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diese Uebertretungen in mehreren Städten, so noch neuerdings in Versailles und Lyon, zu Conflkten zwischen der weltlichen und der geistlichen Behörde geführt. Wie man jetzt hört, hat der Minister des Innern deshalb ein Rund­schreiben an die Präsekten erlassen. Die Negierung, heiße es darin, habe keinen Anlaß, Processionen jener Art aus Grund des Gesetzes vom Jahre X. zu ge­statten oder zu verbieten, obgleich dies Gesetz ihres Erachtens nicht immer die richtige Auslegung erfahren hätte; sie überlaste es den Präsekten und Maires, von den ihnen gesetzlich zustehenden Polizeirechten den Gebrauch zu machen, der ihnen durch die jeweiligen Umstände geboten schiene.

England.

London, 24. Mat. Es ist ein eigenthümlicher Friede, den das stolze Albion mit dem Emir von Afghanistan schließt. Der Sieger bezahlt den Be­siegten. Nach einer Mtltheilung derTimes" würde England den Bestim­mungen des Frtedensvertrages mit Afghanistan zufolge die Thäler von Khuran, Sibt und Ptschtn nicht als annectirte, sondern nur als seiner Verwaltung un­terstellte Gebiete behandeln und den Überschuß aus den Einkünften an den Emir abführen; demselben sei vorbehaltlich der stritten Ausführung des Ver­trages eine Jahresrente von 120,000 Psd. Sterl. garanttrt worden. Mit Speck fängt man die Mäuse und mit Gold die Afghanen. (Berl. Tagebl.)

London, 23. Mai. Eine neue Methyde zur Hebung versunkener Schiffe hat ein Herr Th. Dillon erfunden. Er erklärte dieselbe gestern bei Verdeut­lichung durch praktische Versuche im Beisein des Herzogs von Edinburg, einer Anzahl Admtralitätsbeamten und Sachverständigen, sachkundigen Vertretern ver­schiedener Regierungen und einigen Parlamentsmitgliedern. Die Methode ist jedenfalls neu und sinnreich. Die Hebung wird vermittelst einer großen Glocke bewerkstelligt, welche über das Schiff gestürzt wird. Darauf wird die Luft aus der Glocke entfernt und wenn eine genügende Verdünnung stattgefunden hat, steigt die Glocke in die Höhe, das darunterliegende Schiff mit sich auf­wärts saugend. Das Schiff wird also gehoben, ohne auch nur berührt zu werden. Im Kleinen bewährt sich die Methode. Ob auch im Großen, das bleibt abzuwarten. Der Erfinder glaubte darauf rechnen zu dürfen und ist bereit, auf diese Weise das lange versunkene Panzerschiff Vanguard an das Tageslicht zu fördern.

Rußland.

Aus Petersburg, 23. Mat, wird derNordd. Allg. Ztg." geschrieben: Als zuverlässig kann versichert werden, daß es den Behörden gelungen ist, mehrere Häupter der nihilistischen Mörderbande hinter Schloß und Riegel zu bringen. In nächster Zett werden noch einige Hinrichtungen durch den Strang erfolgen. Heber die Hinrichtung Dubrowtn's melden wir noch nachträglich, daß der Verbrecher auf dem Rtchtplatz dem Priester, welcher sich ihm mit dem Kreuze nahete, einen Fußtritt versetzte; darauf fluchte er in schrecklicher Weise und bestieg dann das Schaffst unter dem Gebrüll:Es lebe die Freiheit!" Einige Minuten später war er eine Leiche. Auf die Umstehenden machte das Benehmen des Bösewichtes einen schauerlichen Eindruck."

Telegraphische Depeschen.

Privat-Depesche des Gießener Anzeigers.

Berlin, 27. Mai. Die Neichs-Tabakseommisston hat mit großer Majorität beschlossen, ausländischen Tabak mit 3V Mk. Zoll und inländischen mit 12V2 Mk. Steuer zu belegen.

Wagner'S telegr. Torrespondenz-Burea«.

Petersburg, 26. Mat. Kiewffchen Blättern zufolge wurden in einem einsamen Stadtthetl Kiews zwei unbekannte Persönlichkeiten verhaftet und in deren Wohnung zwei Metallkugeln, scheinbar Explosions-Bomben, sowie zwei Gußformen dazu vorgefunden. Ebendaselbst fanden Gensd'armen eine große Kiste mit kleineren Kästchen, von denen jedes ein gläsernes Fläschchen mit ge­preßtem Pyrokilin, muthmaßltch englischer Fabrtcatton, enthielt. Weiter fand man 500 Kapseln, eine Kiste mit 4 Revolvern und 2 geschliffenen Dolchen, auch mehrere anscheinend falsche Päffe.

