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tkchel zeige», und er wird finden, daß er pünktliche Steuerzahler vor sich hat.

Akatibor, 19. December. Der Landrath Pohl hat an die Ortsvor­stände des Kreises Rattbor nachstehende Verfügung ertasten:

Die zu Tage getretene große ungerechtfertigte Begehrlichkeit und die deß- halb an mich ergehenden Beschwerden seitens Nichtbedürftiger wegen versagter Gewährung von Unterstützungen, reip. von Entschädigungen für die ihnen in Folge der Ueberschwemmung und Mißernte entstandenen Verluste veranlasten mich, die Ortsvorstände auf das Strengste anzumetfen, die zur Linderung des Nothstandes überwiesenen Unterstützungen an L bensmitteln, Kleidungsstücken und HeizungSmaterial in keinem Falle ohne Zuziehung der sämmtlichrn Mit« glieder des Local-Hülfscomites und nur an die Ortsa.men und diejenigen hülfs- bedürftigen Personen zu verthetlen, die absolut nicht in der Lage sind, durch Arbeitsverdienst den nöthtgen Lebensunterhalt zu erwerben. Die Gemeinde- Vorstände mache ich für die gerechte Verthetluug der Unterstützungen und für die gewtstenhafte Berichterstattung in allen Nothstands-Angelegenheiten verantwort« lich. In allen Fällen, in welchen eventuell festgestellt werden sollte, daß Unter­stützungen seitens der Gemetndevorstände und der Local-Hülfscomites an Nicht« bedürftige, insbesondere auch an Grundbesitzer vertheilt worden sind, welche durch Aufnahme von Darlehen oder auf andere Weise sich helfen können, müßte ich die Gemetndevorstände zur Erstattung des Werthes der den Nichkbedürftigeu überwiesenen Unterstützungen anhalten.

Diese dankenswerthe Verfügung wird hoffentlich ähnlichen Mißständen, wie sie bei der Verthetlung von Gaben für Nothleidende in Ostrog sich heraus­gestellt haben, in wirksamster Weise vorbeugen.

Aschaffenburg, 22. Decbr. Ein Fabrikant schreibt derAschaffeub. Ztg." das Folgende: In der Landrathssitzung vom 10. ds. sprach Herr Land« rath Haller in aller Ruhe mit größter Bestimmtheit die Ansicht aus, daß das TabakSmonopol noch nicht ausbletbe und deshalb er für Rothenbuch statt Er­richtung einer Credttanstalt die Etabltrung einer staatlichen Tabakssabrik an« empfehle! Bet allem Respect vor den Kenntntffen des Herrn Landraths glau­ben wir doch behaupten zu dürfen, daß der Herr Rath in der Tabakssteuerfrage schlecht unterrichtet ist, sonst müßte er wiffen, daß sich die ersten Autoritäten des Reichstages, nachdem sie durch die Enquete in Erfahrung gebracht haben, welche Anzahl von Menschen in den deutschen Fabriken beschäftigt find und welche coloffale Summen in der Tabaksbranche angelegt sind, entschieden gegen das Monopol sich ausgesprochen haben. Insofern dürfte also der Herr Rath mit seiner Idee den Speffartern wenig Hülfe bringen, wohl aber stimmen wir chm bei, wen« er behauptet, daß dem Speffart nur allein durch Dorthtn-Ver- pslanzung einer Industrie zu helfen ist. Schreiber dieses hatte selbst mehrere Jahre in einem Ort des Speffarts eine Ftltalfabrik; seine Erfahrungen gehen ahtn, daß vorausgesetzt der Besuch der Fabrik wird von den Ortsbehör- oen nicht b. kämpft, sondern kräftig unterstützt, die Arbeiter des Speffarts zur Fabrikation gut qualtficirbar find! Selbstredend wird es aber in der heutigen Zeit wo mehr A. gebot der Arbeitskraft wie Nachfrage vorhanden ist keinem Industrielle« mehr in den Sinn kommen, allein den Speffart aufzusuchen und die Leute anzulerne», sondern hierfür müßte der Betreffende genügende Unterstützung von Seiten der Regierung bekommen. Der Speffart hat reichliche Arbeitskraft, die brach liegt; fie wird niemals zur Ausbeutung kommen, weil die Leute an die Scholle gebunden find und ihr Heim nicht vcr- laffen wollen. Die dortige Kraft muß also ausgesucht werden und gleich dem Herrn Rath Hüller würden auch wir die Dorthinverpflanzung der Industrie begrüßen, freilich aber nicht auf dem vorgeschlagenen Weg des Monopols, sondern auf dem der freien J»dustriet

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Correspvnde«-- Bureau.

