stattfindet, vielmehr ist, wenn der Verurteilte auf wiederholte Aufforderung zum Abverdienste ohne genügende Entschuldigung ausbleibt, die Sache an das Amtsgericht abzugeben, welches die Vollziehung der Strafe als Freiheitsstrafe anzuordnen hat. Für einen Tag Arbeit ist ein Geldbetrag von 1 20 H,
für einen Tag Haft ein Geldbetrag von 1 Jl. zu rechnen.
Darmstadt, 15. Septbr. Trotz des fortwährenden Steigens der Normalsteuer-Capitalien, insbesondere derjenigen der Einkommensteuer, sind nach einer desfallsigen Zusammenstellung innerhalb 5 bis 6 Jahren die Com- munalsteuern in unserem Lande durchschnittlich um etwa 33i/3 pCt. in die Höhe gegangen und hat diese steigende Tendenz, wie es scheint, noch keineswegs eine Abschwächung erfahren.
Darmstadt, 16. Septbr. Zur Ausführung der veränderten Gerichtsorganisation haben Seine Königliche Hoheit der Großherzog zu Gerichtsvollziehern mit Wirkung vom 1. October L Js. mit den dabet angegebenen Amtssitzen zu ernennen geruht:
Mit dem Amtssitze zu Gießen:
1) den Actuartatsaspiranten Karl Bühner zu Gießen;
2) den Actuariatsaspiranten Emil Geißler zu Butzbach;
3) den Scrtbenten bet dem Forstamte August Bauer zu Friedberg.
Mit dem Amtssitze zu Alsfeld:
1) den Actuartatsgehülsen Philipp Rettig zu Fürth;
2) den Actuariatsgehülfen Ludwig Weitzel zu Alsfeld.
Mit dem Amtssitze zu Altenstadt:
den Ernst Schmit, Gehülfen auf der Kanzlei des Bezirksstrasgerichts zu Darmstadt.
Mit dem Amtssitze zu Büdingen: den Actuartatsaspiranten Hartmann Fey zu Büdingen.
Mit dem Amtssitze zu Butzbach:
den Privatscribenten Karl Venator zu Friedberg.
Mit dem Amtssitze zu Friedberg:
1) den Actuartatsaspiranten Johannes Ketl zu Laubach;
2) den Actuariatsaspiranten Karl König zu Friedberg.
Mit dem Amtssitze zu Grün berg:
1) den Actuariatsaspiranten Leopold Wa lisch midt zu Gießen, dermalen Sergeant in dem Großh. 2. Jnf.-Regtment Nr. 116 und commandtrt zur 49. Infanterie-Brigade;
2) den Actuariatsaspiranten Karl Röth zu Lorsch.
Mit dem Amtssitze zu Herbstein: den Actuariatsgehülfen Philipp Knterim zu Herbstein.
Mit dem Amtssitze zu Homberg: den Actuariatsaspiranten Theodor Metz zu Homberg.
Mit dem Amtssitze zu Hungen:
den Actuariatsaspiranten Karl Leonhard Vetzberg er zu Hungen.
Mit dem Amtssitze zu Lauterbach:
den Steueraufseher Heinrich Vogt zu Oppenheim.
Mit dem Amtssitze zu Ltch:
den Privatscribenten Johann Peter Spreng zu Darmstadt.
Mit dem Amtssitze zu Bad Nauheim:
den Actuariatsaspiranten Philipp Jakob Heutzenröder zu Friedberg, dermalen Ges reiter bet dem Landwehr-Bezirks-Commando zu Friedberg.
Mit dem Amtssitze zu Nidda: den Crtminalschutzmann Adolph Kuhn zu Darmstadt. Mit dem Amtssitze zu Ortenberg: den Actuariatsaspiranten Hermann Müller zu Ortenberg.
Mit dem Amtssitze zu Schotten: den Actuariatsaspiranten Julius Theiß zu Hungen.
Mit dem Amtssitze zu Ulrichstein:
den Actuariatsgehilfen Karl Ringel mann zu Grünberg.
Mit dem Amtssitze zu Vilbel:
1) den Actuariatsaspiranten Dietrich Born zu Zwingenberg;
2) den Gerichtsvollzieheraspiranten Georg Esselborn zu Mainz.
Darmstadt, 17. Septbr. Das heute ausgegebene Großherzogltche Regierungsblatt Nr. 42 enthält die Verordnung, die Zustellungen und die Behändigungen betreffend.
Berlin, 15. Septbr. Unter der Leitung des Chefs des Generalstabes, des Grasen Moltke, wird vom 25. d. eine Generalstabsübungsreise zur Ausführung kommen, welche nach den allgemeinen Dispositionen von Kolmar ausgehend, das Ober- und Unter-Elsaß berühren wird. Außer dem Grafen Moltke nehmen an der Tour Theil 2 Adjutanten, 5 Abtheilungschess bezw. Regiments-Commandeure, 13 Stabsosfictere, 10 Hauptleute, 3 Unterofficiere, 43 Gemeine.
