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Dienstag den 16. December

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reßener Wizeiger

A»M- Md AmkbM für dkl Kreis Gießen.

ExpedLUonSvurear; t

Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Gießen, am 13. December 1879.

Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boekmann.

des Großherzogthums gestattet worden.

Gießen, den 13. December 1879.

Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat genehmigt, daß im Frühjahr und Herbst 1880 je ein Fohlen- und Pferdemarkt zu Darmstadt abgehalten wird und mit diesen beiden Märkten Verloosungen von Fohlen und Pferden, dann von Pferdegeschirren, landwirthschaftltchen Geräth- schaften, sowie sonstigen Gegenständen, verbunden werden.

Dem vorgelegten Verloosungsplan gemäß sind bet jeder der zwei Verloosungen höchstens 20,000 Loose das Loos zu 2 auszugeben und

wenigstens 65% der Brutto-Einnahmen zum Ankauf von Gewinngegenftänden zu verwenden. Zugleich ist der Vertrieb der fraglichen Loose für den Umfang

Deutschland.

Berlin, 11. Decbr.Durch Wald und Feld zu schweifen" war nach einem bekannten Liede Göthe's höchste Lust. Was wmde er sagen, wenn er heute noch lebte und erführe, daß durch einen Act bcr Gesetzgebung dem ge­jammten preußischen Volke die Waldlust und das Umherschweifen zur Som­merzeit im kühlen Schatten der alten Bäume ein- für allemal verboten werden soll? Jakob Grimm und viele Andere haben das freie Betreten der Wälder,

Zur Währungs- und Münzfache.

Es ist wohl angemesien hervorzuheben, daß der neueste Angriff auf un­sere fast vollendete Münzreform jetzt abgeschlagen ist. Amerikanischer Eigennutz und französische Schwärmerei (Henri Cernuscht) hatten sehr fchlru agitirt, und eine kurze Zeit scheint es diesen beiden Agitationen gelungen zu sein, auch unfern Reichskanzler an der Richtigkeit der allgemeinen Goldwäh­rung irre zu machen. Es haben ihn wohl besonders die Verluste geschmerzt, die wir beim Verkaufe des überschüssigen Silbers gegenwärtig erleiden. Die» selben sind wirklich groß. Aber nur kurze Zeit drückte diese Wahrnehmung auf seine Gesammtavstcht über unsere Währung. Nachdem nun die Doppel- währungs Männer in Amerika diese groß»-Hoffnung verloren hatten, war es mit Allem vorbei. Sie geben jetzt das Spiel auf. Der neue Dollar in Silber, der trotz des Gesetzes von den Leuten nicht genommen wird, weil er nach dem gegcnwärttgen Werthverhälrniß des Silbers viel zu leicht ist, wird nun eingezogen werden und entweder als Scheidemünze dienen bet reiner Goldwährung, oder bei Doppelwährung durch einen schwereren ersetzt werden.

Es mußte die amerikanischen Agitatoren sehr entmuthigen, oaß ihnen selbst im französischen oder lateinisch?« Doppelwährungs-Bunde kräftige Wider­sacher erwuchsen. Denn die Schweiz und Belgien sind schon seit langer Zeit im Stillen gegen die Doppelwährung und für die Goldwährung emg'nom- men. Sie müssen freilich gegen den großen Verbündeten Frankreich Rücksichten beobachten. In England, dem wichtigsten Faktor für eine Welt-Doppelwäh. rung, fanden die Amerikaner zwar in kaufmännischen Kreisen Sympathie, be- kehrten auch einige Bankoerstäudtge, ober die englische Regierung zog es vor, in der Währung nichts zu ändern. Nur Holland ist noch recht Angenommen für Doppelwährung, oder vielmehr, cs möchte nicht gern die gesetzlich einge- führte Goldwährung regelrecht durchführen; dies Land ist aber nicht einfluß­reich genug, um den Stlbermtnen-Befitzern in Amerika viel zu helfen. Es ist eben die Hoffnung gescheitert, und wir können ruhig unsere eigenen Wege zu Ende gehen.

Dahin gehörte denn doch immer die Beseitigung der Th al er. Auch deS Papiergeldes ist noch zu viel. Insbesondere wird über die Fülle von Retchskassenscheinen zu 5 Mk. geklagt, die sich in der Reichsbank und in an­deren Reservoirs anhäufen. Zwar die Gesammtmenge der Kaffeuschetne nimmt jährlich um 3,660,000 Mk. ab, und es sind schon vier solcher Abmtnderungen vor sich gegangen. Wenn der Bundesrath die jährlichen Einziehungen stets aus den 5»Mark-Scheinen nähme, so würde sich der Uebilstand bald mildern. Die 13 Millionen Scheine zu 5 Mk. waren offenbar zu viel. Man hat sich getäuscht, wenn man annahm, diese so bald beschmutzten und zerfetzten Papier­stückchen wären dem Volk ein Bcdürfntß. Auch sollte möglichst bald im Reichs­tag der Antrag gestellt werden, die steuerfreien Banknoten der Privatbanken auf die Hälfte zu reduciren. Jetzt geht es noch, da der Verkehr so schwach ist. Hat man die steuerfreien Banknoten, wie gewünscht, erst auf die Hälfte reducirt und es tritt dann eine größere Geldnachfrage ein, so entschließen sich die Privatbanken vielleicht, ihr Notenrecht oufzugeben, was ja das Beste wäre.

