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Petersburg, 28. Februar. Nach einem imJournal de St. Pr-ters- bourg" veröffentlichren Berichte des Medicinalraths über den angeblichen Pest fall ist durch eingehendste Untersuchung unzweifelbast constatirt, daß Prokoffj^ff an syphilitischen GeschDÜren leidet ohne irgend ein Pestsymoton Die in ein Observations-Lokal übergesührten 48 Mstbearohner Pcokoffj ff's werden sofort entlassen.

Berlin, 28. Februar. Die Reichstags-Abgeordneten Tbilemus, Mendel, Löwe und Zinn haben, von zahlreichen Mitgliedern aller Fraktionen unterstützt, die Interpellation eingebracht: Ob die Reichsregierung dem Reichstage Mit­theilung machen wolle über die gegenwärtige Verbreitung der Pest, sowie üb r die bisher ergriffenen und etwa noch zu ergreifenden Maßnahmen zur Ver­hütung der Einschleppung der Seuche nach Deutschland.

Berlin, 28. Februar, Abends. Die Reickstags-Fraktion der Deutsch- Conservattven brachte den in erster Reihe von Ackermann, v. Helldorf und v. Seydewitz unterzeichneten Antrag ein, daß der Reichskanzler um Vorlegung eines Gesetzentwurfs betreffs Abänderung der Gewerbeordnung ersucht werde; dabei möge die Einschränkung folgender Gewerbe herbeigeführt werden: Gast und Schankwirthschaften, Schauspiel-Unternehmungen Kleinhandel mit Brannt­wein, Auctionen umherziehender Kaufleute (Wanderlag-r); ferner möge eine Aenderung des Titels 6 der Gewerbeordnung, betreffend die Innungen, erfolgen, welche sich aus die Gesellen- und Meister-Prüfung, Aussicht über die Fachschulen, das Lehrlingswesen, die Kranken-, Hülfs- und Invaliden' Kaffen erstrecke.

London, 28. Februar, Abends. Nachrichten aus der Cipstadt vom 11. zufolge hielten sich die gegen die Zulus aufgestellte \ britische, T uppen fortgesetzt in der Defensive, indem sie die verlangten Verstärkungen ab varteten. An der Grenze herrschte Ruhe. Die Boers im Tra isvaal-Lande weigern sich, den Engländern beizustehen.

Wien, 28. Februar. Meldung derPol. Corr." Aus Bukarest, 27. ds. Es bestätigt sich, daß Arab-Tabia am zweiten T;ge nach der rumänischerseits geschehenen Räumung von den Ruffen besetzt ward.

Lokales.