Darmstadt, 26. Mat. Nach einer Meldung derDarmst. Ztg." aus Berlin war der Fürst von Bulgarien gestern Abend lange bei Fürst Bis­marck. Am Donnerstag wird derselbe nach Parts abreisen.

Paris, 26. Mat. Präsident Gr6vy überreichte heute den kürzlich er­nannten französischen Cardtnälen das Barrett. Auf die Anreden der Cardi- näle erwidernd erklärte der Präsident: Der Schutz der constitutionellen Autorität wird den Rechten der Kirche niemals fehlen. Dieselben sind keiner Gefahr ausgesetzt und werden durch die Gesetze geschützt. Wenn die Regie­rung die Rechte der Kirche nicht über die Rechte des Staates stellt, so ist die Regierung doch mit eifriger Sorgfalt auf den Schutz Aller bedacht.

Berlin, 26. Mai. Se. Majestät der Kaiser ernannte gestern bei der Tafel den Fürsten von Bulgarien zum Major h. la suite des Regiments Garde du Corps.

Die Zolltarif-Commission des Reichstages berieth heute die Zollsätze für Kupfer und beschloß, den Zoll für Kupferdraht und Kupferblech von 14 auf 12 und für grobe Kupferwaaren von 20 auf 18 Mk. herabzusetzen. Die Reichstags-Commission für die Tabakssteuer berieth die beiden Paragraphen des bez. Gesetzentwurfs, welche die Zoll- und Steuersätze enthalten, ohne bisher Beschluß zu fasten. Minister Hobrecht warnte vor der mehrfach beantragten Ermäßigung der Zoll- und Steuersätze, da solchenfalls die Monopolfrage immer offen bleibe und wtederkehren werde.

Se. Majestät der Kaiser und der Großherzog von Mecklenburg- Schwerin folgen heute der Einladung des Fürsten Bismarck zum Diner.

Berlin, 26. Mai. Reichstag. Fortsetzung der Berathung der Getreidezölle. Richter (Hagen) begründet bei Nr. c. (Malz) seinen Antrag, den Malzzoll von 1 X 20 H auf 75 H herabzusetzen. Bundes-Commissar Tiedemann tritt dem Anträge ent­gegen. Auch Buhl erklärt sich dagegen. Richter und Sonncmann sprechen für Herab­setzung des Malzzolles. Der Antrag Richter wird abgelehnt und der Malzzoll nach der Regierungsvorlage angenommen. Bei der Position: Anis, Koriander, Fenchel und Kümmel beantragen Witte und Stephani Zollfreiheit. Witte befürwortet den Antrag, v. Bötticher spricht dagegen, Karsten, Richter (Hagen) und v. Helldorf dafür. Der An­trag Witte wird abgelehnt, die Tarifposition genehmigt. Bei Position 9 e (Raps und Rübsaat) beantragt v. Ow Erhöhung des Zolls auf 1 X, ebenso v. Ludwig. Karsten will Zollfreiheit. Nach längerer, aber unerheblicher Debatte werden beide Anträge ab­gelehnt und die Tarifposition genehmigt. Nr. 9k anderweitig nicht genannte Erzeug­nisse des Landbaues sind zollfrei wird ohne Debatte angenommen. In gleicher Weise wird Nr. 12 Häute und Felle genehmigt

Es folgt die Berathung der Holzzölle. Bundes-Commissar Mayer rechtfertigt

dieselben, beleuchtet die seitherigen bezüglichen Verhältnisse und betont, daß die Auf­hebung der Zölle einen Aufschwung des Holzhandels nicht zur Folge gehabt habe. Der Einfluß der Wiedereinführung der Holzzölle werde stark überschätzt. Der russische Holztransit spiele nur eine untergeordnete Rolle. Redner erörtert die verschiedenen Zoll­sätze und zeigt, daß dieselben erheblich niedriger als die ftüher bestandenen sind Der Zoll werde lediglich vom Auslande getragen werden. Die Ausfuhr aus dem Auslande sei beständig im Wachsen, während der einheimische Absatz vielfach stocke. Bei Fortdauer be$ jetzigen Zustandes wäre die Nachhaltigkeit des Betriebes unmöglich nnd die Sub­stanz des Wälderbestandes gefährdet.

Richter (Meißen) legt die Zweckmäßigkeit der Holzzölle dar, beleuchtet die Schwierigkeiten, mit denen die deutsche Forstwirthschaft zu kämpfen habe und beantragt die Erhöhung des Zolles für bearbeitetes Nutzholz von 0,25 auf 0,30 x. Klügmann polemisirt gegen Holzzölle und führt aus, daß gerade die Landwirthschaft darunter leidet aber auch der Transithandel und die Schifffahrt schwer geschädigt würden. Nächste Sitzung morgen 12 Uhr; Tagesordnung: Zweite Lesung des Sperrgesetzes und Fort­setzung der zweiten Lesung des Zolltarifs.

