soll, werden schon setzt die umfassendsten Vorbereitungen getroffen. Hoffentlich bleibt es unserem Kaffer, dem Sohne desjenigen preußischen Fürsten, welcher dieses stolzeste Werk der Gothik vor dem Untergänge bewahrte und den ersten Anstoß zum Wetterbau gab, Vorbehalten, der Krönung des Werkes beizuwohnen. — Auch für die Gewerbeausstellung in Düffeldorf wird eifrig gearbeitet. Sie soll auf dem Terrain des zoologischen Gartens stattfinden und ein Fläche von 300,000 qm (12 Morgen) bedecken. Die geschmackvolle Ausstattung des Innern der Ausftellungsgebäude wollen die Düffeldorfer Künstler in die Hand nehmen. Die Dauer der Ausstellung beträgt 31/! Monate, vom 1. Jule bis 15. September 1880. Die Anmeldungsfrist, welche ursprünglich am 1. August d. Js. ablaufen sollte, ist bis zum 1. October verlängert worden, da die An- meidungen veihältmßrnäßig spärlich eingelaufen sind. Immerhin liegen schon etwa 1500 Anmeldungen vor und es ist zu erwarten, daß die Ausstellung cm getreues Bild der Industrie Rheinlands und Westfalens gewähren wird. Mit dieser Gewerbeausstellung, die sich auf die beiden Provinzen mit Einschluß der hohenzollern'schen Lande beschränkt, soll eine allgemeine deutsche Kunstausstellung verbunden werden.
Aus Sachsen schreibt man der „Nat.-Ztg.": „Artikel 63, Absatz 2 der ReichSverfaffung lautet: „Die Regimenter rc. führen fortlaufende Nummern durch das ganze deutsche Heer. Für die Bekleidung sind die Grundfarben und der Schnitt der preußischen Armee maßgebend Dem betreffenden Contingents- heere bleibt es überlasten, die äußeren Abzeichen (Cocarden rc.) zu bestimmen." Wtt müffen, mit Rücksicht auf die letztere Vorschrift, bis auf Weiteres annehmen, daß die königlich sächsischen Militärbehörden sich im Rechte befinden, wenn dieselben denjenigen preußischen Staatsangehörigen, die bei einem sächsischen Truppentheile ihrer Dienstpflicht genügen, nicht gestatten, neben der Lan- descocarde die preußische Cocarde anzulegen. In dieser Annahme bestärkt uns der Umstand, daß (beispielsweise) im Artikel 3 der Militärconvention zwischen Preußen und Hesten sich die ausdrückliche Bestimmung vorfindet, daß die Angehörigen des hessischen Contingents ohne Rücksicht auf ihre Staatsangehörigkeit die Landescocarde, die einem anderen Bundesstaate angehörigen Mtlitärpersonen und Beamten zugleich die Landescocarde ihres Heimathsstaates tragen, wogegen die preußisch-sächsische Convention vom 7. Februar 1867 ein dergleichen Abkommen nicht enthält. Wir glauben aber, daß es am Platze sein und daß es allgemeiner Zustimmung begegnen dürfte, wenn auch in dieser Beziehung die Anwendung gleichförmiger Grundsäße für das deutsche Heer herbeigeführt würde."
Hefterreich.
Wien, 16. August. Die österreichisch-ungarische Zollconferenz beendigte in den letzten Tagen ihre Verhandlungen über die endgültige Feststellung der Gesetzentwürfe bezüglich der Einverleibung Bosniens, Dalmatiens und Istriens in das gemeinsame Zollgebiet. Der aus wenigen Paragraphen bestehende Gesetzentwurf über die Einverleibung Dalmatiens und Istriens und der Gesetzentwurf von 29 Paragraphen über die Einverleibung Bosniens wurde aus- gearbettet. Der letztere enthält auch Bestimmungen bezüglich der indirecten Steuern in Bosnien. Die Verordnungen bezüglich der Einführung des Salz- Monopols und Tabaks-Monopols in Bosnien werden von einem Sub-Corntt6 ausgearbeitet.
Frankreich.
