glücklich verhütet wurde, große Befürchtungen laut werden, weßhalb denn auch die gejammte Feuerwehr mit einer Dampfspritze zur Stelle eilte. Das brennende Gebäude ist ein langgestrecktes, aus Fachwerk erbautes Haus an der Schöneberger Straße. Es wurden in demselben durch Röhren mit großen Krahne« die Wagen der Potsdamer und Anhalter Bahn mit Gas gespeist;
aus diesem Reservoir schossen um die angegebene Zett plötzlich drei gewaltige Feuersäuleu von je ein bis zwei Fuß Durchmesser gen Himmel und veranlaßten gleich darauf den Einsturz des Gebäudes. Wohl zehn Minuten lang dauerte der Verbrennungs-Proceß des vorhandenen Gases, welches eine so colossale Gluth verbreitete, daß die Feuerwehr verhindert wurde, in die Nähe zu gehen. Erst als die Gewißheit vorhanden war, daß alles Gas ausgebrannt war, konnte an das Löschen der Trümmer gedacht werden, eine Arbeit, welche immerhin noch eine Stunde in Anspruch nahm. Die Dampsspritze wurde aus dem Krahnen aus dem Bahnhose selbst gespeist. Eine ungeheure Menschenmenge eilte auf das Gerückt, daß die Dresdener Bahn brenne, zur Brandstätte, wurde aber durch die zahlreiche Schutzmannschaft in gebührender Entfernung gehalten.
England.
London, 28. Juli, Abends. Der Telegraphen-Congreß beendete heute Nachmittag seine Arbeiten und unterzeichnete die Convention, welche zum April 1880 in Kraft tritt.
London, 27. Juli. Das kriegsrechtliche Urtheil über Lieutenant Carey, der sich in Begleitung des Prinzen Napoleon bei dessen letztem Recognosci- rungsritt befand, wird streng geheim gehalten. Man glaubt allgemein, M es auf Tod lautete, daß es aber nimmer vollstreckt werden wird.
— Wie die „United Service Gazette" vernimmt, hat die Kaiserin Eu- gente brieflich die dringende Bitte an die Königin gerichtet, keine Strafe über Lieutenant Carey zu verhängen.
Telegraphische Depeschen.
«aguer's telegr. UOrrefp-ubeur-Bure««.
Gastein, 29. Juli. Der deutsche Kaiser erfreut sich des besten Wohlseins und nimmt regelmäßig die Vorträge des Militär- und Civil-Cabinets, sowie des Geh. Leqattonsrathes v. Bülow entgegen. Die Bäder, Promenaden und Ausfabrten setzt Se. Majestät regelmäßig fort. Wegen des Ablebens des Herzogs Wilhelm von Mecklenburg-Schwerin sind heute keine Einladungen zur Tafel ergangen.
London, 29. Juli, früh. Unterhaus. Auf Befragen Cowen's erklärt Unterstaatssecretär Bourke: Die Regierung wisse, daß wegen politischer Ver- gehen zahlreiche Verhaftungen und Deportationen in Rußland vorgenommen seien; die Bestimmung der Verhafteten sei ihr aber unbekannt. Die nach Saghalin Deporttrten seien keine politischen Gefangenen. Der Transport nach Saghalin fand in einem für diesen Zweck speciell gebauten Schtffsfahr- zeuge start. Uebrigens habe die englische Regierung nicht die Gewohnheit, in solchen Fällen einer fremden Regierung Vorstellungen zu machen, noch weniger aber habe sie Grund zu glauben, daß solche Vorstellungen irgendwie ersprießliche praktische Folgen haben könnten.
Rom, 29. Juli. Die Polizei confiscirte in einer hiesigen Druckerei viele Abdrücke eines repulikanischen Programms, das zur Theilnahme an einer demnächsttgen Bewegung auffordert. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen.
Bukarest, 29. Juli. „Presza" fordert die Israeliten auf, ihre Jn- dignatsgesuche sofort an die Kammern zu richten. Die Kammer werde unzwei- haft unmittelbar nach erfolgter Aushebung des Artikels 7 der Verfassung die Gesuche vrüfen und dadurck Europa die Loyalität ihrer Absichten und den ernsten Charakter ihrer Beschlüsse beweisen.
Wien, 29. Juli. Die „Polit. Corresp." meldet aus Belgrad: Die europäische Commission zur Bestimmung der Grenzlinien zwischen Serbien und der Türkei beendete ihre Arbeiten. Als geeignete Verteidigungslinie gegen die Einfälle der Arnauten wurden Serbien 12 Dörfer zwischen Vranja und Kurschumlje zugesprochen. Die Commission verbleibt in Belgrad bis zur Ratification.
