Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image

Lokales.

. Kiesten, 2. Juli. Im Monat Juni 1879 wurden von Seiten der Schutzmann­schaft orrctirt: Bettler 59, Obdachlose 7, wegen^Ruhestörung 4, Trunkenheit 9, Diebstahl 6 schwerer Körperverletzung 1, auf Requisition wurden 11 Personen arretirt. Anzeigen erfolgten in sanitiitSpolizeilicher Beziehung wegen schädlicher Ausdünstung 10, Lebensmittelfälschung 1 bösartiger Thiere 3, in sicherheitspolizeilicher Beziehung gegen Bettler 59, Trunkenheit 5' Ruhestörung 75, Diebstahl 11, Betrug I, schwere Körperverletzung 4, Meldewesen 37, sonstige Sicherheitspolizei 5. Ferner wegen Thierquälerei 4, Prostitution 1, Störung der Sonntags- feier 2, Uebertretung der Feierabendstunde 18, wegen Vergehen gegen die Droschkenordnung 10 sonstige Gewerbepolizei 1, Strasienreinigung 14, Fahrordnung 14, sonstige Straßenpoltzer 3(/ Bau-Polizei 10, Feuerpolizei 1, Steuer-Defraudation 1, Octroi 6. Summa sämmtlicher An­zeigen 327 gegen 356 im Monat Mai.

c £ v ?nteJ 8 in ber Woche vom 22. bis 28. Juni in hiesiger Stadt Gestorbenen

befanden sich 2 Kinder un ersten Lebensjahre, von dem das eine einem Darmcatarrh das

andere der Abzehrung erlag. Von den 6 erwachsenen Personen starben 2 an Schlaqfluß eine

an Lungenentzündung, eine an Lungenödem, eine an Knochenfraß und eine an Blutarmuth. 6.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'- telegr. <trrefpon>enp Bureau,

München, 2. Jult. Das hiesige General -Auditoriat verwarf heute die Nichtigkeitsbeschwerde des wegen fortgesetzter Mißhandlung von Soldaten zu zwei Jahren Festung und Degradation verurteilten Lieutenants Sckenk von Geyern in allen Punkten.

Berlin, 1. Juli. Die Tarif-Commission nahm gestern Abend mit großer Majorität einen Antrag des Abg. v. Heeremann zu dem gestrigen Be- scklusse, betreffend den Transik-Getrcidehandel, an, dahin lautend: Die gleiche Erleichterung wird für Müblenfabrikate dabin gewährt, daß bei der Ausfuhr der EingangszoU des ausländischen Getreides nach dem Procentsatze des zur Herstellung des Fabrikats verwendeten ausländischen Getreides nachgelassen wird, wobei 75 Gewichtstheile Mühlenfabrikat gleich 100 Gewichtstheilen Ge- treibe gelten. v

.Berlin. 1. Juli. Reichstag. Die U-bersichten der Ausgaben und (Fmnabmcn pro 18"/78 werden in dritter Lesung genehmigt und der Gesetzentwurf, betreffend Ab" and-rungin des Reichshaushaltoetais und des elsaß-lothringischen Landeshaushallsetats m dritter Lesung unverändert angenommen. Es folgt die Forts Kuna her Qnntnrif b-r-thung. Nr. 20. «Kurze Maaren, Ouineaill-vi-n k.) G liegen »eS b^e Amendements vor Nach längerer Debatte wird schließlich Nr. mit dem v. Miller- schen Amendement (Erhöhung des Zolls aus zahlreiche kurze rc. Maaren von 120

Vermischtes.

Berlin, 26. Juni. (Berlins zweites Aquarium.) In wenigen Tagen wird Berlin um ein eigenartiges Etablissement reicher sein, ein Aquarium Terrarium Vivarium und Museum umsassend, hergerichtet und ausgerüstet von Ad' Sasse fiof- Iieferant Sr. K. und K. H. des Kronprinzen, welcher dem Vernehmen nach diese Neuheit vor oder bei der Eröffnung selbst in Augenschein zu nehmen, zugesaat haben soll. °