Frankfurt a. M., 23. Decbr. Der seitherige zweite Bürgermei­ster Dr. Berg wurde in heutiger Stadtverordneten-Versaurmlung mit 33 Stirn- men auf 12 Jahre wiedergewählt; 9 Zettel waren unbeschrieben.

Loudon, 23. December. Eine Depesche des General Roberts aus Kabul vom 19. ds. meldet: Gestern leichte Scharmützel mit dem Feind. Die Verstärkungen für Kabul setzrn ihren Vormarsch fort.

srisch, 23. Decbr. Der Skupschtina wurden von der Regierung zwei mit Italien abgeschloffenen Conventionen in Betreff der gegenseitigen Auslie­ferung gemeiner Verbrecher und der Consular-Jurisdiction vorgelegt.

Petersburg, 23. December. Officiell. Aus Cannes vom 21. ds. wird gemeldet: Dle Kaiserin bat die letzte Nacht weniger befriedigend ver­bracht, als die vorletzte. Der Husten, am Tage schwach, wird Nachts stärker. Die Brustschmerzen laffen nach; das Fieber ist im Abnehmen begriffen.

Wieu, 23. Decbr. Meldungen derPolit. Corresp." Aus Konstan- ttnopel. Die griechischen Commissäre setzten die Pforte durch eine Zuschrift in Kenntniß, daß sie, im Falle bis zum 27. Decbr. weder eine Comvlissions. Sitzung stattgefunden habe, noch ein bestimmter formeller Vorschlag der Pforte vorläge, die Unterhandlungen als aussichtslos ansehen und annehmen müßten, baß auf dem bisherigen Wege ein Griechenland zufriedenstellendes Resultat nicht zu erzielen sei. Aus Cettinje. Aus montenegrinischen Kreisen zeigt sich eine wachsende Gereiztheit über dir Unthätigkeit der Pforte und Mukhtar Paschas in der Angelegenheit von Gusfinje. Mehrere Großmächte machten ihren Einfluß geltend, um Montenegro von übereilten Schritten abzuhalten.

DieWiener Ztg." veröffentlicht die sanctionirten Gesetze, betr. die Wehrkraft, die Ermächtigung zur Verlängerung des deutschen und des ftan- zöstschen Handelsvertrags, die Einbeziehung Bosniens, der Herzegowina, Istriens, Dalmatiens, Brodys und der kleinen ungarischen Häfen in das Zollgebiet und die Einführung der Verzehrungssteuer dortselbst.

Magdeburg, 23. Decbr. Weber wurde mit mehr als 1000 Stim­men Majorität gegen den Socialdemokraten Viereck zum Reichstags-Abaeord« veten gewählt.

London, 23. December. Mit dem in der letzten Parlamentssesston creirten, Neujahr in Wirksamkeit tretenden Gencral-Staatsanwalts-Amte wurde Maule, bisher Recorder in Leed, betraut.

Paris, 23. Decbr., Abends. Challemel-Lacour kommt morgen hier­her. Bis dahin bleiben die weiteren Verhandlungen bezüglich der Cabinets- bildung suspendirt. Die Nachricht, daß die Regierung Verhandlungen behufs Abänderung des Concordats eingeleitet, ist derAgence Havas" zu- felge unrichtig.

Nom, 23. Decbr. Der Senat genehmigte da8 provisorische Budget» gesetz, die Verlängerung der Handelsverträge mirE'gland, Frankreich, Deutsch, land, Belgien und der Schweiz, sowie die Handelsconvention mit Serbien; ferner mehrere Entwürfe lokaler Nitur. Aar 12. Janurr wird der Senat wiederum zufammentretkn zur Berathung der Mahlsteuer-Vorlage.

