hat eine solche nachweislich wiederholt dadurch stattgehabt, daß gelegentlich der Beerdigung von an den genannten Krankheiten Verstorbenen in den betreffenden Sterbehäusern Verwandte in größerer Zahl längere Zett verkehrten, wobei insbesondere auch häufig Kinder zugelassen wurden. Es find Fälle bekannt geworden, in welchen lediglich durch einen solchen Anlaß diese Seuchen in andere bi- dahin völlig verschonte Gemeinden verschleppt wurden, dann dort zu großer Verbreitung gelangten unv zu zahlreichen Todesfällen führten; in einem großen Ortscomplex eines oberhessischen Kreises, deffen Bevölkerung vielseitig unter einander in verwandtschaftlicher Beziehung steht, hat die eben gerügte Sitte nachweislich dahin geführt, daß die genannten Krankheiten stets von Neuem wieder eingeschleppt, länger als ein Jahr hindurch andauerten und eine außerordentliche Kindersterblichkeit veranlaßten. Das Verbot der Ausstellung von Leichen, sowie die Anordnung der stillen Beerdigung beim Ausbruch unv dem Herrschen der hier in Rede stehenden ansteckenden Krankheiten müssen im Hinblick auf die soeben angeführten Erfahrungen und Thatsachen als durchaus nicht ausreichende Maßnahmen gelten und wird hier eine weiter gehende Vorsicht am Platze sein. Diese läßt sich übrigen« nicht durch Pvlizeivorschriften und Zwangsmaßregeln erreichen, sondern vorzugsweise durch Aufklärung über die so vielfach falschen Anschauungen von der Ansteckungsfähtgkeit einzelner Krankheiten, wie solche bei einem großen Theile der städtischen und ländlichen Bevölkerung bestehen; diesem Zwecke zu entsprechen, ist bte vorstehende Belehrung bestimmt. .
Bei der im Großherzogthum fast allseitig reichlich gebotenen ärztlichen Hülfe wird auf Veröffentlichung einer Belehrung über die Krankheitserscheinungen bei Scharlach und Rachenbräune und über das bei Eintritt dieser Krankheiten zweckmäßige Verhalten verzichtet; an die Aerzte selbst ergeht das Ersuche», in ihren Kreisen durch Belehrung und Rath in obigem Sinne zu wirken und im einzelnen Falle bei der Ausführnng der vorstehend bekannt gegebenen Maßnahmen und den etwa weiter erforderlichen Anordnungen den Behörden ihre so wichtige Unter, ftützung nicht zu versagen.
Darmstadt, 28. December. Se. Köntgl. Hoheit der Großherzog haben mittelst allerhöchster Entschließung vom heutigen Tage den Landgerichts- Äffeßor bei dem Landgerichte Homberg Friedrich Rübsamen zum Landrichter in Ulrichstein, den Landgerichts-Assessor bet dem Landgerichte Friedberg Andreas Allwohn zum Landrichter unter vorläufiger Verwendung bei dem Landgerichte Friedberg, den Landgerichts.Assessor bet dem Landgerichte Darmstadt Johannes ^eß zum Landrichter in Gernsheim und den Stadtgerichts-Assessor bet dem Stadtgericht Darmstadt Friedrich Hirsch zum Landrichter in Wimpfen zu er- nennen geruht.
Berlin, 31. December. In Betreff der welfischen Deputation, welche dem Herzoge von Cumberland in Kopenhagen eine Avreffe überreichte und welcher durch förmlichen und feierlichen Empfang beim Könige und durch eine Gesammtetnladung zur Hostafel ein officielles Gepräge gegeben wurde, schreibt bte „Nordd. Allg. Ztg." : Eine ruhige, unbefangene Erwägung muffe dem dänischen Volke und seiner Regierung selbst die Erkenntniß aufnöthigen, daß man in Deutschland mit allem Recht besremdet ist, in Dänemark eine Deutschland und seiner nationalen Entwickelung feindliche Strömung von der Gunst des Hofes und des Volkes getragen, ja, gegen das Herkommen bevorzugt und damit die Rücksichten außer Acht gelaßen zu sehen, welche ein Staat dem an- t eien, somit auch Dänemark dem deutschen Reiche schuldig sei.