Rom, 29. Juli. Die „Agencia Stefani" will wissen, der frühere päpstliche Nuntius in Brasilien, Roncetti, sei an Statt Masella's zum Nuntius in München ernannt.
Petersburg, 29. Juli. Der Miffethäter, welcher am 25. März aus General Drentelen schoß, ist festgenommen. Es ist derselbe, welcher unter dem Namen Pletnef in Taganrog auf Gensd'armen und Polizei schoß, als man ihn wegen eines anderen Verdachtes verhaften wollte.
Versailles, 29. Juli. Die Deputirtenkammer hat den Vorschlag, welcher die Niederlegung der Tuilerien beantragt, angenommen.
Wien, 30. Juli. Gegenüber der gestrigen Mittheilung der „Neuen Freien Presse" constatirm „Presse" und „Fremdenblatt" auf Grund amtlicher zuverlässiger Informationen, daß nicht Ein österreichischer Soldat die Grenze des Sandschaks Novibazars überschritten habe, auch nicht als Bedeckung für die Enquete-Commission, welche noch in Serajewo weilt.
Privat-Depesche des Gießener Anzeigers.
Berlin, 30. Juli. Auf dem Artillerie-Schiff „Renown" in Wilhelms- Hafen ist ein 24 Centimeftr-Geschütz gesprungen. 3 Todte, 3 Schwerverwundete und 11 Leichtverwundete sind bei dem Unglücke zu verzeichnen.
Bericht über den siebzehnten Uerbandstag des Hessischen Anter- verbands der deutschen Erwerbs- und Wirthschafts-Genossenschasten zu Fulda am 19. und 20. Juni 1879.
(Fortsetzung.)
In Hersfeld ist die Lage günstiger; auch hier haben 50pCt. der Geschäftsantbcile und der größte Theil des Reservefonds abgeschrieben werden müssen, die Krisis kann aber als überwunden angesehen werden, da jetzt nach Consolidation der Verhältnisse das geschwundene Vertrauen in erfreulichem Maße zurückkehrt.
Man hat versucht, hier wie anderwärts aus den ungünstigen Vorkommnissen bei den einzelnen Vereinen gegen die Vorschußvereine im Allgemeinen zu agitiren und bei der in gewissen Kreisen herrschenden rückläufigen Strömung aus Schäden, welche
einzelne Vereine betroffen, gegen die Gesammtheit Capital zu schlagen. ES ist dies um so ungerechtfertigter, al? alle Vereine, die sich innerhalb der Grenzen gehalten, welche ihnen durch die Vorschristen des Anwalts und die auf allen Vereinstagen ausgesprochenen Principien gesteckt sind, von größeren Verlusten verschont geblieben und sich nach wie vor eines guten Rufes und des Vertrauens des Publikums erfreuen
Während des abgelaufenen Jahres ist der Stand der 20 dem Unterverband angehörenden Vereine unverändert geblieben. Wünschenswerth erscheint der Beitritt der in dem Bezirk des Unterverbands befindlichen Vereine, welche dem Verbände nicht angehören, bis jetzt sind aber die bezüglichen Aufforderungen ohne Erfolg geblieben.
Was die statistischen Ergebnisse betrifft, so kann auf die Berichte ver 17 Vereine hingewiesen werden, welche solchen eingesandt haben. Diese 17 Vereine zählen 14,410 Mitglieder und ergiebt sich eine Abnahme von 54 Mitgliedern gegen das Vorjahr. Zunahme an Mitgliedern haben erfahren: Cassel (59), Dodenau (20), Fulda (43), Gießen (38), Lichtenau (9), Marburg (5),. Dagegen eine Abnahme. Allen- dorf (28), Friedberg (10), Grünberg (6), Hersfeld (238), Hünfeld (2), Melsungen (8).
