Aegypten.
Kairo, 18. August. Las ganze Cabinet hat seine Entlastung gegeben. In dem neuen Cabinet wird der Khedtve selbst den Vorsitz, Zulficar Justiz und Inneres, Mustapha Fahni Aeußeres, Haidar die Finanzen, Osman Refkr den Krieg und die Marine, Mehemed Marascli die öffentlichen Arbeiten und AU Ibrahim das Unterrichts-Portefeuille übernehmen.
Telegraphische Depeschen.
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Berlin, 19. August. Der „Retchs-Anz." publicirt die Ernennung des Oberverwaltungs-Gerichtsraths v. Goßler zum Unterstaatssecretär und Director im Cultusmintsterium.
Wien, 18. August. Meldung der „Polit. Corresp." aus Konstantinopel : Die Einwohner von Marmitza im Distrtcte von Volo haben beschwerdeführend an mehrere Botschafter telegraphirt, daß die türkische Behörde die vom Sultan erlastene Steuer des Vorjahres eintreibt, sie zu Frohnarbetten zwingt und hundert ihrer dagegen oppontrenden Mitbürger etnkerkerte. Sie bitten schließlich um Abhülfe oder Ermöglichung der Auswanderung.
Wien, 19. August. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel: Die Botschafter der Mächte beantworteten durch eine Collectiv-Mittheilug die Anzeige der Pforte über die Ernennung der Commistäre für die griechischen Verhandlungen dahin, daß sie, nachdem die Ernennung der Commistäre um drei Monate verzögert worden sei, nunmehr die Anzeige des Eröffnungstages der Verhandlungen innerhalb 48 Stunden gewärtigen.
Wien, 19. August. Der Kaiser ist heute aus Ischl hierher zurückgekehrt und hat von den neuernannten Ministern den Eid entgegengenommen.
Konstantinopel, 19. August. Die die serbischen Ansprüche anläßlich des Einfalls der Arnauten zurückweisende Note der Pforte wurde am 16. August übergeben. — Die Pforte hat einen höheren Beamten nach Samos gesandt, um die gegen den Senat vorgebrachten Beschwerden der Bevölkerung zu prüfen und die nothwendigen Maßregeln zu ergreifen.
Berlin, 19. August. Anknüpfend an den Artikel der Petersburger Wochenschrift „Otgoloszki", welcher bezüglich der feindseligen Aeußerungen der russischen Preste in den Angelegenheiten der auswärtigen Politik darauf htn- weist, daß die russische Ober-Preßverwaltung sich mit Beständigkeit und Ge- wistenhaftigkett jedes Etnflustes hierbei enthält, schreibt die „Nordd. Allg. Ztg.": Wir glauben eine Erklärung nur darin finden zu können, daß die ganze Ver* hetzung der öffentlichen Meinung gegen Deutschland von der nihilistischen Partei und von hohen Beamten, welche diese Partei als Werkzeug für ihre Zwecke benutzen, betrieben wird. Daß die Störung guter Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland einen Theil des Programmes der Umsturzpartei bildet, ist begreiflich. Es muß ihr daran liegen, die gegenseitige Anlehnung dieser beiden großen conservattven Monarchen zu untergraben. Aber welche Zwecke verfolgen Beamte, ohne deren passive und active Begünstigung ein solches Treiben der Preste nicht möglich wäre?
Pesth, 20. August. „Ellenör" zufolge wird voraussichtlich der österreichische Botschafter in London, Graf Karolyi, zum Nachfolger Andraffy's ernannt werden. Die Ernennung würde noch in dieser Woche erfolgen.
Nürnberg, 20. August. Dem „Fränkischen Kurier" zufolge passirte in der Nacht von gestern auf heute Minister Cairoli mit Gemahlin Nürnberg auf der Reise nach Straßburg.
Die Mer der Enthüllung des Landes-Denkmals in Darmstadt.
