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Ttnsendern Meinen Dank zu übermitteln und beauftrage Sie daher, zu diesem Behuse diesen Erlaß zur allgemeinen Kenntniß zu bringen.

Berlin, 11. Januar, Abends. Die heutige Versammlung der volks- wirthschafiltchen Gesellichaft war außerordentlich zahlreich besucht. Fast-nmt- ltche nationalliberale Mitglieder des Abgeordnetenhauses wohnten derselben bei. Bamberger hielt einen li/Mndtgen Vortrag über das Schreiben des Reichs­kanzlers vom 15. D?cember im Sinne seiner bereits veröffentlichten Denk­schrift. Pros. Wagner begrüßte das Schreiben des Reichskanzlers als ersten Schritt der Regierung zur Regelung der wirthschaftllchen Verhält iffe und Herbeisührung einer gesunden Wirtschaftspolitik. Alexander Meyer (Breslau) sprach noch im Sinne Bambergers. Sine Resolution wurde nicht vorgeschlagen.

Karlsruhe, 11. Januar. Bei der Ersatzwahl für die zweite Kammer in Bretten wurde Oeconom Walz von Gondelsheim (liberal) gewählt.

In der zweiten Kammer brachte der Finanzminister einen Gesetzent­wurf ein, betr. die Umwandlung des 5procentlgen Anlehens in ein geringer verzinsliches.

Oesterreich.

Wien, H. Januar. DieDeutsche Zeitung" erfährt, daß der mon­tenegrinische Krtegsmintster Vcbica in Wien wegen des Abschluffes von Ver­trägen in Betreff des See-Sanitätswesens und der Hafenbauten in Anttvari, sowtd des Straßenbaues zwischen Antivari und Spizza unterhandelt. Nach einem Telegramm deffelben Blittes aus Cattaro wurde zwischen dem Com- miffar der Pforte und dem Vertreter Montenegros ein Räumungs-Ueberein- kommen abgeschloffen.

Arankreich.

Paris, H. Januar. DieAgence Havas" veröffentlicht in einer Note die Hauptpunkte des den Kammern zu unterbreitenden Programms der Regierung. Daffelbe wird die Wichtigkeit der Januarwahlen, die die Republik zur unbestrittenen, definitiven Regierungssorm Frankreichs gemacht, heroor- heben und erklären, daß die Regierung fest entschloffen sei, darüber zu wichen, daß die Verwaltung der Republik nicht deren Feinden, sondern ihren Freun­den anvertraut werde, die ihr dienen und sie befestigen. Die Regierung werde sich von diesem Principe, namentlich auch in Bezug auf die höheren Armee- Commando-Steüen leiten lasten. In Betreff der Beziehungen zu der Kirche wird das Programm erklären: Ohne sich auf religiöse Bedrückungen etnzu- laffen, welche die Freiheit des Gewtstens verletzen würden und woran Nie­mand oenke, werde die Regierung energisch die Rechte des Staates, wie solche aus den Gesetzen sich ergeben, ausrecbterhalten und sie gegen alle Anfechtung n vertheidigen sie würde, in einem Wort, eine entschieden dem Concordate ent­sprechende Politik befolgen. Das Programm wird in gleicher Weise die Rechte des Staates in Sachen der Ausdehnung des Plimär-Unrerrlchts in Anspruch nehmen. Endlich wird das Ministerium, um einem Bedürfntste der Beschwich­tigung zu genügen, ausgedehnte Begnadizungsmaßregeln ankündigen. Das Ministerium will eine eingehende Debatte veranlasten, wonach die Kammer mit voller Kenntniß der Sache votiren könne.

Paris, 11. Januar. DieAgence Havas" läßt sich aus Konstantinopel melden, die Pforte sei dem Projecte einer gemischten Besatzung Ostrumeliens nach dem Abzüge der Rusten nicht geneigt. Seitens der internationalen Com­mission sei auf die Nothwendigkett einer solchen gemischten Besatzung hinge- gewiesen worden. Man spreche davon, für den Fall einer solchen Besetzung einen Franzosen als Generalcommtffar vorzuschlagen.

England.

