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Donnerstag den 31. Juli 1S79*
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AMgk- uni Amtsblatt für Ära Kreis Glkßra.
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Nr. 28 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 26. d. M., enthält:
tNr 13221 Gesetz, betreffend Die Steuerfreiheit des Branntweins zu gewerblichen Zwecken. Vom 19. Juli 1879.
tNr' 1323 ) Ge etz, betreffend die Statistik des Waarenverkehrs des Deutschen Zollgebiets mit dem AuSlande. Vom 20. Juli 1879.
?Nr' 1324) Bekanntmachung, betreffend die Abänderung der Instruction über die Zusammensetzung rc. der Sachverständigenvereine. Vom 16.Julr 1879.
Gießen, den 29. Juli 1879. Großhcrzogliches Kreisamt Gießen.
vr. B o e k m a n n.__ __
politisch
Politische Ueberskcht.
Die Nachrichten über das Befinden des Kaisers lauten sehr befriedigend, was um so mehr zu schätzen ist, als seine Reise nach Gastein sowohl durch die Sommerhitze und die Terrainschwterigkeiten, als durch allerlei Empfangsfeierlichkeiten sich zu einer kleinen Strapaze gestaltet hat. Im Wildbad bezeichnet natürlich das Eintreffen Er. Majestät den Höhepunkt der Saison, an welchem ein Zusammentreffen der höchsten Besucherzahl und allerlei durchreisender berühmter Männer zu bemerken ist. Eine Steigerung dieses mtereffanten Badelebens dürste trotzdem noch bei der in Kürze bevorstehenden Ankunft des Kaisers Franz Joseph in Gastein zu erwarten sein. Dann befestigen wenigstens zwei Glieder den etwas in's Schwanken gerathenen Drei- Kaiser-Bund.
Ein osficiöses Dementi hat in Abrede gestellt, daß der päpstliche Nuntius in München, Masella, In Kissingen cintreffen werde. In Bezug auf den Fortgang der Frtedensverhandlungen mit dem Vatikan hat das wenig zu besagen, da sie zur Zeit eifrig in Rom betrieben werden. Die Kautschuk-Dementis der „Nordd. Allg. Ztg." erfreuen sich keines besonderen Rufes. Nun, wenn Masella nicht berufen ist, den Frtedensschluß perfekt zu machen, so wird wohl auf der Saline zu Ktsstngen bald ein anderer römischer Delegat, vielleicht gar der Cardinal Hergenröther, etntreffen, natürlich nur, um die Kur zu gebrauchen.
Im Vatikan scheint man um so mehr geneigt, mit Deutschland Frieden zu machen, als sich die Lage in Frankreich unersprießlicher gestattet. Das energiscke Auftreten Gambetta's läßt erkennen, daß man sich in der Kammer eine etwa vom Senat zu beschließende Vertagung der Feny'schen Unterrichtsgesetz-Vorlage nicht gefallen taffen würde, sondern zur Entscheidung schreiten well. Hierzu tritt, daß der nicht gut päpstliche Bonapartismus zur Zeit durch den Prinzen Plon-Plon, an dessen antivatikanischer Gesinnung kein Zweifel ist, für die Zwecke der Kirche bedeutungslos geworden ist.
In England herrscht trunkene Siegesfreude, wenn auch der große Steg von Ulundi nur über Kaffern erfochten ist. Die englischen Lorbeeren waren merklich verwelkt, und so begrüßt man die kleine Auffrischung wie ein großes Ereigniß. Wenn man freilich an den deutsch, französischen Krieg mit seinen Riesen-Erfolgen zurückdenkt, so muß man lächeln, daß das Verbrennen eines Kraals und 53 Verwundete, denen ein paar Hundert tobte Kaffern gegen- übergcstellt wurden, ein so enormes Aufsehen im stolzen Albion macht. Für die englische „Freiheit" ist es bezeichnend, daß man die Prügelstrafe für die Armee, die neunschwänzige Katze, beibehalten hat.
