Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. (Korrespondenz - Bureau.
Berlin, 13. Octbr. Im Fortgang Ihrer heutigen Sitzung genehmigte die Generalsynode den Anlrag der Ftnanzcommisston, den Synodal-Mitgliedern täglich 12 Mk. Diäten und den auswärtigen Mitgliedern die nöthtgen Reisekosten zu gewähren und nahm den Antrag Hegel's an, den Oberkirchenrath cmfzuforden, dahin zu wirken, daß die Berliner Stadtbehörden von Seiten des Staates angehalten werden, für die Berliner Irren-, Correcttons- und Kran- ken-Anstalten eine genügende Seelsorge zu beschaffen.
London, 13. Octbr. Meldung der „Daily News" aus Lahore vom 12. d. Eine Privatdepesche aus Simla meldet: General Roberts besetzte Balahiffar. Die vornehmsten Kaufleute aus Kabul erschienen im britischen Lager. Roberts telegraphtrt, es seien nunmehr HO Geschütze erbeutet.
Berlin, 13. Octbr. Die Generalsynode hat den Antrag auf Anbahnung der Einrichtung eines gemeinsamen nationalen Buß- und Bettages in den deutschen evangelischen Kirchen angenommen und deffen Verlegung auf den letzten Freitag im Kirchenjahre für zweckmäßig erklärt.
Straßburg, 13. Octbr. Bei seiner kürzlichen Anwesenheit in Colmar richtete der Statthalter Feldmarschall v. Manteuffel, zu dessen Empfang die Beamten und Notabilttäten der Stadt und Umgebung sich in der Präfektur versammelt hatten, an die Geistlichkeit und die Vertreter der elsässischen Körperschaften etwa folgende Worte: Ich respectire die Anhänglichkeit, welche die Elsäffer gegen den großen Staat hegen, mit dem das Land 200 Jahre verbunden war; eine solche Zeit läßt sich nicht wegwtschen. Aber wenn ich heute hier stehe, so bedenken Sie, daß nicht Deutschland den Krieg um Elsaß- Lothringen angefangen hat, sondern daß er uns von Frankreich aufgedrungen ist. Wenn Sie jetzt zu Deutschland gehören, so erinnern Sie sich, daß das Land schon früher einmal 700 Jahre gemeinsamer Geschichte mit Deutschland durchlebt hat, und bedenken Sie, daß Deutschland mehr wie jedes andere Land die Eigenthümltchkeit seiner einzelnen Landschaften anerkennt und pflegt. Deutschland wird auch in Elsaß-Lothringen das Gute pflegen und fortbilden, was das Land in seiner Verbindung mir Frankreich gewonnen hat. In der Politik aber mache ich einen Strich und Front gegen Alles, was es mit dem Auslande halten wollte. Von der Geistlichkeit insbesondere erwarte ich, daß Sie dem Worte der Schrift gemäß die Obrigkeit als von Gott gesetzt anerkennen und Ehrfurcht und Gehorsam gegen sie üben und lehren wird, nicht nur in der äußeren Form, sondern, wie der Apostel es aussprtcht, des Herrn wegen, also in Wahrheit und mit dem Herzen. — Zu den Beamten der Verwaltung gewandt, hob der Statthalter hervor, daß es nicht genüge, der allgemeinen Beamtenpflicht gemäß alle Kräfte dem Wohle des Landes zu widmen; vielmehr sei eine besondere Ehrenpflicht gegen ganz Deutschland zu erfüllen, so daß auch der am zähesten an Frankreich hängende Elsaß-Lothringer die Vorzüge der deutschen Verwaltung anerkennen muffe. — An die Justtz- beamten wandte sich der Statthalter mit den Worten: Gerechtigkeit soll das Land regieren, das ist der Grundsatz der deutschen Rechtspflege. Von der Lafayette'schen Liberty Fraternitö Egaltlö haben die beiden ersteren sich vielfach als Phrase erwiesen; die Egalitö hat sich behauptet als Gleichheit vor dem Gesetze, und so soll sie auch hier ihr Recht behalten. — Zu den Lehrern sagte der Statthalter: Sie haben .eine schwere, vielfach dornenvolle Aufgabe, bei der Sie sich oft mit der conscienta recti begnügen müssen; aber ehrenvoll ist sic, denn in Ihrer Hand liegt vorzugsweise die Zukunft des Landes, da Sie das künftige Geschlecht heranzubtlden haben. Verlieren Sie dieses hohe Ziel nie aus den Augen.
