Ne. 11. Dienstag, den 14. Januar 1879.
(Eichener Wneiger
A»BSk- unii Amtslilait für int Kreis Gießen.
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Amtlicher H h e i l.
Bekanntmachung.
Betreffend: Das Ersatz-Geschäft für 1879.
Mit Bezug auf die Bestimmungen der Deutschen Wehr-Ordnung, fordern wir alle im Jahr 1859 geborenen Militärpflichtigen, sowie die in früheren Jahren geborenen, welche sich noch nicht zur Musterung gestellt haben, oder welche hinsichtlich ihrer Verpflichtung zum Eintritt oder ihrer Befreiung vom Militärdienste noch keine definitive Entscheidung erhalten, und entweder im Kreise Gießen ihren dauernden Aufenthalt haben, oder in demselben als Studenten, Gymnasiasten und Zöglinge anderer Lehranstalten, oder als Haus- und Wirthschaftebeamte, Handlungsdiener, Lehrlinge, Handwerksgesellen, Lehrburschen, Dienstboten, Fabrikarbeiter oder in ähnlicher Eigenschaft sich aufbalten, hiermit auf, sich behufs Eintragung ihrer Namen in die Stammrolle in der Zeit vom 18. Januar bis zum 1. Februar I. I. bei der Bürgermeisterei ihres Wohnortes, beziehungsweise ihres Aufenthaltsortes, zu melden und dabei, wenn sie an diesem Orte nicht geboren sind, ihren Geburtsschein und wenn sie bereits bei einer früheren Musterung concurrirt haben, ihren Loosungs-Schein vorzulegen.
Wir machen zugleich darauf aufmerksam, daß Diejenigen, welche die Anmeldung Unterlasten, zu gewärtigen haben, daß sie mit einer Strafe bis zu 30 Mark oder mit Haft bis zu drei Tagen belegt, von der Theilnahme an der Loosung ausgeschlossen und ihrer etwaigen Ansprüche auf Zurückstellung rc. verlustig erklärt werden.
Bezüglich derjenigen Militärpflichtigen, welche zur Zeit abwesend sind, sind deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- und Fabrtkherrn zu diesen Anmeldungen verpflichtet.
Die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises werden beauftragt, Vorstehendes in ihren Gemeinden noch besonders auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lasten.
Gießen, am 2. Januar 1879.
Großherzoglrches Kreisamt Gießen. _______________________________________________Dr. Boekmann.___________________
Das Großherzogliche Steuer-Commissanat Gießen
an die Großberzoglicken Bürgermeistereien des Bezirks.
Diejenigen von Ihnen, welche die Tagebuchs-Auszüge und die Verzeichnisse über Zugang an Einkommensteuerpflichtigen bis jetzt nicht eingesendet haben, müssen wir ersuchen dies nunmehr umgehend zu thun.
Puffert.
politisch
Aeulschland.
Berlin, 10. Januar. Abgeordnetenhaus. Der Gesetzentwurf, betr. die Dienstverhält- niste der Gerichtsschreiber, wird an die Commission für die Justizausführungsgesetze verwiesen, ebenso der Gesetzentwurf, betr. die Competenzconflicte zwischen Gerichten und Verwaltungs- behörden, Utzterer nach einer längeren Debatte, in welcher Lasker und Windthvrst (öielefdD) den Entwurf eingehend bekämpfen. An dieselbe Commission werden gewiesen: Vie Gesetzentwürfe, betr. die gerichtlichen Verfolgungen wegen Amtshandlungen, und betreffs Abänderung von Bestimmungen ver Dtsciplinargesetze. Der Entwurf ver Schiedsmannsordnung wird in erster Berathung nach kurzer Debatte auf Antrag Löwenstetn's einer Commission von 14 Mitgliedern überwiesen.
