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Dadurch würden dem deutschen Geschäft tödtliche Wunden zugesügt, denn es werden alljährlich für mindestens 800 Mill- Mk. Fabrikate aus Deutschland ausgesührt; der inländische Markt könnte den Verlust aber bet Weitem nicht decken, da höchstens für 400 Mill. Mk- Fabrikate eingeführt werden. Noch ein anderer Umstand kommt aber für den deutschen Export in Betracht. Wenn wir hinschießen, fo liegt doch sehr nahe, daß auch wieder hergeschoffen wird. Sperren wir die Einfuhr ab, so wird es nicht lange dauern, bis bie Nach­barländer auch unsere Ausfuhr absperren. Aus Allem erhellt, daß die Seg­nungen des Schutzzolls sich, wie die von bösen oder rächenden Geistern gespendeten Schätze im Märchen, unter der Hand in Schädigungen verwandeln.

Warum soll zu dem Schutzzollsystem übergegangen werden? Nach der Thronrede, für weiche dem Reichskanzler die Verantwortlichkeit obliegt, des­halb, weil der Freihandelspolitik, wie sie mit dem französischen Handelsver­trag von 1865 tn's Leben getreten ist, praktische Erfolge nicht zur Seite stehen. Unser wtrthschaftltches Leben befindet sich allerdings in einer schweren Krisis, aber es fragt sich, ob diese der Frethandelspolitik oder anderen Um­ständen zuzuschretben ist. Es ist nun statistisch nachgewtesen, daß unsere Aus­fuhr seit 1865 um mehr als das Doppelte gestiegen ist. Das läßt mit Sicherheit schließen, daß die freiere Zollpolitik Handel und Verkehr kräftig belebt hat und daß die gegenwärtige Krise nicht von ihr heroorgerufen ist. Bekanntlich haben sich die wirthschaftlichen Uebelstände erst 8 Jahre nach der Herrschaft des französischen Handelsvertrags bemerklich gemacht; schon das dient zum Beweise, daß sie mit demselben ursächlich nicht Zusammenhängen. Es sind auch Gründe genug vorhanden, welche die wirthschasiltche Noth oolb ständig erklären. Wir erinnern an die großen Kriege nut ihren riesigen Men­schen- und C Mals-Verlusten, die MMiardenfluth und den Gründungsschwrndel. Die großen Aufwendungen, welche unsere militärischen Einrichtungen fortgesetzt erfordern, tnüffen auf den Nationalwohlstand natürlich auch empfindlich ein- wtrken. Dazu kommen die nie verschwindenden, bald stärker, bald schwächer austretenden Kriegsbesorgnisie, welche kein Vertrauen auskommen lassen, die inneren Zwistigkeiten, welche durch den Culturkamps und die scharfen Parcei- gegensätze hervorgerufen find, endlich die fortgesetzten Beunruhigungen durch neue Projecte, welche daraus abztelen, unser Finanzwesen und unsere w rth- schaftlichen Verhältntsie von Grund aus umzugestalten. Unter solchen Umstä r- den kann es doch nicht Wunder nehmen, wenn Stockungen und Nothstände fich zeigen. Die Haupterforderntffe zu einer Belebung dec Geschäfte, Vertrauen und stetige Entwickelung, werden ja vollständig entbehrt.

Wenn nun die gegenwärtigen wtrthschastlichen Uebelstände eher in den angegebenen Dingen zu suchen sind, als in der seitherigen Handelspolitik, dann ergibt fich von selbst, aus welche Weise Heilung zu erzielen ist. Man räume die Ursachen hinweg, welche einem Ausschwung des Geschästslebens im Wege stehen oder mildere wenigstens ihre schädigenden Wirkungen. D>e Umkehr zum Schutzzoll bleibt unter allen Umständen ein Sprung tn's Dunkle, den große Gefahren umlauern.

Aeutschkand.