Berlin, 31. December. Bezüglich der von einem hiesigen Blatte gebrachten umständlichen Darstellung angeblicher Verhandlungen des Kronprinzen mit liberalen Abgeordneten aus der Zeit des Compromiffes über das Socia listengesktz schreibt die „Nordd. Allg. Ztg.", es könne versichert werden, daß die ganze Nachricht aus der Luft gegriffen sei.
Dresden, 31. December. Die Zeitungsnachricht von der bevorstehenden Verlobung der Prinzessin Mathilde, Tochter des Prinzen Georg von Sachsen, mit dem Kronprinzen von Oesterreich findet hier in unterrichteten Kreisen keinen Glauben. Auch das andere Gerücht, wonach Kronprinz Rudolf sich mit der Erzherzogin Antoinette von Toskana, ebenfalls eine Nichte des Königs von Sachsen, verlobt habe, bedarf der Bestätigung.
Oesterreich.
Wien, 31. December. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel von heute: Die Bulgaren in Ostrumelien fahren in ihrer Renitenz gegen die Verfügungen der internationalen Commission fort. Die russischen Behörden laßen die nöthige Energie vermißen und sollen sogar die Bulgaren, namentlich in der.Umgegend von Philippopel, mit Waffen versehen. — Savfel Pascha soll auf seiner Reise nach Paris Bukarest und Wien berühren und für beide Orte specielle Aufträge erhalten. — Die „Polit. Corresp." meldet aus Athen von heute: Oberst Grivas wurde zum Kriegsmtnißer ernannt, Bubulis behält das Marineministerium.
— Die „Polit. Corresp." meldet, daß heute Nachmittag im auswärtigen Amte eine österreichisch-italienische Vereinbarung unterzeichnet worden, wonach für den Monat Januar 1879 bis zum Inkrafttreten des neuen Handels- rertrags am 1. Februar der bisherige österreichisch-italienische Handelsvertrag in Wirksamkeit verbleibt, mit der einzigen Ausnahme, daß die italienischen Provenienzen nicht mehr nach den bisherigen Conoentional-Tarifen, sondern nach den Vereinbarungen des neuen Handelsvertrages zwischen Oesterreich und Italien behandelt werden.
— Die österreichische Creditanstalt ließ heute an der Börse osficiell erklären, daß die Revision der Troppauer Agentur abgeschloßen sei und die feststehende Verlustz ffer von 231,821 fl. ergeben habe. Bezüglich eines wetteren Betrages von 73,798 fl. habe die Untersuchung bisher noch nicht zu voller Klarheit gelangen können und müße die Frage, ob die Creditanstalt in diesem Falle noch Schaden treffen könne, als eine offene betrachtet werden.
England.
London, 31. December. Der „Standard" meldet aus Bombay vom 30. d.: Der Gouverneur von Kandahar bereitet eine energische Vertheidigung vor und ordnete eine Maßenaushebung der Einwohner an.
London, 31. December. In den Grafschaften Mittel-Schottlands sind in Folge des Thauwetters große Ueberfchwemmungen eingetreten. — Wie verlautet, werde der Großherzog von Hessen mit seinen Kindern demnächst zum Besuche der Königin in Osborne einmffen.
Glasgow, 31. December. Die erste Nachzahlung der Actionäre der City -os- Glasgow-.Bank ergab nur 800,000 Pfund Sterl. anstatt 2 Mill. Pfund Sterl.
Rußland.
Petersburg. Ueber die Verluste des russischen Heeres während des letzten Feldzuges werden folgende Angaben gemacht: Auf der Balkan-Halbinsel sind 129.471 Mann den Waffen des Feindes oder Krankheiten erlegen. 120,950 Mann sind als krank oder verwundet nach Rußland zurückgeschickt worden, von denen 42 950 gestorben sind. Die Gesammtzahl der Todten beträgt sonach 172,400 Mann, wobei die gleichfalls sehr schweren Verluste der Rußen in Kleinasien nicht mit in Rechnung gezogen sind.