London, 9. Januar. Lord Beaconsfield ist wieder auf den Beinen, wenn auch das eine noch gichtisch angelausen ist, und Gladstone, der durch eine Erkältung an die Stube gefestelt war, befindet sich ebenfalls bester. So­mit kann die Besorgniß, daß England das Haupt seiner Regierung oder seiner Opposition, oder gar beide zugleich beim Wiederzusammentritt des Parlaments misten werde vorerst als beseitigt betrachtet werden. Abgesehen von vorüber­gehenden Erkältungen und Gichtanfällen (von welch' letzteren kein englischer Premier verschont zu bleiben scheint, selbst wenn er im Leben nicht, wie Lord Eldon, so viel Portwein getrunken hat, als nöthig wäre, um eine Fregatte zu tragen) erfreuen sich der 73jährige Premier und sein blos um vier Jahre jüngerer Gegner eines sehr rüstigen Alters. Bei beiden zeigte sich bisher nicht einmal eine Spur abnehmender Seh- oder Hörkrast, und geistig sind sie noch so frisch, wie nur Palmerston im gleichen Älter gewesen. Beaconsfield muß sich allerdings mehr schonen, besaß überhaupt nie die kräftige Leibesbeschaffen­heit Gladstone's, dem als Baumfäller und Fußwanderer mancher sonst kräftige Vierziger es nicht gleich thut. Aber was geistige Arbeit betrifft, kann der ältere es noch immer mit dem jüngeren aufnehmen, und wenn er auch schrift­stellerisch jüngster Zett nicht so thütig war, wie sein unermüdlicher Gegner, so hat er dafür in anderen Sphären eine um so größere, man darf wohl sagen, ersprießlichere Rührigkeit entwickelt.

In Birmingham wurde in der verflossenen Nacht die Spiegelfabrik von I. O. und C. Hawkes, welche gegen 300 Arbeiter beschäftigte, durch eine Feuersbrunst gänzlich zerstört. Der Schaden wird auf mehr denn 50,000 L. geschätzt. Die Admiralität hat ein neues, auf einer Prioatwerft frei Bristol erbautes Torpedoboot angekauft. Die Länge desselben beträgt 59i/2 Fuß, die Breite 7J/2 Fuß, die Geschwindigkeit 16 Knoten. Als besondere Vorzüge des Bootes werden seine leichte Steuerbarkeit und die Möglichkeit, es rasch zum Halten zu bringen, gerühmt.

London, H. Januar. Schuwaloff conferirte gestern mit Salisbury, welcher sich hierauf mit Beaconsfield und Cranbrook in Vernehmen fehle. Standard" meldet aus Siffodin vom 7. d.: Die Kavallerie der Quettah- Colonne besiegte gestern die Afghanen; letztere verloren 24 Mann tobt, 9 Ge­fangene und 20 Geschütze. 1200 Mann von dec afghanischen Kavallerie er­gaben sich den Engländern; letztere hatten an Verlust 1t Mann verwundet. Standard" berichtet ferner aus Khost vom 9. d.: Den Häuptlingen der Mongols Wazirts, welche den General Roberts angegriffen hatten, ist der erbetene Pardon gewährt worden.

London, H Januar. Die DachtVictoria und Albert" geht Mitt­woch ober Donnerstag nach Vliessingen, um den zum Besuch der Königin er- warteten Großherzog von Hessen nebst Kindern abzuholen.

Eine zweite Ausgabe derTimes" enthält folgendes Telegramm aus Philadelphia von heute: Obgleich die Wiederaufnahme der Baarzahlungen

in den Städten an der atlantischen Küste eingeführt worden, geschah dies im Innern des Landes noch nicht thatsächllch. Das Schatzamt in New-Iork zchlt mehr Gold als Papier, währeno es zehnmal mehr Silber und Papier als Gold aus den Zöllen einnimml, da das ganze Land das Gold von New- Dork beziehen muß. Die Wiederaufnahme der Baarzahlungen im Innern stößt somit aus Schwierigkeiten.

London, 11. Januar. Eine amtliche Meldung bestätigt die Flucht des Gouverneurs von Kardahan in der Richtung nach Hrrat. Der Unter-Gouver­neur erklärte seine Bereitw.lllgkeit, sich zu unterwerfen. Die britischen Truppen sollten heu'e in Kandahar etnrücten.

Blätiec aller Farben kiilitisiren scharf die Vorlage über die Disct- plinarstrafgewalt des deutschen Reichstages.

Italien.

Rom, H. Januar. Die letzte päpstliche Encyclica wurde vor ihrer Veröffentlichung allen europäischen Souveränen und den höchsten kirchlichen Würdenträgern mitgetheilt. Alsbald nach Bekanntwerden des Dokuments erhielt der Papst von allen Seiten, besonders aus Deutschland, Beglück­wünschungen. In katholischen Kreisen wird versichert, daß der Papst fest ent» schloffen sei, eine neue Aera zu begründen und Frieden und Eintracht zwischen den Nationen und der Kirche wieder herzustellen. Die Journale constatiren die hohe Bedeutung der Encyclica. welche die schwierigsten Probleme der modernen Gesellschaf'en in entschiedener Weise erörtert und auf deren Lösung vom Gesichispunkte der Religion hmwetst. Die Nachricht, daß der Papst ein öcumenisch'.s Concil einzuberuf.n beabsichtigt, entbehrt der Begründung.