Gießen, 1. März. (Sitzung der Stadtverordneten am 27. Februar.) Anwesend: Herr Bürgermeister Bramm, die Herren Beigeordneten Keller und Heß; von Seiten der Stadtverordneten: die Herren Bai st, Gail, Grüneberg, Hanstein, Hoch, Hom- berger, Kauf, Lüdeking, May, Ad. Noll, Aug.Noll, Pfannmüller, Scheel, Schopbach, Wenzel und Wortmann. Der erste Punkt der Tagesordnung, Gesuch um Errichtung eines Grabdenkmals, sowie ein ferneres um Erweiterung eines Erbbegräbnisses finden die Zustimmung der Versammlung. Gleichfalls wird Herrn Jakob Steinbach die Erbauung eines Stalles, Herrn Wilh. Köhler I. die Erbauung einer Werkstätte und Frau Uhr. Löb er I. Wtttwe die Erbauung eines Hofthores gestattet. Beschwerderi über den Zustand der steinernen Treppe auf dem Kreuz, sowie auf dem Asterweg, veranlaßte eine Unter­suchung derselben. Diese ergab, daß der Zustand derselben für nicht gefährlich erkannt wurde, daß dieselben in ihrem seitherigen Bestände erhalten bleiben sollten und baß höchstens die Treppe am Asterweg einer Renovation durch Verlegung einiger Tritte unterzogen werden dürfte. Von Beseitigung der letzteren Treppe müsse vorech abgesehen werden, bis der Straßenbau im Gart- feld weiter gediehen sei. Veranlaßt durch den neulichen Unglücksfall am Bruchgraben, wo ein Fortbildungsschüler beinahe ertrunken wäre, beschließt die heutige Versammlung, daß an der Brücke über den Bruchgraben an der Ludwtgsstraße ein Geländer angebracht, eine Laterne auf­gestellt und eine Barriere errichtet werde. Die Polizeiverwaltung macht in einer Eingabe an die Stadtverordneten geltend, daß die Beleuchtung der Stadt nach Mitternacht eine völlig ungenügende sei und daß die Ausübung des Dienstes ungemein durch die in manchen Straßen herrschende Ftnsterniß erschwert sei. Beispielsweise sei in der Sandgasse vor dem Arrestloeal gar keine Laterne und könnte die Schutzmannschaft beim Verbringen eines Arrestanten nach dem Haftlocal aus einem Hinterhalt überfallen, der Gefangene befreit werden ohne daß man den Angreifer erkennen könne. Der städtische Laternenaufseher bestätigte auch in einer Zuschrift de« Mangel an Licht nach Mitternacht und gab positive Vorschläge, welche Laternen weiter «ach Mitternacht zu brennen hätten. Die Gasfabrik stimmte mit den vorstehenden Eingaben ibeietn und genehmigte demzufolge die heutige Versammlung, daß für die Folge weitere 23 Laternen nach Mitternacht zu brennen hätten. Die Arbeiten für Aufstellung von vier neuen Laternen auf dem Seltersberg im Betrage von 108 JL sollen aus der Hand vergeben werden. Das Gesuch des Herrn Ehr. Petri III. um Ueberlassung eines Schulsaales in der Schulstraße zwecks Abhaltung von Zeichnen-Unterricht an Sonntag Vormittagen wird mit 10 gegen 9 Stimmen nach dem Antrag der Bau-Deputation abgelehnt. Gleicherweise wird in demselben Betreff das Gesuch der Herren Klein und Volz behandelt Herr Pfarrer Schlosser will auch dieses Jahr, wie im vorigen, Passionsgottesdienst in der Hospikalkirche abhalten und wird dem betr. Ansuchen nicht nur für dieses Jahr sondern auch für die Folge tncl. Heizung der Kirche stattgegeben An zwei würdige Armen werden zwei Pfründen der Plocktschen Stiftung vergeben. Mehrere Bewohner des Gartfelds bitten um Entwässerung des Terrains der früheren K a tz en st ein 'schen Besitzung und Ableitung des Waffers nach der Lahn. Die Bau-Deputation ist jedock der Meinung, daß dies Sache der betr. Hauseigenthümer sei und daß die Stadt keine Veranlassung habe für Entwässerung von Grundstücken zu sorgen, welche tiefer als die Straßenstrecken