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spenden. Der Bau des Sasse'schen Aquariums ist nach den eigenen Entwürfen des Besitzers, welcher im vorigen Winter das Aquarium im Schützenhaufe zu Leipzig und vor zwei Jahren das große Aquarium in der hiesigen Kgl- Universität erbaut hat und unter seiner Leitung im Februar d. I. begonnen und jetzt zu Ende geführt worden. In den Parterre-Räumen erblickt man, bei freiem Eintritte, eine Ausstellung der verschiedenartigsten Zimmer-Aquarien und Terrarien, Zimmer- und Garten-Foiltainen, Fontainen-Aufsätze, Blumentische, Vogelbauer, Muscheln, Corallen, Mikroskope u. dgl. m Gleichzeitig blickt man hier aus eine überaus interessante architcctonische Kunstausstellung, nämlich auf im großen Maßstab 4 M. lang und 2 M. breit, bis in das kleinste Detail mit der Hand aus Cigarrenkistenholz kunstvoll in jahrelanger Arbeit hergestellte treffliche Nachbildungen der von König Friedrich dem Großen erbauten Commons beim Neuen -Palais bei Potsdam, der historischen Mühle bei Sanssouci und des vom Könige Friedrich Wilhelm IV. erbauten Orangeriegebäude mit dem bekannten Raphaelsaale ebenda. Allein diese Kunst-Gegenstände sind sehenswerth und des Lobes wohl würdig.

Im ersten Stockwerk des Gebäudes befindet sich das Aquarium: Es besteht, in Nachbildungen von verschiedenen Grotten angelegt, aus 21 Becken, von denen 9 für die Bewohner des Meeres und 12 für die der Flüsse und Seen bestimmt sind. Das Seewasser ist künstlich hergestellt und wird mittelst eines Pumpwerkes durch eine Gaskraftmaschine neuester Construction dieselbe steht parterre in steter circuliren- der Bewegung gehalten; es fließt in eine unterirdische Cisterne ab, von wo es durch l)ie Maschine in ein Hochreservoir gedrückt wird, um von da wieder den einzelnen Becken zuzufließen. Die hierdurch erzielte Bewegung des Wassers hat für dasselbe eine große Menge technischer Vortheile. Soweit nach einmaligem Besuche des erst zu er­öffnenden Etablissements zu berichten ist, fanden sich in dem Aquarium Amphibien, Fische, Jnsccten, Spinnenthiere, Krustenthiere, Würmer, Weichthiere, Muscheln und Mantelthlere, Stachelhäuter, Hohlthiere, See-Pflanzen und Süßwaffer-Pflanzen auf Das Mannigfachste und in zum Theile sehr schönen und überaus seltenen Exemplaren vertreten, so daß das Eintrittsgeld von 50 für diese oberen Etagen ein sehr geringes ist im Verhältniß zu der Belehrung, welche diese Räumlichkeiten dem Besucher bieten. In den Tuff- und Kalkstein-Grotten der Aquarium-Galerie fielen, um nur einige Thiere namhaft zu machen, uns auf: Ein ganz besonders großes Exemplar eines Ochsenfrosches aus Nord-Amerika; prächtig gefärbte gestreifte Lippfische und gefleckte von der Norwegischen Küste; Macropoden oder Paradiesfische, aus den chinesischen Gewässern; der aus Indien stammende Gourami, der merkwürdigerweise keine Be­wegung macht, ohne nicht blitzschnell vom Weibchen gefolgt zu werden; höchst interessante Telescopkarpfen aus den süßen Gewässern Chinas und Japans, wo sie Long-tsing-yo (nicht king-yo, Goldfisch) bezw. Ranziü heißen. Aber auch Hechtfische, Schellfische, Aal­fische sahen roir, Wasserspinnen, Einsiedlerkrebse, Meerheuschrecken, Goldraupen, Moschus- Eledonen, Austern, Seeigel, Seesterne, Seenelken, Seerosen, Quallen, Schwämme und schöne Pflanzen, wie Seetang und Meerwegwarte, Pfeilkraut und Tausendblatt, Frosch­biß und Wasseraloen.

