Protokolls entsprechende Grenzlinie eintritt. Savfet Pascha verwies auf den Widerspruch zwischen den früheren und gegenwärtigen Erklärungen der griechischen Commifsäre und verlangte den Eintritt in die Discusflon über die wirkliche jenen Andeutungen entsprechende Grenzlinie. Nach einer Discusflon über die bestehenden Differenzpunkte wurde die Berathung verschoben.
Lokales.
Gießen, 1- November. Sebr enttäuscht wird wohl gestern Abend der Stromer gewesen sein, welcher von der Fensterbank eiyes Hause» in der Wetzsteingasse eine alte Turnerjack! mitgehcn hieß.
- Nicht nach Straßburg, sondern nach Pfaljburg im Elsaß ist Herr Accessist J rlt als Amtsrichter verletzt worden. Wir bitten unsere Notiz über die Generalversammlung bt8 Oberhess. Vereins für Lokalgeschichte im gestrigen Anzeiger gefi. dahin berichtigen zu wollen.
— Die 3 Maroerfrlle, welche kürzlich einem hiesigen Kürschner gestohlen wurden, sin) in Marburg aufgefunden worden. Ein dortiger Kürschner zahlte dafür 27 Der Dieb, eit Kürschner von Profession, scheint ein ganz abgefeimter Spitzbube zu sein, da er auch im Polizei Journal wegen Diebstahls von 40 anderen Fellen ausgeschrieben ist Derselbe hielt sich s. Z- hier unter falschem Namen auf und hat auch Marburg verlassen, ohne daß man weiß, woher er sich begeben.
— Heute Nacht wurden eine größere Anzahl Herren, welche Samariterdienste leistete^ wegen dabei begangener Ruhestörungen nottrt.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Correfpondenz - Bureau.
Darmstadt, 31. October. Die zweite Kammer hat den Verkauf der Main-Weser-Bahn an Preußen in namentlicher Abstimmung mit 31 gegen 17 Stimmen abgelebnt.
Darmstadt, 1. November. Der Großherzog ist gestern Abend von Enflland hier eingetroffen, nachdem er in Koblenz der Kaiserin einen Besuch abgestattet hat.
Berlin, 31. October. Abgeordnetenhaus. Der Finanzminisler legt den Etat pro 1880/81 vor. Die Einnahmen desselben betragen 720,712,391, die Ausgaben 726,319,741; letztere übersteigen die ersteren um 5,607,350. Das Deficit im Extra- ordinarium beträgt 42 Millionen. Der Minister bedauert diese Lage der Finanzen, weift auf die bereits erfolgte Hebung von Arbeit und Industrie hin und hofft auf baldige Besserung der Finanzen. Freilich seien Ueberweisungen aus den Neichsein- nahmen zu erwarten. Gleichwohl sei an Steuererlasse nicht eher heranzutreten, als bis das Gleichgewicht der Einnahmen und Ausgaben hergestellt sei. Er stehe aus dem Standpunkte der alten preußischen Traditionen, welche vor allem Ordnung und Sparsamkeit in den Finanzen erheischen, und sei gegen jede Luxusausgabe, obschon er keine Ausgabe verweigere, welche für das materielle Wohl und die Hebung des geistigen Lebens des Vaterlandes erforderlich sei. Die Finanzergebnisse des laufenden Jahres seien recht ungünstig; es sei ein Deficit von 8,744,514 zu decken. Man werde dazu eine Anleihe aufnehmen müssen. Alle Betriebseinnahmen hätten sich verringert, namentlich jene der Eisenbahnverwaltung des Ministeriums für öffentliche Arbeiten; doch seien diese Mindereinnahmen durch Ersparnisse gedeckt. Das Justizministerium hatte über 1 Million Mindereinnahme. Auch die ersten 6 Monate dieses Jahres wiesen recht erhebliche Mindereinnahmen auf, die sich in etwas durch Minderausgaben redu- cirten. Man mußte daher an den nächstjährigen Etat mit großer Resignation herantreten. Das Gesammtdeficit im Ordinarium und Extraordinarium betrage 47 Millionen die man durch eine Anleihe decken müsse. An sich habe die Finanzlage nichts erschreckendes; ihre Hauptursache bleibe die Verkehrskrisis und das Heruntergehen der Betriebseinnahmen. Der gegenwärtige Etat weise auch in den Betriebseinnahmen überall Mindereinnahmen nach, denen nur wenig Minderausgaben und Mehreinnahmen gegenüberstehen. Das Extraordinarium mit rund 42 Millionen erscheine hoch; es kämen aber auf die bereits begonnenen Bauten allein rund 23 Millionen. Die einzige hohe Ausgabe von rund 5 Millionen erfordere die Regulirung der Oder, Elbe, Weser und Weichsel, welche etwa 10 Jahre Zeit für jedes Jahr die gleiche Summe erheische. Dies sei aber jedenfalls eine produktive Ausgabe. Es sei auch eine Erweiterung des Canalnetzes tm Plane, für welche vielleicht eine Nachforderung beantragt werden mochte. 