Betreffend: Die Beitreibung der Gemeindeeinkünfte.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir erinnern diejenigen von Ihnen, welche noch im Rückstände sind, an die Erledigung der Verfügung vom 20. November l. I., Anzeiger Nr. 273. Dr. Boekmann.

das Beeren und Pilzesuchen und was sonst die alte Sitte des Volkes mit sich bringt, als ein Gewohnheitsrecht bezeichnet und anerkannt. Sonnenlicht und Wa'.-.:'chatten haben die Deutschen immer als ein gemeinschaftliches Recht aller Menschen betrachtet, und die gegenwärtige Vorlage hat einen wach- senden Widerspruch der öffentlichen Meinung hervorgerufen. Die Blätter sind ungefüllt mit Aufsätzen, die oft kräftig und beredt geschrieben sind, um das alte Uned>t des Volkes zu wahren und das Privatrecht des Etgenthü- mers nicht durch Uebertreibung gehässig werden zu laffen. Auf morgen haben Abgeordnete verschiedener Fraktionen ihre Collegen zu einer Versammlung im Abgeordnetenhause aufgefordert zur Besprechung des Feld- und Forstpolizeige- setzes, insbesondere der §§ 9 und 10 und ähnlicher Bestimmungen. Die Freunde des freien Waldes werden hoffentlich durch ein einmüthtges Vorgehen diese tyrannischen und verhaßten Bestimmungen aus der Vorlage auszumerzen wissen. Daß es einzelne Fälle gibt, wo durch das Betreten des Waldes junge Pflanzen zu Schaden kommen u. s. w., braucht ja gar nicht bestritten zu werden. Jedes Recht kann mißbraucht werden, und eine Ueberwachung des Waldes ist ebenso nöthig, wie die Ueberwachung des Feldes, um vor Dieb­stahl zu schützen. Aber dazu ist ja für den Wald ein ganzes Heer von Forst­beamten im Staats- und Prioatdicnste vorhanden, und eine Gesetzgebung darf nicht gegründet werden auf einzelne Fälle, sondern auf die ganze Lage der Verhältnisse, die deutlich gegen eine ungewohnte und unerträgliche Ausdehnung des Privatrechtes auf Unkosten des ganzen Volkes spricht.

Berlin, 12. Decbr., Abends. Die Dunresraths-Ausschüsse beantragen, der Vorlage des Reichskanzlers wegen Einführung zweijähriger Etats im ReichShaushalte und vierjähriger Legislaturperioden des Reichstages unverän­dert zuzustimmen. In den Motiven wird hauptsächlich der Uebelstand des gleichzeitigen Tagens des Reichstages und der Etnzellandtage hervorgehoben und ein alterntrendes Tagen des Reichstages in dem einen und der Einzel­landtage in dem anderen Jahre als wünschenswert bezeichnet.

Berlin, 13. December. DieBerl. Börsen-Zeitunq" meldet: Der Kaiser genehmigte die Errichtung einer Central - Eisenbahn - Directton in Frankfurt a. M.

Karlsruhe, 13. Decbr. Die zweite Kammer nahm den Gesetzent­wurf, betr. die Erhöhung der Branntweinsteuer um 50 pCt., mit allen gegen 2 (klerikale) Stimmen an. Dieselbe tritt mit dem 20. December d. Js. in Kraft. Für Branntwein, der zu gewerblichen Zwecken verwendet wird, soll nach dem Gesetze Rückvergütung gewährt werden.

Kcrüerreich.

Wien, 13. December. Meldung derPolit. Corresp." aus Konstan­tinopel : Der montenegrinische Gesandte beschwerte sich vorgestern gegenüber Saw^ö Pascha über die Verzögerung der Uebergabe von Gufsinje. Sawas bemühte sich, den Aufschub auf die Strenge der Witterung zurückzuführen.

Pesth, 12. December. Im Arader Comitat hat die schwarze Körös Überschwemmung verursacht und richtet schreckliche Ve Heerungen an; mehrere Ortschaften liegen in Trümmern. Die Bewohner flüchten. Im Biharer Cv- v'itat sind 10,000 Mcuscken obdachlos. Im Unterbause bestätigte der Minister der öffentlichen Arbeiten die Uebcrschwemmungs Nachrichten. Die Regierung traf Maßregeln.

Irarnrreich.

PariS, 12. December. DieAgence Havas" verbreitet telegraphisch aus Hendaye folgende Meldung: Madrider Briefe be ichten, daß die am 10. ds. stnttgehabte Congreßsitzung sehr stürmisch gewesen und in Folge der-