Ausgabe 
9.1.1879
 
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Vorlag^zugehen. $ Januar. Der Bericht der Tabaks-Untersuchangs-Com- Mlsston liegt nunmehr dem Bundesrathe vor; aber ob der Bundes^ath nach den Ergebnissen des Berichts beschließen, ob er namentlich das Tabaksmonopol sofort gänzlich aufgeben wird, ist eine andere Frage. Der Reichskanzler ist, wie aus seinem in der gestrigen Sitzung der Tarif-Commission verlesenen Schreiben hervorgeht, noch nicht von der J)ee des Tabaksmonopols zurück- aekommen, und das Organ der Freiconseroatioen, diePost", spr-cht sich in demselben Sinne aus. Das Blatt schreibt:Nachdem wir den Bericht der Tabaks-Enquete-Commission gelesen, sind wir mehr als jr überzeugt, daß das Tabaksmonopol von der Tagesordnung der deutschen Finanzpolitik nicht ver­schwinden wird. Es mag eines Tages zur Einführung kommen mit geringeren Ansprüchen an sofortige große Eriragsleistungen als setzt, und dies wird ein günstiger Umstand sein für die sichere Grschließnng einer Einnahmequelle, mit der keine andere an Ergiebigkeit und selbst an volkswirthschaftlichen Vorcheilen, die in der rechten Art ihrer Benutzung liegen, sich messen kann."

AranKreich.

Paris, 6. Januar. Ji Folge dec gestrigen Wrhlen ist nunmehr der Senat wie folgt zusammengesetzt: Republikaner aus Lebenszeit 48, aus früheren Wahlen hervorgegangene 63, gestern gewählt 66, zusammen 177; Reactivnäre, Audiffret-Pasquier und dessen Freunde mitgerechnet, auf Lebenszeit 27, aus früheren Wahlen hervorgegangen 78, gestern gewählt 16, im Ginzen 121. Zwei auf Zeit gewählte reactivnäre Sitze sind noch durch Sterbefälle erledigt. Das Grgebniß der Senatswahlen hat auf die Gegner der Repub if einen liefen Eindruck gemacht; die Schwankenden werden sich mit der R publik abzust iden suchen. Der Ministerrath versammelte sich heute bei Dafaure, um die ministerielle Erklärung über die Lage, die den Kammern vorgelegt werden soll, zu berathen. Gestern rückten von Versailles zwei Abtheilungen Gensbarnen nach den Departements des Herault und der Oll Pyrenäen ab, um den zahl reichen Straßenräubereien, die von spanischen Flüchtlingen dort seit einiger Zeit verübt werden, Einhalt zu thun. Die Seine ist, obgleich wir heute kaltes Wetter haben, noch immer im Steigen.

England.

London, 5. Januar. Nach fünfwöchentlicher Anstrengung, die von Anfang an ohne Aussicht aus Erfolg war, haben die stickenden Arbeiter in Oldham ihrem übelberathenen Versuch, einer unvermeidlichen Lohnherabsetzung zu widerstreben, entsagen müssen. Ihre E nbnße wird auf nicht weniger a s 60,000 oder 12,000 L. die Wo he geschätzt. Wenn man bedenkt, schreibt die Pall Mall Gazette", daß nicht mehr als ein Viertel der strikenden Arbeiter den Gewerkvereinen angehörten, daß andere Städte bereitwilligll die Geschäfte ausnahmen, die in Oldham unmöglich gemacht worden und daß viele stellen, die von den Strikenden verlassen waren, von Außen her besetzt sind so kann man sich einen Begr.ff von dem angerichteten Schaden machen. Die 60 000 L. verlorenen Lohnes sind noch nicht einmal der ganze Verlust, denn es kommt natürlich noch die Aufzehrung der Ersparnisse und der Verbrauch des Gewerk­vereinsfonds hinzu.