. . Dieses Sasse'sche Aquarium, Friedrichstraße 178, also in einem der auch von zedem Fremden besuchten Stadttheile gelegen, will keineswegs dem unter den Linden bestehenden Aquarium Eoncurrenz machen; es unterscheidet sich von demselben vielmehr sehr wescnklich dadurch daß in dem Sasse'schen Etablissement jedes einzelne Stück der Sammlungen käuflich ist Verdient jenes einer Actiengesellschait gehörige Institut alles k ' <m £arnn ^an Elches dem neu erstehenden Etablissement, das aus den Kräften den Mitteln, dem Geschmack und Wissen eines Einzelnen hervorgeht, gern doppelt

angenommen. Nr. 3o (Stroh und Bast-Waaren) wird unverändert nach n^Srß%rber ^ommisnon genehmigt. Zu Nr. 21 (Leder und Lederwaaren) sind ? Amendements, eingebracht, worunter ein Antrag deS Abg. Sonneman

18 ftatt. uiit 36 zu belegen. Der Antrag wird nach längerer rrmrhpr e$nt ba0e0en wird em Antrag des Abg. Kreuz angenommen, für Schuh- iarer2C?Cn auf ** 54 Uatt auf JL 40 festzusetzen. Ein Antrag des Abg. Sinn, für ferne Lederwaaren den Zoll aus JL 70 statt auf .AL 60 sestrusetten roub mit 141 gegen 96 Stimmen angenommen. Nr. 40 (Wachstuch rc.) wird ohne Debatte unverändert angenommen Hieraus wird die Sitzung vertagt Nächste Tagesordnung^' Mittags 1 Uhr. Tagesordnung: Rest ter heutigen

m ,, Ä'pn|lantinopel, 1. Juli. Der ex.lirte Großvezir Mahmud Nedim Zascha ist gestern hier etngetroffen und in seinem Konak in Stambul abae- stiegen. Derselbe empfing zahlreiche Besuche.

3uIt ®.in Telegramm des Justizmtnisters Glaser an das Wahlcomtte des Wiener Burger-Vereins besagt, er würde ein ihm nur in engerer Wahl zufallendes Reichsrathsmandat nicht annehmen. Die Polit. Corresp. meldet aus Konstantinopel von heute: Die Botschafter Englands und Frankreichs protestieren gemeinsam bei der Pforte gegen die Aufhebung des Fermans von *873. In Folge dieses Protestes wird der Rücktritt des Großveziers Khereddin Pascha als für bevorstehend betrachtet. Mahmud Nedim Pascha wurde vom Sultan persönlich nach Konstantinopel berufen. Die Stimmung ist in der Hauptstadt deßhalb eine sehr gedrückte.

n-u L 2ult. Ein Artikel Caffagnac's imPays" anerkennt, ge­

stutzt auf das Testament des Prinzen Napoleon, den Prinzen Victor als be- stimmt, die Hoffnungen und die Hingebung der bonapartistischen Partei in sich zu vereinigen. Caffagnac ladet den Prinzen Jerome ein, seine Zustimmung

6^öen, da er selbst nicht Prätendent sein, nicht die napoleonische Herr­schaft des Haffes gegen die Republik annehmen wolle. DerOrdre" er« uärt, der Prinz Jerome sei der unbestreitbare Erbe der Rechte des Prinzen N^vleon; ob er Prätendent sei, sei eine byzantinische Frage. Der Moniteur" glaubt zu wiffcn, Prinz Jerome sei fest entschloffeu, keine der Republik feindliche Haltung an den Tag zu legen, keinen Act der Prätendent- schäft zu begehen und seinen Sohn Victor keinen solchen begehen zu laffen.

Parts, 1. Juli. Das bereits erwähnte Codicill in dem (vom Gau» lois ) veröffentlichten Testamente des Prinzen Louis Napoleon lautet folgen- dermaßen: Ich brauche meiner Mutter nicht zu empfehlen, daß sie nichts vernachlässige, um das Andenken meines großen Oheims und meines Vaters zu vertheidigen, und sie zu bitten, sie möge sich gegenwärtig halten, daß, so ^nge es Bonapartes geben wird, die kaiserliche Sache Vertreter haben wird. Die Pflichten unseres Hauses gegen das Land erlöschen nicht mit meinem Leben. Nach meinem Tode fällt die Aufgabe, das Werk Napoleon's I. und Napoleon'« III. fortzuführen, dem ältesten Sohne des Prinzen Nrpoleon zu. Ich hoffe, meine geliebte Mutter wird ihn mit ihrer ganzen Macht unter- stützen und dadurch uns, die wir nicht mehr sein werden, diesen letzten Beweis ihrer Liebe geben.

Ems, 1. Juli. Der Kaiser unternahm gestern Nachmittag eine Spazier- fahrt und wohnte am Abend der Theatervorstellung bei. Heute sind zum Diner der Herzog Bernhard von Meiningen und Prinz Heinrich XVIII. von Reuß geladen.

