des Gewerbefleißes, des Handels, Verkehrswesens und der schönen Künste den Beweis seiner Anerkennung ihres Werthes und seiner schirmenden . ünorge zu geben. Er freue sich des seltenen großartigen Schauspiels und spreche im Voraus der Gemeindevertretung, den genialen Künstlern, den Gesellschaften Genossenschaften, Corporat'.onen und einzelnen Persönlichkeiten, endlich sämmt- lichen Thetlnehmern des Fepzuges seinen und der Kaiserin herzlichen Dank aus.
— Kronprinz Rudolf ist heute in Begleitung des Prinzen Leopold von Bayern und des Naturforschers Brehm nach Spanien abgereist.
Frankreich.
PariS, 28. April. Im Departement Drome ist gestern ein Bona- parttst zum Deputirten gewählt worden. Von 50 Generalräthen, die ihre Ansichten über Ferry's Unterrichts-Gesetzentwürfe kundgaben, sprachen sich 30 gegen und 20 für dieselben aus.
Italien.
Nom, 28. April, Abends. Die Deputirtenkammer nahm mit 192 gegen 25 Stimmen die mit Deutschland und der Schweiz abgeschloffene Addi- tional-Convention zum Gotthardbahn-Vertrage an.
Spanien.
Madrid, 29. April, früh. Die Infantin Christine ist gestern Abend gestorben. Der König reift heute nach Sevilla ab.
Aegypten.
Kairo, 28. April. Man glaubt hier, daß die Commiffare zur Con- trole der egypttschen Schuld vor dem Gericht das Decret, betr. das neue Finanzproject, angreifen wollen.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'- telegr. Correspondenr-Bureau.
Wien, 29. April. Die „Polil. Corresp." meldet aus Tirnowa: Nachrichten aus Ostrumelien stellen der Aufnahme Aleko Pascha's kein besonders günstiges Prognosticon; dieselben stgnaltsiren Agitationen zur gewaltsamen Zurückweisung jedes türkischen Einmarsch-Versuches und zur Verjagung Aleko Paschas.
Berlin, 29. April. Die Besitzer sämmtlicher Schtffsbauwerften in den Ostseeplätzen haben eine Conferenz nach Berlin zusammenberufen, um gegen die Zollprojecte Protest zu erheben. Während nämlich nach dem Entwurf eiserue Schiffe zollfrei eingehen sollen, ist auf das Material ein Satz von 30 Jt. pro Tonne vom Bundesrath vorgeschlagen. Es bedeutet dies eine Vertheuerung beispielsweise einer mittleren Corvette um 4000 bis 5000 JL und damit vollständige Vernichtung des Exports, der namentlich aus dem Gebiete des Schlff- daues in den letzten Jahren recht lebhaft war. Die Jntereffenten verlangen keinen Schutzzoll für fertige Schiffe, sondern werden voraussichtlich um Ablehnung aller Eisenzölle bei dem Reichstage petüioniren. — Der engere Ausschuß des deutschen Landwirthschastsraths erklärte sich für die Herabsetzung des Rohetsenzolles auf die Hälfte.
London, 29. April. Das „Reuter'sche Bureau" meldet auS der Capstadt vom 8. d.: General Pearson ist mit der Garnison von Ekowe am Tugela-Fluffe angekommen. General ChelmSford, von dem Generalstabe begleitet, befindet sich auf dem Wege nach Durban. Wie verlautet, haben die Zulus Ekowe besetzt. Es geht das Gerücht, König Cetewayo habe sich jenseits des Umvolost-Fluffes zurückgezogen. Das Gerücht, die Boers würden Sir Bärtle Frere als Geißel zurückhalten, ist bis jetzt unbestätigt geblieben.
Tirnowa, 29. April. In der Rede, mit welcher Fürst Dondukoff- Korsakoff die neue Notabeln-Versammlung eröffnete, sagte er, der Kaiser wünsche, daß kein russischer Unterthan gewählt werde. Fürst Dondukoff empfahl den Exarchen zum Vorsitzenden. Die Rede wurde mit lebhaftem Beifalle aufge- nommen. Alle Commiffarien der Mächte, mit Ausnahme des türkischen, unterzeichneten das Protokoll und verließen sodann mit dem Fürsten Dondukoff den Sitzungssaal. Die Versammlung erwählte den Exarchen zum Präsidenten, ernannte das Bureau und schritt dann in geheimer Sitzung zur Wahl eines Fürsten.
