Einzelbild herunterladen

begleitet ward. Eine Deputation aus Susan gab Versickerungen der Treue für den Kaiser ab. Andere Deputationen zu gleichem Zweck sind angekündtgt.

Schweiz.

Bern, 11. Mai. In Folge großen Schneefalls in den Bergen haben wir hier wieder Kalte wie zur Winterszeit. Dabei ist die Natur so zurück, daß auf dem Lande nicht gearbeitet werden kann und man dort mit gar trübem Blick in die Zukunft sieht; in den katholischen Cantonen, so im Canton Luzern, werden von den Kirchenbehörden bereits Gebete um besieres Wetter angeordnet; eine Bitte, die mit der Zeit jedenfalls erhört werden wird. Seit gestern ist der Gotthardpaß wieder unpassirbar. Selbstverständlich leiden neuerdings unter dem Schneefall auch die Gotthardbahn- Arbeiten. Wie eine Depesche meldet, ist aus der Südseite die aus dem Tessin kommende Waffer- lettung, welche sich 3 km lang an senkrechten Felsen hinzieht, wieder unter ge­waltigen Schneemaffen und einer neuen Lawine begraben, so daß die Arbeiten im Tunnel mehrere Tage müssen eingestellt werden.

Belgien.

Brüssel, 10. Mai. Das Zuchtpolizeigericht von Termonde hat einen Lehrer in Hamme wegen allergröbster Unzucht in 26 Fällen zu je 6 Monaten und in 212 Fällen zu je 4 Monaten, also in zusammen 238 Fällen zu 83 Jahren und 8 Monaten Gefängniß verurtheilt. Das wäre al|o, nach Woestes Rechnung, der 17.weltliche" Lehrer, der in 20 Jahren so hat ge­straft werden muffen, aber eben dieser 17. war, aus der von Geistlichen gelei­teten Normalschule von Lierre hervorgegangen, in Hamme die rechte Hand der klerikalen Partei und in deren Versammlungen der stete Sprecher und Macher. Bet seiner Verhaftung fand man ibn im Besitz von zwei Rosenkränzen, einem Scapulier und einer St. Josephs-Medaille; er war eben ein sehrfrommer" Mann. (Köln. Ztg.)

Telegraphische Depeschen.

Wagner» telegr. Korrespondenz-Bureau.

Darmstadt, 13. Mat. DerDarmft. Ztg." wird telegraphisch mitgetheilt: Der Kaiser von Rußland hat den Prinzen Alexander von Bat­tenberg zum General Major und Chef des 13. Jägerbatatllons, mit welchem der Prinz den Uebergang über die Donau mttmachte, ernannt.

Berlin, 13. Mat. Die Nationalliberalen bestimmten in ihrer heuti­gen Fraktionssttzung zu Delegirten für die Zolltarif-Commission des Reichstages die Abgg. Bamberger, v. Benda, v. Bennigsen, Delbrück, Hammacher, Oechsel- bäuser, Rickert und v. Schaus. Mithin haben jetzt alle Fraktionen, außer der deutschconseroativen, ihre Delegirten für die Achtundzwanziger - Commission bestimmt.

München, 13. Mat. Wie dieSüdd. Presse" meldet, ist Markt- Tann in der Rhön gestern Nacht größtenteils abgebrannt.

Petersburg, 13. Mat. Eingegangenen Nachrichten zufolge ist der Prinz von Battenberg gestern Morgen in Lwadta eingetroffen.

Wien, 13. Mat. Der Kronprinz von Schweden ist gestern Abend '. ach Cobienz abgeretst.

Rom, 13. Mai. Die vom Papst gehaltene Allocution constatirt mit Genugthuung, daß die Fragen betreffs der Katholiken in der Türket gere­gelt seien

Bukarest, 13. Mai. Die am 9. und 10. Mat ftattgefundenen Wahlen der Delegirten des vierten Wahlcollegiums ergaben eine große Majo­rität der liberalen Partei.