Der Gesammtkassenumsatz beträgt 65 Millionen Mark (12 Mill, weniger), Die gewährten Vorschüsse 25 Millionen Mark (5 Mill, weniger wie in 1877). Das eigene Vermögen beträgt 3,187,000 at, das fremde Capital 8,387,000 JL. Ersteres hat eine Vermehrung von 12,000 jl, letzteres eine Verminderung von 1,181,000 JL erfahren. Das gesammte Bettiebscapital zu 100 angenommen, so betragen der Reservefonds 3,37 pCt., die Geschäftsanteile 24,23 pCt-, die fremden Gelder 72,40 pCt. Es stehen demnach 100 JC. fremden Capitals 38 JL eigenes Vermögen gegenüber. Dieser Satz könnte befriedigen, wenn nicht das Uebergewicht des Creditvereins in Cassel wesentlich dieses günstige Verhältniß herbeiführte; scheidet man diesen aus, so steht das Verhältmß der fremden Gelder zu dem eigenen Vermögen wie 100: 17,20.
Der Verbandsdirector knüpfte hieran die Mahnung, fortwährend auf die Vermehrung des eigenen Vermögens bedacht zu sein, da den Vereinen sonst die nöthige Stütze zu einer gedeihlichen Entwickelung fehle.
Die Emnahmen an Zinsen und Provisionen betragen 747,000 JL, die Ausgaben an Zinsen an die Vereinsgläubiger 373,000 JL und die Verwaltungskosten 101,000 JL. Einem Reingewinn von 255,000 JL stehen die Verluste von Mendorf und Hersfeld mit 235,000 Jt gegenüber. Mit Ausnahme dieser letzteren, zahlten die übrigen Vereine annähernd dieselbe Dividende wie im Vorjahre.
Ein Verein des Verbands, Wies eck, hat sich noch nicht dem Genossenschaftsgesetz unterworfen, angeblich weil ja auch ohne dieses Alles seinen Gang gehe. Es wurde aber an alle Vereine die Mahnung gerichtet, an den bewährten allgemeinen gegebenen Vorschriften und Principien festzuhalten, resp. sich dieselben zur Richtschnur zu nehmen.
Es erfolgt zu pos. 3 der Tagesordnung „Rechnungsablage", Uebergabe der Jahresrechnung durch den Verbandsdirector.
Die Einnahme betrug:
1) Uebertrag aus voriger Rechnung . . JL 422. 51.
2) Rückstände von 3 Vereinen pro 1877 „ 38. 71.
3) Beiträge von 18 Vereinen .... „ 401. 04.
(rückständig sind Alsfeld und Großalmerode). __
JL 862. 26.
Die Ausgabe betrug:
1) Für Diäten und Reisekosten . ... JC 204. 30.
2) Für Drucksachen . ...... 94 33.
3) Für Porto rc „ 25. 22.
JL 323. 8c>.
wonach ein Ueberschuß von JL 538-41 verbleibt, mit welchem die Druckkosten des diesjährigen Berichts, sowie die Reisekosten der Deputaten nach Stuttgart rc. zu bestreiten sind.
Zu Revisoren der Rechnung wurden die Herren Reuß-Fulda und Rudolph- Hersfeld gewählt; nach stattgehabter Prüfung durch dieselben wurde die beantragte Decharge von der Versammlung einstimmig ertheilt.
Der Verbandsdirector sucht ferner nach und erhält einstimmig ertheilt Vollmacht, um über eine streitige Angelegenheit mit dem Verein Hünfeld, welcher aus früheren Jahren noch Beiträge zur Verbandskasse schuldet, auf privatem Wege nach bestem Ermessen ein Arrangement zu treffen.
Zu Punkt 4 der Tagesordnung, „Berichte aus den einzelnen Vereinen", berichtet Grünewald-Alsfeld, nicht als Dclegirter, sondern nur als Mitglied des Vereins, über die unangenehmen Zwischenfälle im dortigen Verein, deren Detaillirung iudeß, wie Redner bemerkt, zu weit gehen würde; der Anfang derselben datirt von der Generalversammlung im December 1878 durch einen streitigen Punkt über Ersah von Geschäftskosten, nachdem eine desfallsige Bestimmung in 1873 weggefallen war. Redner versichert, daß alle Gerüchte, welche der Ehrenhaftigkeit des Vorstandes zu nahe treten, grundlos seien und der Verein nach der Fällung für den Vorstand günstiger Proceß- urtheile, woran nicht zu zweifeln, aus dem gehässigen Parteigetriebe vollständig intact hervorgehen werde. Durch einen Revisor von auswärts erfolgt die Prüfung der Bücher; der Redner fragt aber an, ob es zulässig, daß Bücher, die oft gebraucht werden, monatelang aus dem Hause geschafft und dem Vorstand, welcher sich noch im Amt befindet, entzogen werden dürften?