London, 6. Januar. Die Passiva der Cornish-Bank werden auf 500,000 biS 1,000,000 L. anges plagenTimes" erfahren über die beab­sichtigte Grenzregullrui'g gegen Aigbai"stan: Pssheen, das Khurum Thal und die westliche Seite des "Khyber-Passis sollten annecttrt werden, ausgeno nmen die G.bietstheile zwischen Prsheen und Peiwar, sowie zwischen Peiwar und Jellalabad. Die diese Districte bewohnenden Stämme sollten unabhängig bleiben, aber unter den befreundeten Einfluß Englands gebracht werden. Es sei möglich, daß dieses Resultat ohne weiteres Vordringen der englischen Co-

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Eorrespondenj-Burea«.

Berlin, 7. Januar. DieNordd. Allg. Ztg." theilt das für den LandeseisenbahU'Rath entworfene Regulativ mit. Danach hat der Lanbesessen- bahnr ath die Bestimmung, den H mdelsminister als regelmäßiger Beirath in der Förderung des Eisenbahnwesens zu unterstützen, auf Verlangen des Ministers in wichtigen Eisenbahu-Angelezenheiten, insbesondere bet G setzent- würsen, betreffend das E ienbahnwesen, bei Vorschlägen wegen Aeuderungen der Bahnpolizei oder der Betrtebsreglements oder bezüglich der Zulassung von Ausnahme- oder Differentialtarifen, endlich bei Fustons- und Mitbmützungs- Verträgen sein Gutachten abzugeben. Der Eisenbahnrath besteht aus 16 Mitgliedern und 16 Stellvertretern, wovon je 4 dem Handelsstande, der In­dustrie, der Land- und Forstwirthschaft und den Prtvatbahn Verwaltungen an- gebören. De M'tglieder werden vom Minister aus Vorschlag der Prootnztal- behörden aus zwei Jahre ernannt. Der E ienbah arath tritt jährlich mindestens zweimal unter Leituig eines Mmisterial-Comnissars zusammen. Das Amt der Mitglieder ist ein unentgeldliches Ehrenamt; die Mitglieder erhalten nur freie Eisenbahnfahrt. t ~ _

Nach dem nunmehr vorliegenden Bericht der Tabaksenquete-Com- Mission erklärte die Commission dm Tabakoerbrauch einstimmig (mit allen 11 Stimmen) für einen geeigneten Gegenstand hoher B steuerung und erachtete dieselbe mit einer neuen Belast lng von zwei Mark per Kopf oder einem Lteuer- bmtto von 80 bis 85 Millionen für durchführbar. Die Comni'sion vielt vorläufig mit allen gegen eine Stimme nur eine Steuer von 5070 Millionen als eine zweckmäßige. Bei der Abstimmung über die Prtncipienfrage, welche Steuersorm nach Deutschlands wirthschältlichen Verhältnissen überhaupt aus­führbar sei, erklärten sich sämntlche M tglieder für die Möglichkeit einer B steuerung nach dem Gewicht des Rohtab.ks, jedoch mit der Erhebung der Steuer von dem fermentirten inländischen Tabak. Kein anderes System erhielt die Srim nenmehrheit. Auch bei der konkreten Frage nach dem z veckmäßigsten Steuersystem unter Voraussetzung einer bestimmten Ectragssumme und der Möglichkeit einer späteren Steigerung ergab sich nur für ein gemischtes System Stimmenmehrheit. Auch für den nach der Anficht der Commission jetzt noch nicht in Ausstcht zu nehmenden Nettosteuerertrag von 80 Millionen erhielt ein gemischtes System relallv die meisten Stimmen. Die Commission empfiehlt daher di- g-dachte Steuerform als zweckentsorechend.

Paris, 7. Januar. Die französische Regierung hat die Handels­verträge mit Eigland und B'lgten am 31. D^cember gekündigt, so daß die- selben zum 31 December 1879 ablaufen. Diejenigen Verträge, in denen eine nur sechsmonatliche Kündigungsfrist stipulirt ist, werden seiner Zett ebenfalls gekündigt werden, damit Frankreich am 1. Januar 1880 neue, von Den Kammern genehm ate Holloerträge in Kraft treten lrssen kann.

