die beiderseitigen Interessen schädigen muß, ohne daß hier daran gedacht werden kann, daß dieser Schaden den Interessen des einen Theils auf andere Weise wieder zu gut komme. Wenn daher auch die Verwaltungskosten erheblich gestiegen sind, so ist doch mit der Abnahme des Verkehrs in den letzten Jahren ein fortwährendes Sinken derselben zu beobachten, womit selbstverständlich nicht übersehen werden soll, daß bei einer Fortdauer des seitherigen Vertragsoerhältnisses das diesseitige Interesse cs ebenso wie dasjenige Preußens erheischen würde, mit allem Nachdrucke eine weitere Herabminderung anzustreben. , t. „ „„
Für die gesunkene Rente der Main-Weser-Bahn liegt die Erklärung einmal in den schon erwähnten erheblichen Steigerungen der Ergänzungs- und Erneuerungs- Ausgaben und der eigentlichen Verwaltungskosten, außerdem aber in der entstandenen Concurrenz und den allgemeinen wirthschaftlichen Verhältnissen. Hält man alle diese Momente zusammen, so wird man die Ergebnisse der letzten Jahre noch immer als verhältnißmäßig befriedigende bezeichnen müssen. Aus das Erträgniß aber, welches das Product solcher exceptioneller Factoren gewesen, den Entschluß zur Veräußerung eines Objectes unter nicht verlockenden Bedingungen zu begründen, erscheint uns nicht gerechtfertigt. (Forts, folgt.)
io. Darmstadt, 29. October. lZweite Kammer der Stande, 29. Sitzung.) In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer wurden an neuen Eingaben verkündigt ein Gesetzentwurf in Betreff der Erhebung des Eingabe-Stempels in der Provinz Rhein- heffen und ein weiterer Gesetzentwurf, die Errichtung einer Haltestelle der Main-Neckar- Bahn bei Bessungen betreffend. Ohne Debatte wurden dann die Wahlen der Abgg. Bautz, Weitzel, Frank, Hanstein und Dr. Seubert für gültig erklärt. „ Bei den erforderlich gewordenen Ergänzungswahlen mehrerer Ausschüsse wird zunächst an Stelle des aus dem ersten Ausschuß geschiedenen jetzigen Präsidenten Kugler Abg. Metz mit 26 Stimmen gewählt Bezüglich der Ergänzungswahl zum Gesetzgebungs-Ausschuß, wo 2 Sitze erledigt sind, stell: Ellenberger einen Vertagungsantrag, der jedoch, da die abgegebenen Stimmen für und gegen den Antrag die Zahl 19 betrugen, als abgelehnt zu betrachten war. Gewählt werden die Abgg. Heiazerling mit 29 und Schröder mit 19 Stimmen. Zur Ergänzung der Commission zur Berichterstattung über die allgemeine Bau-Ordnung ist die Wahl eines Mitgliedes an Stelle des ausgetretenen Präsidenten Kugler erforderlich; gewählt wird der Abg. Böhm. Abg. Wadiack beantragt die Commission zur Berichterstattung über das zu erwartende Weggesetz um 2 Mitglieder zu verstärken. Auf Anfrage Schröder's bei dieser Gelegenheit erwidert Mini- sterialrath Jaup, daß der Entwurf des Weggesetzes vor Kurzem im Staatsministerium festgestellt worden sei und also erwartet werden könne, daß in allernächster Zeit der Entwurf selbst an die Kammer gelangen werde Der Antrag Wadsack wird angenommen und als weitere Mitglieder des Ausschusses gehen hervor die Abgg. List mit 25 und Wadsack mit 26 Stimmen.