Paris, 13. August. Heute sprach das Zuchtpolizeigericht sein Urtheil in dem Doppelproceß, welchen Don Carlos gegen die „Republique francaise" und den „Gaulots" eingeleitet. Dieselben hatten nach spanischen Blättern über die „Schandlhaten" des spanischen Prätendenten berichtet. Der Gerichtshof schloß sich der Ansicht der Staatsbehörde an und sprach die beiden Blätter frei. Im Eingänge des betr. Urtheils wird gesagt, daß zweifelsohne die politischen Personen Anspruch auf Achtung für ihr Privatleben haben; aber daß, rvepn ein Prätendent sich bemühe, auf andere Weise als durch den regelmäßigen Gang der Staatseinrichtungen seines Landes den Thron zu erobern, er sich außerhalb der gewöhnlichen Regeln stelle und deshalb an den Schutz der Gesetze keinen Anspruch machen könne. — Der Schwurgerichtshof hatte sich heute mit einer einheimischen Räuberbande zu befaffen, welche längere Zeit Paris und Umgegend durch nächtliche Raubanfälle unsicher gemacht. Zwei Mitglieder erhielten 12, drei 8 Jahre Galeerenstrafe und 2 Jahre Gefängntß. Als die Verurtheilten von den Gensd'armen abgeführt wurden, winkten zwei derselben Frauen zu, die sich im Hintergründe des Saales befanden. Der Eme rief: „Lebt wohl; ich habe 8 Jahre; wir werden uns nicht Wiedersehen!" Der Zweite, welcher ebenfalls 8 Jahre erhalten, rief: „Sagt dem Vater Lebewohl; dieses Mal ist Alles aus!"
Paris, 16. August. Bei Flers (Orne-Departement) fand ein Eisenbahnzusammenstoß statt. 4 Personen biteben tobt, 30 wurden verwundet.
Paris, 16. August. Ein vor Kurzem vom Kriegsminister an die General-Cvmmandanten erlaffenes Rundschreiben gibt Weisung über die Werkzeuge, mit welchen die Infanterie-Truppen versehen werden müffen. In Zukunft wird jedes Regiment für die 12 Compagnien, aus denen seine 3 Bataillone bestehen, 1111 Werkzeuge für Zerstörungs- und Erdarbeiten erhalten. Jede Compagnie erhält 48 Werkzeuge (Beile, Spitzhacken, Spaten, Aexte), welche in Futteralen entroeocr auf dem Tornister oder an dem Gürtel befestigt werden, und 30 größere Werkzeuge, die von Mauleseln oder Pack- Pferden getragen werden. Jede Compagnie von 220 Soldaten hat also 78 Werkzeuge. Die Sappeurs haben ein Sortiment von 13 Werkzeugen. Endlich enthält der Regimentswagen 162 Reservewerkzeuge, sowie eine Kiste mit feineren Werkzeugen- Aehnliche Maßregeln werden später für die vierten Bataillone der activen Regimenter, sowie für die Territorial-Regimenter ergriffen werden. Aus diesen Maßregeln erhellt, daß die Erdarbeiten auf dem Schlacht- felde und die vorübergehenden Verschanzungen eine bedeutende Rolle spielen sollen. — Die großen Manöver des 3. Corps werden vom 22. September bis 6. October abgehalten werden; sie finden zwischen St. Clair, Charleval, Fleury, Suzoy Vesly und Nayers statt.
England.
London, 14. August. Ein Berichterstatter bemerkt aus Anlaß des Versuchsschießens auf dem Krupp'fchen Schießplätze bei Meppen, ein Krupp'- sches Geschütz leiste an Durchschlagskraft ungefähr ebensoviel, wie ein Wool- wicher Geschütz von doppeltem Gewicht, ganz abgesehen von der größeren Treffsicherheit, und die „Times" kann daraufhin die Klage nicht unterdrücken, daß England wcit überflügelt sei. Wenn man frage, wie Krupp diesen Erfolg erzielt habe, so muffe man zu dem Schluffe kommen, daß dies durch die An
wendung gerade solcher Verfahrungsweisen geschehen sei, gegen welche dir englischen Behörden eine besondere Abneigung zeigten. Dahin seien zu rech, nen die grundsätzliche Verwendung von Stahl zur Herstellung der Geschütze, ihre bedeutend größere Länge im Verhällntß zum Kaliber, wohl auch die Verwendung befferen Pulvers und namentlich ihre Einrichtung als Hinterlader. Das einzig Tröstliche in der ganzen Angelegenheit sei der Umstand, daß auch in England die Privatindustrie in der Geschützherstellung großartige Fortschritte gemacht habe und daß z. B. die Leistungen der Armstrong'schen Geschütze sich denen der Kruppschen ziemlich genau anschlöffen. Die Regierungswerkfiätten zu Woolwich aber seien in Bezug auf die Herstellung schwerer Geschütze geschlagen, wenigstens so weit Unternehmungs- und Erfindungsgeist in Betracht kämen. Jedenfalls sei eine gründliche Untersuchung von Nöthen, und wenn die gemeldeten Thatsachen sich im Wesentlichen bestätigen, erscheine nicht blos eine Berbefferung in der Geschützfabrtkation, sondern im ganzen englischen Ge> schützwesen erforderlich.