Berlin, 13. Octbr. Der Kaiser trifft, soweit bis jetzt bestimmt, am 20. October von Baden hier ein und gedenkt an den bevorstehenden Jagden theilzunehmen. Eine Reise nach Wiesbaden ist bis jetzt nicht in Aussicht genommen. — Der französische Botschafter, Graf St. Vallier, ist heute früh hier eingetroffen und hat die Botschaftsgeschäfte wieder übernommen.
Brüssel, 13. Octbr., Abends. „Echo du Parlement" meldet: In Brügge, wo am 14. ds. die Wahl eines Senators stattfindet, kam rs vergangene Nackt auf verschiedenen Punkten zu Ruhestörungen. Die Polizei mußte einschreiten und mehrere Verhaftungen vornehmen. Der Gouverneur requtrirte Gensdarmerie, welche unverzüglich den Dienst übernahm. Die Wahlaufrufe der Liberalen wurden zerrissen, eine Person durch Messerstiche verwundet.
London, 13. Octbr. Officielle Meldung aus Simla vom 13. ds.: General Roberts telegraphirt: Die aufständischen afghanischen Truppen sind vollständig geschlagen. Die Stämme, die sich ihnen angeschloffen hatten, sind zu ihren Wohnsitzen zurückgekehrt. Roberts besichtigte am 11. die Citadelle von Balahiffar und beabsichtigte am 12. in Kabul einzuziehen. Die Notablen von Kabul erschienen bei Roberts, ihre Ergebenheit anzuzetgen.
London, 14. Octbr. Meldung des „Reuter'schen Bureaus" aus Simla vom 13. d.: General Roberts hat gestern Mittag, begleitet vom Emir Jakub Khan, seinen Einzug in Kabul gehalten. Die britischen Truppen bildeten Spalter vom Lager aus. Die britische Artillerie feuerte Salut beim Hissen der Flagge am Stadteingange. Zwei Regimenter besetzten Balahiffar und die Anhöhen.
m. Darmstadt, 6. October. Die Jury für die Beurtheilung der hervorragenden Leistungen auf der Landes-Gcwerbe-Ausstellung zu Offenbach hat folgende Prämien zuerkannt: (Fortsetzung aus Nr. 239.)
d. Ehrenvolle Erwähnungen:
Braß, Karl, Mainz, Kistenfabrikant.
Büdinger, F, Darmstadt, Schlossermeister.
Bund, Peter, Mainz, Ofen- und Kochherd-Fabrikant.
Gaifle, A, Offenbach, Sattler.
Ghristmann, Heinrich, Bingen, Bildhauer.
Degen, I., Offenbach, Sattler.
Dickore, August, Gießen, Büchsenmacher.
Egry, Joh., GernSbeim, Fabrikant landw. Maschinen.
Eich, ®. F. II, Erbach i. O-, Pfeifenfabrikant.
Eickenmeyer, vroßh. Oberförster in Hirschhorn (für Eichenlohrinde).
Enders, Franz, Mainz, Mechaniker.
Engelhardt, Jos. jun., Offenbach, Konditor.
Etijiuger, L. A., Worms, Fabrikant von Filtrirapparatcn.
Kehl, Jean, Offenback, Möbclfabrikant.
Keller, Jean, Offenbach, Mechaniker.
Forster, L. A-, Offenbach, Aimmcrmeister.
Fricke, Ludwig, Bmgcn, Zuschneider.
Kries, Anton, Mainz, «rckitect (Lehrmittel)
Fröhlich, W , Groß "Zimmern, Salatbesteck-Fabrikation.
Fuchs, H. E. Wittwe, Offenbach. Geldbörsengeschäft.
Fürstlich Nseaburg-Büdingen'iche Braunkohleugrube „Hedwig" bei Büdingen.
Geh, Adolph, Offenbach, Maler.
Gewerkschaft Oberheffen (Sitz Frankfurt a. M., Friedrich Graf zu SolmS-Laubach Eigenthümer der Gruben).
Giese, Gebr., & Co, Offenbach, Nähmaschinen- und Kaffeschrankfabrtkanten.
Gö'lz, Louis, Gernsheim, Fabrikant von Zeichenkohle.