Petersburg, 31. Decbr. Der Reichsrath hat die von dem Finanzminister vorgeschlagetwn neuen Lleucrraxen genehmigt. Dieselben betreffen, der „Agence Ruße" zufolge, eine Stempelsteuer, eine Liqueursteuer, eine Eisen- bahnbiüetsteuer und eine Steuer aus nicht aus Asien importirte Baumwolle. — In Astrachan ist eine starke Epidemie ausgebrochen.
Serbien.
Belgrad, 31. December. Die „Srbske Novine" meldet: Laut der Entscheidung des Kriegsgerichts zu Semendrta werden Prinz Peter Karageor- gevicS, der Sohn Alexander KarageorgevicS', und 6 andere Peisonen wegen eines geplanten Attentats auf das Leben des Fürsten Milan steckbrieflich verfolgt und die Mitwirkung der inländischen, sowie der ausländischen Behörden angerufen.
Türkei.
Konstantinopel, 31. December. Wiewohl die Ernennung Savset Paschas zum Botschafter in Paris in den letzten Tagen sehr fraglich geworden war, wurde dieselbe heute dennoch vollzogen-
Telegraphische Depeschen.
Wagner's telegr. Eorrespondenr-Bureau.
Paris, 1. Januar. Heute hat in Versailles und Paris der officielle Empfang dem Programm gemäß stattgefunden. Der Marschall-Präsident erwiderte auf die kurzen Ansprachen der Präsidenten des Senats und der Kammer mit Wünschen für das Gedeihen Frankreichs.
Petersburg, 1. Januar. Einem gestern in der Preobraschenski'schen Kathedrale abgehaltenen Gottesdienste zum Andenken an die im vergangenen Jahre vollzogene Ueberschreitung des Balkans wohnten der Kaiser, der Groß- sürst'Thronsolger, die übrigen Mitglieder der kaiserl. Familie, alle Generale, die höheren Officiere der Garde und der anderen, an der Ueberschreitung be- theiligten Truppen bei. Abends fand im Winterpalais Diner statt, zu welchem die Generale und die Stabsosficiere der Garde geladen waren. Der Kaiser hielt eine Ansprache, in welcher er der Tapferkeit der Gardetruppen gedachte und denselben seinen herzlichen Dank aussprach. Nach enthusiastischen Hurrahs wurden Toaste auf dis Wohl des Kaisers und der Armee ausgebracht.
— Im Jahre 1880 findet eine große nationale Ausstellung in Moskau statt. Dieselbe dürfte mit großen Feierlichkeiten verbunden sein, da fie mit dem 25jährigen Regierungs-Jubiläum des Kaisers zusammenfällt.
London, 1. Januar. Das „Reuter'sche Bureau" meldet aus Konstantinopel : Admiral Hornby hat Layard angezeigt, die britische Flotte werde am Donnerstag Abend in Jsmid eintreffen, weil die Verprootantirung bei Ar- taki auf Schwierigkeiten gestoßen sei. Das Gerücht, Layard habe die Flotte herbeigerufen, ist unbegründet.
— Die Liquidatoren der City-of-Glasgow-Bank erklärten, daß die erste Dividende, am 15 Februar zahlbar, 5 Schillinge betrage.
Kalkutta, 1. Januar. General Roberts sollte gestern mit einer kleinen Abtheilu. g Hazarpir verlaßen und in der Richtung auf Khost weiter vor- gehen. — Die bisherigen Versuche der Afghanen, in dem Districte von Khost eine Erhebung zu Stande zu bringen, waren erfolglos. — General Stewart hat den Weg durch den Gwojur-Paß auch für schwere Artillerie in Stand gesetzt. — Der Vormarsch gegen Kandahar 6fginnt heute durch den Gwojur- Paß und den Khojak-Paß. — Zuverlässigen Berichten nach ist die Besatzung von Kandahar nur drei schwache Regimenter stark, ohne Artillerie. — Das Gerücht, daß von Herat nach Kandahar Verstärkung abgeschickt sei, hat sich nicht besiät'at.
Konstantinopel, 1. Januar. In Folge des bedeutenden Sinkens des CourseS der Kaimes wurden zahlreiche Bäckereien geschloffen. Der Minister- rath hat den monatlich zurückzukaufenden Betrag aus 150,000 Livres erhöht.