Die Kammer schreitet nunmehr in Gemäßheit der Tagesordnung zur Berathung des von der Regierung vorgelegten Gesetzentwurfes, die Errichtung einer Landeskultur- Reutenkasse betreffend. Der Entwurf war von dem Gesetzgebungs-Ausschuß in verschiedenen Punkten amendirt worden, doch hatte die Regierung zu allen Abänderungsanträgen ihre Zustimmung ausgesprochen. Nach längeren Debatten, an welchen sich die Abgg. Ellenberger, Diehl, Pfannstiehl, Schröder, von Rabenau, Wolz, Betz, Heidenreich, Dittmar, Wolfskehl, Wasserburg, Böhm, Küchler, Bockenheimer, sowie Ministcrial- rath Jaup betheiligen, gelangt der Entwurf im Ganzen nach den Anträgen des Ausschusses gegen die Stimme des Abg. Betz zur Annahme mit der einzigen von Ellen- berger beantragten Modification, daß der Betrag der Zuschlagsrente von 5% auf 3‘/2 % herabgesetzt werde. — Nach einer kurzen Pause bringt der Präsident die Beantwortung der Interpellation des Abg. Osann, die Ausführung des Art. 1 des Gesetzes vom 10. September 1878, die Landesbrand-Versicherungsanstalt betreffend. Seitens der Regierung zur Kcnntniß der Kammer und erfolgt sodann die Berathung über die Vorlage Großh. Ministeriums des Innern, die Regulirung des Rheinstromes von dem Kurfürstlichen Schloß zu Mainz bis unterhalb der Ingelheimer Aue betreffend. Ohne Debatte wird nach dem Antrag des Ausschusses der Proposition in allen Theilen die Zustimmung ertheilt.
Es folgt die Berathung des Antrags der Abg. Betz, Bockenheimer, Falk, Racke und Wasserburg auf Erhöhung des staatlichen Zuschusses zu den Kosten der Polizei- Verwaltung zu Mainz, dessen Ablehnung der Ausschuß beantragt. Die Ab-g, Bocken- Heimer, Betz und Wasserburg begünden den Antrag eingehend unter Hinweis auf die bedeutenden Kosten, welche Mainz für seine Polizeiverwaltung aufzuwenden habe, welche zu einem sehr bedeutenden Theil im Dienste des Staates arbeite und begehren aus Gründen der Billigkeit und im Vergleich mit den Verhältnissen in anderen Städten eine entsprechende Erhöhung des staatlichen Zuschusses. — Küchler hält einen weiteren Zuschuß für unnöthig und warnt vor den Consequenzen einer deßfallsigen Gewähiung. Auch Ministerialrath Jaup spricht sick gegen den Antrag aus, der nach einem Schlußwort des Berichterstatters, Abg. Theobald, gegen 6 Stimmen abgelehnt wird- — Für die Errichtung eines physikalischen Auditoriums an der Landesuniversität wird die Regierungsanforderung von 12,000 Mark nach kurzer Debatte bewilligt. Von mehreren Abgeordneten wird bei dieser Gelegenheit dem Bedauern Ausdruck verliehen, daß die baulichen Anforderungen für die Landesuniversität stets als Stückwerke vor die Kammer kämen, und sagt Ministerialrath Knorr für das nächste Staatsbudget eine genaue Prüfung des jetzt noch vorhandenen Bedürfnisses zu. Wegen vorgerückter Tageszeit wird die Sitzung hierauf geschlossen. Nächste Sitzung morgen. Tagesordnung: Verkauf der Main-Weser-Bahn.
Berlin, 27. October. Die Aenderungen in der Bekleidung und Aus- rüftung der Infanterie unterliegen gegenwärtig der Berathung und Erörterung des Milltäröconomie-Departemenls, zumal, wie man hört, außer der Fußbekleidung auch Mantel und Tornister einer Besserung unterzogen werden sollen. Namentlich sind in Betreff der letztem Umfragen bei den General-Commandos veranlaßt worden, und es beziehen sich diese Fragen auf Erleichterung des Inhalts, möglicherweise Beseitigung des Tornisters überhaupt. Dabei kommt hinsichtlich der Fußbekleidung der Umstand in Betracht, daß bereits nach dem Feldzuge von 1866 deren Aenderung zur Sprache gekommen war.
— Die „Südd. Presse" schreibt: „Das alte Großdeutschland der patriotischen Träume von 1848 ist jetzt fertig geworden. Em deutsches Nationalreich mit von Frankreich und Dänemark wiedereroberten Grenzprovinzen in starker Föderatron geeinigt und daneben eine halbdeutsche Doppel-Monarchie unter einer Dynastie tn Schutz und Trutz mit einander verbunden; ein mächtiges gliederreiches Band von der holländischen Grenze bis an das Eiserne Thor der unteren Donau und mit seinem leitenden Einflüsse über das letztere hinaus nach Rumänien und Bulgarien hinein. Die größt'' Lebensarbeit, der größte bisherige Triumph jenes gewaltigen deutschen Staatsmannes, der „in herkömmlicher Ehrfurcht vor dem Hause Habsburg aufgewachsen", noch in dem Erfurter Unions-Parlament von 1850 für dessen deutsche Stellung eintrat, um dasselbe dann aus Deutschland auszuschließen, später aber mit der neu gekräftigten österreichisch-ungarischen Monarchie ein mittel-europäisches VertheidigungS- Bündniß wie einen Pangermmufchen Doppelfelsblock in die Fluthen der romanischen und der flavischen Welt hineinzustellen."