London, 26. Mal, Abends. Oberhaus. Staatssecretär Cranbrook thellt mit, Cavagnari habe telegraphtrt, daß der Friedensvertrag mit Jakub Khan heute unterzeichnet ist. Unterhaus. Northcote thetlt mit: Angesichts der Lage der Dinge in Südafrika und well die Verthetlung der Civtl- und Milttärgewalt daselbst unter 4 Personen nicht zweckentsprechend ist, beschloß die Regierung, den General Wolseley zum höchsten Clvil- und Mtlitärbefehls- baber in Natal, Transvaal und den Gebieten der Eingeborenen östlich der Colonien, welche jetzt den Kriegsschauplatz bilden, zu ernennen.

Berlin, 26. Mai. DieNordd. Allg. Ztg." hebt in einem Artikel über Deutschlands Stellung in der egyptischen Angelegenheit hervor: Die Wahrscheinlichkeit der Nichteinhaltung der Verbindlichkeit Egyptens gegen seine Gläubiger legten der deutschen Regierung unabweislich die Pflicht auf, für die bedrohten Jnteresten der deutschen Reichsbürger mit vollem Gewicht einzutreten. Der deutschen Politik liege nichts ferner als die Absicht, den Kreis ihrer Jn- tereffen-Sphäre künstlich zu erweitern. Die deutsche Regierung würde es gewiß nicht ablehnen, die Erfüllung ihrer Ansprüche in Egypten gemeinsam mit den anderen interessirten Mächten zu suchen. Ebensowenig könnten aber abweichende Entschließungen anderer Mächte Deutschland abhalten, sein Recht mit den zweckdienlichen Mitteln nöthigenfalls allein zu suchen.

Lokales.

Gießen, 27. Mai. Bei der im Juli d. I. in Offenbach stattfindenden Industrieaus­stellung für das Großherzogthum Hessen wird auch der hiesige Gewerbeverein aus den 3 Ab­teilungen der Sonntagsschule und aus der erweiterten Handwerkerschule die Schülerarbeiten zur Ausstellung bringen.

Wir freuen uns, berichten zu können, daß dieselben auch dem hiesigen Publikum im Schullocal am Asterweg zur Ansicht ausgestellt werden sollen und können nur wünschen, daß letzteres die Gelegenheit zum Besuche dieser jedenfalls sehr reichhaltigen und interessanten Aus­stellung nicht unbenutzt vorübergehen lassen möge.

Ihre Majestät die Kaiserin passirt heute Abend mittelst Extrazuges von Coblenz kommend den hiesigen Bahnhof. Ankunft 7 Uhr 53 M. Abfahrt nach Cassel, resp. Berlin 8".

Gießen, 27. Mai. Tagesordnung für die Stadtverordneten - Sitzung am Donnerstag den 29. Mai 1879, Nachmittags 4 Uhr r

1. Den Stadtbauplan betreffend.

2. Gesuch wegen Straßenanlagen in den Schießgärten.

3. Der Wirthschaftsplan für die Waldungen der Stadt Gießen.

4. Die Siraßenbegießung.

5. Die Verpachtungen der Wieseckböschungen

6. Die Erneuerung des Anstrichs im Innern der Realschule.

7. Die Verbauung der Lahnufer zwischen dem Obermühlwehr und dem Neumühlwehr. 8. Die Trottoirpflasterung vor dem Wallthor.

9. Gesuch des Schlossers Karl Weigand um Bauerlaubniß.

10 Gesuch des Materialien-Verwalters Jacob Schellhaas wegen Benutzung eineS städtischen Platzes.

11. Gesuch des Fabrikanten Karl Em melius zur Vornahme von Bauveränderungen. 12. Desgleichen des Karl Sack.

13. Gesuch des Schreinermeisters Hermann Werner um Erlaubniß zur Anlegung einer Einfriedigung und Errichtung einer Hütte.

14. Gesuch des Bierbrauereibesitzers Johannes Förtsch um Erlaubniß zum Fahren durch den Oßwalv'schen Garten.

15. Gesuch des Bierbrauereibesitzers Ernst Pöschel um Erlaubniß zum Fahren über den Schoorweg.

16. Gesuch der Heinrich Deibels Wittwc zu Wicseck um Erlaubniß zum Abheben eines städtischen Rains.

17. Erbbegräbnisse betreffend.

Vermischtes.

