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selben große Erregung herrsche. Die unabhängige Preffe stimme dem polltl- schm Standpunkte von Martinez Campos zu. Die energische Entgegnung des Letzteren auf die Erklärung des Ministerpräsidenten Canovaö in der Congreß- fitzung laste bezüglich der cubantschen Frage Agitation und Conflitte vorher­sehen. In Madrid seien militärische Vorsichtsmaßregeln getroffen. Telegramme unterlägen der Censur. Eine Versammlung von 85 Deputaten der Minorität habe beschlossen, an den Congreß-Sttzungen nicht theilzunehmen, wenn Cano- vas sich nicht öffentlich entschuldige wegen der unparlamentarischen Art, in welcher er gegen die Redner von der constttuttonellen Partei aufgetreten sei. Eine Commission, bestehend aus Sagasta, Crstellar, MartöS, Martinez, Ro> mero, den Generalen Casola und Sanz, solle von den Präsidenten des Con- grestes und Mmisterrathes Erklärungen fordern. Der Kriegs-Minister habe bereits von 34 Generalen Abschieds-Gesuche erhalten.

Paris, 13. Decbr. Die Kammer hat heute den Entwurf der Regie­rung abgelehnt, welcher dahin geht, der Bank von Frankreich diejenige Summe zurückzuerstatten, welche sie im Jahre 1871 genöthtgt war, der Com- mune auszultefern.

England.

London, 12. December, Abends. Eine amtliche Depesche bestätigt die Times"-Meldung über den Kampf bet Krbul und fügt hinzu: Der Feind artff den Hügel südlich von Balahtffar an, wurde aber mit großem Verlust abgewiesen. Der britische Verlust beträgt: 3 Officiere, 15 Mann­schaften tobt, 4 Officiere, 21 Mannschaften ver-vundet. General Roberts constattrt, daß die Eombinatton der Stämme gegen das britische Heer stark ist.

Ein in einer Extra-Ausgabe decDaily News" veröffentlichtes Tel-gramm aus Kabul von heute meldet: 10,000 Afghanen unter Mohamed griffen englische Artillerie und Kavallerie an, welche sich mit der Bctgade Macpherson vereinigen wollte. Es entspann sich ein heftiger Kampf, bei wel­chem vier englische Geschütze vernagelt, später aber wieder genommen wurden. Die Afghanen halten gegenwärtig die Höhen südlich von Balahtffar besetzt, wo Macpherson dieselben angreift.

London, 13. Decbr. Gegenüber anderen Nachrichten über die Per­sönlichkeit des Verbrechers, welcher auf den Viceköntg geschossen hat, meldet dasReuter'sche Bureau" von gestern: Der Verhaftete stamne aus achtba­rer Familie und wäre früher bet der Regierung beschäftigt gewesen. Derselbe soll erst kürzlich aus dem Jrrenhause entlasten worden sein und leistete bet seiner Verhaftung keinen Widerstand.

Eine officielle Nachricht aus Kalkutta meldet, daß das wegen des Atten- tats auf den Vicekönig verhaftete Individuum ein betrunkener Irländer war.

London, 13. Decbr. Einer Nachricht aus der Capstadt zufolge ist das Fort des Häuptlings Motrost mit Sturm genommen und Molrost dabet gefallen. Der Angriff auf das Fort des Häuptlings Seconvent ist verschoben worden.

Rußland.

Petersburg, 13. December. Gegenüber den Gerüchten tv der aus­wärtigen Presse von versuchten und beabsichtigten Attentaten wird von best- unterrichteter Sette versichert, daß man hierbei thetls mit äußersten Uebertret- bungen, thetls mtt dtrecten Erfindungen zu thun habe. Begretfltcherwrise sind bei den Recherchen nach den Urhebern des Eisenbahn-Attentats vom 1. Decbr. zahlreiche Verhaftungen vorgenommen und hierbei auch Verschiedenes gefunden worden, was auf beabsichtigte neue Verbrechen der nihilistischen Verschwörer schließen läßt. Mittheilungen über Einzelheiten können selbstverständlich derzeit nicht verbreitet werden.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Correspoadenr Bureau.

Berlin, 14. December. DieNordd. Allg. Ztg." veröffentlicht den Entwurf des von den Regterungs-Commistaren mtt den Delegtrten der Rhet- ntschen Eisenbahn jüngst berathenen Ablretungs- und Uebernahm?-Vertrags. Das Blatt bemerkt dazu: Der Entwurf enthält, wie wir nach unseren In­formationen bestimmt mitthetlen können, das äußerste Maß der Zugestäudniste von Seiten des Staates; die Regierung wird jedes erschwerende Amendement als Ablehnung betrachten.

