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Dienstag den 19. August

1879

Aussige- md Amkbkit fit den Kreis Gieße»

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Ps.

in und Musikwnim im schnelbund biiia Mrt von fW )b. Hartmann, Ubm tyr, ndenplatz 9h. 30. : und ^crfaii aller rung und RWd-

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DieNordd. Allg. ßtg/ rast wieder einmal über den Städtetag. Lazu bemerkt dieNat.-Lib. Corresp." : Ob die Notiz von einer demnächstigen abermaligen Berufung deffelben begründet ist, wtsien wir nicht. Jedenfalls aber sind die Betrachtungen, welche dieNordd. Allg. Ztg." daran knüpft, tu ihrer ganzen Argumentation der Art, daß man den Verfasser als ein Opfer drr heißen Jahreszeit bedauern könnte, wenn nicht am Schluß als der eigent­liche Zweck des Ganzen sich die Absicht ergäbe, Herrn v. Forckenbeck als Revo­lutionär zu denunctren. Forckenbeck, der Mann, unter dessen Präsidium und selbstloser Mitwirkung in Preußen der Ausgleich zwischen Abgeordnetenhaus iinb Regierung st. vollzog, unter dessen Präsidium und selbstloser Mitwirkung im Reichstage das Mtlttärgesetz, die Justizgesetze, das Socialistengesetz zu Stande gebracht wurden, der Mann, dessen patriotische Gesinnung noch neu­lich bei seinem Scheiden aus dem Reichstagsprästdtum von dem Kaiser rühmend anerkannt wurde Forckenbeck ein Revolutionär, ja, das Haupt der revolu- ßionären Propaganda in Deutschland I Es genügt, dieses Pamphlet des gou- wnementalen Blattes etwas niedriger zu hängen. Allen, die sehen können, teilt) es ein lehrreiches Streiflicht auf unsere heutigen Zustände sein.

Berlin, 15. August. Seitens der Admiralität ist bekanntlich der mit Herrn Albert Leutner behufs Hebung desGroßen Kurfürsten" abgeschlossene Antrag bis zum »^September verlängert, obwohl Herr Leutner seinem Ver- fikrechen, den Kurfürst bis zum 1. August zu heben, nicht nachgekommen war. Seitens derHamburger Börsenhalle" sind bereits seit einiger Zeit Angriffe Mn Herrn Leutner gerichtet worden, die im Wesentlichen darauf hinaus- laufen, daß es Herrn leutner mit der Hebung des Panzerschiffes überhaupt nie Ernst gewesenändern daß er seinen Contract und seine Verbindung alt der kaiserlich deutschen Admiralität nur aus Aushängeschild und Leumunds- Mntß benutzt habe, t tti eineWreck Recovery and Salvage Company m London zu gründen mit einem Capital von 100,000 L., von welchem die aufgelegten 44,000 L. wirklich gezeichnet sind. An diese Compagnie habe er hinBergungsinventar" und die Contracte wegen Hebung desGroßen Kur- Wen" und derPommerania" verkauft, lediglich zum Zweck persönlicher Bereicherung. DieHamburger Börsenhalle" bringt eine Anzahl von Brief« Mzügen bet, welche ihr zugegangen find und nach denen die Person des Herrn Seutrex in einem, um wenig zu sagen, nicht empfehlenswerthen Lichte erscheint. Äenn die darin behaupteten Thatsachen wirklich auf Wahrheit beruhen, so llufie es um die Hebung desGroßen Kurfürsten" recht übel aussehen. In ^tn erwähnten Briefen wird erklärt,daß der jetzt in London domictlirende Mert Leutner ganz unzweifelhaft derselbe ist, der im Mat 1867 von Hannover 6118 steckbrieflich verfolgt wurde." Derselbe soll dort Schwindeleien mit Loosen Langen haben. In einem Schreiben aus London heißt es:Ich war

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rlGmmu , i " Berlin, 15. August. Im kommenden Jahre tritt der noch nie dage- 777~J| . le Fall ein, daß neun preußische Generäle ihr 50jähriges Dienst-Jubiläum k ?/c>gehen hoffen können. Frühere desfallsige Nachrichten zählten bis jetzt nur fünf Generäle auf. Jene neun sind die beiden commandirenden Generäle ' 7 nMg und v. Groß, gen. v. Schwarzhoff, in Breslau und Berlin; neral-Jnspecteur des Militär-Erziehungswesens Baron o. Rheinbaben;

*ai j. erneur von Mainz v. Pritzelwttz; die Commandanten von Königsberg I slau, Generäle v. Wedell und v. Wulffen; der Gouverneur v. Ulm, xidhardt v. Gnetsenau; General v. Pape, Commandeur der 1. Garde- X7U '-Division und der General-Lieutenant v. Flöckher, Commandant von aiiona, ^.nerzett in hannoversche Dienste eingetreten. Vier von diesen Jubi- laren f" d zur Zeit Generals, fünf General-Lieutenants; vier begehen den Tag ihre^. Diensteintritts am 13. August 1880, also gerade in Jahresfrist, an dem 1830 sämmtlich aus dem Cadrttencorps in die Armee getreten find. Dr se Reihe von Jubelfeiern dürfte vielleicht einzig in allen Heeren dastehe»!; bei uns hat sie m der Art wenigstens noch nicht ftattgefunden. (D. Z.) - ^erReichs- und Staats-Anz." brachte in letzter Zeit wieder mehr- gegen Hamburger Lotterie -Collecteurc.