Berlin, 26. Februar. DieProo.-Eorresp." widmet dem Feldmar- schall Grafen Roon einen längeren sehr warmen Nachruf. In einem wet­teren Artikel unter der Überschriftdie ausgewiesenen Abgeordneten und die Rechte des Reichstags" führt die Correspondenz den Nachweis, daß bet Vor­legung des Antrages des Staatsanwalts auf strafrechtliche Verfolgung Fritzsche'- und Hasielmann's an den Reichstag von einem Versuche, die Rechte des Reichstages zu beeinträchtigen, nicht die Rede sein könne, Seitens der Re­gierung vielmehr die strengste Beachtung von Verfaffung und Recht, ebenso volle Rücksichtsnahme aus Stellung und Rechte des Reichstags stattgefunden habe. Dasielbe Organ reproducirt die im Wesentlichen bereits bekannte Antwort des Kaisers beim Empfange der nordschleswig'schen Deputation und gedenkt des unerwarteten unangemeldeten Besuches des Kaisers bei Gras Roon, hinzufügend, der Kaiser habe heute trotz einer am 24. d. eingetretenen Eckäl- tung mit der Kaiserin der Trauerseter in der Garnisonktrche beizuwohnen be­absichtigt, werde jedoch auf dringenden Rath der Aerzte wohl daraus ver­zichten müssen.

Kesternich.

Wien, 26. Februar. Nach Meldungen derPoltt. Corresp." aus Adrianopel herrscht seit vorgestern dort eine solche Aufregung, daß das russische Militärgouvernement außerordentliche Voisicht-maßregeln ergriffen hat. Die Aufregung ist thetls eine der gegen Bulgaren etngeleitcten Untersuchung wegen des Attentats gegen den griechischen Metropoliten, thellS durch den Andrang der bulgarischen Flüchtlinge wegen der Räumung Rumeliens heroorgerufen. Die Vorerhebungen wegen der Attentats-Affäre wurden gestern abgeschloffen. Die Bulgaren beschuldigen den Metropoliten, sie zur Unt-rz^ichnung einer Petition angeblich zu Gunsten der Fortdauer der russischen Occupation veran­laßt zu haben, während diese Petition thatsächlich an die Psorte um Beschleu- rtgung des russischen Abmarsches gerichtet war. Der sch rer verwundete Me­tropolit und die anderen mißhandelten Griechen befinden sich außer Lebensge- fahr. Seit 8 Tagen sind über 40.000 Bulgaren aus Rumelien Adrianopel zugeströmt. Das russische Gouvernement traf Maßregeln zur Verhinderung wetteren Zudranges, abgesehen von den Beschwichtigung-.Maßregeln, welche von Reuf Pascha thättgst unterstützt werden. Viele Flüchtlinge verlrngen Terrain zur Anfiedlung In Oftrumelien. Bis gestern verließen 60,000 Ruffen Rumelien.

Arankreich.

Fabrikarbeiter. Hierzu liegt, unterstützt von Mitgliedern der Fortschritts- und nationalliberale« Zartei, ein Unterantrag Günther (Nürnberg) vor; derselbe richtet an die Regierung die Auf - orderung zu unverzüglicher Vornabme von Erhebungen über Krankhetts-, InvaliditLts^ und Sterblichkeits-Statistik, sowie demnächst'ger Vorlegung eines Gesetzentwurfs, durch welchen die Bildung von AlterSversorgungs- und Jnvaliben-Kaffen auf Grund freiwilliger genossenschaftlicher Theilnahme für sämmtliche Berufsklassen ermöglicht wird. Stumm begründet seinen Antrag. Günther ^Nürnberg) tritt für seinen Unterantrag ein: das Hau« habe sich stets gegen Zwangs­kassen ausgesprochen; dieselben müßten jedenfalls auf ein Minimum beschränkt bleiben; die Uebernahme der Staatsgarantie erfordere kolosiale Summen; sein (Redners) Antrag ziehe den gesunden Kern aus dem Stumm'schen Anträge.