— Die Ungeheuerlichkeit der Communallasten wird sehr drastisch illustrlrt durch folgenden Abschnitt aus dem neuesten Jahresberichte der Bochumer Handelskammer: „In wahrhaft abnormer Weise gestalten sich die Communal- steuer-Verhältnisse in der Stadt Wattenscheid. Es muffen dort 400 vCt. von der Elassenstener, 300 pCt. der Grund- und Gebäudesteuer, neben 200 pCt. Schul- und 100 pCt. Kircher stenir (im Ganzen also 1200 pCt.) kommunal' steuer aufgebracht werden. In diesem Orte muß ein kleiner Gewährsmann, der ein eigenes Haus besitzt, mehr als den vierten Theil seines Einkommens an Steuern zahlen. Bei solcher Belastung ist es nicht zu verwundern, daß sich in Wattenscheid im Etatsjahr 1877/78 bei einem Etat von 110000 je und einem Deficit von 35,000 die Steuerausfälle auf circa 25 000 jl, 1878/79 bei einem Etat von 144,000 ac. und einem Deficit von 126,000
auf über 36,000 JL belaufen haben. Pro 1879/80 ist der Etat mit 144,566 JL festgesetzt worden. — In Hattingen betragen die Communal- steuern 450 pCt. der Claffensteuer, sowie der halben Grund- und % der Gebäudesteuer. Die dortige 6400 Seelen betragende Einwohnerschaft hat eine Communalsteuerlast von 93,835 zu tragen, während sie noch im Jahre 1873 bei sehr reichem Verdienst der Bevölkerung in Folge der schwunghaften Entwickelung der Industrie mit 41,250 JL. ausreichte."
Kiel, 27. Octbr. Die bereits früher von uns besprochenen Versuche mit scharfgeladenen Fischtorpedos fanden endlich gestern statt. Der ursprünglich dazu erwartete Chef der Admiralität war am Kommen behindert; an seiner Stelle wohnte der Capitän Graf Schaack, Decernent für das Torpedowesen im Marineministerium, den Uebungen bei. DaS als Zielobjekt ausersehene ausgediente alte Kanonenboot lag, mit Hölzern und nut Fässern — um das Untergehen zu verhindern — stark belastet, inmitten der Wykcr Bucht, etwa 400m vom Ufer entfernt; die mit den beiden, für den Versuch bestimmten Torpedos armirle kleine Dampfbarcaffe setzte sich von Friedrichsort aus gegen das Fahrzeug in rasche Bewegung, stoppte auf 100 bis 120m Entfernung von demselben und lancirte nun erst den einen, dann den zweiten feiner, jungen Wallfischen ähnelnden Torpedos, jeder mit etwa 20kg Schießwolle geladen. Diese Fischtorpedos sind gar launige Dinger, die oftmals gegen alle Berechnung und aller auf ihre Erziehung und Ausbildung verwandten Sorg- ialt zum Trotz ihre eigenen Wege gehen, bald eine verkehrte Richtung einschlagen, bald sich eigensinnig in den Grund bohren; dieses Mal aber thaten sie ihre Schuldigkeit. Der erste Torpedo traf das Zielobjekt eben unter der Wasserlinie im Vorderende deS Schiffes, der zweite etwas tiefer ziemlich in der Mitte; die Detonationen waren nicht übermäßig stark; die Splitter des zerrissenen Gebälks aber flogen weit umher, bis zu etwa 50m hoben sich die Wassersäulen und das arme alte Kanonenboot war völlig zerspalten. Die wieder aufgefischten Torpedos sehen sich selbst natürlich nicht mehr ähnlich; es sind nur noch unförmliche Metallklumpen. (K. Z)
Hefterreich.
Wien, 28. October. Meldungen der „Polit. Corresp." AuS Konstantinopel : Morgen soT abermals eine Conferenz in der griechischen Grenzfrage stattfinden. Die Hoffnung auf eine directe Verständigung zwischen Griechen und Türken ist gering.— Aus Belgrad: Zwischen Ristic und dem Gesandten der Vereinigten Staaten von Nordamerika ist ein Handelsvertrag auf GrmH- läge des MeiftbegünftigungLrechts und eine Consular-Convention unterzeichnet. In Belgrad wird ein nordamerikanisches General-Consulat errichtet. — Die serbische Synode proclamirt die Unabhängigkeit der serbischen Kirche und beantragt die Ernennung des Metropoliten Mihailo zum Primas von Serbien.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Corresponderrr - Bureau.