liegen. Dieser Ansicht pflichtet die Versammlung bei. Die Verbindungsstraße zwischen Reichensand und Neustadt, im Volksmunde derSchipka-Paß" benannt, soll demnächst hergestellt werden und genehmigt die Versammlung den Voranschlag hierüber mit 9,145 JL Ein in einemEingesandt" in diesem Blatte ausgesprochener Wunsch, betreffend Beseitigung eines Grabens, wird mit dieser Herstellung erledigt. Als Experte zur Expropriation des Jer. Friebel'scken Hauses auf dem Reichensand war auch Herr Fr. Müller 1. von Seiten der Stadt bestimmt Großh. Kreisamt giebt zu erwägen ob nicht an dessen Stelle vielleicht ein Bautechniker zu substituiren sei. Die Versammlung verharrt jedoch auf ihrer ersteren Ansicht. Verschiedenes kleinere Gehölz auf dem früher Ruckstuhl'schen Ztmmerplatz auf der Schoor wird zum Preise von 3 JL aus der Hand vergeben. Großh. Ortsgcricht bedarf zur besseren Verwahrung von gepfändeten Sacken ein passendes Pfandlocal als das seitherige. Die Stadtverordneten vcrwilligten vom 1. Januar an schon das frühere Pfandhaus, welches seither an Herrn Rosenthal als Fruchtmagazin vcrmiethet war. Da dasselbe aber bis heute noch nicht geräumt ist, so soll Herrn Rosenthal aufgegeben werden das Local unfehlbar bis 15. März zu räumen, anderenfalls gerichtliche Schritte eingeleitet würden. In der Stadtmädchenschule in der Neustadt sind durch Einricktung des Tonnen- fystems defekte Stellen am Dache entstanden, wodurch das Wasser in die Aborte eindrang. Nach einem Voranschlag betragen die Reparaturkosten hierfür 47 Jfc, welche von der Versamm­lung genehmigt werden. 6 Straßenkreuze sollen, da der Voran>chlag pro 187n solche schon vorgesehen, jetzt nunmehr gepflastert werden. Zwecks Einfriedigung der neuen Anlage sollen versuchsweise einzelne Stellen mit eichenen Pfählen und gespanntem Drahte umgeben werden. Eine sehr lebhafte Discussion bildete pos. 21 der Tagesordnung:Straßenübersckwemmung bei Hochwasser der Lahn und Wieseck." Wie ichon in unserem letzten Referate erwähnt, hatte der Herr Bürgermeister den Herrn Stadtbaumeister beauftragt eine gutachtliche Aeußerung über die letzte Kalamität zu erstatten. Dieses Gutachten lautet nun wie folgt:Das vom 7. bis 12. d. Mts vorgekommene außergewöhnlich hohe Aufsteigen des Wassers innerhalb der Stadt hat seine Ursacke in der außergewöhnlichen Hockfluth der Lahn und der Wieseck,' indem für die ungeheure Wassermasse das Lahnbett bei Weitem nicht ausreichle und somit eine andauernde Stauhöhe eintrat, während welcher der tiefliegende Binnentheil der Stadt abgeschlossen werden mußte. Wenn nickt widerlegt werden kann, daß das Grundwasser unter der Lahn und Wieseck mit demjenigen unter der Stadt in Verbindung siebt, so ist wohl einleuchtend, daß der enorme Druck des äußeren StauwasserL sich auf das Grundwasser in der Stadt äußerte und dieses in den lockeren Erdschichten, in den Brunnen re. in die Höhe trieb. Hierzu kam noch das in der Nacht vom 9. aus 1 . er. gefallene Regenwasser, sowie das während 5 Tagen aus den Brunnen entnommene und ebenfalls In dem circa 620,000 Quadratmeter großen Binnentheil der Stadt verbliebene Verbrauchswasser. All dieses Wasser konnten die Stadtkanäle und der Schoorgraben, die zusammen circa 34,000 Cubikmeter fassen, auf obige Zeitdauer zweifelsohne nicht aufnehmen; sie mußten unbedingt in Die Straßen und Gehöfte übersteigen. Die Stadt bei anhaltenden Hochfluthen vor ähnlichen Calamiiäten nachhaltig zu schützen, erachtet der Unterzeichnete nicht für erreichbar; denn ein Tiefer- und Breiterschneiden des LahnbetteS mit