Goertz, Jacob, Mainz, Lehrer (Schulbänke).
Goldschmitt, S.. Offenbach, Pappenfabrikant.
Graes, P., Darmstadt, Fabrikant von Gas-, Waffer- und Dampf-Apparaten.
Grandhomme, Wtlh., Schotten, Möbelfabrikant.
Graulich, August, Darmstadt, Spengler.
Güllther, Dorothea, Offenbach, Stickerei.
Haas, August, Offenbach, Schloffer.
Hainer, Wilh., Offenbach, Lehrer.
Hammel, Nicol., Offenbach, Bürstenfabrikant.
Hamman, Jacob, Mainz, Möbelfobrikant.
Hartmann, Dr. A., Langen, Fabrikant künstlicher Mineralwasser.
Hartwig, S. jun., Offenbach, Glaser.
Häuser, K., Friedberg, Fabrik landwirthschaftlrcher Maschinen.
Hasstnger, Ph-, Offenbach, Buchbinder.
Hau, Joh.. Bürgel, Stockfabrtkant.
Heiland, Adolpb, Offenbach, Reiseeffeeten-Fabrikant.
Hering, Franz, Erbach i. O-, Elfenbeinschnitzer.
Herrmann, Karl Friedrich, Offenbach, Schretnermrister.
Hcyl, Heinrich, Darmstadt, Bau- und Möbelschreiner.
Heyen, Carl, Offenbach, Schneider.
Hilge, P, Mainz, Gelbgießer.
Hinkel's, I. Nachfolger, Vilbel, Liqueurfabrikant.
Hirschmann, I- M., Offenbach, Lithographische Anstalt.
Hissten, G & Co-, Ruß- und Lackfabrikant.
Hof, Daniel, Offenbach, Gürtler.
Hoffmann, H. & Söbne, Mainz, Tapezier.
Hoffmann, Theodor, Offenbach, Maler.
Hofmann, Gg- Wilh., Jugenheim a. d. B., Stärkemehlfabrtk.
Homberger, Gebr. & Söhne, Gießen, Mechanische Buntweberei.
Ihrig, Theodor, Michelstadt, Fabrikant landw. Maschinen.
Jung, Georg, Offenbach, Schlosser.
Kassel & Pfänder, Schotten, Wollgarnspinnerei.
Kees, Georg, Ortenberg, Essig- und Essigspritfabrikant.
Klum, Alois, Mainz, Sieb- und Drahtgefleckte-Fabrikant.
Knaben-Arbeits-Anstalt, Darmstadt (Strohflechtwaaren).
Koch, Louis, IL, Neu-Dsenburg, Dreher.
Köhler, Karl, Darmstadt, Schlosser und Kassenschrankfabrtkant.
Kohl, Karl, Offenbach, Tapezier.
Konow, A., Offenbach, Silberarbeiter.
Kraus, Hector, Darmstadt, Photograph.
Kruck, Conrad, Worms, Tischler.
Künstler, Hermann, Mainz, Metallgießer und Dreher.
Kugler-Zinn, W., Offenbach, Haarschneiderei.
Lack, Gebr., Offenbach, Maschinen^Stickeret.
Lange, Gustav Georg, Darmstadt, Photographisches Atelier.
(Schluß folgt.)
Lokales.
Gießen, 14. October. Morgen, den 15. October, feiert Herr Hofgerichtspräflvent Dr. Georg Buff den 50. Jahrestag seines Eintritts in den Staatsdienst- Eine öffent liche Feier dieses Ehrentages unterbleibt auf Wunsch des Jubilars, doch werden seine zahlreichen Verehrer und Freunde es sich nicht nehmen lassen, ihren Glückwunsch barzubringen. Möge dem verehrten Manne noch ein langer und froher Lebensabend beschieden sein!
— Bei dem gestrigen, wenn auch geringen Brande hat es an Unzuträglichkeiten nicht gefehlt. Namentlich sind einige Carambolagen mit der Schutzmannschaft, welche Umstehende zum Löschen aufforderte, zu verzeichnen. Bei einem ausgebrochenen Feuer ist es Ehrenpflicht für Jeden, zu halfen, wo zu helfen nothwendig ist. Unnützes Gaffen an einer Brandstelle ist nicht am Platze und verdient Zurechtweisung._________________________________________
Vermischtes.