Königsberg, 15. Septbr. Aus den Tagen des Aufenthaltes des Kaiserpaares hier werden noch mancherlei charakteristische Züge gemeldet. Welchem Ansturm die Gnade des Kaisers und der Kaiserin ausgesetzt war, geht daraus hervor, daß die im Civilkabinet und bei der Hofdienerschaft etn- geretchten ober in die vorüberfahrenden Equipagen der Kaiserlichen Herrschaften geworfenen Bittschriften täglich zwei große Ledermappen reichlich füllten. Und jedes dieser Schreiben wurde freundlich angenommen und sofort behufs weiterer Entschließung den Localbehörden zum Bericht über die Verhältnifle des Bittstellers übersandt. Als der Kaiser am Montag nach dem Südbahnhof fuhr, um von dort sich nach dem Manöver-Terrain zu begeben, verfolgte eine alte Frau den Kaiserlichen Wagen im vollsten Laufe und hielt einen Brief in die Höhe. Unverdroffen setzte sie ihren Laus fort, bis der Kaiser in der Satt- lergaffe hiervon Kenntniß erlangte und den Befehl gab, den Wagen anzuhalten. Mit eigener Hand nahm er der Frau den Brief ab, nickte ihr freundlich zu und setzte seinen Weg fort. Als der Kaiser auf der Rückkehr vom Manöver durch die Judengaffe fuhr, wollte ein junges Mädchen einen Brief in den Wagen werfen. Als der Brief aber vorbei auf den Wagentritt fiel, neigte sich der Kaiser hinaus und hielt mit dem Stock den Brief so lange fest, bis das Mädchen aus der Menge hervoreilte, den Brief nahm und ihn nun dem Kaiser überreichte.
Berlin, 16. Septbr. Durch das Reichsgesetz wegen des Verkehrs mit Nahrungs-, Gebrauchs- und Genußmitteln ist der Handel mit Nahrungs- und Genußmitteln, sowie mit Sptelwaaren, Tapeten, Farben, Eß-, Trink- und Kochgeschirr, auch mit Petroleum einer besondern polizeilichen Beaufsichtigung unterstellt, die namentlich darauf zu richten ist, daß keine verdorbenen, nachgemachten und verfälschten Nahrungs- oder Genußmittel fetlgchalten und keine
Bekleidungs-, so wie die anderen vorgenannten Gegenstände hergestellt oder verkauft werden, durch deren Gebrauch die menschliche Gesundheit geschädigt werden könnte. Verschiedentlich sind die Polizeibehörden ausgefordert worden, sich mit den Bestimmungen dieses Gesetzes genau bekannt zu machen und sich einer gewissenhaften, strengen Beobachtung der ihnen durch daffelbe übertragenen Obliegenheiten zu befleißigen.
Hesteneich.
Wien, 16. Septbr. Die „Poltt. Corresp." meldet aus Konstantinopel: Die Aussichten auf Fortsetzung der griechisch-türkischen Conserenzen sind insofern wieder ungünstiger, als die Pforte in die Discusfion der eigentlichen Grenzfrage infolange nicht eintreten zu wollen scheint, bis nicht über die Auslegung des 13. Protokolls definitiv entschieden ist. Die Pforte soll geneigt sein, sich einer schiedsrichterlichen Entscheidung der Mächte in der Protokollfrage zu unterwerfen. — Die „Polit. Corresp." meldet auS Priepolje: Der Herzog von Württemberg und Husni Pascha sind gestern dort einzetroffen. In Folge der Besetzung Priepoljes wurde die österreichische Aufstellung auf der Straßenabzweigung gegen Nooavaros geräumt. — Aus Belgrad. Die serbische Regierung ordnete eine Enquete über die Offerte der österreichischen Staatsbahn und das die Gründung einer serbischen Nationalbank betreffende Project Fremy's ein.
England.
London, 16. Septbr. Was über die Mangelhaftigkeit des jetzt für einen Afghanenfeldzug verfügbaren Transportmaterials gemeldet wurde, war nicht übertrieben. Nicht 40,000, sondern 60,000 Kamele gingen während der kurzen Kriegsoperationen des vorigen Jahres zu Grunde, und andere Zugthiere sind schwer zu verwenden, da ihre Verpflegung im afghanischen Gebtrgslande auf die allergrößten Schwierigkeiten stoßen würde. Auch die Stärke der Regimenter — vollzählig waren sie bekanntlich nie — ist in Folge von Beurlaubungen und Krankheiten eine geringere, als man nach der Darstellung auf dem Papiere glauben sollte. Kein Wunder daher, daß die Militärbehörden den Gedanken eines waghalsigen Handstreichs auf Kabul aufgaben und der Sicherheit des Erfolges wegen vor Allem auf die Zusammenziehung einer entsprechenden Streitmacht bedacht sind. Daß dem so sei, sagen uns sämmtliche aus Indien einlaufende Depeschen, die nichtamtlichen sowohl, wie die amtlichen.