________v ... v Behörden, welche ihr staatliches Lotterie- wesen con^essionirt haben, den Requisitionen wegen des nach preußischen Ge­lten strafbaren Looshandels nicht hülfreiche Hand leihen, so werden die Steckbriefe motivirt:Da die erkannte Strafe nicht hat betgetrieben werden können u. f. w." Es ist nun auch in der That zuweilen vorgekommen, daß Hamburger Lotterie - Collecteure im Betretungsfalle auf preußischem Gebiete verhaftet und wenn sie sich weigerten, die ihnen zuerkannte Geldstrafe zu Men, behufs Abbüßung der substituirten Freiheitsstrafe an eine Gerichtsbe­hörde abgelieiert worden sind. Daher kommt es, daß die betr. Personen die rach ihren heimischen Gesetzen sich keiner strafbaren Handlung schuldig gemacht haben, nicht mehr wagen dürfen, das Gebiet der freien Stadt Hamburg zu ttrlaffen und etwa nach Altona hinüber zu spazieren. Das sind keineswegs erfreuliche Zustände, und um ihnen gründlich abzuhelfen, wäre entschieden erforderlich, daß entweder das Spielen in fremden (d. h. außerpreußischen, eher deutschen) Lotterien in Preußen erlaubt oder das Lotteriespiel ganz und

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wiederholt auf der deutschen Gesandtschaft, man lehnt es dort mit Entrüstung ab, jemals eine gute Auskunft über Leutner gegeben zu haben, da man die Vergangenheit des Mannes sowohl in Deutschland wie in England vollkommen kenne. Die Gesandtschaft sei in der ganzen Contract-Angelegenheit niemals gefragt worden und habe von dem Abschluß des Contracts zuerst nachträglich durch die Zeitungen erfahren." Hiermit ist wohl eine kürzlich erschienene officiöse Notiz in Verbindung zu bringen, welche wiederholt darauf htnwies, daß der Contract mit Herrn Leutner ohne Befragung der Gesandtschaft in London direct von der Admiralität abgeschloffen worden sei. Das Hamburger Blatt spricht sein Erstaunen darüber aus, daß unter solchen Umständen die Admiralität freiwillig den Contract mit Herrn Leutner verlängert habe.

MMBerlin, 16. August. Wie dieKreuz-Ztg." vernimmt, wäre Contre- admiral Bätsch, welcher die -ihm zuerkannte Festungshaft von 6 Monaten in Magdeburg abbüßt, begnadigt worden. Seine Ernennung zum Director der Admiralität an Stelle des Viceadmirals Henk wäre demnächst zu erwarten.

Berlin, 14. August. DieProvinz.-Corresp." wirft jetzt die Fort- schriltspartei und den linken Flügel der Nationalliberalen in einen Topf mit den Socialdemokraten. Sie schreibt:

Die Fortschrittspartei will die Massen an sich ziehen, welche bisher der Social­demokratie folgten, das gewonnene Aufgebot aber verstärken durch alle diejenigen, die bisher nicht Socialdemokraten waren, die man aber überredet, der Grund ihrer Leiden liege in einer zu Gunsten wohlhabender Leute von der Regierung getroffenen Maß­regel. Die Fortschrittspartei hat sich nicht nur auf alle Weise dem Gesetze gegen die Socialdemokratie widersetzt, sie hat auch bei jeder in Folge dieses Gesetzes verhängten Strafe laute Klage erhoben und außerdem alles gethan, die Wirkung des Gesetzes als nichtig darzustellen, indem es der Ausbreitung der socialdemokratischen Lehre unter den Arbeitern nirgends Einhalt zu thun vermöge. Triumphirend hat die Fortschrittspresse auf die unverminderte Stimmenzahl der Socialdemokratie bei der Wahl in Breslau hingewiesen. Neuerdings hat es denn auch nicht an der ausdrücklichen Erklärung ge­fehlt, daß man seitens des Fortschritts bei den Wahlen für die socialdemokratischen Candidaten stimmen müsse, wo ihnen die Freunde der Regierung gegenüberstehen. Die schärfste Pfeilsorte, deren Geschosse die Fortschrittspartei nicht müde wird zur Aufregung des Volkes zu versenden, ist die in wechselnden Formen vorgebrachte Behauptung, die Regierung und deren Freunde hätten bei Erlaß des Socialistengesetzes versprochen, nicht bei der bloßen Unterdrückung der socialistischen Bestrebungen stehen zu bleiben, sondern an die Abhilfe der Leiden des Arbeiterstandes zu denken; die Erfüllung des Versprechens bestehe in der Einführung von Zöllen auf die unentbehrlichen Lebens­bedürfnisse. In diese von der Fortschrittspartei erhobene Anklage stimmt der freihänd­lerische Flügel der nationalliberalen Partei aus vollen Kräften ein.