□ Langensalza, 12. October. Nach dem Ableben des Herrn Dr. Kirchner, Direktor der hiesigen polytechnischen Schule ist Herr Jentzen, Direktor der städtischen Baugewerkschule zu Stadt Sulza vom Magistrat zur Uebernahme der Direktion unserer technischen Fachschule berufen worden.
Obgleich cs für unsere Stadt etwas schwer ist, die Bedingungen zu erfüllen, von denen Herr Direktor Jentzen die Uebernahme der Direktion der hiesigen Anstalt abhängig gemacht hat, herrscht voch unter den Bürgern allgemeine Freude über den Abschluß dieser Äerhanolungen, weil die bisherige erfolgreiche Wirksamkeit des Herrn Jentzen für eine gedeihliche Entwickelung der Anstalt eine genügende Bürgschaft gewährt.
Während der Magistrat mit geeigneten Personen behufs Uebernahme der Direktion verhandelte, war die Direkton des Technikums Hildburghausen bemüht, durch Engagement der Fachlehrer die Stuvirendcn ver hiesigen Anstalt nach Hildburghausen herüber zu ziehen -, wir müssen uns auf die Mittheilung diescr Thatsachr beschränken und unter den vorliegenden traurigen Verhältnissen davon abstrahiren, dieselbe näher zu kritisieren.
Für die abgehenden Lehrer, von denen der eine sick hier unmöglich gemacht hatte, sind bereits angestellt: Herr Architekt K ule mann, bisher Lehrer an der Baugewerkschulc zu Stadt Sulza, Herr Ingenieur Benedix, bisher Dirigent des Technikums Münder a. 5)., und mit einem im Lehrfacke und in der Praxis bewährten Maschinen-Jngenieur sind die Verhandlungen eingeleitet.
Nachdem nunmehr die Verhältnisse unserer Anstalt geordnet sind, unterliegt es wohl keinem Zweifel, daß bei der soliden Basis des Unternehmens unsere Anstalt, ähnlich wie die Sulzaer bisher, an Achtung und Ansehen in nahen und entfernten Kreisen gewinnen wird.
— Eine Ansprache an unseren Kaiser. Von geschätzter Hand erhalten wir die Ansprache, welcke aus dem Kreise der Ehrenjungfrauen in Königsberg bei dem Empfange unseres Kaisers an den hohen Herrn gehalten worden ist, und mit der wir unseren Lesern, wenn auch schon einige Zeit seit dem Empfange verflossen ist, immer noch eine Freude zu machen glauben, da der so tiefe als wahre Inhalt nie veralten wird:
Mit feierlichem Gruß Dich zu begrüßen
Mein kaiserlicker Herr, hat unS gesandt Die alte Königsstadt zu Deinen Füßen.
Als fest und treu hast Du sie oft erkannt;
Und kommst Du, ihr zur Freude, neu zu schließen In Deiner Vaterhuld der Liebe Land, Du sollst — wir dürfens reinen HerzenS künden — Bewährt auch jetzt die alte Treue finden.
Wie sicktlich hat mit ihren reichsten Gaben
Dir auf das Haupt sich Gottes Hand gelegt;
In Werken, segenbringend und erhaben, Durch Dich der Zeit gewicht'ges Rad bewegt.
Dein Name, tiefer als in Erz gegraben, Lebt dort, wo ihn da- Volk im Herzen trägt. Doch — könnten Worte ihren Glanz bewähren, Du liebst nicht, Deiner Thaten Ruhm zu hören.
So möge denn von seinem Himmelsthrone Der Höchste gnädig zu uns niedersehn, Daß er für Dich, Dein Haus und Deine Krone Erhöre unj'rer Lippen heißes Fleh'n:
Er gebe Dir, daß Glück die Tugend lohne, Bis in die spät sten Tage Wohlergehn, Frieden im Reich, ein Volk nach GotteS Willen — O, Herr im Himmel, wolle das erfüllen.
Die Ansprache hielt Fräulein Brann, Tochter des Bürgermeisters Braun.
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MkMt Victor Rm jetzt mit unbekm Amerika, wird ai 22 Dezember 18 aiebr verstorbenen des Gwßh. Revie Runkel von ( wohndait ju Gie richtete Testament ibn enterbt Hai, \ binnen von beute au gei Men, widrigen' edannt angesiht! wird.
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