London, 14. Decbr. Amtlich wird aus Kalkutta vom 13. ds. ge­meldet : Der Feind versammelte sich gestern in bedeutender Stärke um Be> niökah und Indik. Macpherson behauptete seine Stellung oberhalb von Balahtffar, konnte aber den Feind nicht von der Anhöhe vertreiben, wo desten Stellung sehr stark war und von einer großen Streitmacht gehalten wurde. Baker kehrte zurück und griff heute den Feind nahe bet Beniskah an, vertrieb ihn und nahm schließlich die Anhöhe. Macpherson verlor: 2 Mann tobt, 3 Officiere, 9 Mann verwundet. Baker's Bericht steht noch aus.

Konstantinopel, 14. Decbr. In Folge der Anzeige Seitens Mon­tenegros, daß eS in Gussinje mtt Waffengewalt einrücken und die dortigen Bewohner mit größter Strenge behandeln werde, richtete die Pforte ein Ctr- cularschreiben an ihre Vertreter tm Auslande, um diese Sachlage ausetnan- derzusetzen und zu betonen, daß sie ihr Möglichstes gethan habe, um Blutver­gießen zu verhindern, und somit tm Falle eines Zusammenstoßes sie kein Vor­wurf treffen könne.

Paris, 14. December. Das JournalTemps" meldet: Präsident Grevy wird die im Januar beginnende Kammersesston durch eine Botschaft er- öffnen. Die Umgestaltung des Ministeriums wird schon vorher erfolgen. Wad­dington, der schon seit längerer Zeit das Präsidium des Ministerralhes nieder- zulegen wünsche, würde das Portefeuille des Auswärtigen behalten. Grevy würde den Arbettsmintster Freycinet mtt dem Präsidium des Conseils betrauen, da dieser die Politik des Friedens und des materiellen Wiederaufblühens re- präsenlire und der Gruppe der republikanischen Linken angehöre, welche von Grevy als Kern der parlamentarischen Majorität angesehen werde. Frcyctnet würde mit feinen College» ein gemeinsames Programm für die nächste Session ausarbeiten.

London, 15. Decbr. Eine officielle Nachricht, welche General Roberts Steg auf oer ganzen Linie fignalisirt, meldet, daß der combinirte Angriff für die Nacht vom 13. ds. geplant wurde. Die Stämme seien in Verbindung mit den Stadtbewohnern massenhaft versammelt gewesen. Die Verl ffe M Fein­des seien sehr groß, aber die Banden befänden sich noch in der Nachbarschaft. General Roberts griffe dieselben wieder an, wenn sie sich nicht sofort zerstreu­

temDie Briten hatten in den drei Kampftagen 43 T)dtr, worunter 6 Offi­ciere, und 76 Verwundete einschließlich 10 O stetere.

Lokales.

Gießen, 15. December. (Schwurgertchtsver.handlung.) Am 13. d. M- rourbe die Anklage gegen Peter Bach von Rodheim v. b. H-, Rechner der israelitischen Religionsgemeinde, wegen Verbrechens und Vergehens vor dem Schwurgerichte der Provinz Oberhessen verhandelt-

Bach wurde am 9. Februar 1849 von Großh. Kreisamt Friedberg zum Rechner der israelitischen Religionsgemeinde zu Rodheim ernannt und hat er seitdem diese Stelle bekleidet Bei seiner Ernennung zum Rechner wurde er von Großh. Kreisamt Friedberg auf seine dienstlichen Obliegenheiten unter Hinweisung aus die Bestimmungen des Gesetzes vom 18. Januar 1831, betr. das Versahren gegen Kassebeamte, welche Recesse machen, eidlich verpflichtet.

Während nun früher niemals Zweifel hinsichtlich der Redlichkeit Bach's bestanden, ergab sich im Juli d. I. der Verdacht, daß Bach sich der Veruntreuung von Geldern, welche ihm vermöge seines Dienstes anvertraut waren, schuldig gemacht habe. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Rodheim sah sich deßhalb veranlaßt, bei Großh. Friedberg den Antrag zu stellen, den Bach entweder zur Leistung einer angemessenen (Kaution oder zur Abgabe seines Amtes anzuhalten. In Folge dieses Antrages ordnete Großh. Kreisamt Friedberg eine Visitation der Dienstführung Bach's an und beauf­tragte mit solcher den Gemeinderechner Johannes Schneider von Gambach. Letzterer kam dem ihm ertheilten Auftrage alsbald nach und ergab die von ihm vorgenommene Visitation, daß Bach einen Kassedefect von mehreren Hundert Mark hatte.