Herbeiführung eines rascheren Gefälles durch Schleifen von Wehren kann wegen der uner­schwinglichen Kosten und sonstigen damit verbundenen Schwierigkeiten nicht in Aussicht gestellt w-rr-n. Obn° 8U itunftanflalten zu greifen tonnte übrigens dem Stabtrinqgraben ein Ekücher W-merzufluß dadurch entzogen werden, daß man da« längs der Neuen Anlage

Quadratmeter Fläckenraum sich sammelnde Regenwaffer nebsi dem in 22 Hofrmthen dafelbsi sich ergebenden Verbrauchswaffer in Räbreu der Wieseck -u- fubrte. Sodann wäre bei weiteren Straßenbauien >c. stets darauf Bedacht zunehmen, daß das Einleiten von Wasser in den Sckoorgraben möglichst vermieden werde Sttef Die Bau-Deputation ist mit den Ausführungen des Staotbaumeisters nicht in allen Punkten einverstanden; sie beantragt heute nun, daß an verschiedenen Stellen der Lahn und Wieseck und tnnerhali der Stadt Pegel zur genauen Messung des Wassersiande« angebracht werden migen, sowie daß bei Neubauten die Zuführung von Abfallwafler nach der Stadtback »u vermeiden sei etient. solches der Wieseck zuaefübrt werde. Es entspinnt sich nun eine längere Debatte über diesen Passus. Der Herr Bürgermeister bemerkt, daß der Stadtbaumeister sich von dem richtigen und rechtzeitigen Schließen der betreffenden Schleusen überzeugt habe. Herr May bemerkte daß durck Anlagen in der Schwarzlach das Wasser nach der Stadt zu geführt werde, während früher dasselbe direct nach der Labn geflossen sei Das ganze Wasser vom Rodberg über­schwemme die Schwarzlach und ergösse sich in den Schoorgraben. Herr Wenzel erläutert ein Proj-ct, wie man durch einen Canal, resp. Erweiterung der Lohmühlsbach, das Wasser oberhalb des Peppler'schen Webres nach dem Hesseler zu leiten und dadurch den niederen Tbeil der Stadt weniger in Gefahr bringen könne. Herr Kauf meint, daß neuere Ursachen den hoben Wasserstand in der Stadt bedungen hätten. Eine Schleuse sei, nach Angabe des Herrn Gail, nicht tief genug beruntergelassen worden und könne dadurch in einem Zeiträume von 4-o Tagen wohl eine große Wassermasse in die Stadt fließen. Das Wasser vom Rodberq, entgegnete er Herrn May, fließe nicht nach der Stadt, sondern direct nach der Lahn- Haupt, sacke sei für die Folge, daß für richtige und pünktliche Schließung der Schleusen Sorge ge­tragen werde. Herr Heß legt den Schleusen nickt viel Werth bei Die Lehmschicht um unsere Stadt sei durch die vielen Neubauten und das Graben von Brunnen zu sehr durchlöchert und dem Eindringen von Wasser zugänglicher gemacht worden. Herr Kauf gibt zu bedenken, ob es angesichts des hohen Wassers, nicht räthlicher sei, wenn der Schoorgraben am Lony'schen Bierkeller offen bliebe, anstatt zufolge Stadtverordnetenbeschlusses bei Neubauten überbrückt zu werden. Das Wasser würde dadurch noch mehr nach der Stadtseite gedrückt. Herr Gail begründet seine Ansicht, betreffend das Nichtherunterlassen einer Schleuse. Er habe Einschnitte an der Schleuse gemacht und anderen Tages gefunden, daß diese Einschnitte vier Zoll höher gewesen seien als Tags zuvor. Bei der zweiten Besichtigung sei die Schleuse vollständig ge­schlossen gewesen. Man möge für die Folge für richtiges Schließen Sorge tragen und zuver­lässige Leute damit betrauen. Herr Ad. Noll kann nicht glauben, daß das Wasser durch eine Rinne von 4 Zoll in solcher Masse in die Stadt eindringe Herr Aug. Noll stimmt der Ansicht des Herrn Heß zu; auch glaubt er, daß durch den Eisenbahndamm das Wasser höher gestaut werde; Herr Pfannmüller will das Nivellement von Lahn und Wieseck ober- und unterhalb und des Wassers innerhalb der Stadt wissen; der Herr Stadtbaumeister erklärt, daß wobl öfters Messungen gemacht worden, jedoch die Zahlen noch nicht ausgerechnet seien. Herr Gail giebt noch ferner den engen Durchlässen an der Heuchelheimer Chaussee viele Schuld; ber Staat habe hierbei zu svarsam verfahren und er hofft, daß durch die Parcellenvermessung vielleicht Abhülfe geschafft würde. Ferner würde ein aufmerksamer Schleusenwärter die Sache anders anfangen, als es hier geschehen fei. Zuerst müsse die Eingerinnschleuse heruntergelassen werben und tm Falle das W'sser an der Ausgerinnschleuse steige, müsse dieselbe erst hier ge­schlossen werden. Herr Bai st giebt der Wieseck hauptsächlich die Schuld, dieselbe fließe nicht rasch genug ab; man müsse das Bett der Wieseck oder Lahn tiefer legen, allein dies verursache wieder zu viele Kosten. Herr Hornberger erklärt, daß nach der