London, 7. Jinuar. DisReuter'sche Bureau" meldet aus Kon­stantinopel von gestern: Die Verhandlungen über den definitiven Friedens­vertrag nehmen fortdauernd günstigen Verlaus und wird deren Abschluß nächste Woche erhofff. D e Pforte machte keine Gegenvorschläge.

Tunis, 7. Januar. Wie derAgence Havas" gemeldet wird, hat die franzöfi'che Regierung, da ste den bereiis gemeldeten Schritt des Beys von T n is niht für gmügend erachte, der tunellschen Regierung eine Drohnote zu- st Öen lassen, worin sofortige Entschuldigungen gegenüber dem französischen Co is 'l, Absetzung der schuldigen Beamten und eine Untersuchung über den Sireit iwi'chm den tunesischen Behörden und den Gr.fen Sancy oerlangt wird.

Belgrad, 7. Januar. Es heißt, daß Rußland auf die bisher in Serbien g lirnven Cap'tulattonen verzichte. Der Finanzminister beantragte bet der Skupsbtma. daß Handel- und Gewerbetreibende ohne Unterschied besteuert würden. Der Kriegsminister hat in Folge der Weigerung der Skupschtina,

können erzielt werde.Daily Telegraph" berichtet aus J-llalabad vom 3d.: Es heißt, Jakub Khan bereite sich zur Flucht vor, wahrscheinlich nach Herat' die Truppen in Kabul seien zügellos und drohe ein Volksaufstand.

Standard" meidet aus Haz apir vom 4. d.: Die Colonne Roberts erreichte Bakk, unweit des Cantonne ments des afghanischen Gouverneurs von Khost, welcher seine Unterwerfung anzeigte.

Rußland.

Petersburg, 6. Januar. Ein Extrablatt desRegterungsboten" meldet: In Folge de; eingetretenen Thauwetters tritt die Epidemie, welche schon im Ab ach men bezrlffm war, wieder hesiig auf. In Folge dessen sind im Saratow'sch.'n Gouvernement die strengsten Maßregeln ergriffen, um einer Einschleppung vorzubeugen. Morgen findet unter dem Vorsitz des Ministers des Innern eine außerordentliche Conferenz des Chefs der Medicinal-Depar­tements und anderer Departements statt behufs Berathung von Maßregeln zur Unterdrückung der Epidemie.

Türkei.

Adriauopel. Nach Ansicht eing-weihter Kreise wird die russische Armee Ram tien u io B ilg irien nicht so ohne Weiteres räumen; sollte sie aber auf einmütng' Forderung der europäischen Großmächtedas eroberte L md" doch verlass 'N müssen, so ist auh für diesen Fall vorg'sorzt und ein festes Programm aufgestellt. Die Heranb ldung der Bulgaren für den Kriegs­dienst wird elf di fv'tg'setzt. Der Stint) der bulgarischen Miliz wird mög­lichst erhöht, fortwährend werden n-ue R kruten herangezogen, um schließlich eine gut einexerci te Armee oou 150,000 M mn im Bedarfsfälle auftellen zu können. Nrch den bisherigm B'stimmungen sollen 480 russische Officiere^der verschiedenen W iffengattungen, 600 Unteroffici-re und 300 altgediente Dol- daten alsI isteuctoren" in der b ilgarii chen Mlliz-Armee verbleiben, welche allerdings tm Stande sind, die von Rußland so sehr gewünschten F^tschrttte der bulg irischen Truppen zu eezielen., B s jetzi Joden bereits über 80,000 Bulgarm elneg'rcirr sein, und was besonders auffällt, ist, daß die Russen die A lsbildung der rumelischen Bulgaren im G shützdienste mit höchstem^Eiser betreiben, während doch Rumelien keine eigene Artillerie haben darf. Lo ist es denn nicht zu verwundern, wenn die hiesigm Hauptschreter unter ^^n Bul- g.ren laut ausrufen, daß ganz Bulgarien uno Rumelien sich mit den Waffen oer W edeceinführuug der türkischen Verwaltung in R lmelien widersetzen wer­den. Aus differ Shildrrung der thatsäch ich-n Verhältnisse kann mm einen Schluß auf die weitere Entwickelung der D nge ziehen. (Pol. Corr.)

