männer, welche Euch In jener Ruhmeszeit geführt haben, und Ich erinnere endlich an die schweren, schmerzlich betrauerten Opfer, mit denen wir unsere Stege erkämpften.
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Tharen ihrer Vorfahren erfüllen.
Wie in Mir die Gefühle des tiefsten Dankes für des gütigen Gottes Gnade und der höchsten Anerkennung — insbesondere für Alle, die in dieser Zeit mit Rath und That hervorgetreten sind — leben, das habe Ich oft ausgesprochen, und Ihr kennt das Herz Eures Kaisers genug, um zu wtflen, daß diese Gefühle in Mir dieselben bleiben werden, so lange Gott Mir das Leben läßt, und daß Mein letzter Gedanke noch ein Segenswunsch für die Armee sein wird.
Möge die Armee aber in dem Bewußtsein des Dankes und der warmen Liebe ihres Kaisers, wie in ihrem gerechten Stolz auf ihre großen Erfolge vor zehn Jahren auch immer dessen eingedenk fein r daß sie nur dann große Erfolge erringen kann, wenn sie ein Musterbild für die Erfüllung aller Anforderungen der Ehre und der Pflicht ist, wenn sie unter allen Umständen sich die strengste Dtsciplin erhält, wenn der Fleiß in der Vorbildung für den Krieg nie ermüdet und wenn auch das Geringste nicht mißachtet wird, um der Ausbildung ein festes und sicheres Fundament zu geben.
Mögen diese Meine Worte jederzeit volle Beherzigung finden — auch wenn Ich nicht mehr sein werde — dann wird das deutsche Heer in künftigen Zeiten schweren Ernstes, die Gott noch lange von uns fern halten möge, jederzeit so wie vor zehn Jahren der feste Hort des Vaterlandes sein.
Schloß Babelsberg, 1. September 1880.
gez. Wilhelm.
Vorstehende Ansprache Sr. Majestät des Kaisers ist am 1. September bekannt zu machen. Kriegsministerium, v. K a m e k e.__
Telegraphische Depeschen.
Wagner'» telegr. Correspondenz-Burrau.
London, 1. Septbr. Unterhaus. Lord Hartington informirt Lawson, daß im Interesse bes Staatsbienstes eine Debatte über bie orientalische Frage nicht erwünscht fei. Lawson vertagt hierauf seine Anfrage vorläufig bis mor- gen. Lord Hartingion erklärt außerdem, bie Regierung habe neuerbings keine I Nachrichten aus Afghanistan erhalten.
Paris, 1. Septbr. Der „Temps" sagt, alle Vorstänbe bet Sengte» 1 gattonen haben eine Erklärung unterzeichnet, die officiell durch den Cardinal Guibert dem Ministerpräsidenten Freycinet alsbald nach dessen Rückkehr nach Paris überreicht werben soll.
— Heute Vormittag fanben sich in ben Lehranstalten bei Jesuiten zu Paris, Lille, Poitiers, Toulouse, Montpellier rc. Polizeicommissäre ein. Die- selben trafen dort bie Repräsentanten bet bez. Civilgesellschaften an unb con» statirten die Abreise der Jesuiten. Nut in Poitiers fand der Commiflar I 6 Jesuiten vor, von welchen 3 sich als Eigentümer des Hauses erklärten; I die 3 anderen wurden von dem Commiflar ausgewiesen. Es kam hier zu unbedeutenden Manifestationen, indem sich die Rufe vernehmen ließen: Es leben bie Jesuiten 1 unb anbererseits: Nieder mit den Jesuisen I An allen anderen I Orten erfolgte die Ausführung der MSrzdecrete ohne Zwischenfall.
London, 1. Septbr. Die „Times" meldet aus Quetta von heute: General Roberts ist gestern in Kandahar eingetroffen. Ayub Khan machte einen Versuch, Verhandlungen anzuknüpfen. General Phayre ist mit seiner ganzen Streitmacht abmarschirt, da ein Zusammenstoß bei Taktipul zu erwarten steht. ~ t
Bukarest, 1. Septbr. Das ministerielle Journal „Romanul" demen- tirt bie Sensations-Nachrichten bezüglich bulgarischer Banben in b-r Dobrudscha. Die vereinzelt auftauchenben Räuberbanden hätten gar keine politische Bedeutung, beständen nicht aus Bulgaren, sondern aus brodlosen und heimathlosen Türken und leisteten den rumänischen Soldaten niemals Widerstand.
London, 1. Septbr., Abends. Unterhaus. Die irischen Deputirten verhindern die zweite Lesung der Finanzbill, in der Tendenz, dadurch gegen bie heute erfolgte Verwerfung ber irischen Wähler-Registrirungsbell Seitens bes I Oberhauses zu protestiren. , „
— Laut Melbung aus Simla vom 1. Septbr. würbe heute bei Angiiff des Geneials Robeits auf Ayub Khan eiwaitet.