London, 23. December. Officrcll nnib aus Kalkutta gemeldet: Von General Roberls gingen unterm 16. 17. und 18.. Depeschen ein, wonach die Arbeiten zur Verteidigung von Sderpur beendet sind. Der Feind befand sich auf den Anhöhen oberhalb Kabuls und kam aus Tdälern, wo die englische Cavallerie nicht patrouillirte. General Roberts werde die Offensive ergreifen, wenn er Verstärkungen erhalten hat. Der Verlust des Fundes am 14. ds. war groß. Mehrere Häuptlinge wurden getödtet. Der Feind erschien auf S'absung, wurde rasch zurückgeworfen. Die Menge des Feindes vermindert sich. Mahomed Jan hat Musa Khan, den ältesten Sohn Jakubs, zum Emir ausgerufen. Eine Depesche des Generals Roberts vom 20. ds. meldet: Der Getreidezug ist sicher in L-taband angckommen, mithin die Straße bis dort frei. Der britische Verlust betrug am 19. ds.: Einen Officter und 15 Mann verwundet. Drei Ofstctere sind an den Blattern erkrankt. Die Lungenkrankhett hat in Folge der Kälte zu genommen. Sonst ist die Gesundheit der Truppen sehr gut, nur 4 Procent sind krank.

QueenStown, 24. Decbr. Das SchiffMallowdale" von Boffein (?) landete auf der Fahrt von Liverpool nach New'Orleans 9 Personen von der Mannschaft des DampfersBorussia", welcher 330 Meilen südlich von FayalS am 2. Decbr., in Folge eines durch Sturm erhalte­nen Lecks sinkend, verlassen wurde. Der Kapitän und zweite Steuermann verblieben auf dem sinkenden Schiffe. Paffagiere und Mannschaft waren auf 1 Booten einge- schifft. GS wird befürchtet, daß von den Ueberlebenden keiner gerettet wurde; ein Boot sah man untergehen. Die Borussia" hatte 180 Paffagiere und S4 Mannschaften an Bord.

Lokales.

Gieße«, 22. December. In der heutige« Sitzung des ProvinzialausschuffeS der Pro­vinz Oberheffen kamen, nachdem eine Sache durch Zahlung Seitens deS Beklagten vor der Sitzung erledigt worden war, folgende Gegenstände zur Verhandlung:

1- In Sachen des Ortsarmenverbandes Herbstein gegen den Ortsarmenverband Lauter­bach wegen Unterstützung deS Eduard Louis Gräfe. Die Klage wurde als unbegründet abge- wiesen und Kläger in die Kosten des Verfahrens rind zur Zahlung eines Lversionalbetrages von 20 in bie Provinztalkasfe verurtheilt.

2. In Sachen des O r t sarmenverbandes Lauterbach gegen den L a n darmenverband Lauter bach wegen Unterstützung des Konrad Fritzges. Auch hier wurde die Klage alS unbegründet abgewtesen und Kläger in die Kosten des Verfahren-, sowie in einen Averfionalbetrag von 20 JL zur Provinztalkaffe verurtheilt.

3. In Sacken des Ortßarmenverbandes Frischborn gegen den Ortsarmenverband tauter- bach wegen Unterstützung des Johannes Eichenau«. Der Provinzialausschuß erkannte die Klage für begründet und verurtheilt- den Beklagten zur Zahlung ves -ingcklagten Betrages. sowie eines Aversionalbetrages von 30 zur Provinztalkasse und Tragung vcr Kosten deS Verfahrens.

4 Zn Sachen des Ortsarmenverbandes Rainrod gegen den Ortsarmenverbond Raberts-- Hausen wegen Unterstützung des Georg Peter Bechtold. Die Klage auf Zahlung von 1,5 1 wöchentlich für Wohnung und Verpflegung des Rubrtcatm wurde für begründet erkannt, Be­klagter zur Zahlung derselben, Tragung der Kosten vetz Verfahrens und Zahlung eines Ave,^ fionalberrages von l0j6 verurtheilt, dagegen wurde die Klage auf Uebcrnahme des Unterstützten durch den Beklagten wegen mangelnder Begründung abgewiesen und Kläger zur Zahlung eines Averflonalbctrages von 10 X zur Provinziaikaffe verurtheilt.

Gießen, 23. December. In heutiger Sitzung detz Provinzialausschusfcs der Provinz Oberhesien wurde, nachdem ein Gegenstand durch Befriedigung des Klägers vor der Sitzung seine Erledigung gefunden hatte und ein Gegenstand wegen nicht voll­ständig zu erhebenden Beweises vertagt worden war, über folgende Gegenstände verhandelt:

1. Zn Sachen des Orts-Armenverbands Homberg a. d. Ohm -.'gen den Land- armcnverband Alsfeld wegen Unterstützung des Christoph Reuß. Der Provinzialaus­schuß erkannte die Klage für begründet und verurtheilte den Beklagten zur -Zahlung der eingeklagten Forderung, Tragung der Kosten des Verfahrens und in einen Aversional- betrag von 20 JÜL in die Provinzialkasse.