Darmstadt, 19. August. So wäre es denn vorüber, das schöne Fest der Enthüllung unseres Landes-Kriegerdenkmals, ein Fest, das in der freudigen Geschichte des Hessenvolkes stets einen der ersten Plätze einnehmen wird, das unserem Vaterlande und speciell unserer Vaterstadt zu hoher Ehre gereicht, deren Bürgern es vertrauensvoll in die Hand gegeben war, die äußere Begehung des Festes zu einer seiner Bedeutung würdigen zu gestalten. Die Stadt Darmstadt hat ihre Ehrenaufgabe in einer Weise gelöst, welche ihr den Dank der Festgäste aus allen Theilen unseres Landes sichert. Im Festgewand empfing sie ihre Gäste, welche in den frühen Morgenstunden die Bahnzüge aus allen Richtungen ihr zuführten; im Festgewand durchzog unsere Schuljugend die Straßen, um sich in ihren Schulen zum Festzuge zu versammeln. Es war auf jedem Gesicht der Ausdruck reiner Freude zu lesen, um die Vollendung eines Werkes, das Dankbarkeit und Liebe gegen die tobten und lebenden Streiter aus großer Zeit geschaffen. Diese Festesfreude konnte auch nicht getrübt werden durch den von 7 Uhr an sich in Strömen ergießenden Regen. Namentlich ließen es sich die beiden hier bestehenden Kriegervereine nicht nehmen, draußen auf dem Friedhöfe, wo ihre tobten Kameraden aus ben Jahren 1870 und 1871 ruhen, diesen ihren Ehrentribut zur festgesetzten Stunde zu zollen. Der „kameradschaftliche Kriegerverein" hielt seine Feier um halb 6 Uhr, der „Kriegerverein" um 8 Uhr. Ueber erstere konnten wir bis jetzt nähere Erkundigungen nicht einzieben, von letzterer aber können wir nach eigener Anschauung bemerken, daß sie eine dem Vereine in hohem Grade zu Ehren gereichende war. Von dem Gedanken getragen, unser schönes Landesfest nicht besser beginnen zu können, als durch einen Act der Pietät gegen Diejenigen, welche uns die Abhaltung desselben mit dem Verluste ihres Lebens ermöglichen halfen, versammelten sich zahlreiche Mitglieder des Vereins um 8 Uhr auf dem Friedhöfe, um in Begleitung einer Musik und der Vereinsfahne zum Kriegerdenkmal zu ziehen, wo bereits eine große Zahl von Leuten erschienen war, welche der Feier anwohnen wollten. Es waren Angehörige der Gefallenen aus allen Theilen des Landes, Männer und Frauen unserer. Stadt, Vertreter auswärtiger Kriegervereine und Gemeinden, welche sich der in ihrer Einfachheit erhebenden Feier anschlossen. Nachdem die Musik vor dem Denkmal einen passenden Choral gespielt, ergriff in Verhinderung des Veremspräsidenten Kamerad Mayer das Wort zu folgender Ansprache:
Kameraden, die Ihr, von der Hand vaterländischer Liebe zugedeckt, in sanfter, süßer Ruhe hier schlummert, an Euren Grabeshügeln wollen wir, Eure Kameraden, unser heutiges hehres Fest beginnen. Euch, Ihr treuen Tobten, gilt unser erster Gruß heute an bem Ehrentage der hessischen Division, ber Ihr zum größten Theile angehört, ober mit welcher Ihr in schwerer unb großer Zeit Schulter an Schulter gekämpft. Nehmt hin, Ihr, bie Ihr ba unter'm Grase ruhet, ben Dank Derer, welche bas mörberische Blei braußen verschont unb bie heute zu Euren Gräbern wallen, um hier ben heiligen Schwur zu erneuern, bie mit Eurem theuren Blute erkaufte Erbschaft bes großen einigen beutschen Vaterlanbcs in bem Geiste zu bewahren, bcr Euch beseelte, als ber letzte Schlag Eures brechenben Herzens Euren Lieben im beutschen Vater- lanbe galt.
