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Vsrgehen. Mit Worten allein kann jedoch die Gefahr, welche die radikalen Elemente herausbeschwören, nicht beseitigt weiden. Die Regierung des Präsi­denten muß auch durch ihre Entschlüsse bekunden, daß sie von der gefetzmäßt« gen und friedlichen Richtung, welche sie eingeschlagm hat, nicht abgebracht werden kann, und daß sie nicht allein gegen die Rcacrton, sondern auch geaen die Radikalen, welche sich über die Gesetze htnwegsetzen wollen, eine Nachdrucks- volle Energie zu entfalten bereit ist. Nur auf diese Werse können die errun­genen Fortschritte erhalten werden. Die größte Gefahr, welche die gegenwär­tige Gestaltung der Dinge bedrohen kann, ist nicht mehr in einer Lchtlderhebung der Royalisten oder in einem bonapartlsttschen Staatsstreiche, sondern in dem Ueberwuchern der Radikalen zu erblicken.

Mit Napoleon III. und dem Adler von Straßburg ist der Zug zum Abenteuerlichen, der die Napoleonisten charakteristrt, nicht ausgesiorbrn. Lte Betheiligung des Prinzen Louis Napoleon an dem Feldzüge gegen die Zulus veranlaßt dieTimes" zu einem Leitartikel, in welchem es heißt, die Sache habe durchaus nur eine private Bedeutung und solle die französische Republik nicht beleidigen.

Kngkand.

London, 1. März. Der Vicekönig von Indien erhielt einen Brief von Jakub Khan vom 26. Februar, worin ihm derselbe den Tod Schir Ali's anzetgt.

Loudon, 2. März. Verschiedene aus der Capstadt eingetroffene, bis zum 11. Febr. reichende Nachrichten melden übereinstimmend Folgendes: Die Besorgniß vor einem Angriffe der Zulus in Natal ist gemildert worden, nachdem die Kaffern den günstigsten Zeitpunkt dafür versäumt. Der Tugelafluß ist gegenwärtig undurchwatbar und verspricht weiter anzuschwellen. Andererseits ist die ßige des britischen Heeres aber derart, daß eine Offensive Seitens desselben vor Eintreffen von Verstärkungen unthunlich erscheint. Pearson hat sich mit un­gefähr 1500 Mann in Ekowe stark verschanzt. Er ist nicht abgeschnitten und kann jedwedem Zuluangriff widerstehen. Wood hatte unbedeutende Gefechte. Die Bewaffnung von freiwilligen Colonisten schreitet fort. Die Transvaals Baers dagegen verweigerten entschieden einen kriegerischen Anschluß gegen die Zulus und erklärten neutral zu bleiben.

Flußkand.

Petersburg. Zu dem Mordanfall auf den inzwischen gestorbenen Gouverneur von Charkow, Fürsten Krapotktn, entnehmen wir russischen Blät­tern folgende Einzelheiten: Am 21. Febr., Nachts zwischen 11 und 12 Uhr, fuhr Fürst Krapotktn von einem Balle nach Hause zurück, als an der Ecke des Wornesensky-Boulevards, in der Nähe des Gouvernements-Gebäudes, ein ver- larvter Mann auf ihn einen Revolverschuß abfeuerte und sogleich in der Rich­tung der Paraskewaktrche die Flucht ergriff. Die Gasse war menschenleer und nur ein Nachtwächter befand sich in einer Entfernung von etwa 1000 Schrit­ten von dem Orte der That. Dieser sprang sofort, als er den Schuß hörte, zum Wagen und mußte die gescheuten Pseroe anhalten, damit sie mit dem Wagen nicht durchgingen. Der Bediente sprang vom Bock und verfolgte den Verbrecher in der Richtung der Paraskewaktrche, konnte ihn aber nicht ein* holen. Der verwundete Gouverneur wurde tn fein Haus gebracht und der sofort geholte Dr. Grube legte den ersten Verband an. Man erzählt tn der Stadt, daß schon vor einigen Tagen ein verdächtiger Mensch mehrmals vor dem Palast bemerkt wurde, der angeblich dem Gouverneur ein Bittgesuch wegen Anstellung überreichen wollte. Der Mann gab sich den Namen Simson Korba."

Türkei.

Krnotva, 1. März. Die Nationalversammlung nahm bet Berathung ihres Reglements die Anträge der Commission an, wonach die Versammlung sich lediglich als constttuirende zu betrachten hat, also keine legislativen Be­fugnisse ausüben darf, und derselben das Recht der Unverletzlichkeit zusteht.