Lage unserer Stadt eine Abhülfe vor Wassersnotb nicht möglich sei. Die Hochfluth sei eine natürliche gewesen; es zeige dies auch die Betriebsstörung der Wain-Weser-Bahn bei Marburg, welche seit dem Bestehen der Bahn noch nicht eingetreten wäre. Herr Ad. Noll pflichtet Herrn Hom berg er bei, con- statirt jedoch einen Dammbruch der Weser-Babn bei Marburg; im Ucbrigcn ist auch er der Ansicht der Bau-Deputation, daß Pegel zur Feststellung der Wasserböhe errichtet werde«. Da Schluß der Debatte beantragt ist, schreitet man zur Abstimmung über den Antrag der Bau- Deputation und wird derselbe angenommen und außerdem noch bestimmt, daß dem Bautechniker Herrn Mittäter speciell die Schleusen unterstellt werden und daß nach dessen Anordnungen zu verfahren sei. Im Anschluß an die vorstehende Discussion wird Punkt 22 der Tages­ordnung, die Ein« und Ausgerinnschleusen betreffend, dahin erledigt, daß das defecte Mauerwerk an denselben ausgebessert werden solle. Eine von Herrn Loui« Köhler vorgelegte Zeichnung über Bau und Construction von Schleusen wird der Bau-Deputation zur Beschlußfassung darüber überwiesen. Punkt 23 der Tagesordnung fällt aus. Die Erbauung eines öffentlichen Schlachthauses, heute die Platzfrage, veranlaßte auch hier wieder eine lange und lebhafte Debatte. Es sind drei Eingaben an die Stadtverordneten in diesem Betreff etngelaufei. Die erste von Herrn Bierbrauer Fries worin er seine Brauerei nebst Gelände zur Erbauung des Schlachthauses offerirt, wird abgelehnt. Die zweite Eingabe erfolgte von Seiten deS Herrn Hanstein. In derselben wirb hervorgehoben, daß er, veranlaßt durch den letzten hohen Kaffer« stand, zu der Ueberzeugung gelangt sei, der Platz, wo das Schlachthaus hingestellt werden solle, sei zu tief gelegen und daher zwei Fuß unter Wasser gestanden. Er beantrage Aufhebung deS früher gefaßten Beschlusses über die Platzfrage und Aufstellung des Schlachthauses rechts der Lahn in die Nähe des Wallenfelö'schen Petroleumlagerö und des Lohmüblsbacks. Es sei auch im Interesse der Metzger, wenn das Schlachthaus nicht zu entfernt läge und solle man diesen Leuten Recknung tragen. Er beantrage ferner, daß zur Platzfrage mehrere Metzger herangezogen werden möchten Dem gegenüber constatirt der Herr Bürgermeister, daß die Metzger fich von jeher ablehnend gegen die Erbauung eines Schlachthauses verhalten hätten und aus diesem Grunde seien sie auch nicht zur Platzfraae herangezogen worden; etwas Anderes sei es mit den inneren Einrichtungen im Schlachthause, hier sollten Sachverständige gehört werden. Die dritte Eingabe über die Platzfrage ist von Herrn Louis Köhler, welcher das Schlachthaus entweder rechts ober links vor der Lahnbrücke bingestellt wissen will. Durch längeren Aufent­halt in Amerika und Kenntniß von dortigen großen Schlachthäusern glaube er seine Aeußerung kundgeben zu dürfen Die Bau-Deputation ist nun erstens für Ablehnung des Köhler'schen Projectes und stimmt die Versammlung diesem bei; sodann widerlegt die Bau-Deputation im Einzelnen die Ausführungen des Herrn Hanstein. Das Project des Schlachthauses und der Platz, wo dasselbe errichtet werden solle, sei schon im Jahre 1874 am 30. Juni entstanden und die Platzfrage gründlich erörtert worden; auch habe Großb. Kreisamt seine Zustimmung hierzu ertheilt; ferner müsse an der von Herrn Hanstein angeführten Baustelle aufgefüllt werden, ebensogut als an dcr einmal beschlossenen. Herr Hanstein behaupte, daß die Communal- steuern dieses Jahr einen Aufschwung von 25% erfahren hätten, diese« sei nicht wahr, es feien nur 18%; die Straßen Anlage nach dem Hamm mit Durchbrechung des Eisenbahndamms sei so wie so vorgesehen und wenn auch noch nickt beschlossen, so doch in nächster Zeit spruchreif. Die Bau-Deputation erkennt sodann noch die ferneren von Herrn Hanstein angeführten Motive für nicht zutreffend und beantragt, auf dem einmal gefaßten Beschlüsse zu verharren. Nach ver­schiedenen längeren und kürzeren Reden pro und contra, wird, nachdem auch hier Schluß der Debatte beantragt worden, der Antrag der Bau-Deputation mit allen gegen die Stimme des Antragstellers angenommen, lieber eine noch eingelaufene Eingabe von mehreren Metzgermeistem, welche bitten, das Schlachthaus nickt zu weit von der Stadt zu erbauen, wird zur tage«- Ordnung übergegangen. Verschiedene Kostendecreturen werden noch genehmigt und vertagt sich sodann die öffentliche Sitzung in eine geheime. a.