Amerika.
New-Aork, 15. Septbr. Nachrichten aus der Havannah zufolge haben sich 80 Insurgenten des Districts San Jrgo unterworfen und hat die Regierung eine Amnestie für alle sich Unterwerfenden pcoclamtrt.
— Nachrichten aus Panama vom 6. d. zufolge war der amerikanische Minister-Resident in Bolivta von Chile nach Arica zurückgekehrt. Gerüchtweise verlautet von Friedensunterhandlungen, doch liegen noch keine bestimmten Nachrichten darüber vor. — Der peruanische Minister des Auswärtigen telegraphirt an den peruanischen Geschäftsträger in New-Dark, das peruanische Kriegsschiff „Huascar" habe am 28. August Antofagosta angegriffen, nach vierstündigem Kampfe das feindliche Feuer zum Schweigen gebracht und die Hauptbatterte des Feindes zerstört.
Telegraphische Depeschen.
«aguer's telegr. Tvrresp-ubeur ■ ©nrea«.
Berlin, 17. Septbr. Die „Provinzial-Correspondenz" bespricht den jüngsten Erlaß des Cultusmtnisters an den westfälischen Klerus und erklärt sich hierüber folgendermaßen: Durch diese klare Kundgebung des Minister- wird allem Gerede von kirchlicher Reaction, welche seit Wochen den Mittelpunkt der liberalen Wahlagitation bildet, der Boden entzogen. Je weniger man hoffen konnte, dem Fürsten Bismarck aus dem Gebiete praktischer Fragen, um deren Lösung es sich zunächst handelt, erfolgreich entgegenzutreten, um so befliffener suchte man den jüngsten Ministerwechsel zu benutzen, um den Wählern ein Schreckbild rückschreitender Bewegung, namentlich der Pretsgebung der Rechte des Staates in kirchlichen Dingen vorzusptegeln, welcher in Thatsachen keine Begründung hat. Die jetzigen Aeußerungen des Ministers werden diesem Treiben hoffentlich ein Ziel setzen, man wird der Regierung, an deren Spitze nach wie vor Fürst Bismarck steht, das Vertrauen schenken, daß sie unser Schulwesen in Wahrheit aus dem Boden der alten bewährten Überlieferungen fortzuentwtckeln entschlossen ist. Zugleich wird man in wetten Kreisen des Bürgerthums wie der ländlichen Bevölkerung der Ueberzeugung des Ministers zustlmmen, „daß mit dem Tage, wo wir aufhören würden, für den Volksunterricht aus dem unversieglichen Hetlsbrunnen des Evangelium- zu schöpfen, der Niedergang des gejammten nationalen Culturlebens besiegelt wäre."
London, 17. Septbr. Meldung des Reuter'schen Bureaus aus der Capstadt, 28. August (via Aden): Cetewayo ist am 28. August gefangen genommen worden.
Berlin, 17. Septbr. Ueber die Manöver-Retsen des Kaisers nach Preußen und Pommern berichtend, schreibt die „Provinzial-Correspondenz": Die Uebungen im Bereiche beider Armeecorps machten einen günstigen Eindruck und bestätigten nach allseitigem Zeugntß die erfreuliche Ueberzeugung von der stetig fortschreitendell Ausbildung unserer Armee. — Die Berufung des Landtages ist, derselben Correspondenz zufolge, etwa für den 23. October in Aussicht genommen.
London, 17. Septbr., Abends. Meldung des Reuter'schen Bureaus aus Sirnla vorn 17. ds.: Ein Sergeant und einige Guiden sind aus Kabul nach Alikheyl entkommen. Die Militärbehörden erhielten Nachrichten, wonach seitens der Grenzstämme die Verbindung zwischen Khyber und Kabul theilweise zerstört worden ist. Transportschwierigkeiten verzögern den Vormarsch der Colonnen von Khyber und Kurum, welche je 11000 Mann aller Waffengattungen zählen.
Konstantinopel, 17. Septbr. Heute waren in der Stadt verschiedene Gerüchte über ein angebliches Attentat auf den Sultan verbreitet. Ver- anlaffung hierzu gab ein angeblich geistig gestörtes Individuum, welches den Eingang in den Jddiz Kiork erzwingen wollte, hierbei 3 Soldaten verwundete und selbst schwer verwundet wurde.
Berlin, 18. Septbr. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge war Mitte August eine größere Zahl deutscher Manchesterlicher Notabilitäten in London versammelt.