Das Vaterlanb bewahrt Euch Treue um Treue. An seinem Ehrentage gebenkt es in erster Linie seiner theuren Tobten. An den Lorbeerkränzen, bie es auf bie Gräber all' der Kämpfer aus bem glorreichen Völkerkrieg nieberlegt, hängt Euer Blut, sie sinb benetzt von ben Thränen Eurer Eltern, Eurer Wittwen, Eurer Kinber unb Geschwister — gewiß eine schöne Zier, geweiht ben Manen Derer, bie für bes Vaterlanbes trauten Heerd hinausgezogen sind unb ihn beschützt haben.
Dem Menschen ist nichts eigen, Es steht ihm nichts so an, Als baß er Treu' erzeigen Unb Lieb' erweisen kann.
Wir, ber Kriegeroerein, wollen bieses Wort wahr machen; in Treue unb in Liebe kommen wir zu Euren Gräbern am heutigen Festtage, besten freubige Begehung Ihr
uns mit bem Einsatz Eures Lebens ermöglichen halst; in Treue unb in Liebe wird Euer Gebächtniß leben, so lange noch ein Tropfen Blutes durch beutsche Abern rinnt. An Euren Grabeshügeln wollen wir unb soll sich bas kommenbe Geschlecht bie Mahnung holen, Euch nachzueifern in sreubigem Opfermuthe für das Wohl des theuren Vaterlandes.
Nehmt hin ben schlichten Kranz, ben Dankbarkeit und Kameradschaftlichkeit Euch heute widmet, Ihr treuen Todten; was Ihr mit Eurem Herzblute erkämpfen halft, das große deutsche Vaterland — es wird Eure Gräber auch ferner ehren, deren Anblick uns in wehmüthig starker Weise zuruft:
Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, In keiner Noth uns trennen unb Gefahr.
Das walte Golt!
Nicht blos aus Frauenaugen fahen wir Thränen rinnen, als Herr Mayer ben prachtvollen Lorbeerkranz an ben Stufen des Denkmals nieberlegte, auch über bie Wangen manchen Kriegers rollten sie nieber in bem Momente, wo Denen Ehre geschah, bie braußen in ber Felbschlacht einst Schulter an Schulter mit ihm kämpften. Der Sängerchor des Vereins schloß bie Feier mit bem Vortrag bes ergreifenben Liebes „Söhne ber Schlacht".
Der Himmel hatte unterbepen Erbarmen mit bem schönen Feste bekommen und um 9 Uhr füllten sich die Gotteshäuser, wo eine Andacht zum Gedächtniß ber Gefallenen gehalten würbe. In bcr Stabtkirche, bie fast überfüllt war, hielt Herr Pfarrer Dr. Sell folgenbe Rebe:
Sie sind hier im Gotteshause zusammen gekommen zur stilleren Vorfeier eines rauschenden Festtages. Im Gotteshause — damit ist schon der Ton angegeben, der diese Feier durchziehen soll. Wie wir gern am frühen Morgen unserer hohen Kirchenfeste, die zugleich christliche Familienfeste sind, die Gräber Derer schmücken, die sich früher mit uns freuten, so treten wir jetzt im Geiste an die Gräber Derer hin, die heute vor neun Jahren oder in ben folgenden Monaten des großen Krieges bie Tobes- wunde, ben Tobeskeim empfingen, wir benfen Derer, bie für uns gefallen unb gestorben sinb. Ein Denkmal aus Erz unb stein reichen wir ihnen heut', aber ber beste Dank ist, baß man ihrer gebenkt. Unb bas können wir hier am besten, wo ihre Namen ae- schrieben stehen, wo oft genug treue Liebe ihnen in ber Stille nachgeweint hat. Aber auch ben Lebenben soll bas Denkmal gelten, bie im Felbe mit ber Waffe geftanben ober pflegenb, helfend» unb berathenb, unb wenn wir das ganze Heer nennen wollen, bas bamals wirklich ober im Geiste im Felbe staub, nun, es ist Allbeutschlanb gewesen, Männer unb Frauen zumal, bas ganze Vaterlanb, es war bamals ein Felblager, unb Alle, ber vertrockneten Seelen ausgenommen, bie ber allgemeine Jubel unb bie allgemeine That nicht rührte, haben ihren Antheil gehabt am Sieg ber beutschen Heere. Unb so ist bas Lanbes-Kriegerbenkmal recht eigentlich ein Denkmal ber großen Zeit, bie wir vor neun Jahren erleben burften.