Paris, 29. April. Die „France" schreibt, es seien in officiöskr Form Schritte bei der französischen Regierung gethan worden, dahingehend, daß Letztere die Attentate und Complote gegen die gesellschaftliche Ordnung als gemeinsame Verbrechen beurtheilen laffe. Diese Schritte seien aber ohne Erfolg gewesen.
Wien, 29. April. Der Herausgeber der „Neuen Fr. Pr.", Michael Etienne, ,st plötzlich gestorben.
Tirnowa, 29. April, Mittags. Der Prinz von Battenberg wurde einstimmig durch Acclamation unter dem Namen Alexander I. zum Fürsten von Bulgarien gewählt.
Berlin, 29. April. Der „Reichs-Anz." meldet: Der Kronprinz des deutschen Reichs hat als Protector der Kaiser-Wilhelm-Spende den wirklichen Geheimen Rath Schuhmann zum Präsidenten des Aufsichtsraths desselben ernannt.
London, 29. April, Abends. Oberhaus. Bateman beantragt eine Resolution zu Gunsten der Reciprocität bei zukünftigen Handelsverträgen und wegen Untersuchung der Ursachen deS Nothstandes beS Handels. Beacons- field bekämpft die Resolution: Reciprocität sei unmöglich wegen der zahlreichen bestehenden Handelsverträge. Die Untersuchung sei zwecklos ohne' ein bestimmtes Ziel. Gr glaube, der Handel werde wieder lebhafter. — Der Antrag Bateman's wird ohne Abstimmung verworfen.
— „Times" meldet: Gouverneur Wolseley kehrt Anfangs Mai von Cypern zurück.
Washington, 29. April. Die Botschaft des Präsidenten Hayes, mit welcher er gegen das vom Repräsentantenhaus vottrte Armee-Budget sein Beto einlegt, ging am Dienstag dem Hause zu; der P, äsident begründet das Veto damit, daß das Haus dem Budget gewiffe Artikel hinzufügte, die sich auf die Anwesenheit von Bundestruppen an Wahlorten bei der Präsidentenwahl bezögen. ________________________________________
Die Silber-Hochzeit in Wien.
„Es giebt nur a Kaiserstadt, 's flieht nur a Wien", — so sinflt das Volkslied und dieses Wien gehörte in den letzten Tagen voll und ganz seinem Kaiserpaare. So
sehr auch die Nationen und Natiönchen, welche den österreichischen Kaiserftaat bilden, sich befehden, Wien betrachten sie sämmtlich als ein Sluck Gemeingut So nahten fi ch denn aus allen Theilen und Gauen des oieliprachigen Kaiserreichs ehrfurchtsvoll die Unterthanen, um an den Stufen des kaiserlichen Thrones ihre Huldigungen niebei- zulegen. Der Unterschied der Nationalitäten, der politischen Richtungen und der Glaubensbekenntnisse schweigt und das Herz Aller schlägt dem Monarchen entgegen, der die silberne Hochzeit mit seiner Gemahlin Elisabeth feiert. Von Privatleuten und Vereinen, von Corporationen und Behörden, von den Staatsmännern, Cablncten und Höfen gehen dem kaiserlichen Jubelpaare Glückwünsche, Huldigungen und Spenden aller Alt zu, ein Feensestspiel wurde ausgesührt, dessen Pracht an die Märchen von Tausend und Eine Nacht erinnerte, in allen Kirchen wird von Millionen für das Leden und das Glück des österreichischen Kaiserpaares gebetet.
Es war im Jahre 1853, am 18. August zu Ischl, als der jugendliche Kaffer von Oesterreich auf einem Hosball die baierische Prinzessin Elisabeth, eine Tochter der Herzogin Max von Baiern, besonders auszeichnete. Tags darauf fand die Verlobung, am 24. April 1854 die Vermählung in Schönbrunn statt. 25 Jahre sind verflossen! In diesem Zeitraum wand das Glück wohl manche Strahlenkränze um den Thron des Jubilars, aber auch gewaltige Stürme und Ungewitter hat des Schicksals Ungunst über ihn dahingeführt. Schlag auf Scklag traf Oesterreich? Politik, bis ihr int Osten eine neue Sonne auszugehen scheint. Das Unglück aber erwies sich als ein guter Kitt für die unruhigen Völkerschaften des Staats. Und unwandelbar, von den Volkern wie em Genius verehrt, blieb die Kaiserin Elisabeth ihnen ein Engel an Huld und Milde, ein Vorbild jeder Tugend, ihrem Gatten die liebevollste Gemahlin, die ihm mit einem glücklichen Familienleben Heil und Segen schuf. Die Hochherzigkeit und der Seelenadel des hohen Paares haben ihm die Herzen der Völker gewonnen, und freudig und aufrichtig ertönt in Oesterreich der Ruf: Gott erhalte Franz Joseph, den Kaiser, und seine hohe Gemahlin Elisabeth!
