Nr. Mittwoch, den 28. Mai 1879.
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AMze- ob AmMM für brs Kreis GW.
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Amtlicher Hheit.
Nr. 12 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 29. v. M., enthält.
(Nr. 1293.) Verordnung, betreffend die Tagegelder, die Fuhrkosten und die Umzugskosten der gesandtschaftlichen und Consularbeamten. Vom 23 April 1879
(Nr. 1294.) Verordnung, betreffend den Urlaub der gesandtschaftlichen und Consularbeamten und deren Stellvertretung. Vom 23. April 1879.
Nr. 13 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 20. l. M., enthält:
(Nr. 1295.) Gesetz, betreffend die Vertheilung der Matrikularbeiträge für das Etatsjahr 1879/80. Vom 12. Mai 1879.
(Nr. 1296.) Gesetz, betreffend die Erwerbung der Königlich Preußischen Staats-Druckerei für das Reich. Vom 15. Mai 1879.
(Nr. 1297.) Gesetz, betreffend die Feststellung eines Nachtrags zum Reichshaushalts-Etat für das Etatsjahr 1879/80. Vom 16. Mat 1879.
Nr. 14 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegebeu den 22. l. M., enthält:
(Nr. 1298.) Gesetz, betreffend den Verkehr mit Nahrungsmitteln, Genußmitteln und Gebrauchsgegenständen. Vom 14. Mai 1879.
Gießen, den 26. Mai 1879. Großherzogliches Kreis amt Gießen.
Dr. Boekmann.
Uolitisch
Deutschland.
Darmstadt, 24. Mai. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Beil. Nr. 15) enthält:
1. Oeffentliche Anerkennung einer edlen That.
2. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, die Erweiterung der Geletseanlagen bei Station Curve der Naffauischen Staatsbahn (Taunusbahn) betreffend.
3. Bekanntmachung Großherzoglichen Kretsamts Darmstadt, die zur Bestreitung von Communal-Bedürsniffen in Gemeinden des Kreises Darmstadt zu erhebenden Umlagen für 1879 betreffend.
4. Uebersicht der für das Jahr 1879 von Großherzoglichem Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Commu- nal-Bedürfniffen in den Gemeinden des Kreises Heppenheim.
5. Dienstnachrichten. Am 26. April wurden den Schulamts-Aspirantinnen Amalie Voltz aus Marienhagen, Christine Keller aus Kastel und Louise Steuernagel aus Weidenhausen Lehrertnnenstellen an den städtischen Schulen zu Mainz, am 2. Mai wurde dem Karl Herrmann aus Offenbach die Stelle des Pedellen an der Realschule zu Offenbach, am 6. Mai wurde dem Schullehrer Georg Hofmann zu Spachbrücken eine Lehrerstelle an der evang. Schule zu Groß- Umstadt, dem Schulamts-Aspiranten Georg Schmahl aus Gumbsheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Freimersheim, am 7. Mat wurde dem Schullehrer Kaspar Zinßer zu Stammheim die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ellenbach, dem Schulamts-Aspiranten Georg Rall aus Reutlingen die erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Frankenhausen übertragen; an dems. Tage wurde dem Anton Supp aus Darmstadt das Patent als Geometer 1. Klaffe für den Kreis Darmstadt ertheilt; am 9. Mai wurde dem Schulamts-Aspiranten Jakob Heinrich Steffan aus Framersheim die erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wvlfsheim, der Schulamts-Aspirantin Anna Ranzenberger aus Mainz die Stelle einer Lehrerin an der Gemeinde- jchule zu Viernheim übertragen.
6. Dienstentlassungen.
7. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: Die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Reinhardshatn mit einem Gehalt von 900 JL Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lauterbach mit einem je nach dem Dienstalter sich berechnenden Gehalt von 900 bis 1200 eX Die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Allendorf a. d. Lahn mit einem Gehalt von 900 JC. Die evang. Psarrstelle zu Bad Nauheim; dotationsmäßiger Gehalt 2329
Berlin, 24. Mat. Zum ersten Male ist heute in der Person des Aba. Freiherrn zu Fr an cke n st ein ein Mitglied des Centrums auf den Präsi- dentenstuhl des Reichstags erhoben worden. Er wurde gewählt vom Centrum, den Deutsch Conservativen, derjenigen Hälfte der Reichspartei, welche, der Fahne der Abgg. v. Varnbüler und Graf Bismarck folgend, für einen Com- promiß mit dem Centrum eingetreten war, von den Polen, den klerikalen Elsäsiern und Protestlern. Die 25 Stimmen, welche auf den nattonalliberalen stark schutzzöllnerischen Abg. Völk fielen, sind dagegen nicht von den National- Liberalen, sondern von der anderen Hälfte der Reichspartei abgegeben worden, die, der Führung des Abg. Bethusy-Huc folgend, jeder Vereinbarung mit dem Centrum sich widersetzten. Die 103 unbeschriebenen Zettel rühren her von fast sämmtlichen National-Liberalen, der Fortschrittspartei und den Elsäffer Autonomisten.