Das zweite Stockwerk nehmen Terrarium und Vivarium ein. Hier begegnen wir den Schildkröten in allen Größen und Arten; den Panzerechsen, Alligatoren und Nilkrokodilen in kleinen Exemplaren; den Salamandern und Eidechsen; und den Schlangen: ungiftigen wie giftigen, von welchen Letzteren nur europäische Arten aus­gestellt sind. Weiter findet sich in dieser Etage ein niedliches Affenhaus mit zahmen und hübschen Exemplaren. Auch Papageien, Kakadus, Wellensittiche werden hier in Liesen Tagen noch ihre Plätze finden.

Ringsum endlich ziehen sich Museumsschränke, welche ausgestopfte Vögel und andere Thiere enthalten, die Wunder des Meeresbodens sehen lassen, eine kleine Samm­lung lebend nicht zu erhaltender, kunstvoll in Glas gearbeiteter Seethiere, wie sie, so ausgestellt, ganz neu sind und schließlich die neue epochemachende Erfindung beweglicher Skelette und lebensfrischer Thiere und Pflanzenleichen. Die anatomischen Objecte sind durch eine neue Präparationsmethode des Kgl. Präparators Wickersheimer so erhalten, daß denselben ihre volle Beweglichkeit und ihre natürliche Farbe geblieben ist. Man lieht, daß in dem Sasse'schen Etablissement Manches gelernt werden kann.

Jedenfalls ist der Besuch dieses neuen, eigenartigen, mannigfachen Institutes das nach so vielen Richtungen hin reichen Stoff der Belehrung bietet, als eine der Sehenswürdigkeiten zu bezeichnen, wie sie eben naturgemäß nur in den größten Städten und auch in diesen nur ganz vereinzelt sich finden können. Und als die Leistung eines einzelnen Privatmannes, der kleiner anfing, um nun so Großes zu leisten be­grüßen wir das Aquarium des Hoflieferanten Ad. Sasse als eine neue Sehenswürdia- keit von Berlin.

Bad Ems, 30. Juni. Die heutige Regatta verlief großartig, weit über 10,000 Menschen waren zugegen (nach ungefährer Schätzung). Der Kaiser hatte auf reich decorirter Veranda des Cursaals Platz genommen. Die Länge der Fahrbahn betrug 2400 Meter und 1 Drehpunkt. 1) Fahrt: Boot des Coblenzer RuderclubsAnwell" und des Kölner Ruder­vereinsUnion BootVhynet." Köln siegte mit 4 Bootslängen und erntete den Preis der Curverwaltung, bestehend aus einem Trinkhorn aus Silber. 2) Fahrt: Boot der Coblenzer RudergesellschaftGermania" und Boot der Franksurter RudergesellschaftsboorMain". Letzteres siegte mit 10 Bootslängen und gewann den Preis der Stadt Ems, einen silbernen Pocal. 3) Fahrt um den Preis des Kaisers, einen Nauttlus-Pocal. Es siegte Köln mit 4 Längen über Frankfurt. 4) Fahrt fuhr Frankfurt allem, und bekam den Ehrenpreis der Emser Damen, einen silbernen Pocal. Später wurden die Vereine vom Kaiser emvfanaen Abends Festvorstellung im Theater. a

Darmstadt, 27. Juni. In der hiesigen Infanterie-Kaserne erschoß gestern Nachmittag aus Unvorsichtigkeit ein Gaidefüsilier seinen Kameraden, indem er im Scherz jenem das geladene Gewehr in der Meinung, die Sicherung siet gestellt, vor dem Mund hielt und unabsichtlich losdrückte. Der Getroffene, Gardefüsilier Fröhlich aus Kainsbach, Kr. Erbach, war alsbald tobt. Der Tbäter ist in Untersuchungshaft genommen.

Friedberg, 27. Juni. Heute Vormittag kurz vor 12 Uhr brach in dem benachbarten Fauerbach Feuer aus, welches große Dimensionen annahm. Den von hier aus dahingeeilten beiden hiesigen Feuerwehren und der Ausfuhrspritze, sowie den Löschmannschaften der Nachbarorte gelang es jedoch, des Feuers bald Herr zu werden. Ein Tanzsaal, eine Scheuer, sowie sämmtltche Stallungen des Gastwirths Horn wurden ein Raub der Flammen. Ueber die Ent­stehung des Brandes verlautet noch Nichts.