Aus die von dem Resultate der Visitation dem Großh. Kreisamte Friedberg gemachte Anzeige, wurde Bach von genannter Behörde geeignet vernommen, wobei er zugestand, daß er sich wiederholt Eingriffe in die ihm anvertraute Kasse erlaubt und die betreffenden Gelder in seinem Nutzen verwendet habe.

Großh. Kreisamt sorgte hierauf dafür, daß die israelitische Gemeinde zu Rod­heim wegen des vorhandenen Kassedefects, soweit thunlich, gesichert wurde, indem es den Bach veranlaßte, zu Gunsten der gedachten Gemeinde eine Nachhypothek auf einen Theil feiner Liegenschaften, welche sämmtlich bereits oerunterpsändet waren, zu errichten.

Nach stattgehabter Hypothekerrichtung legte Großh. Kreisamt Friedberg die Visitationsacten Großh. Ministerium des Innern und der Justiz mit dem Anträge vor, den Bach wegen Verbrechen im Amte vor Gericht zu stellen. Großh. Ministerium des Innern und der Justiz gab diesem Anträge durch Entschließung vom 19. August d- I- Folge und darauf wurde Untersuchung gegen Bach eingeleitet, welche das Resultat lieferte, daß Bach nach seinem eigenen Geständniß den Betrag von 521 JL 37 $ unter­schlagen hatte. Zur Verdeckung der fraglichen Unterschlagungen hatte Bach unrichtige Einträge in die Handbücher gemacht und für verschiedene Rechnungsperloden die ge­stellten Rechnungen gefälscht und unrichtige Belege zu solchen vorgelegt.

Wegen dieses dem Bach zur Last, gelegten Verbrechens stand derselbe heute vor den Schranken des Gerichts und da Angeschuldigter geständig war, so bewegten sich die Ausführungen der Staatsanwaltschaft und der Vertheidigung hauptsächlich um die Frage, ob Bach in seiner Eigenschaft als Rechner einer israelitischen Religionsgemeinde alsBeamter" im Sinne des $ 359 des R -St -G -B- zu betrachten sei oder nicht. Die Geschworenen schlossen sich den Ausführungen der Staatsanwaltschaft an und er­klärten den Rechner für einenBeamten", worauf ibn der Schwurgerichtshof, unter Bewilligung mildernder Umstände, in eine Gefängnißstrafe von 2 Jahren, unter An­rechnung von 2 Monaten Untersuchungshaft, verurtheilte.

Gießen, 15. Decembrr. lieber die Epidemie von Rücksalltyphus im Großherzogthum Hessen schreibt dieDarmstädter Zeitung": Im Verlauf der letzten Wochen sind Erkrankungen an Rückfalllyphus, Typhus recurrens, einer in mehreren Städten des östlichen und nördlichen Deutschlands seit Jahren nicht mehr seltenen, im mittleren und südlichen Deutschland bisher aber unbekannten epidemischen Krankheit, auch im Großherzogthum Hessen beobachtet worden. Es scheinen die ersten derartigen Krankheitsfälle bereits im Anfang des Monats October l. I. in der Umgebung von Gießen aufgetreten zu sein, welche übrigens wegen der Besonderheiten des Krankheitsverlaufs und bei dcr Unbckannthett der Krankheit selbst nicht Beachtung gefunden hatten. Gegen Ende des Monats October wurde im akademischen Hospital zu Gießen bei 2 krank zugereisten Handwerksgesellen Rückfalllyphus constatirt. und hierauf sofort von Seiten der Abtheilung für öffentliche Gesundheitspflege des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz den Vorständen sämmtlicher Hospitäler des Großherzogthums und auch den Aerzten von dem Auftreten dieser Krankheit Kenntniß gegeben und deren Aufmerksamkeit auf dieselbe gelenkt. Seit dieser Zeit, am zahlreichsten in der zweiten Hälfte des Monats November, sind in dem akademischen Hospitale weitere Erkrankungsfälle gleicher Art zur Aufnahme gekommen im Ganzen 26. Weitaus die Mehrzahl der vorerst in dem Jsolirhaus des akademischen Hospitals, und demnächst, nach Ueberfüllung desselben, in einem anderweiten disponiblen Gebäude untergebrachten Kranken ist auf der Wanderschaft begriffen, vagabundircnde Personen, fast ausschließlich Männer mittleren Altcrs (unter denselben befindet sich nur eine Frauensperson), die thetls aus Thü­ringen kamen, thcils auch seit längerer Zeit die Provinz Oberhessen in den verschiedensten Rich tungen durchzogen hatten. Die angestellten Nachforschungen haben ergeben, daß die meisten der Erkrankten in bestimmten Orten und Herbergen verweilt haben, welche letztere daher, wie in der Regel, als die vorwiegenden, vielleicht alleinigen Jnfectionsherde betrachtet werden mußten; solche scheinen vorzugsweise in einigen Orten in der Umgegend von Gießen und in der Wetterau zu bestehen. Von den 26 in Gießen behandelten Kranken sind 2 und zwar vor ihrer Erkran­kung bereits sehr entkräftete und sonst körperlich heruntergekommene Individuen der Krankheit erlegen, die übrigen sind theils geheilt, thetls befinden sich dieselben in der der Regel nach lang­wierigen Reconvalescenz.