Der Verbandsdirector referirt zur Sache selbst, daß Alsfeld sein Ausbleiben von dem heutigen Verbandstage dadurch motivirt habe, daß ein Theil der Aufsichtsrathsmitglieder durch die in dem Verein stattfindende Revision, welche wohl zu einer Reorganisation des Vereins, resp. der Statuten führen werde, sehr in Anspruch genommen fei. Er giebt seiner Ueberzeugung, daß an der Ehrenhaftigkeit des Vorstandes nicht zu zweifeln sei, Ausdruck. Ein Urtheil in der Sache selbst könne der Verbandstag nicht aussprechen, da ihm hierzu jedes Material fehle. Der Vertreter der Anwaltschaft hält die Wegschaffung von Büchern aus dem Vereinslocale, da diese jeden Tag gebraucht würden, für unstatthaft. (Fortsetzung folgt.)
Lokales.
Gießen, 30. Juli. Die Festtage des Akademischen Gesangvereins sind vorüber und erübrigt cs nur noch, einige Rückblicke auf die beiden Concerte zu werfen Wenn wir in unserer SonntagS-Rummer sagten, daß das Oratorium „Paulus" zur größten Zufriedenheit ausgefallen sei, so fanden diese Worte allseitige Bestätigung. Wir sind nicht Musikverständiger genug, um eine eingehende Kritik über die Concerte zu geben (eine der Redaction zugesagte Besprechung ist leider bis heute noch nicht eingetroffen) und so begnügen wir uns damit, den allgemeinen Eindruck zu verzeichnen, den das Gebotene auf die Zuhörer gemacht bat. Dieser Eindruck ist so günstig, wie nur zu wünschen war; cs herrschte auch über daS „Künstlerconcert" am verflossenen Samstag nur ein Urtheil, und zwar Dasjenige, daß lange nicht cm so vorzügliches Künstlerpersonal sich zusammengefunden hatte, welches den Zuhörern einen so reinen und seltenen Genuß bot. Namentlich waren cs Frl. Kufferath und Herr Hill, welche das Publikum wahrhaft binrissen — Herr Achenbach soll unwohl und nicht recht zum Singen disponirt gewesen sein, trok- dem waren seine Vorträge vorzüglich zu nennen — während das Quintett, besetzt durch die Herren Lux aus Mainz (Klavier), Universitäts - Musikdirektor Wolff aus Marburg (Violine), Rode aus Frankfurt (Viola), Robe aus Homburg (Violoncell) und Backhaus aus Homburg (Kontrabaß) u. Ä. in den Variationen über das Lied: „Die Forelle" von Fr. Schubert sich selbst übertraf. — Leider konnte das vorgesehene Bankett am Samstag Abend nicht so gefeiert werden, wie es ursprünglich vom Vorstande des Akademischen Gesangvereins geplant war. Es wirkten verschiedene Ursachen, worunter die Nubier auch ihr Theil hatten, mit. Ein flotter Tanz endete die beiden Tage, welche mit goldenen Buchstaben in den Annalen des Akademischen Gesangvereins zu verzeichnen sind.
— In der Woche vom 20. bis 26. Juli starben in hiesiger Stadt 6 Personen, darunter 2 kleine Kinder an Bronchienentzündung. Die übrigen 4 Todesfälle wurden herbeigeführt durch Lungenschwindsucht, Schlagfluß, organische Herzkrankheit und Altersschwäche. G.
Gießen, 30. Juli. Kaum haben uns die Nubier verlaffcn, so beglückt Herr Wenzel die der Unterhaltung Bedürftigen mit wieder etwas Neuem Für diesmal ist fS ihm gelungen (mit oder ohne Garantie?), den „Doblenkönig" Tri ebn er zu einer d-mnachstigen Produktion in Gießen zu bestimmen. Der „Dohlenkönig" ist im Besitze von einer großen Zahl Dohlen, welche er in Freiheit setzt und die dann dem Commando ihres Gebieters mit derselben Gehor- samkeitsliebe folgen, mit welcher der Hund seinem Herrn folgt. Ferner werden von Herrn Trieb n er 300 indische und afrikanische Kakerlaken (Nagethiere) gezeigt, welche sich in unvergleichlichen Leistungen auf gespanntem Seil, Leitern und sonstigen Kletterübungen producircn.
— Beim Holzsammeln im Walde am alten Steinbacher Weg sah eine Frau heute Morgen einen Mann an einem Baume hängen, liebet die Person des Selbstmörders konnten wir Verläßliches bis jetzt noch nicht erfahren.