Durch die Einmüthigkeit und die patriotische Begeisterung, welche das gesammte Oesterreich bei diesem Anlaß bekundet, gewinnt das Fest eine politische Bedeutung. Nach langen Zwisten feiert Oesterreich wieder einmal seine Zusammengehörigkeit. An der Thorschwelle von Wien sind alle nationalen Eifersüchteleien, aller Hader der Provinzen stehen geblieben. An sein ganzes Volk konnte das Kaiserpaar die erhebenden Worte der Anerkennung richten, aus denen seine offene Freude sprach, so viele Beweise der treuen Anhänglichkeit entgegennehmen zu können. In Leid und Freud hat Wien und der Kaiserstaat der Dynastie Liebe und Treue bewiesen, — und mit solchen That- sachen, welche die Einigkeit Oesterreichs bekuiiden, hat auch die Politik zu rechnen; sie machen die Freundschaft dieses Staates auch für Deutschland, welche sich in jüngster Zeit oft bekundet und praktisch bewährt hat, werthvoll. Und in diesem Sinne entbietet auch das deutsche Volk dem österreichischen Herrscherhause, welches so nahe Fa.nilienbande mit Baiern, dem Staate, dessen Initiative den Grundstein zum deuffchen Reiche legte, verbinden, seinen aufrichtigen Glückwunsch dar.
Lokales.
Gießen, 30. April. Vom Reichskanzler Fürsten von Bismarck ist nachstehende Zuschrift an Se. Erlaucht ven Grafen zu Solms-Laubach eingetroffen: Berlin, 25. April 1879. Eure Erlaucht wollen für die Adreffe des conservativen DeremS in Oberhesien, welche Sie die Güte hatten, mir zu übersenden, meinen verbindlichsten Dank entgegennehmen. — Die zahlreichen und competenten Unterschriften der Erklärung bestärken mich in der Hoffnung, daß es gelingen wird, die angestrebten Reformen zum Zwecke der Hebung unseres nationalen Wohlstandes zu verwirklichen v. Bismarck.
- In der Woche vom 20.—26. April ereigneten sich in hiesiger Stadt im Ganzen 8 Todesfälle. Von 4 Erwachsenen starben 3 an Lungenschwindsucht, 1 an organischem Herzfehler. Ein 6jähriges Kind erlag einer Lungenentzündung. Von 3 im ersten Lebensjahre stehenden Kindern wurde 1 von Bronchienentzündung, 1 von Lungenentzündung weggenommen und 1 starb nur wenige Stunden alt, an angeborener Schwäche. G.
— (Aus den Verhandlungen der Äroßh. Handelskammer.) Anwesend sämmtliche Mitglieder.
1. Der Vorsitzende berichtet über 34 Eingänge.
2. Das Präsidium der Delegirtenkonferenz zur Berathung der Petroleumfrage theilt eine Eingabe an den Reich-tag mit, worin bei diesem beantragt wird:
der Aufnahme des Artikels Petroleum i* das Gesetz, betreffend den Verkehr mit Nah. rungsmitteln, Genußmitteln und Gebrauchsgegenständen, seine Zustimmung zu versagen, jedenfalls aber dieselbe nur zu ertheilen unter der Bedingung, daß vor Erlaß der in dem Gesetze vorgesehenen Kaiserlichen Verordnung die Vertreter der wirthschaftlichen Jntereffen und insbesondere die Handelskammern der größeren Petroleumhanvel-plätze gehört werden,
und ersucht dieses Vorgehen zu unterstützen.