Hierauf wird die gestern abgebrochene zweite Berathung des Gesetzentwurfes betreffs der richterlichen Mitglieder der Grundsteuer-Entschädigungs-Commission durch Annahme des Entwurfs erledigt, und der Gesetzentwurf wegen Aufnahme einer Anleihe für Verbesserung der märkischen Wasserstraßen der Budget Commission überwiesen. Sodann folgt die Berathung des Etats des Cultusministeriums. Die Einnahmen werden ohne Debatte genehmigt Bet Titel I. des Ausgaben Etats (Ausgaben für den Minister) verbreitet sich Windthvrst (Meppen) in längerer Rede über den Kulturkampf und schließt mit den Worten: der Kasier wünsche, daß dem Volke Vie Religion erhalten werde; die bevorstehenden Debatten würden beweisen, wie das Kaiserwort im Cultusministerium gedeutet werde. Cultusmtntster Falk erwidert: Auf den zuletzt gehörten Vorwurf war ich gefaßt und behalte mir vor, demselben im Laufe der Debatte ernst in's Gesicht zu sehen. Einzelne Beschwerden sollen, wie dies in früheren Jahren geschehen, geprüft und wo nöthig ihnen abgeholfen werden. Was die principiellen großen Gesichtspunkte betrifft, so habe ich mich vor einigen Wochen deutlich ausgesprochen und habe dem nichts hinzuzufügen, als die Versicherung, daß sich seitdem nichts geändert hat und Alles so bleiben werde wie es damals war. Der Friede liegt in der Hand des Centrums; die Regierung will ihn; fangen Sie nur an, diesem Willen zu vertrauen und dem Staate zu folgen, dann werden wir dem Frieden nicht nur nahe sein, sondern mitten darin. Ein Ihren Interessen dienendes Organ, die Augsburger Postzeitung, erklärte, es wolle dahin arbeiten, das Wohl der Kirche zu erstreben mehr durch Förderung ihrer eigenen Interessen, als durch Verschärfung und Verbitterung des Kampfes im Vaterlande. Beherzigen Sic diese Worte! — Nach einer meist von Mitgliedern des Centrums geführten Debatte wird Titel T. des Cultus Etats bewilligt.
Berlin, U. Januar. Das Abgeordnetenhaus genehmigte in dritter Lesung ohne Debatte die Gesetzentwürfe, betrefstnd die Abänderung des Gesetzes über das Grundbuchwesen in dem Bezirke des Justizsenats Ehrenbreitstein und des Gesetzes von 1873 über das Gruno- buchwesen des Jahvegebtetes, betreffend die Abänderung des Gesetzes von 1873 über das Grundbuchwesen und die Vrrpfändung von Seeschiffen in Schleswig-Holstein, betreffend die Abänderung des Gesetzes von 1873 über das Grundbuchwesen in Hannover mit Ausschluß des Jahdegebtets.
Hierauf folgte die Fortsetzung der Berathung des Cultus-Ctats. Bet dem Titel' Dauernde Ausgaben für das Ministerium, wandte sich Petri gegen die Politik des Centrums und legte die Rechte des Staats in kirchlichen Angelegenheiten gegenüber dem Standpunkt von Curie und Vatikan dar Schorlemer bekämpfte die Ausführungen Petris und erklärte, das Eentrum müsse es dem Vatikan überlassen, sich über die Unannehmbarkeit der Ktrchengesetze zu erklären. Das Centrum fahre fort, inzwischen für die Wicdercrlangung der verfassungsmäßig garantirten Freiheit der Kirche zu kämpfen, weide sich aber einem etwaigen Friedensschlüsse mit der Curie unterwerfen. Im weiteren Laufe der Debatte fragte Perger an, ob der Minister einen katholischen technischen Beirath für die katholischen Lehrerseminare besitze.
Cultusminister Dr. Falk erwidert: Bekanntermaßen lei der Geh. Rath Stauder eingehend mit der Frage beschäftigt. Windtborst erklärt sich durch diese Antwort nicht befriedigt; er beschwert sich über verschiedene Verfügungen in Betreff der katholischen Seminare. Regier- ungs-Commissär Gepfert weist nach, daß die'e Beschwerden ungerechtfertigt seien. Die Regierung sei bei Besetzung der Lehrstühle in Bonn völlig legal verfahren. Der Minister erklärt, er habe in die geistliche Prüfungs Commission in Bonn je ein Mitglied beider katholischen Richtungen berufen. Bei der Dekanatsprüfung komme die religiöse Ueberzeugung nicht in Betracht.
er Theis.