5 Millionen würden für Gerichts- und Gefängniß-Bauten gefordert; über 2 Million für Universitätsbauten; ebensoviel für das technische Unterrichtswesen. Es seibedauertich gewesen, andere Forderungen in erheblichem Umfange ablehnen zu müssen. Bezüglich der Reform des Steuerwesens habe die Verständigung wegen Verminderung der birecten Steuern bei etwaigen Ueberschüssen aus den Reichseinnahmen stattgesunden. Jedoch müsse durch die jetzige Zollgesetzgebung des Reiches eine formelle Aenderung des Gesetzes eintreten, welches im Februar zugesagt worden sei. Der Staat könne directer Steuern nicht entrathen; sie blieben der feste Kern der Staatseinnahmen. Die Vorarbeiten für die Reform der Steuern seien in Angriff genommen; die nächste Session würde bereits nach dieser Richtung Vorlagen bringen. Die Stempelsteuer von 1822, welche sich überlebt, bedürfe einer gründlichen Revision. Der Minister habe die Initiative hierzu ergriffen und fasse sie mit den Börsen- und Banksteuern zusammen. Bezüglich des Eisenbahnwesens habe die Regierung das lebhafteste Interesse daran, die Haupt- verkehrslinien in der Hand des Staates zu wissen. Im Augenblick der Gefahr des Vaterlandes ist dies unerläßlich. Dann habe d:e Regierung ein Interesse daran, die Eisenbahnvcrwaltung so zu leiten, daß sie lediglich dem Verkehr m Statten komme. Der Staatscredit werde und könne durch die Eisenbahnvorlagen nicht in Frage gestellt werden. Für die großen Summen, die man fordere, würden \a auch große Werthe gegeben, die das Staatseigenthum vermehrten. Der preußische Staatscredit beruhe nicht nur auf Zahlen ; er beruhe auf den Traditionen Preußens, auf der Nothwendigkeit daß Preußen seine Kraft für Deutschland erhalle; er beruhe auf dem Patriotismus der Einwohner des Landes. Die Verzinsung werde keine Schwierigkeiten machen, werde in regelmäßiger und sicherer Weise erfolgen, namentlich wenn sich der Verkehr wieder hebe. Der Minister rechne auf die vereinte Thätigkeit des Hauses, das Deficit zu beseitigen; er selbst werde sein Möglichstes dazu thun. (Beifall.) Ferner überreichte der Minister einen Nachtragsetat pro 1/< bis Vio 1879 betreffs Deckung von 2 (?) Millionen Mehrausgaben an Matrcknlarbeiträgen durch den Rest der französischer Kontribution; ferner die Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben pro 1878/79; endlich die Vorlage üoer die Verwendung der Ueberschüsse an ReichSeinnahmen zu Stmer erlassen; dieses Gesetz dokumentire die Kontinuität des Standpunktes der Regierung mit ihren vorjährigen Verheißungen. — Nächste Sitzung Dienstag.
Berlin, 31. October. Die Generalsynode nahm heute in zweiter Be- rathung der Trauordnung das Trauformular gegen die Stimmen der Linken meist nach den Beschlüssen der ersten Lesung an. Dieselbe genehmigte ferner en bloc das Kirchengesetz, betr. die Verletzung der kirchlichen Pflichten in Bezuß auf Taufe, Confirmation und Trauung. Hieraus folgte die Berathung der Druckschrift des Oberkirchenrathes, betr. den gegenwärtigen Stand der Stol» gebuhren-Angelegenheit.
— Der General-J rspecteur der Artillerie, General der Kavallerie, v. Pod> bielski, ist heute Nachmittag plötzlich gestorben.
London, 30. Octbr. Meldung des „Reuter'schen Bureaus" aus Simla vom 30. ds.: General Roberts erließ eine Procl'mation folgender Inhalts: Die Niedermetzelung der britischen Gesandtschaft und die Abdankung des Emirs Jakub Khan haben die britische Regierung veranlaßt, Kabul unt andere Tbeile von Afghanistan zu besetzen. Die afghanischen Behörden Häuptlinge und Sirdars werden aufgesor^ert, die Ordnung in ihren Dlstric- ten weiter aufrechtzuerhalten und sich mit General Roberts in Einoernehmer, zu setzen. Die Bevölkerung der besetzten Drstrtcte werde mit Gerechtigkeit uni Wohlwollen behandelt, die Religion und die Gewohnheiten der Landesbewohner geachtet, Loyalität und gute Dienste belohnt, dagegen alle Vergehen gegen die britische Verwaltung bestraft werden. Die Vorkehrungen für die permanent« Verwaltung des Landes werden nach Verständigung mit den Sirdars, Häuptlingen und Vertretern der Hauptprovinzen getroffen werden.