Man überweist diesen Antrag nebst den beigefügten Motiven Herrn Ltebrich als Sachverständigen zur Begutachtung, welche von diesem dahin abgegeben wurde, daß die Vorlage des Gesetzentwurfs wohl durch verschiedene Unglücksfälle veranlaßt wordc» sei, von welchen aber die meisten unvorsichtige Behandlung zur Ursache gehabt hätten. Regierungsseitig scheine angenommen worden zu sein, daß das in neuerer Zeit vielfach vorgekommene geringere Oel durch Verfälschung bezw. Beimischung eines billigeren, leichter entzündlichen StoffeS hergeftellt worden wäre, wa- aber bei dem -enorm billigen Preis des Artikels kaum denkbar und durch die Mittheilungen deS Inspektor Lockwood in New-Iork widerlegt sei. Nach diesem erschöpften sich die alten Quellen immer mehr; das auS den neueren im Bradford District gewonnene Oel ließ sich nach der bisherigen Methode Anfangs weniger gut rafsiniren, welcher Umstand wohl zum Nachtheil der Leuchtkraft influirt haben mochte, wohingegen aber eine größere Feuergefährlichkeit nicht constattrt sei. Neuerdings verständen jedoch die Raffineure auch aus diesem Product eine vollständig befriedigende Qualität für den Export vorzubereiten und sei eS deßhalb zu empfehlen, vor jeglicher Beschränkung des Verkehrs eingehendere Ermittelungen vornehmen zu taffen und den vorliegenden Antrag die gewünschte Unterstützung zu gewähren, welchem Vorschlag die Kamvier beitritt.
3. Der Königlich Preußische Handelsminister theilt dem Präsidium des Deutschen Handelstages mit, daß die Verwaltung der Kaschau Oderberger Eisenbahngesellschaft zur Verhütung der Beschlagnahme ihrer Forderungen an Frachtgeld und Wagenmiethe der Königl. Dtrectton der Oberschlesiscken Eisenbahn gegenüber Maßregeln in Aussicht genommen habe, bet deren Durchführung Güter und Personen über die Linien der erstgenannten Bahn entweder nur gegen Bezahlung ihrer diesfälligen Gebühren bei Uebernahme derselbe» durch die Oberschlesische Eisenbahn ober aber überhaupt gar nicht der letzteren zugeführt oder übergeben werden würden. Der Herr Hanbelsminister hält es nicht für unmöglich, daß durch die beabsichtigten uno durch gleichartige Maßregeln anderer österreichischer Bahnen eine Störung deS internationalen Verkehrs herbeigeführt werden könne und wünscht über diesen Punkt die Ansichten der deuffchen Handelswelt kennen zu lernen.
Demgemäß wird die Kammer um ein Gutachten über die angegebenen Maßregeln sowie über die Mittel zur Beseitigung des Uebelstandes ersucht, welches den Vorschlägen des Vorsitzenden gemäß in Folgendem abgegeben wurde:
,,Der hier in Rede stehende Verkehr wird sich unter den vorliegenden Verhältnissen nur „aufrechterhalten taffen, wenn auf der Kaschau-Oderberqer Eisenbahn Güter von Oesterreich- ,.Ungarn nach Deutschland nur bis zur Grenze franfirt und Personenbillets ebenfalls nur „bis dahin ausgegeben würden, so daß für diese Bahn die Verpflichtung beseitigt würde, ihre „Waggons über die Grenze hinaus laufen taffen zu müssen.
„Was den Verkebr von Deutschland nach Oesterreich Ungarn betrifft, s» müßten sämmt- „lichc Güter von Oderberg ab franfirt und diese Frankatur nach Einsendung der betreffenden „Beträge durch die Verfrachter von der Oberschlesische» Eisenbahn kostenfrei besorgt werden. „Auf andere Weise könne sich dieser Verkehr ganz birect wohl nicht erhalten lassen und waren „auch damit die Nachtheile des Umladens der Gütertransporte auf deutsche Waggons nicht „zugleich mit überwunden.
„Am sichersten und für alle Betheiligten vortaellhaftesten würde sich dieser Uebelstand „beseitigen taffen, wenn ein Abkommen angebahnt werden könnte, nach welchem die österreichisch- „ungarischen Eisenbahnen sich verpflichten würden, die Zinscoupons der österreichisch-ungarischen „Eisenbabnprioritaten nach der Goldwährung einzulösen; die deutschen Besitzer solcher Priori, „täten würden sich wohl gerne dazu bequemen, den Zinsfuß von 5 auf etwa 4Vz% «buchen „zu taffen, ba ihnen bamlt zugleich, eine Sicherung gegen noch größere Schädigungen durch „weitere Entwerthung des Si.bers gewährleistet wäre." ...
Vermischtes.
— (Der verunglückte Befehl.) lieber die Bretter, welche die Welt bedeuten, ging in einer preußischen Garnisonsstadt vor Kurzem ein Theaterstück, in welchem die Sitzung eines Geschworenengerichts nöthig ist. Der Regisseur hat für die Rollen der Geschworenen Soldaten engagirt und denselben die Weisung ertheilt. sich genau nach ihm zu richten. (St werde in der ersten «ouliffe stehen; sie hätten nur getreu nachzuahmen, was er thun werde