London, 16. August. Die „Times" meldet aus Philadelphia von gestern: Die Regierung der Vereinigten Staaten hat Chili und Peru ihre Vermittlung zur Beendigung des Krieges angeboten. Wie verlautet, dürfte dieses Anerbieten eine Waffenruhe zur Folge haben.
Spanien.
Madrid, 16. August. Die Hochzeit deS Königs ist auf den 28. November festgesetzt.
Aumänien.
Bukarest, 16. August. In den rumänischen Donaudistricten ist neuerdings die Rinderseuche ausgebrochen.
Telegraphische Depeschen.
Wagrrer's telegr. T»rresp»nVenz-Vurea».
Wien, 17. August. Die „Wiener Ztg." meldet die Ernennung des Baron Nino zum Statthalter von Nieder-Oesterretch, des Barons de Pretis zum Statthalter von Triest und dem Küstenland und des Ritters Widmann zum Statthalter von Tyrol.
Konstantinopel, 17. August. Ein Jrade des Sultans ernennt Savfet, Alt Satb und Saoas zu Commiffären für die Unterhandlungen mit Griechenland.
Szegedin, 17. August. Ein gestern in einem Möbelmagazin ausge- brochener Brand konnte erst, nachdem mehrere anliegende Häuser mitergriffen waren, bewältigt werden. Der Schaden ist nicht unerheblich.
Paris, 16. August, Abends. Der Ballon captif im Tuilerien-Hofe platzte heute Abend, während er sich im Zustande der Ruhe befand. Nur ein Angestellter des Ballon-Unternehmens wurde leicht verwundet.
Loka les.
Gteven, 18. August. Auf der gestrigen Internationalen Regatta in Frankfurt a.M. Regte ,,Britania", vterrudrtg Outrigged Race Boot der hiesigen Ruvergesellschaft gegen ein gleiches Boot ,,TyNe" des Mannheimer Rudervereins Amicitia um ca. 3 Bootslängen Preis 1 silberner Pokal und 5 goldene Mevaillen. (Bravo I)
— Se. Excellenz Herr Minister von Starck war am Samstag in unserer Stavt an; wesend und besichtigte die verschiedenen öffentlichen Gebäude. Als zukünftiges Local für daS Kreisamt wurde bei diesem Anlaß das frühere Gymnasial-Gebäude bestimmt.
— In einer an uns gerichteten Zuschrift wird sich über die Erneuerung des Local- Reglements, betr. das Reiten, Fahren (auch mit Schubkarren) u. s. w. auf dem schmalen Wege hinter dem Dr. Weber'schen Hause (siehe letzte Nr. ds. Bl.) dahin ausgesprochen, vaß jetzt wohl von einem Verbot des Durchfahrens mit kleinerem Fuhrwerk, als Schubkarren, Drückkarren u s w. hätte abgesehen werden können. Nach den von uns eingezogenen Erkundigungen können wir mittheilen, daß das Verbot sich nur auf Fuhrwerk, welches mit Pferden, Ochsen h. bespannt, sowie auf Reiten und Viehtreiben erstreckt und zwar nur im Interesse der Schulkinder, welche bei der engen Paffage am Gail'schen Garten in Gefahr sind, beschädigt zu werden. Das Durchfahren mit Karren ist gestattet.