Marburg, 26. Mai. Der Festordnung der Einweihungsfeier des Universitäts-Ge­bäudes zu Marburg vom 28.30. Mai 1879 entnehmen wir Nachstehendes: Mittwoch den 28. Mai Vorfeier. 1. Von Nachmittags 5 Uhr an Versammlung im Bücking scheu Garten (nur bet gutem Wetter). 61/? Uhr Einläuten des Festes. 7i/3 Uhr Einzug in den mittleren Saal des Wilhelmsbaus. Voran die Musik, sodann das Corpus academicum mit den Fest­gästen, hierauf die übrigen Festtheilnchmör. 2 Begrüßung der Festgenossen durch den Rector. 3. Fackelzug der Studentenschaft zu Ehren Seiner Exccllenz des Herrn StaatsmlntsterS Dr. Falk. 4. Gesellige Vereinigungen im Wtlhelmsbau deS Schlosses.

Donnerstag den 29. Mat. Hauptfeier. Morgens 7 Uhr Choral vom Schloßthurm geblasen. I. Festzug: Vormittags präcts 9 Uhr, Aufstellung des Festzuges in der Bahnhof­straße von der Rosenstraße an rückwätts nach dem Bahnhof. Die Zugordnung ist folgende: 1. Drei Herolde zu Pferde in der Tracht des 16. Jahrhunderts, mit dem hessischen Banner und Stäben. Erstes Musikcorps, 16. Jahrh 2. Ein Hauptmann zu Pferde und zwölf Lands­knechte zu Fuß (16. Jahrh.). 3. Sechs Gewappnete mit den Marburger Farben. 4. Mar­schall (16. Jahrh.), Banner mit dem Büve Philipps des Großmüthigen, des Stifters der Universität, 1527. 5. Sechs Studenten des 16. Jahrhunderts. 6. Marschall (17. Jahrh.), Banner mit dem Bilde Wilhelms VI., des Erneuerers der Universität, 1653. 7. Sechs Studenten des 17. Jahrhunderts, w. Marschall mit Stabe (18. Jahrh.). 9. Sechs Studenten des 18. Jahrhunderts !«'. Marschall mit Stab (Ende des 18. Jahrh ). 11. Sechs Studenten (Ende des 18. Jahrh ). 12. Elf Reiter ii Wichs mit Reichsbanner und zwei preußischen Fahnen. 13. Die Pevellen mit den Sceptern der Universität 14 Der Rector. 15. Die vier Decane. 16. Die Festgäste, soweit dieselben nicht den Zug am Universitätsgebäude zu empfangen wünschen. 17. Die Professoren und Docenten der vier Facultäten und die Uni- versirätsbeamten. 18. Die ehemaligen Studirenden, welche es nicht vorziehen sich einer der Corporationen oder Gruppen der Studirenden anzuschlicßen. Zweites Musikcorps. 19. Corps Hasso-Nassovia. 20. Corps Teutonia 21. Studentenverbindung Pharmacia. 22. Studen­tenverbindung Germania 23. Reform-Verbindung Hasso-Guestphalia. 24. Nichtverbindungs­studenten der theologischen Fakultät. 25. Nichtverbindungsstudenten der juristischen Fakultät. Drittes Musikcorps. 26. Nichtverbindungsstudenten der medicinischen Fakultät. 27. Richt- Verbindungsstudenten der philosophischen Fakultät. 28. Studentenverbindung Wingolf. 29. Lands­mannschaft Guestphalia 30. Burschenschaft Arminia. 31. Burschenschaft ^lemania. 32. Retter in Wichs. II. Uebergabe des Schlüssels von Seiten Seiner Excellenz des Herrn Staatsministers Dr. Falk an den Rector und die Eröffnung des HauseS. III. Enthüllung des Bildes Seiner Majestät des Kaisers und Königs. Einzug der Festgäste, des Lehrkörpers der Universität und einer Deputation der Studentenschaft in den Eenatssaal. Das Hoch auf Se. Majestät wird vom Fenster aus signaltsirt. Gesang : Heil Dir im Siegerkranz. IV. Festact in der reformirten Kirche. Einleitendes Orgelspiel. Gesang der Festversammlung: Ein' feste Burg ist unser Gott. Gottesdienstlicher Weiheact durch Ober-Consistorialrath Prof. Dr. Scheffer. Halleluja von Händel, gesungen vom akademischen Gesangverein. Festrede des Rectors Professors Dr. Mankovff. Gesang der Festversammlung: Nun danket Alle Gott. V. Nachmittags 3 Uhr Festmahl der Universität im Rittersaale des Schlosses. Ein zweites Festessen findet im Mar- kees'schen Saal Nachmittags 2 Uhr statt. VI. Abends 8^/z Uhr, präcis, Fest-Commers im Saalbau.