ÄtinaluS ®iu ertlären, welchem Antrag die Kammer stattgibt, so daß di- A»gel-g-n- n-tt aui die nächste Tagesordnung g-tetzt werden wird.
•ett folat nunmehr die Fortsetzung oer Berathung über die Vorlage Grohherzogl. -Aeiammtmtttis-riüms, den Berkaus des hessische» Anth-ilä an der Mam-Weier-Bahn an ©efammtmimi »„nächst erarent das Wort Staatsmmnter Freiherr von Starck, entschieden der Ansicht entgegenzutr.ten, daß die S-lbstständigk-it des Groß- &Sim§ burd) den vorgelegten Kaufvertrag eme Embuße erleide. — Abg. Wasser- fcura töricht sich in langen Ausführungen gegen die Vorlage aus, sowohl aus nfs nuS finanziellen Gründen. Dafür tritt Abg. Maurer em, der be- m'if die in ftolae des Verkaufs der Main-Weser-Bahn emtretenbe Vereinfachung NZaatshaus ätts Knw-ist - Abg. Rack- schließt sich den Ausführungen des Ä g. MaNerbürg an während Osann in delaillirter Weise den Standpunkt derMa>°rttar d^s Ausschusses darlegt und für seine Person bemerkt, er fei kein principicller Gegner des V-rkauss der Mam-Wescr-Bahn, doch scheine ihm d,° i-tzig- Zeit dazu nicht ge- eianet und ebenso die vorgeschlagenen V-rkaussb-dmgungen nicht annehmbar. Nicht -Zottelt solle man di- Eisenbahnen des Landes abgeben, weder an Preußen noch an das Reich sondern im gegebenen Augenblick, wenn es zur Forderung des Reichs diene, in ibrer G-sammth-it. - Wiederholt ergreift Ministerialrath Ftnsdas Wort um >n sLninirter Weise die mannigsach gegen die Vorlage erhobenen Einwande zu entkrasten nnd >u w-d« egen - Ab Schröder begründet seine m dem Majoritätsbericht be- rells mederaeleate Ansicht des Näheren; er erklärt ebenfalls kein pr>nc,p,eller Gegner des^Verkauss zu sein, den jetzigen Zeitpunkt jedoch für entschieden ungeeignet zu halten. ^r'^mifnrei§ und die Bedingungen des Verkaufs feien ihm nicht entsprechend und er nblic^ str dem Abgeben der Main-Weser-Bahn, eine Benachtheil^ung der Provinz Oberhes en und anderenStaatseigenthums. - Mmifterialprasident ^chlerermacher rcrr hpmprft beiuaneknnend auf verschiedene Äußerungen einiger Dorrender, für die lieaefflS rein 2lnla6 m>r, sich ihres Eigenthnms an der Main-Neckar- ^abn m0beae9ben während die Sache in Bezug auf die Main-Weser Bahn eine ganz ki - Abg. Metz ist dagegen, die Mam-Weser-Bahn um einen Preis abzu- tr Ln b r d-m wahren W-rth- des Kaniobjeets nicht entspreche. - Di- Sitzung wird «m l' Mr au? 3 Uhr Nachmittags vertagt. (Resultat siehe telegr. Dep.)