Berlin, 1. Juli. Nach der Admiralität zugegangenen Nachrichten dürfte es dem Unternehmer Leutner kaum gelingen, den Contract zur Hebung desGroßen Kurfürsten" zu erfüllen, da der Stand der Vorarbeiien die Hebung bis zum 1. August kaum erwarten ließe.

Versailles, 1. Juli. In der Kammer interpellirle Bouchet von der äußersten Linken wegen der Beschlagnahme des rabicalen Journalsßanterne." Der Polizet-Präfect Andrieux vertheidigt sein Verfahren; er sagt, dieLan- terne" verfolgt in nicht gutem Glauben den Zweck der Desorganisation der Polizei-Präfcctur. Der Minister des Innern erklärt, das Verfahren Andrieux' war ordnungs- und gesetzmäßig. Die Kammer ging zur einfachen Tagesord­nung über.

Der Senat wird morgen den Gesetzentwurf berathen, welcher den Sitz der Kammern in Paris vorschreibt.

Berlin, l.Juli, Abends. Nachdem von dem Bundesraths-Ausschuffe vorgelegten Gesetzentwürfe, betr. die Steuerfreiheit des Branntweins zu gewerb- lichen Zwecken, ist der Bundesrath ermächtigt, für den Branntwein, wllcher innerhalb der Branntweinsteuer-Gemeinschaft zu gewerblichen Zwecken, ein­schließlich der Essigbereitung verwendet wird, unter den von ihm vorzuschrei- benden Bedingungen und Controlen die Branntweinsteuer zu demjenigen Satze zu vergüten, welcher bei der Ausfuhr des Branntweins vergütet wird.

Alexandrien, 1. Juli. Der Khedive hat auf die Hälfte der Civil» liste verzichtet. Der französische Finanzminister de Bltgniöres ist heute von hier abgereist.

doch er|t ganz genau und in's Einzelne prüfen müßte, bevor man zur Abstimmung über die Finanzzölle im Stande sei. Unterstützt von den Conservativen wünschte er Vertagung der Weiterberathung, wofür er u. A. auch geltend machte, daß er sich mit feinen Freunden erst noch berathen müsse. Da jedoch von liberaler Seite auf Fort­setzung der Berathung gedrungen wurde, um keine weitere Verzögerung eintreten zu Ionen, so wurde der Vertagungsantrag zurückgezogen, wobei aber Herr Wmdthorft erklärte, daß er die Aussetzung beantragen würde, sobald man beim Kaffeezoll (neben benr Petroleum der einzige am erheblichsten in die Waagschale fallende eigentliche Finanzzoll, zu welchem die Korn-, Fleisch- und Schmalzzölle ja nicht gerechnet werden sollen) angelangt sein würde. In der nun folgenden Emzelberathung wurde die Bier­zollerhöhung mit Rücksicht auf das voraussichtliche Nichtzustandekommen des Brausteuer­gesetzes fast einstimmig abgelehnt. Dagegen wurde der Weinzoll nach der Regierungs­vorlage (Wein in Fässern 24 JL, in Flaschen 48 JL für 100 Kg.) angenommen. Im Laufe der Discussion erklärte der Abg. v. Bennigsen, daß er zwar in der Commissions- derathung soweit für die Aimmzzölle stimmen würde, als er sie für sachlich begründet halte, daß er aber, falls der Antrag Franckenstein betreffs der Garantiefrage auch im Plenum zur Annahme gelangte, in der dritten Plenarberathung gegen die einzelnen Finanzzölle stimmen werde. Der Abg. Rickert gab die Erklärung ab, daß ein Theil der National-Liberalen mit Rücksicht auf die in Bezug auf den Tarif sowohl wie auf die konstitutionellen Garantien bisher gefaßten Beschlüsse schon jetzt gegen die Finanz­zölle zu stimmen sich gezwungen sehe.Die Lage wird heute am besten gekennzeichnet", bemerkt hierzu dieNat.-Lib. Corr.",einerseits durch das Verhalten der Centrums­partei in den Commissionen, andererseits durch die umherschwirrenden Gerüchte von einer Minlsterkrisis. In der Tabaksteuer-Commission widersetzte sich das Centrum dem Vorschläge, durch Verzicht auf die schriftliche Berichterstattung die Plenarberathung des Gesetzes um mindestens eine halbe Woche zu beschleunigen. In der rarif-Commission verhinderte das Centrum die Abstimmung über die entscheidenden Finanzzölle. Herr Wmdihorst erklärte offen heraus, er habe es mit feinen Beschlüssen nicht so eilig. Er wacht auch kein Hehl daraus, daß er die auf Preußen fallenden Mehreinnahmen un­gleich reichlicher zu botiren geneigt sei, sobald Minister Falk und die Aussicht auf das Unterrichtsgesetz beseitigt sein würden. Sollte er vielleicht begründete Hoffnung hegen, daß dieses Ereigniß sich in den nächsten Tagen vollziehen könnte? In der That sprach man heute in den parlamentarischen Kreisen ganz ernstlich von dem Rücktritte nicht allein Falk's, sondern auch Friedenthal's und Hobrecht's. Der letztere war, auffallend genug, in der Tarif-Eommission heute nicht erschienen." DiePost" glaubt das Gerücht von dem Rücktritte des Finanzministers Hobrecht bestätigen zu können. (K. Z.)