Rußland.

Petersburg, 11. Januar. Die Feststellungen des Budgets für 1879 haben ergeben, daß Einnahmen und Ausgaben balanctren. In die Ausgaben sind die Zinszahlungen für die neue Orient-Anleihe eingestellt.Golos" constatirt, daß die 42 Mill. Rubel, welche pro 1879 das Mehr des Ausgabe- Etats gegen 1878 bilden und zum großen Theile durch die neue Anleihe be­gründet werden, mehr als gedeckt werden durch neue Steueraustagen im Betrage von 22 Millionen, und zwar durch einen Aufschlag auf Stempelpapier (3,700 000), eine Steuer auf Versicherungen (2.500,000), Steuern auf im- portirte Baumwolle (3 500 000), eine Steuer auf die Eisenbahn-Fahrpreise (8 000,000) und eine Steuer auf qualificirte Getränke (4,000,000 Rubel). Eine roeüere Deckung liege in der Vermehrung der Einnahmen bei der Ge­tränkesteuer (tvxirt auf 15,000,000), während im Jahre 1878 diese Ein­nahme um 23 000,000 gegen 1877 gestiegen ist und in Mebr-Zolleinnahmen (circa 10,000,000), während diese Entnahmen im Jahre 1877 den Voran­schlag um 30,000.000 übersti'gen haben.

Petersburg, 11. Januar. Gegenüber dem gestern von Seiten der Regierung demei.tirten Telegramm desGolos", wonach in Zarizin die Pest aufgetreten sei, veröffentlicht derRegierungsbote ein Telegramm des Doctors Kraffor sky, worin M gezeigt wird, daß am 9. Januar in Astrachan 2 Perso- nen und in Staritza eine Person an einer typhösen Entzündung gestor­ben seien.

Türkei.

Konstantinopel, 11. Januar. Das Regierungs-Programm des Großveors Kheredbin Pascha schlägt die Reduktion der Armee auf das un­umgängliche Minimum und die Decentralisirung der Vilajets vor. Der kurdische Jnsurgentenführer Huffein wurde gefangen genommen. Osman zeigte seine Unterwerfung an. In der Commission für die türkische Finanzreform schlugen die englischen Delegtrten die Aufhebung des Handelmtnistertums vor. Die Delegtrten der europäischen Mächte werden in europäischem Jntereffe einen besonderen nicht von der Commission ausgehenden Generalbertcht über die Aufschlüffe, die sie erhalten können, erstatten.

Asien.

Kalkutta, 10. Januar. Afzal Khan löste seine Armee auf und ver­ließ Kandahar. General Stewart war am 8. d. noch einen Tagesmarsch von Kandahar entfernt

Afrika.

Tunis, 11. Januar. Gestern hat sich Mustavha Ben Jsmain, Pre­mierminister der Regentschaft Tunis, in Gala-Uniform zum französischen Eonsul begeben, um demselben das vollständige Entschuldigungs-Begehren des Beys zu überbringen. Der französische Consul war von dem Consulats-Personal und den in Tunis stationirten französischen Officieren umgeben.

Amerika.

New-Aork, 11. Januar. Die Legislative von Connecticut wählte den Repblikwer Andrews zum Gouverneur.

Telegraphische Depeschen.

Wagner's telegr. Correspondenz-Bureau.

Berlin, 12. Januar. Die Einberufung des Admiralitätsraths erfolate zur Berathung von technischen Angelegenheiten der Hafenbauten in Wtlhelms- hffen. Die Behauptung, daß die Einberufung mit der Angelegenheit des Großen Kurfürsten" zusammenhänge, ist daher völlig irrthümlich. Die Ernennung der Mitglieder des Kriegsgerichts ist auf vertraulichem Wege er­folgt. Die umlaufenden Angaben über angeblich ernannte Persönlichkeiten sind unrichtig. Richtig ist nur die bereits gemachte Meldung, daß der Comman- deur des Garde-Corps Gerichtsherr des Kriegsgerichts ist.

Konstantinopel, 12. Januar. Zwischen Philivpopel und Adria- nopel ist ein Eisenbahnzug entgleist. Unter den Verunglückten befinden sich mehrere Ruffen. Halil Scheris Pascha ist gestorben.

Birmingham, 12. Januar. Die Bibliothek des Midlandinstitutes, welche die größte Sammlung der Werke Shakespeare's enthielt, ist nieder- gebrannt.

Kalkutta, 12. Januar. Das Truppen-Corps des General Stewart hat Kandahar, ohne Widerstand zu finden, beseht.

Luxemburg, 13. Januar. Der Statthalter von Luxemburg, Prinz Heinrich der Niederlande, ist heute Morgen gegen 5 Uhr am Schlagfluß gestorben. &