Gleichfalls von der zweiten Hälfte des Monats November an wurden im städtischen Hospital zu Friedberg wiederoolt an Rückfalltyphus Erkrankte aufgenommcn; auch diese waren zum Theil vagabundirende Personen, anderntheils bei dem Bau der Friedberg-Hanauer Bahn beschäftigte Arbeiter, ferner auch Dienstboten und Taglöhner, welche bei Landwirthen der Um­gegend seit langer Zeit Wohnung und Kost hatten und offenbar in guter Verpflegung sich be fanden. Die Zahl brr im Hospitale zu Friedberg bis jetzt aufgenommenen Recurrens-Kranken beläuft sich auf 6; Sterbefälle sind unter diesen nicht vorgekommen.

In Folge eingelangter Anzeige von der Ausnahme zweier Recurrens - Kranker im fianb -- krankenhaus zu Fulda, welche nachgewiesenermaßen zuvor den Kreis Lauterbach durchwandert hatten, wurde nähere Nachforschung Über die von diesen eingehaltene Reiseroute angestellt. In den ermittelten Herbergen und überhaupt im genannten Bezirk sind seither Erkrankungen ver­dächtiger Art nicht vorgekommen.

Die zur Verhütung einer Weiterverbreitung der Seuche getroffenen Maßnahmen haben die Ueberwackung der Herbergen und Logirwirthschaften durch die Ortspolizeibehörden in de» betreffenden Kreisen in's Auge gefaßt, sofortige Anzeige von Erkrankungsfällen jeder Art, die an einkehrenden Reisenden bemerkt werden, den Herbcrgswirthen zur Pflicht gemacht und den Bürgermeistern Acqutsition eines Arztes zu alsbaldiger Untersuchung der Erkrankten, eventuell Destnfection dcr von der Krankheit Verdächtigen benutzten Räume auferlegt. Untersagt wurde ferner der Transport und das Reisen krank Befundener auf der Eisenbahn; ferner wurden Räume zur Aufnahme von Kranken vorgesehen, auch wurden Lokalitäten für die Quarantäne zwetfelbalter Fälle in den Kreis-Städten eingerichtet.

- Eine Anzahl Jünger des fei. Ernst Mahner machten gestern Nachmittag bei der eben etwas kühlen Temperatur in H embärmeln, mit einem Glas Bier in der Hand, einen Rundgang auf dem Seltersweg Wenn nur kein Schnupfen die Folge davon ist.

Während die Nacht von Samstag auf Sonntag das Thermometer 13° Kalte zeigte, hatten wir heute Nacht wiederum 16'/z °- Die Tagestemperatur ist 12°.

| Gestern, als am Sonntage, wurden in der Volksküche 289 Portionen verav-

abreicht. Hiervon wurden 115 verkauft, wahrend die übrigen 174 an Arme oertheilt wurden. Heute gab's Linsensuppe. Es wurden im Ganzen 634 Portionen oertheilt, I hiervon 4('O verkauft, 234 Portionen an Arme und Handwerksburschen oertheilt.

Verschiedene in den letzten Tagen oorgefominene Hinfälle, resp. Arm- und Beinbrüche in den Straßen der Stadt, veranlassen unS, die Bitte auszusprechen, daß die Häuferbesitzer doch vor ihren Gebäuden die Trottoirs mit Asche oder Sand bestreuen möchten. Es ist dies im Local-Reglement vorgesehen, freilich nur bei Glatteis. Wenn man jetzt die meisten Trottoi.s begeht, wo die liebe Jugend und vielfach auch ältere Per­sonen, Schleifen anlegten, so kann man die Langmuth der Polizei nicht gut begreifen, welche hier nicht energisch einschrcitet. Das Streuen kann um so leichter geschehen, al» man ja bjc Asche in Kasten gesammelt vor die Thüren zum Abholen bereit stellt- Statt nun solches zu thun, habe man nur die Gewogenheit, solche zu streuen und einem argen llebelftanbe ist abgeholfen. Im Uebrigen dürften auch die Herren Lehrer zu ersuchen sein, ihren Schülern über das gefährliche Schleifen und auch Schneeballwerfen in den Straßen der Stadt geeigneten Vorhalt zu machen.