Paris, 13. Mat. DerTemps" sagt: Die Schwierigkeiten, welche sich hinsichtlich der Organisation der Polizei-Präfectur und der Rückkehr der Kammern nach Parts erhoben hatten, sind ausgeglichen. Das Cabinet wird tu unverändertem Bestände vor dte Kammern treten und, wenn befragt, die Ansicht vertreten, daß dte Angelegenheit der Polizei-Präfektur absolut unab­hängig ist von der Frage der Rückkehr der Kammern nach Parts. Wenn dte Fraktion des linken Centrums Garantien verlangt, wird die Regierung sagen, daß sie diese in genügender Weise durch ihre gegenwärtige Zusammensetzung, durch ihre bisherige Haltung, sowie durch ihr Programm biete und wird ein Vertrauensvotum in Bezug auf diese Frage beantragen.

Wien, 13. Mat. DiePolit. Corresp." meldet aus Petersburg: Der KriegsdampferKonstantin" holt die bulgarische Throndeputatton in Varna ab. Dieselbe dürfte am 15. Mai in Livadia eintreffen. Der Prinz von Battenberg empfängt die Deputation zuerst in preußischer Lieutenants­uniform und wird derselbe bet dem darauf folgenden Dejeuner tn russischer Generalsuniform mit der bulgarischen Mütze bedeckt durch den Kaiser von Ruß­land vorgeftellt. Der neue Fürst reist am 18. d. nach Wien und tritt von dort eine Rundreise nach Berlin, Paris. London und Rom an, gebt von Rom zur Investitur nach Konstantinopel und betritt tn Varna den Boden Bul­gariens. Hierauf leistet der Fürst tn Tirnowa den Eid und nimmt tn Sofia seine bleibende Restdenz.

Augsburg, 13. Mat. DieAllg. Ztg." meldet: Der Augsburger Magistrat beschloß, dte Einladung des Berliner Magistrats dahin gehend zu beantworten: Unter verbindlichem Dank für die Einladung beehren wir uns mttzutheilen, daß wir von der Beschickung der für den 17. Mai nach Berlin einberufenen Versammlung Umgang zu nehmen uns entschlossen Huben, weil wir die von Ihnen stgnalisirte Gefahr einer Vertheuerung der unentbehrlich- iten Lebensmittel nicht in der Zolltartfvorlage finden und daher auch die al« Zweck erwähnter Versammlung in Aussicht genommene Demonstration geaen dte Zolltarifvorlage nicht als motivtrt erachten können. Wir sind zwar nicht weniger als andere Stadtbehörden der Pflicht, die Bevölkerung vor drohender Gefahr zu schützen, eingedenk, aber nach unserer Ueberwugung sind die tu der Tartfvorlage proponirten Viehzölle und der Zoll von 50 Pfg. auf den Cent- ner Getreide nicht gefährlich und verdient vielmehr die Tarifvorlage weit eher eine beifällige, als eine abfällige Kritik.

Berlin, 13. Mai. Der Kaiser empfing beute Nachmittag noch der Rückkehr von den Hebungen am Kreuzberg den Erbprinzen von Meiningen, welcher die gestern Nachmittag 2V2 Uhr erfolgte Entbindung seiner Gemahlin von einer Tochter meldete. (Der Kaiser ist sonach Urgroßvater geworden.)

Washington, 13. Mai. Bet der Abstimmung des Repräsentanten­hauses über den Antrag, die Bill, welche eine militärische Intervention bei den Wahlen untersagt, trotz des Vetos des Präsidenten zu genehmigen, stimmten

127 Deputi'te dafür und 97 dagegen. Die Bill wurde wegen des Mangel- der erforderlichen Majorität abgelehnt. Der Staatssecretär Evarts nimmt demnächst die Verha dlungen mit den europäischen Regierungen in Betreff der Einführung der Doppelwährung in S Iber und Gold wieder auf.

Lokales.

Gießen, 14. Mai. Der Divisions-Commandeur Prinz Heinrich von Hessen, sowie General v. Sannow verweilen eben in unserer Stadt behufs Jnspicirung des hiesigen Regiments.

Gestern Abend versammelten sich eine größere Anzahl Studirender der hiesigen Hoch­schule in Wenzels Saalbau. Zweck der Versammlung soll ein Protest gegen das Vorgehen der Schutzmannschaft gegenüber mehreren Studenten tn der letzten Samstagsnacht sein.