Die Zett der politischen Ruhe zeichnet sich durch bedeutende Operationen auf dem europäischen Geldmärkte aus. England ist dabei etwas zurückhaltend, weil dort wieder einmal eine bedeutende Zahlungseinstellung der andern folgt. In Nordamerika herrscht eine große Zuversicht ob der voraussichtlich guten Ernte, so daß man schon die vielen Millionen berechnet, welche Europa für Getreide zahlen wird. Die Speculation an allen großen Börsen ist eine äußerst zuversichtliche; besonders an den westlichen Plätzen, welche Berlin und Wien in's Schlepptau nehmen. Die Einführung der russischen Orientanleihen ist in Parts und London gelungen. Fällt aber dte russische Ernte weniger glänzend aus, als man erwartet, so wird ein Rück- schlag nicht ausbletben. Rußlands Finanzen haben sich seit Jahressrist nicht gebeffert und dte großen Cursschwankungen der Anleihen sind nicht geeignet, das Vertrauen zu stärken. In Ungarn hat der Finanzminister das Geld erhalten, um die dreihundert Millionen Schatzanweisungen von 1873 und 1874 ewzulösen, aber es haben deshalb zweihundert Millionen ungarische Goldrente verkauft werden müssen, um welche sich die Schulden Ungarns erhöhen. Die finanzirenden Goldmächte, die Rothschtld's, haben dabet ein schönes Geschäft gemacht; da« Prtvatkapttal aber mag für dte Zukunft etwas vorsichtig fein.
Im Orient zerfällt die orientalische Frage zur Zett in eine ganze An- zahl kleiner Fragen. Tunis, Egypten, Rumänien, Albanien, Ost- rumelien — jedes Land hat seine eigene Frage uiib die Diplomatie wird nach den Ferien wieder alle Hände voll zu thun. haben.
Deutschland.
Ntainz, 26. Juli. Dte Stadtverordneten haben nun förmlich beschlossen, gegen die hessische Ludwtgsbahn-Gesellschast wegen Nichterfüllung der dte Umführung der Bahn betr. Verträge den Weg Rechtens zu beschretten, um dieselbe zur Erfüllung dieser Verträge und Schadenersatz zu zwingen. Der betreffende, diesem Beschluß zu Grunde ltegende Bericht der jurtstischen Com-
er Hheil.
Mission der Stadtverordneten und ihres Referenten, eines unserer ersten und charssinnigsten Juristen, gibt ein unerquickliches Bild über die Art und Werse, wie die Bahnverwallung die Verzögerung der Ausführung jener Verträge seit zwei Jahren zu beschönigen und die Verständigung von Dem Wege gütlicher Übereinkunft abzudrängen wußte, um die schon In dieser Richtung ^gefaßten Beschlüsse der Stadtverordneten möglichst unwirksam zu machen. Fast der ganze Bauplan der Neustadt-Anlage wurde im Einverständniß mit der Bahn nach dem Umführungsprojecie umgestaltct, und schwere Verluste sind bereits die Folge der verschobenen Aussührung des letzteren. Der ganze Ernst der Lage wlrd für weitere Kreise durch die Thatsache klar, daß die Ludwigsbahn nach jenen Verträgen unter Anderem auch verpflichtet ist, das Bahnterrain, auf welchem gegenwärtig die Schienenverbindung zwischen ihren südlichen (Worms, Darmstadt-Aschaffenburg re) und den nördlichen und westlichen Linien (Köln, Alzey ic.) liegt, Ende Mat 1883 an die Stadt zu übergeben, letztere also die rechtlichen Mittel in der Hand hat, diese Berbtndung von jenem Zeitpunkt ab aufzuheben.