Straßburg, 1. Septbr., Abenbs. Der Statthalter Generalfelbmar- schall v. Manteuffel ist heute Abend 9 Uhr nach Gastein abgereist.
Ragusa, 1. Septbr. Nach hierher gemeldeten Gerüchten richteten bie Albanesen gestern ein Telegramm an den Sultan, worin sie ihren Patriotismus befeuern und versichern, sie seien entschlossen, bis aus's Aeußerste zu kämpfen, um die Integrität ihre? Gebietes aufrechtzuerhalten.
Die Dsteae des Patriotismus. Es war eine große Zelt, die wir vor zehn Jahren durchlebt haben; die
, r . „ ,.(,,.,(1. (■«,., < r . ! Erinnerung an sie läßt unserMller Herzen bts zum letzten Athemzuge hoch
Die vaterländischen Erinnerungen sind das köstlichste Gut der Volker, j f,( unb ftc wird noch unsere späteren Nachkommen mit Stolz auf die wohl ist es ein Idealismus, der da lehrt, bie Jugend durch die Schilderung - - -
der Heldenthaten zu begeistern, aber er trägt wirkliche, sichtbare Früchte. Gerechter als die weisesten Fürsten und die entwlckelistm Völker ist die Weltge- . schichte, die unS den Sieg der Ideen lehrt und darum ein lebendiger Protest | gegen jene nüchterne Real- und Machtpolitik ist, weiche eines gesunden Jdea- j Usrnus entbehren zu können glaubt. Es ist In Deutschland kaum ein Dezen- j nium, welches uns von den großen historischen Tagen trennt, in welchen die Tapferkeit der vereinigten deutschen Armeen und die Opferwilligkeit des ganzen deutschen Volkes das einige Vaterland zur Wahrheit machte, und doch beginnt sich bereits eine Tagesströmung bemerkbar zu machen, welche jene Erfolge zu verkleinern bemüht ist. Die Einen meinen, ehe Deutschland jubilire, möge es erst seinen Frieden mit der Kirche machen, die Andern sagen, man solle mehr an bie Gegenwart, als an bie Vergangenheit benten und den nationalen Wohlstand erstreben, bie Dritten enblich, es gebühre sich nicht, Schlachtentage zu feiern, welche Frankreichs Empfindlichkeit wachrufen könnten.
Aber alle diese Einwände find hinfällig, denn ein großes Volk hat keine Rücksichten zu nehmen auf Feinde im Innern und Gegner an den Grenzen. Das ist eben ber große Erfolg jenes weltgeschichtlichen Kampfe?, welcher Deutschland. zu feiner Machtstellung in Europa erhob, daß wir nicht mehr nöthlg haben, ängstlich nach Paris und Petersburg, nach Rom oder nach Wien zu blicken, wenn wir unsere nationalen Feste feiern. Unser Patriotismus kann ruhig seinem innersten Gefühl folgen, unb es ist unsere Pflicht, ihm ge» recht zu werben, nicht um unserer selbst willen, bie wir begnadet waren, eine denkwürdige Zeit zu durchleben, sondern unserer Jugend, der späteren Generationen halber, welcher wir die patriotischen Erinnerungen, welcher wir unseren Patriotismus als ein Erbgut zu hinterlaffen haben. Die neueste Geschichte, die wir selbst geschmiedet haben, wird für alle Zeiten denkwürdig bleiben, weil sie den größten Wendepunkt in den Geschicken Deutschlands bezeichnet, und wenn man dies noch feiern unb besingen wirb, wenn einst um Kaiser Wilhelm unb feine Palabine bie Sage ihren halben Mythenkreis weben wirb, so soll man in ferner Zukunft auch bavon fingen unb sagen, baß bas beulsche Volk von Anfang an bie Größe bet neuen Zeit begriffen und gewürbigt hat.
In ber Pflege unserer patriotischen Erinnerungen bedürfen wir keiner Rathschläge anderer Völker; mir sollen uns aber auch in dieser Pflege des Patriotismus nicht durch eigenen Pessimismus beeinflussen lassen. Es ist in Deutschland nicht Alles so gekommen, wie die nationalen Optimisten erwartet haben; bas verflossene Jahrzehnt hat manche Enttäuschungen gebracht, aber es ist nicht mehr bie Zelt, wo ber Dichter fang: „Untröstlich ist's noch aller» wärts l" Im Gegentheil winkt uns bie tröstliche Zuversicht, baß bas Mor- genroth einer besseren Zeit anbricht, von bei es heißt: Die Zukunft steht in Gottes Hanb, Doch ahnt mii, baß sie schön dii tagt,
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Wr bie Wge! weiße, wollene 6e Men. Lieferung W Musterteppi 11. September b. portofrei einreichei b'MWn jeber; tonnen. Die Lün unb bie Breite 1;
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