Afrika.

Kairo, 1. März. Die Reooluttonsfarce, die der Khedtve von Egypten in Scene gesetzt hat, zieht neben den ernsteren Angelegenheiten Englands zeit­weilig dort nicht weniger Aufmerksamkeit als diese auf sich. Dabet kommt fast durchgängig die Ansicht zu Tage, daß, so bedaueryswerth auch die Amtsnie­derlegung Nubar Pascha'S sei, Englands Interesse dennoch verlange, daß Mr. Wilson auf seinem Platze bleibe, damit nicht etwa der Vicekönig seinen Lieblingswunsch durchsetze, allein die Herrschaft in die Hand zu bekommen.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'- telegr. Eorrespondenz-Bureau.

London, 3. März. Die für die Capcolonie bestimmten Truppenver­stärkungen sind nunmehr tnsgesammt dahin eingeschifft. Emer Meldung der Times" aus Parts zufolge verlangen Frankreich und England vom Khedtve nicht, daß er Nubar Pascha für immer, sondern nur so lange als Minister behalte, b's das neue Verwaltungssystem gründlich erprobt.

Ueplitz, 3. März. Heute früh 7J/2 Uhr wurde in einer Tiefe von 13 Metern der Quellenspiegel erreicht, das Quellwasser hat eine Temperatur von 37%0 Grad Rsaumur. Es herrscht großer Jubel.

Petersburg, 3. März. Professor Botkin steht sich veranlaßt, gegen­über den durch die berufenen amtlichen medlctntschen Autoritäten geschehenen Feststellungen in mehreren Blättern heute zu erklären, daß er ungeachtet aller Behauptungen, wonach Prokoffjeff's Krankheit Syphilis sei, doch bei seiner früher ausgesprochenen Diagnose beharren müsse.

München, 3. März. Der Landtag wurde durch königliche Botschaft biS auf Weiteres vertagt.

Wien, 3. März. Meldungen derPolit. Corresp." Ans Bukarest, 2. d. Das Fort Arab-Tabia ist, wie verlautet, Bereits vollständig demolirt Aus Adrtanopel, 2. d. Ein Demonstratlonsversuch bewaffneter Bulgaren vor dem britischen Consulat wurde durch russisches Militär vereitelt. Durch ein Telegramm des Kaisers von Rußland wird dem General Totleben Befehl zu exemplarischer Bestrafung der Personen ertheilt, welche sich des Attentats gegen den griechischen Erzbischof schuldig machten; 16 Bethetligte wurden verhaftet.

Berlin, 3. März. Das Staatsministerium hielt heute Mittag 1 Uhr eine Sitzung. DerReichsanzeiger" schreibt: Die Zeitungsmeltung, daß der General-Consul Blau in Odessa in einem Anfall von Schwermuth seinem

Leben selbst ein Ende gemacht habe, bestätige sich leider. Wenn russische Blätter diesen traurigen Vo'garg, der das auswärtige Amt eines tüchtigen und be­währten Beamten beraubte, mit einem Verweis in Verbindung brächten, den der General Consul erhalten, so sei dies gänzl.ch unwahr; demselben sei kein Verwe.s ertheilt uoroen; ein Anlaß dazu habe überhaupt nicht vorgelegen. Der , ReiLsanzeiger" warnt vor Pariser Placementsbureaus, die in verschiedenen deutschen Blättern, auch derKöln. Ztg.", annoncirt seien, da das Verfahren dieser Bureaus auf Geldprellerei hinauslaufe. DerReichsanzeiger" meldet ferner: Zwei in Tangerog (Taganrog?) gleichzeitig vorgekommene verdächtige Todesfälle sollm nach amtlichem Bericht als exanthematischer Typhus constatirt sein. Laut Bericht aus T'flis war bis zum 22. Februar im ganzen kau­kasischen Statthaltereibezirk kein einziger Erkrankungsfall an Pest oder einer verwandten Krankheit vorgekommen. Längs des angrenzenden Don'schen Kosaken- G'bieles und längs des Gouvernements Astrachan ist ein Cavallerie-Grenz- Cordon gezogen. Außerdem sind am kaukasischen Ufer des kasprschen Meeres bei den b uptsäcbllck>stkn Landungsplätzen Quarantäue-Stationen errichtet.