2. Zn Sachen deS Orts-Armcnverbands Homberg a. d. Ohm gegen den Land- Armenverband Alsfeld, wegen Unterstützung des Gustav Finsterbusch. Die Klage wurde wegen versäumter Erklärung auf dieselbe für begründet erkannt, Beklagter zur Zahlung des eingeklagten Betrages, Tragung der Kosten des Verfahrens und in einen Aver- sionalbetrag von 20 .JL in die'Provinzialkasse verurtheilt.

Der letzte Geaenstand der Tagesordnung, das Disciplinarversahren gegen den Schutzmann Bärrn fand dadurch seine Erledigung, daß letzterer vor der Sitzung seinen Recurs gegen das Urtheil des Kreisausschusses zurücknabm. Bekanntlich hat diese Angelegenheit, die seiner Zeit so großes Aufsehen veranlaßte, in anderer Beziehung be- reits in voriger Woche eine für den Hanptbetheiligten ebenso fatalen Abschluß erhalten, indem Schutzmann Bärrn in Folge der Verhandlung vor dem Landgerichte zu einer Gefängnißstrafe von fünf Wochen verurtheilt wurde, während von den angeklagten Studenten nur einer wegen Ehrenbeleidigung zu einer Geldstrafe von 10 .AL verurtheilt, die übrigen aber freigcsprochen wurden.

Gießen, 24. December. Zn der auf Samstag den 27. d. Mts., VormütaqS 9 Uhr, im RegierungSgebäude dahier anberaumtcn öffentlichen Sitzung des Krcisausschuffes kommt ver am 20. d. Mts. vertagte Gegenstand: Die Beschwerde mehrerer Bcwohncr der Schulstraße zu Gießen, wegen ihrer Verpflichtung zur Reinigung derselben betreffend, zur Verhandlung.

Gieße«, 24 December. Die am Sonntag im Saale dcsPrinz Earl" stattgefundene Bescheerung, welche von Seiten der Kindergärtnerin F'äulein Melanie Härtel für ihre kleinen Zöglinge arrangirt wurde, verdient als eine in jeder Beziehung gelungene bezeichnet zu werden. Wenn man die Spiele und Vorträge der Kleinen, welche allerliebst und originell waren, mit angesehen und gehört bat, so mußte man die Ueberzeugung mitnrhmen, daß Frl. Härtel cs weder an Mühe noch Geduld bei ihren Zöglingen fehlen läßt. Die Liebe und Zuneigung, welche dieselben für ihre Tante Härtel haben, wurde von allen Anwesenden mit Freude beobachtet.

Zum Schluß der Feier wurde Fräulein Härtel noch mit einem Geschenke bedacht, welches derselben von Frau Fabrikant W eidig im Namen der Eltern der kleinen Jugend, mit einer Ansprache, worin Dank und Anerkennung ausgesprochen wurde, übergeben. O.

Gießen, 24. December Während der Wocke vom 14. bis 20. December starben in Gießen im Ganzen 13 Personen, unter welchen sich 2 Kinder im ersten Lebensjahre und 2 im 3. Lebensjahre befanden. Die beiden ersteren starben an Krämpfen, von den beiden letzteren das eine an Masern, daS ander« an Rachenbräune. Als Todesursacke bet vcn erwachsenen Personen wurde angegeben Lungenschwindsucht 2mal. Krebs, Herzkrankheit, Leberentartung, Selbstmord, Schlagfluß, Altersschwäche je einmal. Einmal konnte die Todesursache nicht mit Bestimmtheit angegeben werden. G.

Die Kälte bat auch heute wieder mehr angezogen. Das Thermometer sank heute Nacht auf IfO kalt. Um 9 Uhr früh waren es noch 17», um 12 Uhr 13<>.

Die Volksküche vertheilte heute 665 Portionen. Verkauft wurden 167 Portionen, vertheilt 498.

Vermischtes.

Mainz, 22. December Die Kälte der vcrfloffenen Nackt wir hatten 20 Grad Reaumur hat der Eisdecke des Rheines eine solche Festigkeit gegeben, daß sogar der Trans­port mit schweren Gütern über die gefrorene Eisdecke bewerkstelligt werden kann. Die ver-