Berlin, 30. Juni. Das Centrum beschloß in der Fraktionsfltzung einstimmig, für die Tabakssteuer (85 Mk. Zoll auf ausländischen und 45 Mk. auf inländischen) zu stimmen, dagegen unter Verwerfung des Antrages Buhl die zweijährige gänzliche Befreiung des inländischen Tabaks von der Steuer zu botiren, ferner den Petroleumzoll von 6 auf 4 Mk. herabzusetzen. Das Centrum verhandelt über diese Beschlüsse mit den anderen Fraktionen der Majorität.

Die Subaltern-Beamten der Staats-Eisenbahnen sind neuerdings an ihre Verpflichtung erinnert worden, für den Fall ihres Todes die nöthige Für- sorge für ihre zurückbleibenden Ehefrauen zu treffen, damit es denselben an den erforderlichen Subsistenzmitteln nicht fehle. Falls die Fürsorge durch Bei­tritt zu einer Lebens - Versicherungs - Gesellschaft getroffen ist, muß nach den inzwischen abgeänderten Bestimmungen die Höhe des zu versichernden Capitals nach den Gehaltsverhältniffen abgestuft sein. Die geringste Versicherungs­summe der letzten Ordnung der Unterbeamten beträgt 1500 Mk. Alle die­jenigen Beamten, welche die Pflicht der Fürsorge versäumen, haben weder für sich selbst außerordentliche Zuwendungen, Unterstützungen, Remunerationen, noch später für ihre etwaigen Wittwen eine Unterstützung zu erwarten.

Arankreich.

Paris, 30. Juni. Es bestätigt sich, daß die Generäle und Officiere der französischen Armee auf die republikanische Verfassung vereidigt werden sollen; der Eid wird bei Gelegenheit der Fahnenvertheilung abgenommen wer­den. Man entschloß sich zu dieser Maßregel in Folge gewisser Kundgebungen, welche in der letzten Zeit, namentlich aber beim Tode des kaiserlichen Prinzen von mehreren Generälen gemacht wurden. Sollte eine größere Anzahl von Generälen und Osficieren den Eid verweigern, so werden dieselben alsdann zur Verfügung gestellt.

Versailles, 30. Juni. Nachdem die Deputirtenkammer für den vom Minister Ferry vorgelegten Gesetzentwurf die Dringlichkeit votirt hat, wird zur definitiven Annahme desselben eine einzige Lesung genügen. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde die von Mitchell eingebrachte Gegenvorlage der bonapartistischen Partei verworfen. Sodann wurde das vom ehemaligen Unterrichtsminister Bardoux (linkes Centrum) Beantragte Gezenproject, wonach dem Staate die Verleihung der Grade zu refiituiren, den geistlichen Kongre­gationen aber die Freiheit des Unterrichts unter Conttole des Staates zu belassen wäre, mit 350 gegen 176 Stimmen abgelehnt.

England.

London, 30. Juni. DiePall Mall Gazette" meldet aus Rom von heute: Erne Special-Convention zwischen dem Vatican und Deutschland ist in Unterbandlung. Die Regierung soll die Bischöfe vorbehaltlich der Bestäti­gung des Papstes und die Bischöfe sollen die Priester vorbehaltlich der Bestä- tigung der Regierung ernennen. Die Geistlichkeit soll die dergestalt ausge­legten Maigesetze annehmen. (Die Nachricht bedarf jedenfalls der Bestätiaunal Lord Beaconsfield befindet sich besser. °