Berlin, 27. Juli Von den Mitgliedern des Centrums hat sich zunächst Herr Moufang aus Mainz seinen Wählern gegenüber zur „Berichtigung und Abwehr" ermannt. Dte Rechtfertigung des Herrn Domcapitulars knüpft mit anerkennenswerthem Muihe an die Worte im Aufruf der Centrumsfraction vom Juni 1878 an: „Wir (das Centrum) wollen nicht die Vermehrung der Steuern und Lasten, vielmehr nach Möglichkeit deren Verminderung." Ueber den zweiten Tbeil dieses Programms beobachtet die Moufang'sche Abwehr ein geziemendes Schweigen; die Vermehrung der Lasten wird den National- Liberalen zur Last gelegt und für das Centrum das Verdienst in Anspruch genommen, für die Deckung dieser von den National-Ltberalen verursachten Laste» auf die beste Art gesorgt zu haben. „Besser wäre es sreillch gewesen, weder Steuer noch Zoll. Aber eins von beiden mußte gegeben werden, und da zahlt sich die indirecte Abgabe des Zolles viel leichter; denn die directe Steuer muß in bestimmten größeren Beträgen, zu festgesetzten Terminen, unter ter Androhung von Auspfändung ic- entrichtet werden, während man den Zoll meistens 1) zu beliebiger Zeit, 2) in kleinen Beträgen und 3) wenn man bei Mitteln ist. zu bezahlen hat. . . - Was will es nun neben diesen finanziellen und wirthsch östlichen Vortheilen bedeuten, wenn ein Pfund Kaffee um 2'/, H und ein Schoppen Petroleum um 3 H vertheuert wird." So Herr Moufang, der sich, wie man sieht, die Abwehr sehr bequem macht. Etwas auf- richtiger meint er gegen Schluß seiner langen Erklärung: „Wir wollen ja nicht den großpreußischen Einheitsstaat, sondern wollen den föderativen Charakter der Relchsverfassung gewahrt wissen, und das bezweckt der v. Francken- steln'sche Antrag In § 8 des Gesetzes. Wir wollen, daß die Centrumsfraction, anstatt als Minorität nur zu protestiren und zu negiren, wirklichen Einfluß gewinne, und das ist nach 8 Jahren zum ersten Male erreicht worden. Wir wollen die Herrschaft der liberalen Mehrheit mit ihren Zwangsgesetzen ge- brocken sehen, und das hat sich vollzogen. Wir wollen, daß der Culturkarnpf endlich aushöre, und wir sind wenigstens d-r Erfüllung dieser Hoffnung etwas näher gekommen." Und weil die Nichtannahme des Tarifs und der Finanzzölle Seitens des Centrums es ermöglicht hätte, daß die national-liberale Partei noch länger am Ruder geblieben, habe das Centrum eben dafür gestimmt. Herr Moufang hätte als kluger Mann sich auf den letzten Theil seiner Berichtigung und Abwehr beschränken sollen.
— Nach der nunmehr erfolgten rechtskräftigen Verurtheilung des Contre- Admirals Bätsch (zu 6 Monaten Festungshaft, Capltän - Lieutenant Clausa erhielt 4 Wochen Festungshaft) kann von dessen Beförderung in die Stelle des kürzlich verabschiedeten Directors der Admiralität v. Henk nicht mehr die Rede fein, zumal Bätsch den actlven Seedienst wird verlassen müssen. Auch noch eine andere Verabschiedung eines höheren See-Officiers wird nicht aus- bleiben, wogegen der Ches der Admiralität v. Stosch im Amte verbleiben wird. Ob nicht dessenungeachtet das jetzige Regime als solches wird wechseln müssen, ist allerdings eine andere Frage. Uebrlgens wird die Angelegenheit Im nächsten Reichstage wiederum zur Sprache und hoffentlich auck zu gründ- licher Erörterung gelangen, da jetzt doch ein Abschluß der Angelegenheit vor- ltegt, an welchen die Besprechung derselben angeknüpft werden kann.
Berlin, 28. Juli. Die Gasanstalt der Dresdener Bahn gerieth gestern Abend um 8'/3 Uhr auf bisher noch unerklärliche Weise ln| Brand und wurde vollständig In Asche gelegt. Wenngleich der Schaden ein verhält- nißrnäßlg geringer ist, so ließ doch die Nähe mit werthvollen Gütern gefüllter Schuppen und das unmittelbare Daranstoßen de» Gaskeffels, dessen Explosion