Was sich nicht Alles zum Throne drängt. Ein Senffabrikant in Elberfeld hatte bei Gelegenheit der goldenen Hochzettsfeier dem Kaiser einen Topf mit Senf übersandt, worauf er nachfolgendes Schreiben des Hofmarschall-Amtes erhalten hat.Ew. Wohlgeboren erwidere in Folge der von Ihnen an Se. Majestät den Kaiser und König gerichteten Jmmedtat- Eingabe vom 9. d M. ergebenft, daß Allerhöchstdieselben die Annahme von Geschenken jeder Art bestimmt abzulehnen geruht haben. In Anbetracht Ihrer freundlichen Absicht ist der für Se. Majestät eingesandte Topf Senf zwar ausnahmsweise hier behalten worden, ich ersuche Sie aber um gefällige Einreichung ihrer Rechnung darüber, damit demnächst Zahlung diesseits veranlaßt werden kann. v Pückler.

Handel und Verkehr.

In Pirmasenz ist am 1. d. M. eine Neichsbank-Rebenstelle mit Caffeneinrichtung eröffnet worben. Die auf Pirmasenz anzukaufenden Wechsel sind an die Reichsbank-Hauptstelle in Mannheim zu giriren.

Am 7. Juli wird in Landau eine Reichsbank-Nebenstelle mit Caffeneinrichtung eröffnet. Die auf Landau anzukaufenden Wechsel sind an die Reichsbank-Hauptstelle in Mannheim zu giriren.

Ueber Hühneraugen I Wer kennt nicht jene Plagegeister und wer möchte nicht gerne von denselben befreit sein? Als ein wirklich nützliches und dankenswerthes Mittel kann nur allein das Hühneraugenpflaster des Hofapothekers Boxberger in Kis- singen empfohlen werden. Dasselbe ist fertig gestrichen, daher reinlich und ungemein einfach und kostet nur 50 für welchen Preis man eine ganze Rolle dieses Pflasters erhält, welche zu einer Kur vollkommen hinreichend. Das Pflaster führt wohl jede Apotheke, man fordere aber speciell das Boxberher'sche Hühneraugenpflaster.

Arbeitsversteigerung. Dienstag den 8. Juli d. I., Mittags 1 Uhr, sollen auf dem Rathhause zu Watzen­born folgende Arbeiten öffentlich in Accord vergeben werden: «X

Weißbinderarbeit, veranschl. zu 162,00 Stetnbrechen und Fahren, veranschl. zu 91,00 Steinschlagen und Decken, so­wie Abhub der Bankette, veranschl. zu 217,70 Watzenborn, den 1. Juli 1879.

Großh. Bürgermeisterei Watzenborn. 4454) Schäfer.

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Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung.

Betreffend : Die Bildung der Schöffengerichte und der Schwur­gerichte.

4455) Die Urliste für die Schöffen und Geschworenen liegt eine Woche lang und zwar von Freitag den 4. bis einschließlich Freitag den 11. Juli l. I. auf dem Bürgermeisterei - Bureau zu Jedermanns Einsicht offen. Innerhalb jener Offenlegungsfrist ist gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit der Urliste schriftlich oder zu Protokoll des Bürgermeisters Einsprache zu erheben.

Gießen, am 2. Juli 1879.

__A. Bramm, Bürgermeister.____________________

Bekanntmachung.

Betreffend: Die Erhebung der direkten Steuern.

4440) Die Erhebung der directen Steuern findet vom 5. bis 25. kom­menden Monats Juli von Großherzoglicher Districts-Einnehmerei Gießen I statt. Gleichzeitig werden die Brandversicherunzs - Beiträge miterhoben und sind die betreffenden Steuerzettel mitzubrtngen-

Gießen, den 29. Juni 1879.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

A. Bramm.

Bekanntmachung.

Betreffend: Die öffentliche Impfung.

4441) Nach Mittheilung Großherzoglichen Kreisgesundheitsamts Gießen soll die öffentliche Impfung

Mittwoch den 9. Juli, Nachmittags 3 Uhr, im alten Rath Hause staltstnden. Die Eltern der im Jahre 1878 gebornen Kinder werden eingeladen, mit ihren noch ungeimpften Kindern in diesem Termin zu erscheinen. Auch Kinder, die erst im Jahre 1879 geboren sind, dürfen zur Impfung gebracht werden.

Die Impfung geschieht unentgeldlich.

Gießen, den 30. Juni 1879.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

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