Brüssel, 3. März. Das kömgl. Schloß Tervueren, die Residenz der Prinzessin Coarloite, ehemaligen Kaiserin von Mexico, ist durch eine Feuersbrunst gänzlich zerstört; Niem rno ist dabei um's Leben gekommen. Die Kaiserin Char­lotte si delle nach Schloß Laeken über.

Berlin, 3. März. Die conservattven Fractionen werden, da die National Liberalen, das Centrum und die Fortschrittspartei das Reichstags- D sciplmargefftz a limine ablehnen dürften, alsbald nach der Ablehnung An­träge auf Aen erung der Geschäftsordnung etnbringen.

Kalkutta, 3. März. (Osficiell.) 1500 Alkapats und Dorains griffen die Arr..regarde des von Girischk zurückkehrenden Generals Biddulph an, wurden aber mit Verlust von 150 Todten zurückgeschlagen; die Enalän- der verloren 15 Mann.

Teplitz, 3. März. Se. Mas. der deutsche Kaiser beauftragte den Leib­arzt v. Lauer, sei e Freude über die glückliche Wiederauffindung des Q teilen- splegels dem Bürgermeister auszusprechen. Auch Kronprinz Rudolf nimmt laut Telegramm des Obersthofmeisters herzlichen Anthetl an der Freude der Teplitzer. Von vielen Gemeinden, Corporationen, Gesellschaften und Kurgästen sind Bea'ückwünschungs-Telegramme eingelaufen.

Madrid, 4. März. Gestern überreichte Ministerpräsident Canovas dem König das Eultussungsgesuch des ganzen Cabinets; der König nahm dasselbe an und beauftragte C movnS wiederum mit der Neubildung des Ministeriums.

Lokales.

Gießen, 4. Marz. Der hiesige Verein für Geflügel- und Vogelzucht hält, wie bekannt, während der Ofterfetertage in der Turnhalle seine 4. Ausstellung ab. Bereit« sinv über 500 Anmeldeformulare an die renommirtesten Züchter und Liebhaber von Geflügel und Vögel versandt und in Folge dessen auch schon eine erkleckliche Anzahl Anmeldungen beim Vorstande angelangt. Hoffen wir, daß die diesjährige Ausstellung eine reichlich beschickte und schöne werde, damit dem Publikum und namentlich den Landwtrthen vor Augen geführt werde, daß die Geflügelzucht, rationell betrieben, immer ein nicht zu verachtender Zweig der ökonomischen Wirthschaft ist. Wenn man tn neuerer Zeit öfters vom Import der italienischen Eier hört, so sollte dieses den Landwirth wohl auf den Gedanken bringen, es einmal zu versuchen, unser Landhuhn durch Blutwechsel zu verbeffern und ertragfähiger zu machen. Ganz besonders eignet sich zur Kreuzung und Bluiwechsel das italienische Landhuhn, welche« nicht allein reich, lich sondern auch große Eier legt, wenn nicht vorgezogeu werden sollte einen Stamm reiner Italiener sich anzulegen, wozu auf der kommenden Ausstellung sich Gelegenheit genug bieten dürfte.

- Zwei betrunkenen Handwerksburschen, welche sich heute Nacht vor der Herberge prügelten, sowie einem eben aus dem Zuchthaus Entlaffenen, der auch sehr daneben war, mußten im Arrest Obvach verschafft werden. Eine größere Keilerei wurde heute Nacht vor der RestaurationZum Gambrinus" in Scene gesetzt.

E i n g e s a n d t.

Zur Tabak Nachversteuerung.

