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zu suchen. Es sind, wie sich nunmehr durch Aussage seines hinierlaflenen zwölfjährigen Knaben herausstellt, oft Tage vergangen, ohne daß er sich den Hunger stillen konnte." Wie der conservatioeSächs. DolkSfreund" hört, sind den Regierungsbehörden bereits Mittheilungen über die traurigen Ver­hältnisse der Weber in Mülsen gemacht worden.Es steht gewiß zu erwar­tens meint das genannte Blatt,wenn wirklich ein Nothstand constattrt wer- den sollte, daß dann die werkthätige Liebe sich der Armen annehmen wird." DieF. Z-" meint mit Recht, daß es nach dem oben Mitgethetlten einer besonderen Constatirung des Nothstandes nicht mehr bedürfen sollte und daß anstatt des Anrufs derWerktätigen Liebe", dem Staate die Pflicht schleuni­ger und ausgiebiger Hülfe dringend nahe zu legen wäre. Die Prioatwohl- thättgkeit werde wohl daneben noch Raum genug behalten.

Hesterreich.

Wien, 26. November. Meldungen derPolit. Corresp." Die von einem Blatte gebrachten Daten über das Heeres-Budget für 1880 beruhen auf Erfindung und weichen wesentlich von dem vorzulegenden Budget ab. AuS Konstantinopel: Mukhtar Pascha erhielt Befehl, mit 20 Bataillonen nach Gustnje zu marschiren und die Uebergabe dieses Platzes an Montenegro gegenüber den widerspenstigen Arnauten zu bewerkstelligen.

Dänemark.

Kopenhagen, 26. Novbr.Dagbladet" schreibt anläßlich des Be­suches des Königs in Berlin: Unsere bisherige reservirte Haltung war der Ausdruck berechtigter Gefühle. Es sei jedoch ein Mißverständniß, wenn Deutschland glaube, es prägten sich darin feindselige Hintergedanken aus. In Dänemark herrsche nur Eine Meinung vor von der Nothwendigkett und Bedeutung freundschaftlicher Beziehungen zu Deutschland.Unsere Wünsche für gute Beziehungen sind aufrichtig." Für Deutschland werde der Besuch ein Beweis sein, daß wir die Beziehungen zu Deutschland wie diejenigen zu den anderen großen europäischen Mächten betrachten.Faedrelandet" äußert sich in ähnlicher Weise.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Correspondenz - Bureau.

Frankfurt a. M., 27. Novbr. Der König und die Königin von Dänemark sind heute Abend via Kassel nach Berlin abgereist.

Berlin, 27. Novbr. Die Gräfin Rantzau, Tochter des Fürsten Bis­marck, ist vorige Nacht von einem Knaben entbunden worden.

Bukarest, 27. Novbr. Die ordentliche Session der Kammer wurde ! heute durch eine fürstliche Botschaft eröffnet. Die Kammer wählte Rosetti wieder zum Präsidenten.

Wien, 27. Novbr. Nachrichten aus Sofia zufolge hat der Fürst von Bulgarien die Demission des Cabinets angenommen.

Wien, 27. Novbr. Meldungen derPolit. Corresp." Aus Sofia. Der Fürst verweigerte vorerst, die Adreffe der Skupschtina aus die Thronrede entgegenzunehmen, welche ein eclatantes Mißtrauensvotum gegen das Mini­sterium mit Einschluß des Kriegsmtnisters enthält. Nichtsdestoweniger wurde Kara« waloff Seitens des Fürsten berufen, damit er die Bildung eines aus Conservativen und Liberalen bestehenden Ministeriums übernehme. Aus Cettinje. Der Senatspräsident Petrovich hat sich nach Andrtjevica begeben, um von dem mit 15 Bataillonen Nizams in Plava und Gustnje einrückenden Achmed Mukhtar Pascha die genannten beiden Distrtcte zu übernehmen.

Berlin, 27. Novbr. Die Schanksteuer-Commission des Abgeordneten­hauses nahm zu § 1 der Vorlage mit 12 gegen 9 Stimmen den Antrag an, daß die Steuer lediglich auf den Ausschank von Branntwein beschränkt werde. Der so amendtrte Paragraph wurde jedoch schließlich abgelehnt, so baß augen­blicklich eine Lücke vorhanden ist, die nur bei der zweiten Lesung in der Com­mission oder bei der Plenarberatbung beseitigt werden kann.