München, 29. Octbr. Abgeordnetenkammer. Der Antrag v. Hafen- brädl auf Einführung der Lebensmitteltaxe wird verworfen, dagegen der Ab- änderungsantrag Ruppert's angenommen, wonach beim Bundesrathe eine Abänderung der Gewerbeordnung dahin zu beantragen ist, daß der Landesgesetzgebung der Bundesstaaten das Recht zustehe, die amtliche Tarifirung der unentbehrlichsten Lebensmittel einzuführen. Der Minister des Innern, v. Pfeuffer, bekämpft den Antrag, indem er bemerkt, derselbe habe wenig Aussichten auf Genehmigung des Bundesrathes, da nach den Mittheilungen aller Bundesregierungen n rgends Klagen über die Aufhebung der Lebensmittel« taxe» erfolgt seien.
— Der Reichsrath hat nach dreistündiger lebhafter Debatte den Gesetzentwurf wegen Erhöhung des Malzaufschlages in der Fassung der Äbgeord- netenkammer angenommen.
München, 29. Octbr. Die Abgeordnetenkammer nahm in ihrer Nachmittags-Sitzung den zustimmenden Beschluß des Reichsrathes, betr. den Malzausschlag, entgegen. Nächste Sitzung unbestimmt.
Nürnberg, 29. October. Der „Fränk. Kurier" meldet aus Erlangen : Die Baumwoll-Spinnerei — Inhaber Schwarz — hat fallirt mit l9/io Mill. Activa und 21/10 Mill. Passiva.
Berlin, 29. Octbr. Die außerordentliche Generalversammlung der Berlin-Anhalter Eisenbahn lehnte die Vorlesung der in den Händen der Actio- näre befindlichen Vorlagen ab und nahm mit 1044 von 1063 Stimmen den Antrag Kochhann an, welcher lautet: Die Generalversammlung lehnt die Regierungsofferte von 4 pCt. ab, ermächtigt jedoch die Bahnvorstände, mit der Regierung betreffs einer dem inneren Werthe der Bahn entsprechenden höheren Rente in Verhandlung zu treten und deren Resultat einer späteren Generalversammlung vorzulegen. Ferner wurde angenommen ein Antrag Rich- ter's, wonach die ®iieraloerfammlung die Vorstände der Bahn ersucht. Schritte zu schleuniger Amortisation der ersten 4proc. Prioritätsanleihe aus ihren disponiblen Restbeständen zu thun.
Wien, 29. Octbr. Meldungen der „Polit. Eorresp." AuS Konstantinopel : Die Pforte hat den Ersatz der albanischen Truppen an der griechischen Grenze durch astatische Truppen anbefohlen. — AuS Cettinje: Die Montenegriner sind bis Orchanitza vorgedrungen; Einwohner von Orchanitza und Pepic sind mit Unterwerfungs - Erklärungen im montenegrinischen Lager eingetroffen.
Berlin, 29. Octbr. Die Nationalliberalen und Freiconservativen beharren auf dem Ausschluß des Centrums von dem Präsidium des Abgeordnetenhauses und befürworten die Wahl von Bennigsen's zum Präsidenten, v. Köller's zum ersten und des Grafen Bethusy.Huc zum zweiten Vicepräsidenten. Die conservatioe Fraction beschloß, v. Köller als Präsidenten, v. Benda als ersten und v. Heeremann als zweiten Vicepräsidenten vorzuschlazen.
— Das Herrenhaus verwies nach Vereidigung mehrerer Mitglieder den Gesetzentwurf über die Verhältnisse der Dienstboten und andere kleinere Vorlagen an die Betr- Fachcommissionen und nahm einige Commissionswahlen vor. — Nächste Sitzung unb.stimmt.
Stuttgart, 29. Octbr. Der gewesene Reichs-Oberhandelsgerichts- rath, früher Mitglied des Reichstages, Robert Römer, ist gestern nach längerer Krankheit gestorben.
Pefth, 29. Octbr., Abends. Das Unterhaus nahm die Vorlage über das ungarische Staatsbürgerverhältniß an. — Kautz meldete folgende Interpellation an: welche Stellung die Regierung gegenüber der durch die Annäherung Oesterreich-Ungarns und Deutschlands eingetretenen Lage einnehme;