Reichensperger hält den Antrag Stumm nicht für annehmbar, weil darin ein Unter- chicd zwischen ZwangSkasien und Kafsenzwang nicht gemacht werde; der Antrag verlange Zwangskaffen und diese seien zu verwerfen. Rickert erachtet die Vorlegung eines Gesetzent­wurfes von der Tragweite des Stumm'schen Antrages bis zur nächsten Session für unaus­führbar. Die Analogie der Knappschaftsvereine sei nicht anwendbar. Redner tritt für den Günther'schen Antrag ein. Minister Hofmann macht Mittheilung von dem Resultate der seitens der Bundesregierungen über das Hülfskaffengesetz angestellten Erörterungen, woraus sich ergebe, daß das Hülfskassenwesen ohne Zwang ziemlich bedeutenden Umfang angenommen habe. Er glaube, wenn die Gesetzgebung für die bestehenden Kassen und bei Gründung neuer Kasten Hüls: gewähre, so würde es später möglich sein, zu obligatorischen Kasten überzugehen. Er wolle indeß den Beschlüssen der Regierung nicht vorgreifen und wünsche die Verweisung des Stumm'schen Antrages an eine Commission, damit die Regierung durch die Entschlüste des Reichstags neues Material erhalte. Der Günther'sche Antrag verlange Material, das nicht zu beschaffen sei. Ackermann erklärt sich für den Antrag Stumm. Bamberger tritt für den Antrag Günther ein: die bet den Knappschaftsvereinen gemachten Erfahrungen sprächen gegen die Uebcrtragung dieses Systems auf das gesammte Fabrikwesen. Hammacher wendet fich gegen Rickert's und Bamberger's Ausführungen. Nachdem zum Schluß noch Stumm als Antrag­steller das Wort genommen, beschließt das Haus, die Anträge Stumm und Günther an eine Commission von 21 Mitgliedern zu überweisen. Präsident v. Forckenbeck theilt mit, daß der Bericht der Tabaks-Enquete-Commission eingegangen ist. Nächste Sitzung Freitag; Tages­

ordnung ; Etatsberathung.

Berlin, 27. Februar. Der von Schneegans heute eingebrachte An­trag der elsä'stjchen Autonomlsten lautet: Der Reichstag möge dea Reichs­kanzler ersuchen, daraus hinzuwirken, daß Elsaß-Lolhringea eine selbständige im Lande beff bhrfce Regierung erhalte.

Charkow, 27. Februar. Der Gouverneur, Fürst Krapotkin, ist heute früh 6 Ubr gestorben.

Petersburg, 27. Februar. General Graf Lorts-Melikoff meldet auS Zariziu vom 26. b.: Neue Erkrankungen oder Todesfälle sind nicht vorge- kommen. 8 Grad Kälte. Die Neberfahrt über die Wolga bei Astrachan ist gänzlich eingestellt. Der Prorector der Moskauer Universität, Bjelin, ist nach Sellftcennoje behufs Desinfeckion der Gräber abzereist. Der österreichische Arzt Biestadecky bat sich nach Wetlianka begeben. Morgen reisen Prof. Eich- wald und der deutsche Arzt Hirsch nach Wetlianka.

Teplitz, 27. Februar. Der Directiou der Dux-Bodenbacher Eisen­bahn ist von Offegg die Nachricht zuzegangen, daß gestern Vormittag um 9i/2 Uhr in dem rechts von der Bahn im Victoria-Schachte bestehenden Tage- bruche das ca. 6 Meter hoch stehende Tagwaffer durch in Säcke zusammen- gepreßte Lust unter starkem Gelöse ca. 8 Meter hoch in Form einer Säale tn die Lust getrieben wurde, wora» s sich der Tagbruch noch mehr vertieft hat. Die dort bestehenden Erdriffe haben fich vergrößert; heute früh sind hier drei größere zu Jndustne-Etabliffemements gehörige Wafferbrunnen plötz­lich versiegt, in einem vierten fällt der W iflerstand rapid. Die Bevölkerung ist sehr beunruhigt darüber, ebenso weil die Commisfions-Ditzungen jetzt nur noch im Geheimen gehalten werden und man über deren Resultat in jünqster Zeit nichts mehr erfährt. Die Teufung der Urquelle ist bis auf 4i/2 Meter vorgeschritten.

Petersburg, 27. Februar. Bezüglich des hier vorgekommenen angeb­lichen PesttalleS berichtet dasJournal de St. Petersboucg": Die Sanität-- Commission unter dem Vorsitze des Stadtpräfecten hat den Kranken untersuch t und keinerlei Pest-Symptome constatirt, sondern nur eine einfache locale In- flammation. Gefahr tst also nicht vorhanden gewesen. Mehrer Mitglieder des Medicinalrath's werden heute den Kranken nochmals untersuchen und alS- dann beftntttüen Bericht erstatten.