Paris, 27. November. Dem JournalFigaro" zufolge sprach Prinz Jerome Napoleon bet einem jüngst dem Cardinal Bonnechose abgestatteten Besuche den Entschluß aus, Briefe zu veröffentlichen, worin er sich gegen Artikel 7 des Ferry'schen Gesetzentwurfes, betr. den höheren Unterricht, aus­sprechen rcerde.

Stuttgart, 27. Novbr. Fürst Gortschakoff hat nach zweitägigem Aufentbalte heute Mittag 12 Uhr seine Reise fortgesetzt.

Berlin, 27. November. Der Kronprinz traf heute Mittag 12i/2 Uhr hier ein; am Bahnhofe waren zum Empfange Prinz Wilhelm und der Erb­prinz und die Erbprinzeistn von Meiningen anwesend. Prinz und Prinzessin Friedrich Carl begehen ihre silberne Hochzeitsfeier nicht in Glienicke, sondern im hiesigen königl. Schlöffe, wo Vormittags die Glückwünsche der Mitglieder des königl. Hauses entgegengenommen werden und Nachmittags ein Diner stattfindet.

In der gestrigen Abendsitzung der Eisenbahn-Commission des Abge­ordnetenhauses, in welcher lediglich die finanziellen Punkte der Garantie dts- cutirt würben, waren die Minister Maybach und Bitter anwesend. Dieselben sprachen ihre Uebereinsttmmung mit den (bereits bekannten) Anträgen aus und erklärten, daß sie zwar nur ihre persönliche Ansicht ausdrückten, sich aber be- mühen würden, einen bezüglichen Beschluß des Ministeriums zu extrahiren und möglichst bald einen diesbezüglichen Gesetzentwurf vorzulegen.

Madrid, 27. Novbr. Der Hauptanführer der Aufständischen in Kuba, Chimencs, hat mit allen seinen Anhängern die Waffen niedergelegt und sich den Behörden gestellt. Man nimmt hier allgemein an, daß die gegenwärtige aufständische Bewegung in Kuba überhaupt sehr wenig Aussicht auf Erfolg haben dürfte.

Berlin, 27. November. Dem Bundesrathe ging beute ein Gesetzent­wurf für Elsaß-Lothringen, betr. die Aufnahme einer 4i/2proc. Anleihe, bis in Höhe von 24,380,000 JL zu. Hiervon sollen 3,200,000 JL zur Regullrung der Wasserläufe, 5,380,000 JL zu Canal- und Schutzbauten gegen Ueber- i nmungen des Rheins, 10,000,000 zu Eisenbahn-Subventionen, 4,000 000 für den Ausbau der Vtctnalwege und je eine halbe Million zur Erweiterung des Betriebs der Tabaksmanusactur und für Tramways verwendet werden. Die Controle führt eine besondere Landesschulden'Commission, welche jährlich an den elsaß-lo-hringischen Landes-Ausschuß berichtet.

Paris, 27. Novbr., Abends. Nachlichten aus Cannes zufolge hätte die Kaiserin von Rußland die Reise nach Florenz ausgezeben. Präsident I

Grevy unterzeichnete ein Decret, welches das Tadelsvotum des GmeralrathS der Seine gegen den Prolizeipräfekten Andrieux annullirt.

In der Nähe des ^Sitzungszebändes der Kammer sah man heute eine große Menge Neugieriger, welche indeffen vallstänvtge Ruhe beobachtete.

Cettinje, 27. Novbr. Nach heute eingetroffrnen Nachrichten wurde Mukhtar Pascha von Albanesen in Gustnje getödret.

Lokales.

Gießen, 28. November. In Nr. 277 dieses Blattes wird mit eindringlichen Worten der Zustand des Herbergswesens in unserer Stadt geschildert. Nehmen wir hinzu, daß in einer der letzten Nächte ein Handwerksbursche elendig unter freiem Himmel verstorben ist, so drängt sich die Nothwendigkett auf, daß hier Abbülfe geschaffen werden muß. Einsender dieses kann seinen Mitbürgern die Nachricht geben, daß von einem hiesigen Vereine die Einrichtung einer Gejellenherbrrge nach Art der Herbergenzur Heimath" beabsichtigt wird, und bereits nahe bevorsteht. Die Einrichtung dieser Herbergen ist bekanntlich musterhaft, und hat das Po- lizeipräsibium zu Frankfurt am Main den dortigen Herbergswirthen bereits aufgegeben, ihre Einrichtungen nach den mustergültigen der daselbst befindlichen Herbergezur Heimath" zu treffen. Es besteht ferner die Absicht, so rasch als irgend möglich eine Suppenanstalt zu errichten, wie sich solches in Frankfurt vortrefflich bewährt hat.

