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Der I. deutsche Thierschutz-Gongreß zu Gotha.
(Fortsetzung)
Nachdem sich noch Bezirksthierarzt Berner-Pforzheim für die Gründung einer offtcieUeit Zeitschrift ausgesprochen hatte, erhriff Dr. Schaefer-Darmfta^t das Wort unb führte aus, daß es heute unmöglich fei, den Entwurf des Herrn Referenten zu berathen, da derselbe nicht gedruckt in Jedermanns Hand und zu umfangreich sei um denselben im Kopfe zu behalten. Er schlug deßhalb vor die Berathung emer Lom- mission, bestehend aus dem Bureau, verstärkt durch den Referenden, mit dem Rechte der Cooptation, zu übertragen, welche dann das Resultat ihrer ^beit allen Vereinen gedruckt zur weiteren Beschlußfassung oorzulegen habe. Was nun die Schaffung einer officiellen Thierschutzzeitschrift anlange, fuhr Redner fort, so sehe er den Zweck derselben nicht ein; es existirten in Deutschland eine Anzahl derartiger Blatter, welche seines Erachtens allen Bedürfnissen genügten. Alle diese Zeitschriften würden gewiß gern den officiellen Bekanntmachungen des Centralvorstandes ihre Spalten offnen, wodurch dieselben ja zur Kenntniß aller Vereine kämen Auch wurde die Gründung emer neuen Zeitschrift nicht ohne erhebliche Geldopfer möglich sei abgesehen davon, daß die betr. Vereine die von ihnen herausgegebenen und recht segensreich wirkenden ^h^^lchutz- blätter wohl kaum zu Gunsten eines Centralorgans aufgeben wurden; er schlage vor, daß sich diejenigen Vereine, welche keine Zeitschrift Herausgaben, eine der schon bestehenden aussuchen und zu ihrem officiellen Organe erklären mochten, es würde dann allen Bedürfnissen Genüge geschehen sein; gegen Gründung eines neuen Organs müsse er fid) entschieden aussprechen, womit sich auch Dr. Kurten-Berlin vollkommen em- oei^tan^^rc^ar^.e^ri|ant Riegelmann-Hanau den Ausführungep Schaefer's ent- gegengetteten war und seinen Antrag normaleJ wrtJeiW ^atte ergriff JRittmetfier v Luck-Wiesbaden das Wort und lud, nachdem er sich mit den Ausführungen Schaefer's in Bezug auf die Berathung der Organisation einverstanden erklärt hatte, im Namen des Wiesbadener Vereins ein, den nächsten Congreß dort und zwar im Jahre 1881 abhalten zu wollen, was mit allgemeiner Freude begrüßt wurde.
Dr v Ru eff-Stuttgart dankte im Namen der Anwesenden für die freundliche Einladung und beantragt, dem Wiesbadener Verein den Dank des Kongresses auszusprechen, was mit Acclamation gutgeheißen wurde.
Nach Schluß der Debatte spricht sich der Referent ebenfalls gegen die Gründung einer officiellen Zeitschrift aus, da dieselbe sich seines Erachtens nicht lange halten könne da sie ein Concurrenzunternehmen aller schon bestehenden Zeitschriften sein würde. Nachdem er noch in Bezug auf die Ausführungen des Herrn von Kochtizky darauf Angewiesen, daß nach seinen Anträgen diejenigen deutschen Thierschutzvereme, welche sich bei der Centralstelle nicht anmeldeten, als nicht anerkannt gelten sollten, wünscht er für diesesmal, die ja nur geringen Kosten auf die teilnehmenden Vereme als solche ausschlagen zu lassen, welchem Anträge Correferent Hartmann sich anschließt.