(Freiherr zu Franckenstein, geboren am 2. Juli 1825, ist bayerischer Kämmerer und erblicher Reichsrath der Krone Bayern; im bayerischen Reichs- rath stimmte er 1870 mit der Minorität gegen die Bethetligung Bayerns am Kriege mit Frankreich und für die Aufrechterhaltung der Neutralität Bayerns. Dem Zollparlamente gehörte er 1867 bis 1870, seit 1872 ununterbrochen bim Reichstage für den dritten untcrfränkischen Wahlkreis Lohr an. Seit Savigny's Tode ist Freiherr zu Franckenstein Vorsitzender der Centrums- Fraktion, die er mit ausgezeichneter Taktik geführt hat; durch und durch Kavalier, ist er durch seine persönliche Liebenswürdigkeit bei allen Fraktionen
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des Hauses beliebt. Im Reichstage hat er nur selten das Wort ergriffen, bei der Debatte über das Socialtstengesetz verlas er Namens der Centrums. Fraktion die Erklärung, aus welchen Gründen dieselbe gegen die Annahme des Socialistengesetzes stimmen müßte. Er ist langjähriges Mitglied der Budget- Commission und hat dort stets für die Anträge auf Streichung unnöthiger Ausgaben gestimmt. Freiherr zu Franckenstein gehört zu denjenigen Mitgliedern des Centrums, welche die jetzige Tartfvorlage in ihrer Gesammtheit nur accepttren, wenn die nothwendigen constitutionellen Garantien in das Tarif- gefetz hineingeschrieben werden. Wie seine Vorgänger auf dem Platze des ersten Vice-Präsidenten, Fürst von Hohenlohe-Schillingsfürst und Freiherr von Stauffenberg, gehört auch Freiherr zu Franckenstein dem bayerischen Unter» thanenverbande an).
In der freiconservattven Fraktion hat die Wahl dieses Centrumsmannes ziemlich viel böses Blut gemacht. Die „Post", das Organ der Fraktion, enthält darüber sogendes „Mitgetheilt" :
Angesichts der parlamentarischen Lage, geschaffen einerfetts durch die entschiedene Weigerung der nationalliberalen Partei, sich an der Wahl des ersten Vice-Präsidenten zu bethettigen, andererseits durch den Seitens der deutsch- conservativen Partei mit dem Centrum geschloffenen Compromiß mußte die deutsche Reichspartei von jedem Versuch abstehen, ihren lebhaften Wunsch, den in schwieriger Lage wohlbewährten zweiten Vice-Präsidenten Dr. Lucius an die Stelle des Fretherrn von Stauffenberg aufrücken zu lasten, zu verwirklichen. Die Wahl des Freiherrn von Franckenstein mußte als fait accompli gelten. Unter diesen Umständen glaubte ein Theil ihrer Mitglieder mit Rücksicht auf die Bundesgenostenschaft des Centrums in vielen Wirthschafts-Fragen dem von der deutschconservatitzen Fraktion mit demselben geschlossenen Compromiß that- sächliche Folge geben zu sollen, während ein anderer Theil auch hierdurch die erheblichen Bedenken nicht beseitigt fand, welche zur Zeit noch in ihren Augen der Erhebung eines Mitgliedes des Centrums in die oberste Vertretung des deutschen Reichstages entgegenstehen."
Unter diesen Umständen wird es uns nicht Wunder nehmen, wenn wir eines Tages vernehmen, daß die sreiconservative deutsche Reichspartei dem Schicksal der — National-Liberalen verfallen ist.
— Der Oberbürgermeister von Forckenbeck reist heute nach dem Schwarz- walde ab; schon in der gestrigen Magistratssttzung ward er durch Bürgermeister Duricker vertreten.
— Die Reichsregierung hat die im Namen des Reiches zur Wahrung der Interesses der deutschen Gläubiger bei dem Vicekönig von Aegypten einge- reichte energische Vorstellung auch den Bundesregierungen mitgetheilt.
Arankreich.
Paris, 24. Mai Der Präsident der Republik hat durch Dekret von heute wiederum 400 Communeveruttheilte begnadigt.
— Kammer der Deputaten. Castaguac beklagt sich über die in der letzten Sitzung von Goblet, Unterstaatssecretär der Justiz, in Bezug auf ihn gebrauchten Ausdrücke und verlangt, daß Goblet von der Tribüne aus diese Ausdrücke zurücknehme. Goblet erwidert, er habe Castagnac nicht beleidigen wollen; die Regierung aber wolle respectirt sein. Es entwickelte sich hierauf eine lebhafte Scene. Baudry d'Aston (von der Rechten) wird zur Ordnung gerufen und erhält alsdann eine Rüge. Castagnac besteigt die Tribüne und verlangt, daß sich Goblet ausführlicher erkläre. Er schließt mit herausfordernden Ausdrücken gegenüber Goblet, wofür er zur Ordnung gerufen wird. Der Zwischenfall ist damit geschloffen. Castagnac hat Goblet seine Zeugen geschickt. — Lockroy bringt eine Interpellation über die Anwendung des Amne» sttegesetzes ein. Die Dtscusston wird auf Donnerstag festgesetzt.
— Zum Kulturkampf in Frankreich. Nach einem Gesetze vom Germtnal des Jahres X. sind bekanntlich Processionen außerhalb der Kirchen und ihrer Umfriedung in allen französischen Städten, deren Einwohnerschaft verschiedenen Bekenntnisten angehört, verboten. Dieses Gesetz ist, wie nicht minder bekannt, schon seit Jahren häufig umgangen, theils offen übertreten worden. Seitdem die liberale Richtung in den öffentlichen Angelegenheiten obgesiegt, haben nun