Um der Sache rascher fortzuhelfen, erklärt sich die Exped. d. Bl. gerne bereit, freund­liche Gaben an Geld und Naturalien für dieSuppenanstalt" in Empfang zu nehmen und darüber öffentlich zu quittiren. Die Red. d.Gieß. Anz."

Gießen, 2*. November. Ein Stromer-Paar, Mann und Frau, welches allerlei Ge­brechen simulirte, um beim Fechten mehr Gaben zu erhalten, wurde abgefaßt und, von den Gebrechen befreit, in Verwahrung genommen.

Ein junger Mann, welcher gestern Abend am Bahnhof den Don Juan unberufener Weise spielen wollte, und bei dieser Gelegenheit einem Mann ein tüchtiges Loch in den Kopf schlug, wurde zur Anzeige gebracht.

(Recurrens-Fieber.) Krankenbestand bis zum 26 November: K Kranke int Jsolir- hause der Klinik, 2 Kranke im Hofgerichtsgebäude. Zugang am 26. und 27. je ein Kranker.

Wie uns mitgetheilt wird, soll in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag ein Handwerksbursche in der Nähe von Groß-Linden unter freiem Himmel gestorben, resp. erfroren sein. Eine doppelte Mahnung, des Elendes dieser Armen zu gedenken.

Vermischtes.

Frankfurt a. M., 24. November. Das Stadtgericht hat gestern in dem Processe Dcvrient-Frankfurter Theatergesellschaft zu Gunsten des Herrn Devrient entschieden. Das Urtheil verhält die Gesellschaft, Herrn Devrient für die Zeit von September 1878 bis Sep- tember 1880 die Jahresgage von je 15,000 Jt zu bezahlen. Nach dieser Zeit steht cs ihr frei, ihm mit halbjähriger Abfertigung zu kündigen. Die für die plötzliche Entlastung geltend gemachten Gründe weist das Gericht zurück. In Erwägung rein künstlerischer Fragen geht es nicht ein. ' (Fr Z.)

(Zu Dem Brandunglück in Hamburg.) DieReform" theilt heute die Liste der Verunglückten mit. Es sind dies: 1) Frau Fanny Levy, geb. Lister; deren beide Kinder 2) Jenny Levy, 17 Jahre alt. 3) Henny Levy, 5 Jahre alt; ferner die Nichte der Frau Levy. 4) Johanna Mündheim, 12 Jahre alt, Tochter des 2. Elbstraße 4 wohnenden Schlachters S. Münbheim. 5) Frau Marie Sophie Wilhelmine Wohlers, geb. Wiebke, welche bei Frau Levy arbeitete. 6) Pauline Behrens, 16 Jahre alt, 7) Elise Behrens, 17 Jahre alt, 8) Johanna Behrens, 8 Jahre alt, Töchter des Kaufmanns Behrens. 9) Elise BartelS, 16 Jahre alt, bei den Bchrens'schen Kindern zur Zeit des Feuers zum Besuche anwesend. 10) Auguste Bartels, 16 Jahre alt. 11) Helene Buhbe, 12 Jahre alt, Tochter des Wein- Händlers Eduard Buhbe, ebenfalls bei Eintritt des Unglücks bei Behrens zu Besuch. 12) Dienst­mädchen Louise Lister, 24 Jahre alt, seit dem 9. d. M. bei dem Kaufmann H. Heymann jr. in Kondition Diese Zwölf sind in den Flammen selbst umgekommen; bei dem Versuche, sich zu retten, haben dagegen ihr Leben eingebüßt: 13) Frau Mathilde Kuntze, Frau des Ober-Tele- graphen-Assistenten K. in Eimsbüttel, 28 Jahre alt, welche in Folge des Schwindens ihrer Kräfte das Rettungstau fahren lasten mußte und durch den Sturz auf das Straßenpflaster zer­schmettert wurde. 14) Ein dem Namen nach noch nicht bekanntes Dienstmädchen, das, bei der unter 12 angeführten Louise Lister zu Besuch, in seiner Angst aus dem Fenster gesprungen und in Folge der dadurch herbeigeführten schweren Verletzungen unmittelbar hinterher im Kur Hause verstorben ist.