Bei der hierauf folgenden Abstimmung wird der Antrag Dr. Schaefer s- Darmstadt bezüglich der Berathung des Organisationsstatuts angenommen, und ebenso beschlossen, der freundlichen Einladung nach Wiesbaden für 1881 Folge leisten zu wollen. Nachdem nun noch das Präsidium des Congrefses beauftragt worden war, in Folge Annahme eines Antrages des Korreferenten Hartmann, ein Verzeichmß aller deutschen Thierschutzvereine, sowie der Präsidenten und Schriftführer derselben aufzustellen und allen Vereinen im Druck zu übersenden (welche Aufstellung alljährlich zu wiederholen fei), theilt der Vorsitzende noch die Einladung des Brüsseler Vereins zur Theilnahrne an dem im nächsten Jahre dort abzuhaltenden internationalen Thierschutz-Congreß mit nnt) empfiehlt den deutschen Vereinen die Beschickung auf's Wärmste.
Nach Erledigung dieser Gegenstände wurde kurz nach 11 Uhr die Sitzung für eine halbe Stunde aufgehoben, um der Zehner-Commission Gelegenheit zu geben, ihre Anträge bezüglich der Vivisectionsfrage zu formuliren. Dies geschah in der Weise, daß die von Dr. Schäfer-Darmstadt beantragte Jncompetenzerklärung als Antrag 1 in der Fassung des Herrn Advocat Schanz-Dresden angenommen wurde, als Antrag 2 jedoch die von Dr. Schaefer in seinem Referat aufgestellten drei Punkte.
Gegen 12 Uhr wurde die Sitzung durch den Vicepräsidenten Hofthierarzk Sondermann-München wieder eröffnet und zur Berathung des 3. Gegenstandes der Tagesordnung:
„Beschränkung der Vivisection" geschritten —
Das Referat hatte Herr Wulff-Schleswig, das Korreferat Dr- Schaefer- Darmstadt übernommen. Der Referent Wulff, welcher sich als principieller Gegner der Vivisection bezeichnete, deren Werth und Nothwendigkeit für die Wissenschaft er allerdings als Laie nicht beurtheilen könne und wolle, wcßhalb er die ganze Frage nur von der ethischen Seite behandelt habe, wollte die wissenschaftliche Beurtheilung der Frage aus Referat und Debatte ganz verbannt wissen. Nach einer längeren, mit einer großen Zahl von Citaten durchwobenen Auseinandersetzung, in welcher er seinen Standpunkt eingehend vertheidigte, kam er zu dem Schluß, daß es, so bedauerlich dies auch fei, dermalen noch nicht möglich sein würde, die Vivisection ganz abzuschaffen; es sei dies jedoch dringend zu erstreben. Bis zu jenem Zeitpunkt sei es nun Aufgabe der Vereine, energisch gegen den Mißbrauch der Ausschreitungen der Vivisection vorzugehen und deren Abstellung zu erzwingen. Zu Gunsten der von der Zehner-Commission zu stellenden Anträge verzichtet er auf Verlesung und Begründung der von ihm früher formulirten Anträge. (Forts, f.)
L o k al e s.
Gießen, 18. September. Der Empfang Sr. Majestät des Kaisers heute Morgen auf hiesigem Bahnhof war ein so enthusiastischer, wie er sich nicht bester denken laßt. Zu Tausenden strömte das Publikum nach dem Perron um den geliebten gefeierten greisen Monarchen zu sehen. Die Höhe des Jubels wurde erreicht, als der Extrazug. welcher Se. Majestät beförderte, bei der Abfahrt nochmals halten mußte, um einen Herrn aus dem Gefolge (Feldmarschall Graf v. Moltke) noch mttzunehmen. Der Wagen Sr. Majestät kam gegenüber dem unteren Perron zu stehen und wollte hier das Hurrah - Rufen von Groß und Klein kein Ende nehmen. Se. Majestät war sichtlich erfreut von dieser aus tiefstem Herzen kommenden Ovation.