Wie ber Gebaute feiner Errichtung ber noch frischen Begeisterung jenes Sieges- unb Friebeusjahres entsprang, so soll es selber künftigen Geschlechtern von bem Geiste zeugen, der es errichtet hat. Solches Zeugnisses bedürfen wir. Was wir feit jener einzigen Zeit erlebt von wahrhaft ungeheurem Frevel an Kaiser unb Reich, an Gott unb Vaterlanb, bas hat es auch den harmlosesten Gemütheru gezeigt, wie uothwenbig uns sichtbare Erinnerungszeichen sind in einem Augenblicke unvergleichlicher Größe unserer Nation, wie er vielleicht nicht ein zweites Mal wieder kommt, wie uothwendig Denkmäler sind, um das Volk denken und danken zu lehren.
„Wer Dank opfert, der preiset mich," so spricht ein großartiger Psalm im Namen Gottes des Ewigen. Das ist das wahre Lob Gottes: em dankbares Herz. Und so dürfen wir ja wohl hoffen, heute wo uns das Herz so mancher vaterländischen dankbaren Gedanken voll ist, auch wenn sie nicht unmittelbar mit göttlichen Dingen in Beziehung stehen, etwas zum Lobe Gottes zu thuu- Und wem danken wir diese große Zett?
Wir danken sie Gott und unserem Heere.
1) Wir danken sie Gott Lasset uns laut und deutlich das Bekenntniß auo- sprecheu. rote es der Führer aller deutschen Heere, unser Kaiser, so oft gethan, wie sich's seine größten Feldherren unb Staatsmänner auszusprechen nicht gescheut unb wie eö ber mwerbilbete (Sinn unseres Volkes noch versteht, währenb allerbings ein guter Theil im Jrrgai ten einer kurzsichtigen unb schwunglosen Vielwisserei verloren, nicht mehr zu sagen wagt: Sieg unb Ehre kommen von Gott. Solche Dinge, wie wir sie bamals in wenigen Monaten erlebt haben, bie möge ein Anberer bem Zufall ober ber Nemesis ober sonst einer neuaufgeputzten heibnischen Gottheit auf Rechnung schreiben, unferem gesunben Menschenverftanb will es nicht einleuchten, baß eine Zeit von so unvergleichlicher Größe, ein vergeltendes Gericht fast ohne Beispiel in der Weltgeschichte, eine Abrechnung zwischen zwei Völkern von der erschütterndsten Pünktlichkeit sich solle vollzogen haben, ohne eine Hand, bie ba vergalt unb abwog unb strafte, ja es will uns menschlicher unb ebler gebucht scheinen, wenn wir auch dem Feinbe es zu Gute kommen lassen, baß nicht allein eigene Unbesonnenheit unb Eitelkeit, fonbern baß Gottes Hand ihn geschlagen hat; haben doch rechte Männer, bie früher zu ben Freigeistern gehört, es bekannt, burch bies Walten der Vorsehung in ben Geschicken unsres Volkes zu Gott bekehrt worben zu sein, sichtbar unb hörbar mit Augen unb Ohren sinb freilich Gottes Gerichte nicht. Wenn unser Psalm sagt: „Gott ber Herr ber Mächtige rebet unb ruft ber Welt vom Aufgang ber Sonne bis zum Niebergang. Unser Gott kommt unb schweiget nicht. Er ruft Himmel unb Erbe, baß er sein Volk richte", so spricht er von Dingen, die man so wünschen und greifen kann als man feinen eigenen Geist sehen und seine Gedanken greifen kann. Aber bie ganze tiefsinnige Ordnung der sichtbaren Welt nach Maß unb Zahl, Verhältnissen unb Gestalt, bie nur ber suchenbe Verstaub enträtselt, ist auch nicht sichtbar unb boch glaubt jrber an sie, ber ihre Geheimnisse erforscht- Unb nur ein Theil biefer Weltorbnung ist bas Richteramt Gottes über bie Völker — ben heibnischen Völkern waren ihre Kriege Entscheibungsfchlachten zwischen ihren Göttern selbst. Seitbem ber gesittete Theil ber Welt bem Einen Gott bient, haben auch bie Kriege einen anberen Sinn angenommen. Dort galt es Unterjochung, womöglich Vernichtung ber Feinbe, jetzt hanbelt es sich im Kriege zwischen zwei christlichen Nationen nur noch um ein Uebergewicht ber einen über bie anbere- Wir glauben nicht mehr, baß irgenb ein Volk Europa's nicht sein solle, weil jebes einen eigenthüm- lichen Beitrag zu der christlichen Gesittung stellt. Mit biesem Glauben — unb das ist christlicher Glaube über Völkerleben unb Völkerkrieg — traten wir vor neun Jahren in ben Krieg, nicht um ben Feind» zu zermalmen, fonbern um vielhunbertjährigen lieber; muth in seine Schranken zurückzuweisen. Es gelang burch Gottes Hülfe in einem Umfang unb einer majestätischen Sicherheit bie Niemanb erwartete.