Gießen, l. März, (ßonccrtücreln.) In dem nächsten Concerte, Sonntag den 9. März, werden Hqydn'S eSz eiten zur Aufführung gelangen. Für die Soloparti een

sind tüchtige Kräfte gewonnen, auswärtige Künstler werden das Orchester verstärken; die Chöre werden mit Fleiß und Begeisterung geübt und so sehen wir mit Freuden der Aufführung des reizenden und großartigen Tonstückes unseres genialen Altmeisters der classischen Musik entgegen. Ausführlicheres in einer der nächsten Nummern unseres Blattes.

Im Laufe der nächsten Woche wird der Magier Herr Dr. Mljalba FrikeL iu hiesiger Stadt mehrere Vorstellungen schwarzer magischer Experimente ohne Apparate, Tische und Diener geben. Der Rhein. Westph. Zeitung entnehmen wir Folgendes über den Magier: Der unbestritten größte der jetzt lebenden Herrscher im Reiche der Magie, Dr. Wiljalba Frikell, dem sogar in Meyer'« Converiations-Lextkon neben Bosco und Professor Döbler eine Stelle emaeräumt ist (s ArtikelTaschenspieler") hat auf feiner Kunstreise auch unsere Stadt besucht und wird im Saale des Kölni'chen Hofes Vorstellungen geben. Nach einer langjährigen Ruhe pause ist er wieder in die Oeffentlichkeit getreten, weßhalb er ber jüngeren Generation nicht mehr bekannt sein dürfte. Leute, die ihn vor Jahren gesehen haben, rühmen ihm eine außer­ordentliche Meisterschaft nach, welche die Taschenspielerei zu einer wahrhaften Kunst erhebt. Ueberafl waren bisher die Vorstellungen des Herrn Dr. Frikell außerordentlich stark besucht und fanden lebhaftesten Beifall. Wir zweifeln nicht, daß er auch in unserer Stadt den gleichen Erfolg haben wird.

Ein Schornsteinfeger, welcher zeitweilig auch das Geschäft als Vogelsteller zu be­treiben scheint^ unter seinem Hut hatte er gestern Abend 3 Lerchen verborgen mußte wegen grober Ruhestörung verhaftet werden und hat zudem noch eine Anzeige wegen Thierquilerei zu erwarten.