— Gestern Abend zur festgesetzten Stunde rückte unser II. Infanterie - Regiment wieder ein. Eine zahllose Menschenmenge erwartete dasselbe auf dem Bahnhof um, unter klingendem Spiel zog Civtl und Militär in die Stadt. Kurze Zeit nach dem Einmarsch brach ein heftiges Gewitter aus und ein mächtiger Regen räumte mit dem Staub auf, welcher, veranlaßt durch die wahrhaft übersommerliche Temperatur der letzten Tage, die Straßen bedeckte.
Vermischtes.
Lollar, 16. Septbr. Nachdem die Eisenbahn von hier nach Wetzlar seit einiger Zett dem Verkehr übergeben worden ist, haben nunmehr die Kreisstände von Gladenbach für den Bau einer Secundärbahn von Gladenbach nach Lollar, falls sie zur Ausführung kommen sollte, eine Beihülfe aus Kretsmttteln im Betrage von 50,000 verwilltgt. Außerdem ist der vollständige Ausbau einer chaussirten Straße von Gladenbach zu den Bahnhöfen von Lollar pro- jectirt, so daß Lollar bald eine höhere Bedeutung gewinnen dürfte. (D. Ztg.)
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 17. Septbr. <Marktbericht., Der heutige Heu- und Strohmarkt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität der Centner J4 2—3.—, altes Heu JC. 0.—, Stroh JL. 2—2.50. Butter das Pfund im Großen 1. Qual. 110, 2. Qual. 1,
im Detail 1. Qual. 1.30- 40, 2. Qual. JL 1.10—20. Eier das Hundert deutsche Jfc 5, italienische 6.-. Ochsenfieiiw per Pfund 65 — 70 H, Rindfleisch — H, Kuhfleisch 60 H, Kalbfleisch 48 — 55 H, Stier- und Farrenfletzch — H, Hammelfleisch 50 bis 65 H, Schweinefleisch 65—70 H, ein Hahn, lebend, 0.80—1.30, geschlachtet JL 1.20—70, ein Huhn, lebend, 1.—, geschlachtet v.40 —1.7", Ente, lebend, 2.—, geschlachtet JL 2.50, Gans, lebend, JL 3.—, geschlachtet 5—7, Taube, lebend — H, geschlachtet — H. Kartoffeln 100 Kilo Jt. —. Blumenkohl 1 Stück 30 — 50 Wirsing — H, Weißkraut, erste Sorte, 100 Stück 10 J4, zweite Sorte — Kohlrabi 3—5 Rothkraut 10—15 Gurken 100 Stück —. Brod-, Holz- und Steinkohlenpreise un
verändert.
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Submission.
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Montag den 22. September, von Vormittags 9 Uhr an, soll das Gemeindeobst, bestehend in Aepfel, Birnen und Zwetschen, an Ort und Stelle an die Meistbietenden versteigert werden.
Burkhardsfelden, 17. Septbr. 1879. 6047) Albach.
Niederlage bei
Fritz Flimm,
die Treisbach, Gemarkung Treisbach, Kreis Marburg, sollen auf dem Submissionswege vergeben werden und zwar:
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Wilb. Rudolph,
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Termin, bis zu welchem die Offerten einzureichen sind, ist auf den 26. d. M., Vormittags 10 Uhr, bestimmt.
Zeichnungen, Kostenanschlag und Bedingungen sind bei dem Unterzeichneten einzusehen.
Marburg, den 16. Sept. 1879. Der stänvische Baumeister:
6046) Brüning.
Viehmärkte.
6045) Die erfolgte zeitweilige Aufhebung der Rindviehmärkte in Gießen hat eine Stockung des Viehhandels der hiesigen Gegend herbeigeführt. Neben den schon bestehenden Viehmärkten werden Deshalb noch Rindviehmärkte am 23. September, 7. u. 21. October, 4. u. 18. November, 2. u. 16. December hierselbst abgehalten werden.
Marburg, den 17. September 1879.
Der Oberbürgermeister:
Rudolph.
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