Wir haben Gott Lob nicht bas Weh unb ben Jammer hinein nach Frankreich getragen, ben sie über uns gebracht, wohl aber benfelben Respect bort erzwungen, ben wir früher in eigener Schwäche ihren kriegslüsternen Einfällen schenken mußten. Seit ber Zeit, ba bas Deutsche Reich bie Wacht bes Friebens in Europa übernommen, haben wir welterschütternbe Fragen zur Lösung kommen sehen, ohne baß sie einen Weltkrieg zur Folge gehabt hätten. Die gelassene Ruhe unb bas gezückte Schwert in beutsckem Arm, sie haben's verhinbert. Wenn Unzufricbene unb Kleingläubige, Schwärmgeister unb Unruhestifter jammern, bas Deutsche Reich habe uns nichts gebracht als neue Steuern unb unerschwingliche Militairlast, sie sollen Recht haben; aber was mit keinem Gelbe zu bezahlen ist unb wofür andre Geschlechter gern Gut und Blut hingegeben hätten, das ist errungen: bie Freiheit Deutschlanbs im eignen Hause, bas Ansehen Deutschlanbs im Rath ber Völker unb bamit die Zukunft bes beutschen Namens in allen Länbern unb auf allen Meeren. Auch bie Völker leben ja nicht von Brob allein unb wie ber Richterspruch Gottes bamals jebem ehrlichen Deutschen im tiefsten Herzen wohlgethan, so kann er's boch auch noch heute. Wenn wir nicht in ben leibigen Parteikämpfen, mit benen wir uns ben meisten Theil der Zeit vertreiben, so bettelarm an Zufricbenheit unb so krämerhaft in unseren Anschauungen geworben wären, bie wir boch früher glaubten, auf eine würdige Stellung der deutschen Nation komme es jedem ächten Deutschen an — so würden wir's noch täglich mit Freude und Stolz empfinden. Freilich eines Volkes Ehre und Ruhm, große Erinnerungen und gemeinsame Helden — die sind wie der gemeinsame Glaube und die eine Sprache nur geistige Güter. Dem sie nichts gelten, dem ist nicht zu helfen; der möge hinziehen, wo's kein Vaterland gibt.
Und wenn wir nun als ein zum Theil selbstverschuldetes Nachspiel ber großen Leit baran erinnert worben sinb, baß wir trotz unserer Überlegenheit in Waffen boch ein armes Volk sinb unb in vielen Künsten unb Geschicklichkeiten hinter anbern zurück, wenn wir aus einem fast allgemeinen Rausch ber Ueppigfeit will's Golt enblich wieber erwacht sinb, so ist auch bas ein rechtteitiaer Ruf Gottes gewesen, uns aut das zu besinnen, was wir leisten können, und die deutsche Ehre darin zu suchen, baß wir die männlichen Tugenben ausbilben, wozu wir berufen sinb, inbeß anberen Volkern Anberes gegeben ist. Ja so verstehen wir bie beklagenswerthen Dinge, bie wir erlebt.
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