Bei dem Capitel für den kirchlichen Gerichtshof sprechen Dauzenberg und Schröder (Lippstadt) gegen das Institut überhaupt. Schorlemer-Alst bemängelt die Katholicität der Mitglieder dieses Gerichtshofes, besonders von Forckenbeck's. Lasker verwahrt Forckenbeck gegen solchen Vorwurf. Bei dem Capitel „Oberkirchenrath" bringt Lipke die Berufung der Hofprediger Bauer und Kögel zur Sprache und sagt, es würde zur Beruhigung dienen, wenn erklärt würde, daß durch diese Berufung eine veränderte Richtung im Oberkirchenrathe nicht Platz greife.
Windthvrst (Meppen) spricht seine Genugthuung über diese Berufung aus. Die Landes- vcrtretung gehe dieselbe nichts an. Es sei hier nicht der Ort, über solche Dinge zu streiten. Schumann constaiirt, daß Lipke in eigenem Namen, nicht im Namen der Nationalliberalen, di« Anfrage gestellt habe. Die Ansicht der Letzteren sei, daß Kirchenfragen nicht hierher gehörten. Virchow hält den Minister für verpflichtet, tn solchen Dingen Rede zu stehen. Er bedauere, daß mit den ernannten Beiden entschiedene Gegner des Synodalgesetzes in den Oberkirchenrath gewählt seien. Das Capitel wird hierauf genehmigt. Nach unerheblicher Debatte werden sodann die Capitel bis incl. 123 erledigt. Nächste Sitzung Dienstag.
Berlin, 10. Januar. Bezüglich der streitigen Frage über Ansprüche von Wittwen derjenigen Militärs, welche an den im Feldzuge erhaltenen Wunden gestorben sind, hat, nach der „Tribüne", das Obrrtribunal gegen den Schluß des vorigen Jahres eine sehr wichtige Entscheidung getroffen. Es ist nämlich erkannt worden, daß auch solche Frauen Ansprüche an staatliche Entschädigung haben, welche erst nach beendigtem Kriege die Gattin eines Militärs geworden, der erweislich an den Folgen seiner tw Kriege erhaltenen Wunden verstorben ist. Das Erkenntniß hat ganz sicher für viele Personen ein besonderes Jntereffe, zumal da die bezüglichen Fälle vielfach streitig waren.
Berlin, 11. Januar. Nachdem der Finanzminister die Offerte des bekannten Consortiums, betr. die Uebernahme von 55 Mill. 4proc. Consols, genehmigt hat, beschloß das Consortium, diesen Betrag Mittwoch und Donnerstag zur Subscription aufzulegen.
— Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge wird in den nächsten Tagen auf Ersuchen der Admiralität der aus Sachverständigen bestehende Admtralitätsrath tn Berlin zusammentreten.
— Der „Reichs-Avz." veröffentlicht folgenden Erlaß des Kaisers an den Reichskanzler vom 9. d.: Während Ich am 5. December nach Meiner Hei- math tn Berlin zurückkehrte und von der Berliner Bürgerschaft mit überaus glänzenden Huldigungen empfangen wurde, sammelten sich in Meiner Residenz aus allen Theilen des deutschen Reiches und vielen von Deutschen bewohnten Punkten des Auslandes zahlreiche telegraphische und schriftliche Zuruse, als B-weis der Theilnahme, womit man Mich zur Genesung und zu der That- sache, daß Ich die Regierung des Landes und die Leitung der Regierungs- Angelegenheiten wieder übernahm, freundlich beglückwünschte. Diese Kundgebungen setzten sich ununterbrochen fort und haben beim Jahreswechsel einen weiteren Aufschwung genommen, indem sich zu den erneuten telegraphischen und schriftlichen Zusicherungen treustuniger Sympathien, kaum zählbare Gedichte, Musikwerke, Widmungen von Blüthensträußen. Kornblumenspenden, Stickereien und Kunstsachen vielerlei Art gesellten. Von der Unmöglichkeit überzeugt, alle diese Aufmerksamkeiten, die Mick innig erfreuten, einzeln gebührend zu beantworten oder beantworten 'zu lassen, wünsche Ich aus öffentlichem Wege den