. Während der Woche vom 4. bis 10. Mat ereigneten sich in Gießen im Ganzen 4 Todesfälle. Ein Kind von 11/4 Jahren erlag dem Keuchhusten. Von den 3 erwachsenen Personen starb eine an Altersschwäche, eine am Kindbettfieber und ein Mann fand den Tod durch unglücklichen Sturz von der Treppe. q.

Der Dieb, welcher letzthin in einem hiesigen Hotel die beiden Hausknechte bestohlen,

wurde ermittelt und gestern hier eingebracht.

Verhaftet wurde gestern Abend ein liederliches Frauenzimmer auf der Neuen Anlage.

Der Restaurateur auf dem neuen Bahnhof zu Lollar hat sich bei Gunters- Hausen ertränkt.

Gießen, 14. Mai. Nach dem vorliegenden Jahres-Berichte des Octroi-Controleurs betrug das Octroi-Einkommen der Stadt Gießen in 1877 in 1878.

Für Schlachtvieh.............. 25,622 75 25,147 85

Fleisch und Wildpret........... 1,162 52 1,174 51

Brennmaterialien . ........... 16,813 76 16,176 70

,, Mehl, Früchte re...... 17,336 83 19,827 16

Getränke............... 21,444 25 22,005 17

Im Ganzen......

85,380

11

84,331

85,380

39

11

daher im Jahre 18/8 weniger .........

. . 1,048

72

Die geleisteten Rückvergütungen dagegen betrugen:

Für Schlachtvieh ..............

Brennmaterialien............

Mehl, Hafer, Brod re...........

Getränke...............

Lieferungen an das Militär.........

JL

13

346 4,265 2,144 2,39*

76

71

92

43

80

<X

3

625 6,447 2,499 2,624

33

52

69 06

42

Im Ganzen......

9,169

62

12,200

9,169

02

62

daher im Jahre 1878 mehr als im Jahre 1877 ....

. . 3,030

40

Von dem Einkommen.............

Dte Rückvergütungen ab mit..........

85,380

9,169

11

62

84,331

12,200

39

02

Bleibt reines Einkommen...........

76,210

49

72,131

76,210

37

49

daher im Jahre 1878 weniger

. . 4,07h

12

Vermischtes.

Darmstadt, 13. Mai Heure Nacht hat ein hiesiger Barbier sein fünfjähriges Kind dadurch getödtet, daß er es mehrere Male mit aller Gewalt wider dte Wand warf ; der Be­treffende ist in gerichtlichen Gewahrsam genommen worden.

Mainz, 11. Mai. (Erstickces Federvieh.) Bei einem gestern hier eingelaufenen Geflügel-Transport fand man im hiesigen Bahnhofe nicht weniger als 60 Gänse, wohl wegen Mangel an Luft in den engen Käfigen hauptsächlich, erstickt. Der Wasenmeister nahm sie sofort in Empfang. (Mzr.Tagbl.)

Sprendlingen i. R., 11. Mai. Der hiesige 86 jährige Weineommissionär Carl Warum I. und seine 85jährige Ehefrau Henriette feierten gestern im besten Wohlsein das seltene Fest ihrer diamantnen Hochzeit. Von allen Seiten wurden dem Jubelpaar Glückwünsche dargebracht

Frankfurt, 10. Mai. An dem Uebergang der Main-Weser-Bahn in Bockenheim (Schönhof) ereignete sich beute Morgen ein schreckliches Unglück. Zwei Kinder liefen beim Herannahen des Zuges noch schnell durch die Barriere und wurden überfahren. Dem einen Kind wurden beide Füße abgeschnitten, das andere wurde gleichfalls schwer verletzt. Beide Kinder sind am Nachmittag ihren Verletzungen erlegen.