— Am Samstag Nachmittag ertrank beim Baden in der Militär - Badeanstalt ein Solvat der 8. Compagnie. Trotzdem sofort alles Mögliche zur Rettung des Verunglückten 'otx- sucht wurde, hatten die Versuche keinen -Erfolg und ist auch die Leiche noch nicht gefunden worden.
— kSchwurgerichtsverhandlung am 16. August.) Kaufmann Max Finger von BreS« lau, angeklagt des versuchten Tovtschlags, wurde, da die Geschworenen die Frage: „ob der Angeklagte aus Nothwehr gehandelt habe", bejahten, vom Gerichtshof freigesprochen.
— Heute Nacht gerieth zu Frankfurt das Zugs-Personal zweier Eisenbahnzüge aneinander, wobei einem der Beamten (einem Bremser) durch den Hals gestochen wurde, so daß er alsbalv verstarb.
— Seit einiger Zeit gefällt sich ein Herr darin, mit einem Schimmel durch das enze Gäßchen an Wenzel's Garten nach dem Schiffcnbcrger Wege zu reiten. Den Herrn vor der Hand auf die Strafbarkeit dieser Handlung aufmerksam zu machen, sei der Zweck dieser Zeilen.
— Der „Schipka-Paß" ist glücklich überwölbt; gut muß es geworden sein, denn lange genug hats gedauert, bis cs soweit gekommen. Nunmehr fehlt nur noch das Geländer, Damit in finsterer Nacht kein Unglück passirt und nicht vielleicht ein müder Wanderer „in die Tiefe* stürze. —
— Gestern Nachmittag hätte auf dem Staufenberg leicht ein Unglück dadurch passtren können, daß ein ungezogener Junge einen schweren Stein von dem alten Gemäuer oben ablöste und herunterkollern ließ. Glücklicherweise schlug der Stein neben einem dichtbesetzten Tisch auf ohne Jemanden zu verletzen.
— Einen billigen (?j Lendenbraten verschaffte sich gestern Nachmittag ein hiesiger Ein- wohner dadurch, daß er einem Metzger auf dem Neuenweg einen solchen im Scklachthause ohne Erlaubniß abschnitt. Der Appetit wird ihm durch die Nachwehen wohl verdorben werden.
— Vier Personen, welche in der Nacht vom Samstag auf Sonntag in der Fiügelsaasst von einem Birnbaum verbotene Früchte crndten wollten, wurden hierbei erwischt. Ein Schutzmann, welcher sich sogar in tiefem Negliqö befand, stellte die Annectanten.
— Ein Italiener, wilcher die Straße zum Nachtquartier erwählt hatte, wurde beute Nacht nach der Sandgasse verbracht.
Gießen, 18. August. Der hiesige Turnverein erhielt am Sonntag den 17. er bei der Feier des 19jährigen Stiftungsfestes in Lich 9 Preise, darunter die 5 erstem Bei dem Preisturnen hatten sich betheiligt die Vereine Hungen, Lich, Nidda, Wieseck und Gießen.
Vermischte-.
Darmstadt, 15. August. Folgende hessische Industrielle betheiligen sich an der Ausstellung in Sidney:
Mayer, Michel und Denninger, Lederfabrik, Mainz. A. Neubecker, Fabrik für Bierbrauerei-Einrichtungen, Offenbach Meyer u. Coblenz, Weinhändler uub Weinbauer, Bingm- E. Merck, Chemische Fabrik, Darmstadt. H. Keller Sohn, forst- und landwirtbschaftlich« Samenhandlung, Darmstadt. H. Lehmann, Portefeuillewaarm-Fabrik, Offenbach. G Böhm, Parfümerie-Fabrik, Offenbach ©. Wolf, Schuhwaaren-Fabrik, Mainz. 6. Schröder, polytechnisches Arbeils - Institut, Darmstadt. Dörr u. Reinhard, Lederfabrik, Worms. Cornelius Heyl, Lederfabrik, Worms.
— Ein „Sonnentanz" wurde vor etwa zwei Monaten in der Nähe des Poplar-Rivcr (Montana) von den Siouxkriegern in Gegenwart des Doctor Woobrldgc, Arzt der Agentie des Forts Peck, aufgeführt, welcher vor Kurzem eine interessante Beschreibung dieser 6eremonie nach Washington sendete. Bekanntlich wird diese wilde Feierlichkeit abgehalten, um vom großen
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