Berlin, 30. Oktober. Die Geueralsynobe setzte in ihrer heutigen Sitzung die Berathung der Trauoidnung fort und nahm bei § 8 ahn. 1, be» treffenb die Traufragen und Trauformeln, nach langer Debatte, die Trausra- aen nach den Commissions-Vorschlägen theils einstimmig, theils mit großer sfflaiorität an, ebenso die Trauformeln. Auch der fernere Antrag der Com- mKn wurde'genehmigt, wonach der Oberkirchenrath ersucht wird, die Fälle, in welchen auch bei der gegenwärtigen Trauordnung ein Geistlicher noch Ge- wisiensbedenken haben sollte, die Trauung als mit dem Worte Gottes nicht übereinstimmend vvrzunehmen, in einer das Gewisien des Geistlichen schonen- den Weise iu erledigen. — Der Gesetzentwurf über die Verletzung kirchlicher Vilickien wurde gegen die Stimmen der Linken en bloc angenommen. Ober- consistoriairath v. d. Goltz hatte sich im Namen des Oberkirchenratbs für die Commissionsanträge ausgesprochen. Die Anträge der Stolgebuhren-Commission werden genehmigt. Zu der Brandenburger Petition, betr. die Presie, wurde der Antrag des Grafen Bismarck-Bohlen in folgender von Herbst beantragter abgeänderter Fasiung angenommen: In Erwägung, daß die Generalsynode nickt in der Lage ist, auf die Petition aus Brandenburg betreffs der Presie wegen ihrer Allgemeinheit näher einzugehen, spricht dieselbe unter Anerkennung der Motive ihr tiefes Bedauern aus, daß eine weitverbreitete Presie entschieden antichristlicher Richtung auf unser Volk verderblichen Einfluß ausübt, und erklärt es als eine Pflicht aller Glieder der Kirche, diesem Einflüsse in jeder «Reife namentlich durch Förderung der die christliche Weltanschauung verire- tenden' Presie entgegenzuwirken. - Der Antrag Kalling: den eoang. Kirchen- ratb zu ersuchen, bei den laut Cabinetsordre vom 5. Februar 1855 von ihm ,u erstattenden Gutachten in Beziehung auf Bekenntniß und Lehre der anzustellenden Profesioren der Theologie den Generalsynodal-Vorstand gemäß § 36 (alin 5) der Generalsynodal-Ordnung jedesmal zuzuziehen, wurde schließlich mit dem Amendement Geß, an Stelle des Wortes „jedesmal" zu setzen „in
Regel", und zwar nur, wenn ein Bedenken bezüglich der kirchlichen Lehre vorliegt — zum Beschluß erhoben.
— Die hohe politische Bedeutung, welche der Ernennung des Freiherrn v Manteuffel zum General-Statthalter der Riichslande innewohnt, tritt täg. lich mehr zu Tage. Es ist ein Vertrauensposten allereisten Ranges, den der schneidige Freiherr bekleidet und seine Berusunz auf denselben steht sicherlich nickt außer jedem Zusammenhang mit den eigenthürnlichen politischen Strömungen, welche sich seiner Zeit in Petersburg und Paris bemerkbar machten. Es ist bekannt, daß zuerst eine hohe regierende fürstliche Persönlichkeit, der Grobherzog von Baden, in Aussicht für diesen Siaithalterposten genommen wurde Fürst Bismarck aber wußte seinem Wunsche Gehör zu verschaffen, daß Neldmarschall v. Manteuffel ernannt wurde; und in des Freiherrn Hand wurden dann überraschender Weise die höchste Ctvil- und Militärgewatt der Retchslande vereinigt. Freiherr v. Manteuffel ist mit den Bismarcksichen Jn- teniiouen in der hohen Politik wohl vertraut und bemerkenswerlb ist es gewiß, daß der junge Gras Bismarck in der nächste» Umgebung des General-Statthalters eine Stellung gesunden hat. Unwillkürlich drängen sich diese Betrachtungen wieder auf, wenn man in einer von der „Magdeb. Ztg." veröffent- lichten Correfpondenz aus dem Reichslande das Folgende liest: „Die fortwährende Verstärkung der französischen Armee ist bereits bisher nicht ohne Einfluß auf die Truppenverhältnisie im Reichslande gewesen, indem die hier disloeirten Truppen die Stärke von anderthalb Arrnee-Corps hatten; noch im vorigen Jahre wurden mehrere Regimenter aus Alt-Deutschland hierher in Garnison gelegt. Um aber gegen alle Möglichkeiten gesichert zu sein, geht die deutsche Regierung, wie ich höre, damit um, die Stretikräste in Eisaß-Lothrin- aen noch weiter zu vermehren. Die neuliche Generalstabsreije des G-neral- Feldmarschalls Grasen v. Molike nach dem Ober-Elsaß und dem Breisgau batte hauptsächlich den Zweck, diese Angelegenheit einer näheren Prüfung zu unterziehen. Von Anlegung eines dritten Bollwerkes zum Schutze des Ober- Elsaß ist man abgekommen; dagegen scheint beschiosien zu sein, die daselbst garnisonirenden Truppen zu verstärken. Von Colmar rheinauswärts sind nur 4 Bataillone Infanterie, und zwar in Mülhausen, vorhanden; es kann daher einem plötzlichen Angriff von Belfort her keine genügende Truppenmacht ent- gegengestellt werden." Wie bereits gesagt, beutet schon allein der Umstand, daß dem bewährten Feldmarschall v. Manteuffel neben der Civilautorität auch da« Oberkommando über die sämmilichen Truppen in Elsaß Lothringen über- tragen werden soll, daraus hin, daß man die militärische Sicherheit der neuen Provinz unausgesetzt im Auge ju behalten allen Grund hat. (Beil. Tgbl.).
Türkei.
Konstantinopel, 29. Oktober In der heutigen griechisch-türkischen Cvnserenz verlasen die griechischen Commisiäre eine Erklärung, welche für die jn der letzten Conserenz vorgeschlagene, den Andeutungen des bez. Congreß-
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