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Freitag den 30. Mai. Nachfeier. I. Am Vormittag von 10 Uhr an Besichtigung des Universitätsgebäudes und der Sehenswürdigkeiten der Stadt. II. Gesellige Vereinigung von Morgens 10 Uhr ab im Museumsgarten. III. Nachmittags von 4 Uhr ab Waldfest auf dem Dammelsberg
Nordhausen. Die Betrugsprocesie gegen Inhaber hiesiger Brennereien wegen unrichtigen Maßes, bezw. Gewichtes halten die Gemüther noch immer in Aufregung. Nachdem seit dem 18. Dezember v. I. bereits acht Brennerei-Inhaber wegen Betrugs mit zusammen 11 Jahren Gefängniß und 21,130 X. Geldstrafe verurtheilt worden, kam vor einigen Tagen ein neuer Betrugsfall zur gerichtlichen Verhandlung. Das Urtheil lautete wegen 87 Vergehen QUf ii/2 Jabr Gefängniß, 5000 X Geldbuße eventuell noch 1 Jahr Gefängniß und 1 Jahr Ehrverlust. Der Buchhalter der betreffenden Firma wurde als Gehülfe mit 6 Monaten Gefängniß belegt.
— Ein schreckliche- Ereigniß meldet man der „Times": In Pocaffet, Maffachusetts, ist nämlich Charles Freemann, ein Mitglied der Second Advent Congregatton, durch häufiges Besuchen der sogenannten Revival Meetings (Versammlung zur Erweckung des Glaubens) wahnsinnig geworden. Vor einiger Zeit erklärte derselbe, er hätte eine merkwürdige Enthüllung «ehabt, und seitdem weder gegeffcn, noch geschlafen. Gotts hätte ihm befohlen, seine etwa 5jährige Tochter Edith zu opfern, in drei Tagen werde dieselbe wieder auferstehen. Er ergriff das unglückliche Kind am Donnerstag, spießte es mit dem Meffer auf einen als Altar improvisierten Tisch und goß das Blut der Getödteten auf dem „Altar" aus. Dann trieb er seine entsetzte Familie aus dem Hause und verbarrikadirte Thüren und Fenster. Da er gut mit Waffen versehen war, so drohte er Jeden zu tobten, der sich ihm nähern würde. So wollte er die Auferstehung am Sonntag abwarten. Der Behörde gelang indeffen, den Wahnsinnigen sammt seiner Frau einzufangen. Letztere hatte, wie sich später herausstellte, ihre Zustimmung zu dem scheußlichen Morde gegeben und beide hatten vor der Ausführung deffelben gebetet. Dann hatte der Mörder eine Versammlung berufen und dieser erklärt, was er gethan habe, indem er gleichzeitig den Leichnam des KindeS vorzeigte. Er suchte die ganze Prozedur geheim zu halten, doch vergebens. Bei seiner Verhaftung erklärte Freemann, er sei ein zweiter Abraham, welcher einem göttlichen Befehl gehorcht habe. Auf dem Wege zum Gefängniß sangen Mann und Frau geistliche Lieder. Es sollen noch andere Mitglieder der genannten Organisation vsrhaftet werden.
sammenlegung der Grundstücke (Consolidation) behandelt. Für dM nächsten Monat ist Groß- Buseck als Zusammenkunftsort in Aussicht genommene
Handel und Verkehr.
Gießen, 27. Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete : Butter per' Pfd. X 1 bis X 1,10 Hühnereier, per Stück 4 u. 4*/2 H, Gänseier, per Stück 10 H, Enteneier, per Stück 5 — 6 Käse, per Stück 4—9 Käsematte, per Stück 3 H, Erbsen, 1 Liter 20 Linsen, 1 Liter 24 H, Tauben, das Paar 75 Hühner, per Stück X 1.30, Hahnen, per Stück X 1,50, Enten, per Stück X 2.50, Kartoffeln, per 100 .Kilo X 8,10—8,50, Zwiebeln, per Centner X 32 , Milch per Liter 16 u. 18 H, Ochsenfleisch 70 H per Pfd., Kuh« und Rindfleisch 56-60^, Hammelfleilch 64-70H, Schweinefleisch 58-60^, Kalbfleisch 40-48 H.
Frankfurt, 2v Mai. (Fruchtbericht.) Mehl Nr. 1 X 40, Nr. 2 X 38, Nr. 3 X 32, Nr. 4 X 2s, Nr. 5 X 22. Roggenmehl o/t (Berliner Marke) X 22.50, do. I (Berliner Marke) X 20.50, do. II (Berliner Marke) X 15.50 —16.50. Weizen, effektiv hiesiger ab Bahnhof hier X 22—22.25, ab unserer Umgegend X 21,75—22, do. fremder je nach Qualität X 20,50—22,50, Roggen, je nach Qualität X 12,25 — 15.75, Gerste X 17—18, Hafer X 14—15,50, Kohlsamen X 28 — 29, Erbsen X 19 — 27, Wicken X 14-16, Linsen X 17—36, Bohnen, weiße, X 19.50, Roggenkleie X 10, Weizenkleie, grobe und feine X 8—9, Rüböl, detail, X 68. Stimmung fest. Dringen« offerirt — Hauptsächlich gefragt war — (Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht — 100 Kilo.)
Frankfurt, 26. Mai. Der heutige Viehmarkt war gut befahren. Angetrieben waren ca. 400 Ochsen, 190 Kühe und Rinder, 230 Kälber und 250 Hämmcl. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 64—66, 2. Qual. X 60—62, Kühe 1. Qual. X 60 bis 62, 2. Qual. X 52—54, Kälber 1. Qual. X 52—54, 2. Qual. 48—50, Hümmel 1. Qual. X 58—60. 2. Qual. X. 46-50.
Herborn (an der Cöln-Gießener Eisenbahn), 19. Mai. Auf den heutigen hiesigen Markt wurden gebracht: 132 Ochsen, 221 Kühe und Rinder, 1251 Schweine. Der nächste Markt ist am Montag den 9. Juni l. I.
Schifftebericht. Mitzetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Aoyd C. W. Dietz in Gießen.
Newyork, 23. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Neckar, Capt. W. Willigerod, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 11. Mai von Bremen und am 13. Mai von Southampton abgegangen war, ist am 17. d. M. wohlbehalten hier angekommen.
Baltimore, 23. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Ohio, Capt. G. Meyer, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 7. Mai von Bremen abgegangen war, ist heute wohlbehalten hier angekommen.
Landwirthschaftliches.
Lvllar, 25. Mai. Heute Nachmittag tagte in unserem Orte der landwirthschaftliche Local-Verein für Gießen und Umgegend. Es waren aus Lollar und einigen benachbarten Dörfern nahe an 80 Landwirthe zusammengetreten. Nachdem der Vorsitzende eine Ansprache gehalten, welche zur Bildung eines Local-Vereins in Lollar auffordert, und bie Nothwendigreit landwirtschaftlicher kleinerer Vereine dargethan, wurde insbesondere die Frage über die Zu-
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