Rom, 1. Januar. Der König hat gestern das diplomatische Corps in feierlicher Weise empfangen. — Das Amtsblatt veröffentlicht die Verlängerung der bisherigen italienisch-schweizerischen, italienisch-französischen und italienisch-österreichischen Handelsverträge bis zum 31. Januar.
Lokales.
Gießen, 2. Januar. Der „Verwaltungsbericht des Großherzoglichen Bürgermeister- der Prov.-Hauptstadt Gießen pro 1877" ist uns zugegangen. Der Raum unseres Blattes gestattet es nicht denselben vollinhaltig zu bringen, jedoch werden wir die hauptsächlichsten Daten aus dem Berichte unseren Lesern vorführen.
Der Bericht gedenkt zu Anfang des Hintritts Seiner Königl. Hoheit des Großherzogs Ludwigs III. und des Regierungsantritts Sr. Königl. Hoheit Ludwigs IV. Dem Wunsck, daß Hochderselbe „in ungetrübter Gesundheit zunx Wohle und Segen Seines Landes einer langen Regierung sich erfreuen möge", entsprechen die Monate November und December dieses Jahres leider nicht. — Nachdem des Hinscheidens des Stadtverordneten Herrn B. Körber gedacht und der Wechsel im Direktorium der Realschule und Besetzung mehrer Lehrerstcllen an derselben erwähnt wird, ersehen wir aus dem Berichte, daß im Jahre 1877 12 Bürgeraufnahmen stattfanden, wobei 6 Bewerber den Betrag von 50 JL zahlen mußten. Zur Berathung und Beschlußfassung über die der Stadtverordneten Versammlung während l8/7 überwiesenen Gegenstände — im Ganzen 921 — waren 42 Sitzungen erforderlich. Für die Erbauung der Realschule, welche in 1877 bezogen wurde, waren 264,691 <AL 58 H erforderlich. Nachdem die Erbauung der neuen Wieseck Brücke an der Reichensand'Babnhofstraße und derjenigen am Asterweg über den Schoorgraben erwähnt, ersehen wir daß im Jahre 1877 65 Prtvat-Gebäude gegen 62 im Vorjahre zur Verhandlung im Stavtvorstande gelangten. — Den Abschnitt über die Armenkasse lassen wir hier wörtlich folgen. Der Herr Bürgermeister berichtet:
Die Ansprüche an die Armencasse sind in stetem Steigen begriffen, indem namentlich die Nothwendtgkett der Unterstützung solcher Personen, welche vor kürzerer oder längerer Zeit von auswärts hierher gezogen sind und dahier ihren Unterstützungs-Wohnsitz erworben haben, in ungewöhnlicher Weise zunimmt. Es ist dies eine Erfahrung, welche die meisten Städte Deutschlands machen und ich kann bierbei die Bemerkung nicht unterdrücken, daß nicht allein in der Ungunst der Zeitverhältnisse, sondern zum großen Theil in dem Leichtsinne, mit welchem heutzutage Ehen geschlossen werden, die Ursache des Uebels zu suchen ist. Denn die Fälle sind keineswegs selten, in welchen junge Ehemänner nach kurzer Ehe ihre Familie ohne allen Grund verlassen und dem größten Elende preisgeben, obwohl sie bei dem Aufgeben oder der Einschränkung von Bedürfnissen, die sie sich in den Zeiten der Schwindelperiode angewöhnt haben und welche mit ihrer socialen Stellung in Widerspruch stehen, recht gut im Stande wären dieselben zu ernähren.
Für die Zwecke der Armenpflege wurden im Jahre 1877 aufgewendet:
1. von der Armencasse...... 30795 87
wozu ein Zuschuß von 11000 Jt. gegen einen solchen von 10000 Jl. im Jahre 1876 aus der Stadtcasse erfordert wurde,
2. von der Plockischen Stiftung . . 4122 JL 83
Der Vermözensstand der Armencasse betrug zu Ende des Jahres 1877:
a. Taxationswerth der Gebäude .... 50300 H
b. Taxationswerth der Güterstücke .... 78942 „ — „ c. Kapitalien........ 251865 „ 85 „
Summe 381107 JL 85 H