Eine Annonee findet sich jetzt vielfach in den Zeitungen in welcher unter Hinweis auf ein daneben gesetzteS üppiges Frauenbild graines de beaute de Dr Ponelle in Paris zum Preise von 8 Mark dte Schachtel mit dem Bemerken ausgeboten werden, daß der Genuß der Pillen ebenso blühende Formen wie Figura zeigt, schon nack kurzem Gebrauch herftelle. Auf Veranlassung des Berliner Polizei-Präsidiums hat eine chemische Untersuchung der Pillen stattgefunden und ergeben, daß die mit einem starken Stlberüberzuge versehenen Pillen aus Hülsenfruchtmehl und Zucker versetzt mit einigen aromatisch schmeckenden Pflanzenstoffen bestehen. Die 100 Pillen, welche jede Schachtel enthält, und die zusammen etwa >3 Grm. wiegen, haben demnach etwa dieselbe Wirkung, wie eine aus letzterem Quantum gekochte Mehlsuppe, nur mit dem Unterschied, daß man für letztere nicht 8 Mark zu zahlen braucht.

In der Augsb. Abendzeitung schreibt ein Gichtkrankerzum Heile der Menschheit" : Daß der Bienenstich den Podagra- und Gichtleidenden augenblickliche Linderung der unsäg­lichen Schmerzen dieser Krankheit verschafft, wurde schon in mehreren Artikeln frohlockend der Welt verkündet. Am 28. März d. I , als ich grade an den heftigsten Gichtschmerzen am linken Fuße krank im Bette lag und den Fuß kaum mehr rühren konnte, kam mir ein solcher Artikel in die Hand, worin ein Herr College humoristisch seine Heilung mittelst Bienenstichs zum Besten gab. Ich, der ich schon vieles, ja alles, was mir offerirt wurde, diese Krankyeit zu bewältigen, probirte und alles für Schwindel erkannte, entschloß mich sofort, den kranken Theil von Bienen stechen zu lassen. Schleunigst richtete ich ein Bienenschachtelchen zurecht, so eingerichtet, daß nur eine Biene herauskrieckcn konnte, worauf das Thürchen im Bienenschächtelchen wieder geschloffen wurde. Dte erste Biene wurde mit einem Stäbchen, welches vorn in Honig getaucht war, angepappt und an die leidende Stelle gebracht, worauf sofort unter Zurücklassung des Stachels der Stich erfolgte. Eine zweite und dritte Biene wurde eben so behandelt und ich hatte auch von diesen dieselbe Behandlung zu erdulden. Nach mehreren Seeunden wurden die zurückae- bliebenen Stacheln aus dem Fuße herauSgezogen und als der Schmerz der Bienenstiche nach­ließ, war der Gichtsckmerz total verschwunden. Noch am selben Tage verließ ich das Bett und schon des andern Tages konnte ich meinem Beruf (ich bin Forstmann) ungebindert toitcer nachgehen. Längere Zeit noch hatte ich ein leichtes Brennen im Fuß, welches sich nach 4 bis 5 Tagen gänzlich verlor. Ich mache diese meine glückliche Cur meinen vielen Leidensgenossen mit dem Wunsche bekannt, daß sie nach Anwendung obigen Mittels so schnell Linderung und Heilung finden mögen wie ich."

Eine Bitte um allergnädigste Hinrichtnng verdient gewiß unter die Curiosa aus­genommen zu werden. DerPesther Lloyd" meldet nämlich: ,,Ein nach Sakard zuständiger Infanterist wandte sich tn einem Gesuche an den Kaiser mit der Bitte, der Monarch möge ihn, da er seine Zeit abgedient und nicht zu arbeiten im Stande sei, ihn, den in Bosnien nie e- ie Kugel traf, während seine Kameraden deeimirt wurden, im Hofe der Großwardetner Festung allergnädigst hinrichten lassen "

- Folgende drollige Grabschrift findet sich auf einem westvfälischen Kirchhofe:

Hier liegt Peters achter de Ranken.

In sine Jugend was he en Farken, In einem Oeller war he en Swin ; O Gott, wat mag he nu wol »in?

In das Zuchthaus zu Richmond im Staate Virginia in Amerika sind ein Mann und eine Frau eingeliefert worden, die von dem dortigen Gerichte zu einer Zuchthausstrafe von je fünf Jahren verurtheilt worden sind. Sie sind weder Räuber noch Diebe, keine Fälscher und nicht Meineidige, sondern sie haben sich eines anderen, in jener Gegend viel schrecklicheren Ver­brechens schuldig gemacht sie haben sich geheirathet. Edward Kmney ist ein Neger - von übrigens Heller Gesichtsfarbe seine junge Frau eine Weiße. Die Beiden sind ordentliche