Bei den Steuerspeculationen wurde an eine Nachversteuerung nicht gedacht, bis der Bericht der Enquete-Commission sich dafür aussprach unb ist hierdurch bet den Spekulanten eine solche Panik entstanden, daß sämmtliche Tabakintereffenteu der Opposition beigetreten find. Durch die Nachversteuerung ist eine Lösung der Tabakfteuerfrage aussichtsloser wie eS irgend vorher der Fall gewesen. Die dem Reichstag vorliegenden Proteste gegen eine Er- hohung der Steuer beziffern sich nach vielen Tausenden, die Petitionen der Speculanten, welche die Steuer acceptiren und nur die Nachversteuerung verwerfen, bilden eine Minorität, die ihre Zwecke vergeblich anstrebt. Der Reichstag wird sich niemals dazu verstehen, der Specu. latton zum Schaden der allgemeinen Industrie Millionen tn den Schooß zu werfen! Nehmen wir an, daß Vie Steuer acceptirt und die Nachversteuerung verworfen würde, so hätte die Speculatton gegenüber der für den Consum arbeitenden unv sich für die laufende Zeit nur deckenden Jnvustrie einen überwiegenden Vortheil errungen, so daß die Mehrzahl der Fabrikanten, wozu die Mittel- und Kleinindustrre gehört, unterliegen müßte. Durch die ledtgltche Ver­werfung der Nachversteuerung wird sich ein Privatmonopol entwickeln, dem das StaatSmonopo! entschieden vorzuzieben ist. Bei Einführung des letzteren müffen die Fabrikanten entschädigt werden, während durch die Begünstigung der Spekulation, d. h. durch Verwerfung der Nach­besteuerung in der Cigarrenindustrie ein neues, großer Proletariat geschaffen wird. Wurden doch schon bei der vorbergehenden Steuerschwindelperiode Circulare an Die Kundschaft versandt, worin Fabrikanten auf Jahre hinaus die alten Preise zusichern. Die Competenz der Enquete- Commission wird bei den bevorstehenden Verhandlungen aus dem einfachen Grunde beanstandet werden, weil das Colleg aus einseitigen Elementen zusammengesetzt ist; die Vorarbeiten sind für eine Vorlage überhaupt ganz ungenügend und wird das Ende der ganzen Bataille in der Ver- weisung an eine Commission seinen Abschluß finden.____________________

Eingesandt.

Beuern, 28. Februar. Der am voriaen Dienstag Abend im Gasthause zur Germania abgehaltenc Sängerball verlief in der brüderlichsten Weise. ES zeigte sich dtesesmal, daß ein solches Fest nicht einseitigen Charakter in sich trägt, daß es nicht nur die Tanzlust befriedigt, sondern wichtigere Aufgaben und Verpflichtungen zu lösen im Stande ist! Es wechselten nicht nur mit Tanz die erheiternsten Gesänge, bestehend in Volks und patriotischea Liedern (welche unter Dtreclion des Herrn Lehrer Musch über Erwarten, zur Befriedigung oller Anwesenden ausgeführt wurde», es waren auch die indirecten Pflichten, welche ollen wahren Bildungs- Vereinen angehören müffen, welche hier freudig empfunden worden durch das Streben nach einer freien Bildung. Diese« Streben fand seinen Ausdruck in den hierauf bezüglichen Toasten, welche dem Director Herrn Lehrer Musch sowohl, als dem Gründer des Vereins Herrn Lehrer Funk, in erhebenster Weise gebracht worden, selbige fanden bei der zahlreichen Ver­sammlung den herzlichsten Wiederhall. Ebenso entwickelte sich ein förmlicher Enthusiasmus bet einem Toast auf unfern vielgeliebten Landcsvater den Großhenog, als auch auf unfern Helden­kaiser Wilhelm, wo mit der innigsten Tbeilnahme der traurigen Verhängnisse des letzten Jahres gedacht wurde, die Ersteren durch den Tod seiner hohen Gattin, wie Letzteren durch die ver- abscheuenswürdigstkn Attentate betrafen Es zeigt dies zu Genüge, daß ein wahrer Patriotismus dem Verein inne wohnt. Wo ein Verein auf solche Grundlage gestützt ist, kann ein Jeder, der Freund des Fortschritts ist, mit Stolz und Hoffnung auf das fernere Gedeihen deßelben Hinblicken! Unter den freudigsten Gefühlen wird jedoch leider daß Herz auch wieder verstimmt, wenn ein so erhabenes, nach den vornehmsten Zwecken nach freier Bildung und Humanität gerichtetes Bestteben nicht allenthalben getheilt wird. Namentlich wurde es schmerzlich em­pfunden, daß mehrere Mitglieder unteres Vereins, wie die Mehrzahl des Gemeindevorstandes, (Letzterer war nur durch Herrn Bürgermeister Ranft und 3 Personen vertreten) welche freundliche Einladung nebst Freikarten erholten hatten, zu Der veranstalteten Festlichkeit nicht erschienen, was umsomehr zu bedauern ist, als man berechtigte Hoffnungen einer Stütze bezüglich etwas Schönem, Erhabenem, auf den Ortsvorstand setzen muß. Jedoch ist von jeher zu constatiren gewesen, daß ein ernstliches Streben, wo nur die besten Mottve zu Grunde liegen, sein vorge­stecktes Ziel dennoch erreicht, und mag dies zum Tröste gereichen. Gin jedes ernstliche Streben nach Humanität und Bildung muß endlich zum Siege führen!

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