Kopenhagen, 27. Februar. Das E s im Lunde ist unverändert. Aus Lolland, Flstr und Füne« herrscht vollständige, in Jütland und aus Seeland theilwe.se Bahnensperre. Die Hamburger Post vom 24. d. ist heute Abend eütvtroffen. , w , .. ,

Berlin, 27. Februar. Auf dieffeitige Anfrage ging von der kaiserltch deutschen Botschaft in Petersburg folgendes Telegramm Hierselbst ein: Der R g.erangsbote" meldete, Dr. Borkinn habe bei einem vor Monatsfrist Er­krankten Beulen entdeckt, auf welche Dr. Depners Beschreibung der Pestoor- läufer Anwendung finde. Amtliche Untersuchung hat ergeben, daß jene Butenen von Svvhtlis betrübten.

London, 28. Februar, früh. Unterhaus. Schatzkanzler Rotthcote beantrag,, oen ,hrgj izuags-Credit von 1,500,000 Strl. für den Zulukrteg bl« tum 31. Märj durch Ausgabe von Schatzboas aufzubrlngen. Rorthcotk bofft, das Budge, Anfangs Avril vorlezen zu können; das Deficit werde vor- ausfichillch 3 Millionen Strl. betragen, wovon 2 Millionen durch frühere C edike bereit« gedeckt feien. Nach längerer Diskussion wird der l1/, Millionen- Credit ebne Abst,mmung genehmigt- Dem Anträge des skriegsMinisters Stanley auf erste Lesung der ArmeediScipltnb.ll wird gleichfalls ohne Abstimmung ent sproch?".

Berlin, 27. Februar. Die Petitions-Commisfion des Reichstages be- antragt, ft-ben verschiedene auf W.edetaufhebung des über Berlin und Um­gegend verbänaten Belagerungszustandes bezügliche Petitionen, insoweit ste die Wiederaufvebung selbst betreffen, durch die Pienarberathung über den «echen- swastSbericht für erledigt zu erklären, soweit fie unabhängig davon sich auf W.ekeranfbebung der über die Petenten verfügten A iSweisunz beziehen, wegen nickt eiugebalrenen Jnstanzenzuqes über dieselben zur Tagesordnung überzugehm.

Lokale».

PariS, 26. Februar. In einem der Oeffentlicbkeit übergebenen, an den Exminister Rouher gerichteten vrikfe zeigt Prinz LotuS Napoleon Ersterem an, daß er die Operationen der Engländer gegen bte Zuln-Kaffern mitwachen werde. Der Prinz sagt, seine Gedanken würden fich immer nach Frankreich wenden und er rechne darauf, daß während seiner Abwesenheit die Anhänger der kaiserlichen Sache voll Einigkeit und Vertrauen bleiben, daß fie fortfahren werden, dem Lande das Schauspiel einer Partei zu geben, welche, ihren Ueber- zeugungen treu, stets von dem glühendsten Patriot'smus erfüllt sei. __

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Varrespondenr- Varran.

Berlin, 27. Februar. Reichstag. Berathung Des Anträge« Stumm auf Vorlegung eines Gesetzentwurfs wegen Einführung von obligatorischen nach dem Muster bet, berg­männischen Knappschaftsvereine zu bildenden Altersversorgung«- und Jnvaliben-Kaffen für alle

Gießen, 28. Februar. Mehrere Herren, welche beute Nacht 2 Uhr recht grobe« Unfug a"f dem Seltersweg verübten, darunter auch ein Student, der erst vorverfloffene Rächt i* Arrcsthouse verbrachte, wurden abgefaßt und letzterem wiederum LogiS in demselben Hot^ angewiesen. Es muß ein schönes Gefühl sein, per Schutzmann am Hellen lichten Tage ati dem «rresthaus nach der Polizei verbracht zu werden!

Vermischtes.

Laubach, 21. Februar. Am vorigen Samstag Morgen ertränkte sich ^er ti de« soa. Thierqärtnerteich ein hiesiger Bürger, nachdem er schon am Abend^vorher versucht batte, aber von einem Mann aus Weickattsharn davon abgehalten worbe* wir Kleiber, Mütze'und Stock fand man am Ufer liegen, die Leiche des Teiches auf dem Grund. Ein krebsarttges Leiden, an dem der Unglückliche Htt, W Veranlassung zu seinem traurigm Schritte gewesen fein, doch hatte ^felbe Jt^on tn frfi* Iabren Selbstmordversuche gemacht. DieS tst nun seit ungefähr einem Jahr schon der z Fall eines in jenem Teich begangenen Selbstmords. i.D. VolrTW-l