Das Blatt geht dann auf den Schutz der nationalen Arbeit über und sagt :

Die freihändlerische Partei hat von jeher nicht das Mittel verschmäht, den Schutz der nationalen Arbeit als eine Maßregel zu Gunsten weniger ohnedies wohl­habender Fabrikanten darzustellen. Den wenigen, von der Herstellung großer Ver­brauchsartikel blühenden Geschäften wird dann immer die Masse der Verbraucher gegenübergestellt, welche gezwungen werde, diese Artikel theurer zu kaufen, als sie im Auslande zu haben seien. Bei dieser Art zu kämpfen, wird mit Geflifsentlichkeit so gethan, als ob die Kauffähigkeit der Verbraucher eine sichergestellte, sich von selbst verstehende wäre, von der ein willkürliches Opfer zu Gunsten weniger Begünstigien verlangt werde. In Wahrheit hängen aber die Zweige der nationalen Arbeit von einander ab, das Gedeihen der einheimischen Industrie und der einheimischen Land- wirthschaft. Wenn die deutsche Landwirthschaft verfällt, so muß der ländliche Arbeiter­stand zu Grunde gehen, und wenn die deuffche Industrie ihre Werkstätten schließen muß so muß sie alle Arbeiter entlassen, denen Niemand sagen kann, wo sie eine andere Existenz finden sollen. Handelt es sich aber um Maßregeln, die ganze Exi­stenz des Arbeiters auf eine bessere Stuse zu heben, so wäre jeder Versuch zu solchen Maßregeln vergeblich, so lange nicht eine sichere Grundlage der nationalen Arbeit gewonnen ist.---Der erste unerläßliche Schritt für jede Maßregel zur Besserung

der Arbeitervcrhältnisse ist die Sicherung der nationalen Arbeit, wenigstens m ihren Hauptzweigen. Erst wenn ein solcher Zustand verhältnißmäßiger Sicherheit erreicht ist oder in Aussicht steht, kann die freiwillige Thätigkeit zur Hebung der Arbeiter­verhältnisse sowie die Einwirkung des Staates auf gegebenen Punkten einsetzen. Der Augenmerk der Negierung bleibt nach wie vor auf die Erleichterung der druckenden direkten Steuern gerichtet, und es finden schon jetzt Erwägungen Statt über Maß­nahmen, die mindestens den Anfang einer derartigen Erleichterung der directen Be­steuerung zu bilden geeignet sein werden.

Der Schluß und die Pointe des ganzen Artikels lautet:

Die Mehrheit der deutschen Nation aber wird in allen Theilen des Vaterlandes insonderheit auch in unserem preußischen Staate, die Ruhe des Urtheils und die Kraft des Willens haben, sich nicht um das Banner der Revolution, sondern um die Erhal­tung des Staates, um die Erhaltung der nationalen Arbeit und insbesondere um die Aufgabe der mit Besonnenheit, aber dauerhaft herbeizufichrenden Besterung der Lage des Lohnarbeiterstandes zu scharen. Daß es zu dieser Scheidung des Gegensatzes schon bei der nächsten Wahl des preußischen Abgeordnetenhauses kommt, ist etne Nothwendlg- keit welche nur diejenigen zu verbergen streben, die nicht den Muth der Social­demokratie haben, sich zur offenen Feindschaft gegen den Staat zu bekennen.

Vom Rhein, 15. August. Zwei mächtige Anziehungspunkte wird die Rheinprovinz im kommenden Jahre bieten : die Vollendung des Kölner Domes und die Gewerbeausstellung zu Düffeldorf. Am Dome zu Köln wird mit Eifer fortgebaut, die Restaurations-Arbeiten an den Mauern und Wänden des gewaltigen Steinkoloffes schreiten rüstig voran, und an den beiden Thürmen wird in schwindelnder Höhe eine Gerüstelage um die andere aufgeschlagen ; sechs stehen bereits |unt) zwei weitere werden folgen. Schon jetzt haben die Thürme eine solche Höbe erreicht, daß sie weithin in den Rheinlanden sichtbar sind, und Dombaumeister Voigtei hofft bestimmt, wenn nicht unberechenbare Zufälle sich ereignen, dem Dombauverein im nächsten Jahre das vollendete Werk übergeben zu können, 642 Jahre nach der Grundsteinlegung, die am 12. August 1248 erfolgte. Für das Dombaufest, das dann gefeiert werden

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