(Was ist Freiheit.) Man stritt sich jüngst über die Bedeutung diesesschönen Wortes" in einem Wiener Kaffeehause, konnte aber den Begriff beffelben natürlich ebenso wenig fixiren wie . . . Herzog Alba, der bekanntlich der Menschheit das rechte Verständniß dafür überhaupt absprach. Ein alter ungarischer Edelmann, der an einem benachbarten Tische saß und dem Gespräche zuhörte, erhob sich schließlich, trat zu den Streitenden und sagte: ,,Wos ist Freiheit? Will ich Ihnen sagen ganz genau. Kamen Euer Gnaden in meiner Jugend zir 'uns nach Ungarn: erzählten Sie was in Wirthshaus. Gefallt's ml nit, ging ich zu Stuhl richter, sog's ihm. Kommt Stuhlrichter und loßt's Ihnen Fünfundzwanzig aufzählen krähte kein Hahn danach! Dos wor Freiheit!"

SeiiifTisberieht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Aoyd- E. W. Dietz in Gießen.

Baltimore, 23. Novbr. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Leipzig, Capt. Fr. Pfeiffer, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 5. Novbr. von Bremen abgegangen war, ist gestern wohlbehalten hier angekommen.

Newyork, 24. November. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Mosel, Capt H. A. F. Neynaber, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 9. Nobvr. von Bremen und am 11. November von Southampton abgegangen war, ist heute 5 Uhr Morgens wohl­behalten hier angekommen.

Handel und Verkehr.

Limburg, 26. November. (Fruchtmaj-kt.) Rother Weizen JL 18.20, Weißer Wetze?. JL.--, Korn JL 13.40, Gerste 10.80, Hafer, JL 6.70, Erbsen JL, Kartoffeln JL (Durchschnittspreis pro Malter.)

Es dürfte kaum in weiteren Kreisen bekannt sein, daß durch Quetschen, Beschnei­den k. beschädigte Silbermünzen nicht verkehrsfähig sind und von der Reichsbank einfach zer­schnitten und entwerthet an den Zahler zurückgegeben werden. Es soll damit offenbar der häufigen muthwilligen Beschädigung und Verunglimpfung unserer Silbermünzen gesteuert werden, eine Unsitte, gegenüber welcher die erwähnte Maßregel der Reichsbank gewiß am Platze erscheint. Zu bedauern ist nur, daß dieselbe in ihrer Wirkung in den meisten Fällen nicht den Urheber selbst, sondern fast immer Personen trifft, die dem begangenen Muthwillen vollständig fern stehen und nur zuletzt in den Besitz des Geldes gelangt sind. Um sich vor Verlusten an dem Geldwerthe zu schützen, ist deshalb zu empfehlen beschädigte Sibermünzen nicht in Zahlung zu nehmen, wodurch man zugleich auch am besten den Intentionen der gedachten Vorschrift entspricht.

Ein Mahnwort an die deutschen Frauen.*)

Wer eben die Schaufenster der Modeiüäden betrachtet, der sieht wiederum in denselben eine Menge von Bälgen prächtig gefärbter Vögel, welche als Schmuck (!?)für Frauenhüte ver­wendet werden sollen, ausgestellt: denn der Winter rückt heran und man entzieht, wie alljäbrlich, dem im Sommer beliebten Hutschmuck, den künstlichen Blumen, für diese Saison seine Gunst. Allerdings sieht man eben noch wenig Hüte, welche mit dem indianischen Dogelbalgschmuck ver­unziert sind; aber lange wird's nicht mehr dauern. Die neuen Sendungen der Modistinnen sind schon angekommen, und müssen verwerthet werden. Tausende und Abertausende prächtiger Vögel sind hingemordet, um einem verbildeten Geschmack, einer Modethorbeit zu dienen. Herr A F. Wiener in London theilte schon im Juli in DerGefiederten Welt" mit, daßdiese abscheuliche Mode, natürlich von Paris ausgehend, im Anzüge sei." Bälge vom Königspirol, vom Kiivpenhuhn, vom rotben Tangara seien schon im Juni in London auf den Auktionen versteigert worden. Es war kaum glaublich, daß diese von allen ehrenwerthen Männern und Frauen verurtheilte Mode wieder aufleben könnte, weßhalb wir es damals für überflüssig hielten,

*) Trotzdem es ziemlich vergeblich sein dürfte, gegen den BegriffM o d e" zu kämpfen, wollen wir doch vorstebendemMahnwort" des Herrn I)r. S chäf er, mitgetheilt in derZeit­schrift des Thi-r Schutz-Vereins", Weiterverbrettung gewähren. In Gießen giebt es leider auch Geschäfte, welche mit Vogelbälgen alsHutschmuck" im Laden paradiren. D. Red.