dem Gebiete der Krtegswiflenschast sich geltend machen, stets üblich, den Mobil- machungsplan entsprechend abzuändern; die Behörden erhalten dann behnfs besserer Erprobung Anweisung, sich mit den Einzelheiten zu beschäftigen und namentlich der Gestellung besondere Aufmerksamkeit zu,uwenden.

-Der Seitens des preußischen Handelsministers zu b-rusend- Eesen- bahncach. der als regelmäßiger Betrath tn allen wchtigeren Augel-g-uhetten der Eisenbahnvecwaltuog fungiren soll, wird tm Ganzen aus tt> M tzliebern bestehen, von denen je 4 aus den Kreisen des Handels, der J edustrie, der Lund- und Forstvtrthschaft und endlich der Prtoateisenbahnen auf Lorschllag dec Provinzialbehörden von dem Handelsmtnister ernannt werden sollen. Der Ersenbahnrath soll nach Bedürfniß, mindestens aber zweimal im Iah e, zu- sammentceien und Gutachten abgeben über Gesetze, betr. das Etsenbahnwesen, über Abänderung der Bahnpolizei, und B-tnebs-Reglements, über die Zu­lassung von Ausnahme, und Dlfferential-Tarifen und ub-r Fustons- unv Mit. benutzunzs-Verträge, sofern es sich um Grundsätze des Ersenbahnoerkehrs, um allg meine Verkehrs, oder wirihschaftltche Angeleg-nheit-n ^"delu Zu den Verhandlungen, welche unter Vorsitz eines Mmillertal-Commiffars (ohne Stimme) statlfinden, können auch besondere Sachverständige zugezogen werden, welche indessen an der Abstimmung nicht Thetl nehmen. Enene Anträge, welche die Mitglieder etnzubringen beabsichtigen, muffen dem Minister vorge­legt werden, welcher über di- Aufnahme derselben in Die 4 Wochen vor Beginn der Bcrathungen festzustellende und den Mitgliedern voczulegende Trgesord. nuna entscheidet. In dringenden Fällen kann der Minister ein G rtachien der Commission vermittelst schriftlicher Umfrage einholen. Die M.tglreder des Elienbahnrathes erhalten keine Diäten, sondern nur freie Fahrt auf den Er enbahnen für bie Steife nach und von Berlin. Wegen Eenennung von drer Vertretern der Landwlrthschaft und eines Vertreters der Forstwirthschaft wird das am 22. d. zusammentreteade Landes-D.eonomte-Collezmm ersucht, geera- nele dksimÄre'soll, sobald die Mittel zur Verfügung stehen, das un- terirdische Telegraphennetz weiter ausgebaut werden und zwar ziiuächst die Lmie Köln-Metz. Die Leitung wird geführt über Coblenz, Ehrang, Trier und Die- denhofen, wobei Mosel und Sieg zu passi-en sind. Das Ueberschceiten der Mosel wird auf den Brücken bei Coblenz, Conz, Trier Diedenhofen erfolgen, während durch die Sieg bei Siegburg ein Flußkabel die Verbindung Herstellen wird. Das unterirdische Kabel wird (n constructiver Hinsicht das nämliche sein, wie daS der Linie Berlin-Halle und Berlin Frankfurt a. M.; es wird sieben tsolirte Leitungsdrähte enthalten, von denen j der einzelne aus fünf feinen Kupferdrähten besteht. Gegen äußere Beschädigungm ist das Kabel mit einem starken Drahtgeflechte umgeben, welches in Guttapercha eingehüllt ist. U<ber die Bewilligung der erforderlichen Geldmittel wird dem Reichslage eine