Köln, 26. Februar. Sie sind vorüber, die Tage der tollen Freude; der letzte Act der römisch phantastischen Burleske ist ausgespielt — er litt gegen das Ende hin an großer Schwäche — und der Aschermittwoch hat den Vorhang niedergelassen. Freunvliche Rückerinnerungen, vergnügte Stunden, fidele Gesellschaften, schöne Augen, verstohlene Küffe, leere Portemonnaies, physischer und moralischer Katzenjammer, zerknitterte Roben, eingedrückte Hüte, verlorene Herzen, gemarterte Ohren, verschmierte Giebel und Firmenschilder würden heute für das internationale Fischessen unter dem Titel „Lustig wehmüthige Nachklänge zum Carneval 1879" zu einem passenven Quodlibet vereinigt werden können. Wie Manchem mag heute beim Erwachen die Melodie durch den Kopf gesummt haben: „Du bist verrückt mein Kind!" Wie Manchen mag em leiser Schauer überkommen sein bei der Erkenntntß, daß alles Irdische vergänglich ist! Wie Mancher wird auch mit Aerger an die Flegeleien und Gemeinheiten zurückgedacht haben, womit hin und wieder der Pöbel — es waren auch Exemplare mit Goldbrillen und Glacehandschuhen dabei — den Carneval glaubte illustriren zu müssen. Damen, ja, Mädchen, die der Schule noch nicht entwachsen sind, auf öffentlicher Straße tnsulttren, den Anstrich der Häuser durch Aufträgen von Farbe verderben, den Spaziergängern die Kleidungsstücke verunreinigen, das sind Ausgeburten, die auf unser schönes Volksfest Mißachtung bringen müffen und welche die gutgesinnten Kötner Bürger, wie einstens das von außen importirte Huteintreiben, wohl beseitigen können Dann müssen wir die Polizei bitten, Satansinstrumente, wie sie in diesem Jahre alle Straßen und Restaurationslocale mit ihrem nervenzerrelßenden Heulen und Quiken unsicher machten, doch für künftige Fälle zu verbieten. Wir haben durch die Erwähnung der Uebelstände, die sich leider nur allzu sehr breit machten, durchaus dem Feste selbst nicht zu nahe treten wollen, sind im Gegentheil der Ansicht, daß daffelbe mit seinem Scherz und Humor und mit seinen Schönheiten, deren es ja so manche bietet, Köln als einziges und eigenartiges Volksfest erhalten bleiben muß, allein diese krankhaften Auswüchse müffen ausgeschnitten werden.
Hadamar, 24. Februar. Bet einem gestern dahier abgehaltenen carnevalistischen Umzug pasfirte eia tief zu beklagender Unfall, der wohl für lange Zeit den Fastnachtshumor hier vertreiben wird. Von einem Wagen, der mit einem Bretteraufschlag versehen, mit seinen Ausstattungen und Einrichtungen Vie Corrtgenden-Anstalt darstellen sollte, fiel ein Brett herab und traf die Pferde. Diese wurden scheu und gingen mit der „Corrigenden-Anstalt" und deren Insassen durch. Die Jnsaffen wurden sämmtltch heruntergeschleudert und ein Knabe von 13 Jahren, der nicht zeitig genug dem heranstürmenden Gefährt ausweichcn konnte, wurde iberfahren. Die Räder gingen demselben über den Hals und Brust, so daß der Tob augenblicklich eintrat. __ f $0
Darmstadt, 26. Februar. Die Vorstände der Darmstadter und Offenbacher Metzger- Innung haben Einladung zu einer auf Sonntag den 2. März in Darmstadt anberaumten Versammlung ergehen lassen. In dieser Versammlung soll über die Gründung eines „mtttelrheinischen Fleischer-Verbandes berathen werden und haben Metzger von Frankfurt, Mainz, Mannheim, Worms 2C. bereits ihre Bereitwilligkeit zur Gründung eines solchen Verbandes zu erkennen gegeben. Bet dieser Gelegenheit wird auch die beabsichtigte Einführung, resp. Erhöhung der Zölle auf Schlachtvieh zur Sprache kommen und die Versammlung zu derselben Stellung nehmen.
Worms, 26. Februar. Der landw. Verein der Provinz Rheinhessen beschäftigt sich gegenwärtig unter Anderem mit der Regelung des Kleesamenhandels, der bekanntlich insofern im Argen liegt, als es nur äußerst schwer ist, im Handel Waare zu bekommen, die nicht mit Samen des gefürchteten Schmarotzergewächses, der Kleeseide, verunreinigt ist. Das Bureau des genannten Vereins hat in der Provinz Rheinhessen Erhebungen gemacht und Offerten von beträchtlichem Umfang an reinem, von den Verkäufern selbst erzeugtem Kleesamen erhallen, nämlich ca. 2000 Kilo deutschen (rothen oder Wiesen-) und ca. 5300 Kilo ewigen (Luzerne) Kleesamen. Zugleich hat der landw. Verein den Landwirthschafts - Lehrer Hrn. Lehnert in Worms beauftragt, Denjenigen, welche Kleesamen beziehen wollen, kostenfreie Auskunft über die angemeldeten Lagerplätze zu ertheilen Diese Einrichtung wird sicher überall dort dankbar begrüßt werden, wo bereit- die Seide den Kleebau empfindlich geschädigt, mitunter sogar in Frage gestellt hat.
Gingesandt.
Es ist jedenfalls gut, wenn bei der brennenden Frage um unsere volkswirthschastltchen Verhältnisse von allen Gesichtspunkten aus Betrachtungen stattfinden, insbesondere auch, wenn die Stimmen der Landwirthschaft, dieses wesentlichsten Hebels unseres materiellen WohleS, Verbreitung finden!
Die Auffassung über die Wirkung des Schutzzolles in Amerika, die in einem kürzlichen Leitartikel zum Ausdruck kam, war eine sehr irrige.
Amerika rettete sich aus einer heftigen Krisis durch zum Thetl förmliche Prohtbittv- Zölle, es suchte mit Gewalt die inländische Productivttät, den Gewerbfleiß wieder zu heben, die Roth und Den Banquerott zu bekämpfen — Es hat seinen Zweck in eklatanter Weise erreicht, seine Maaren erscheinen heute als eine sehr wirksame Concurrenz auf den fremden Märkten; wenn es jetzt an Zoüermäßigungen denkt, so thut es einen sehr richtigen Schritt nach der goldenen Mittelstraße, die Deutschland auch — indessen nur von der gerade entgegengesetzten Seite anzustreben berufen ist._________________________________________________________
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 26. Februar. (Fruchtbericht.) Wetzen ab unserer Umgegend JL 183/4 bis 19, für hier Jt. 19‘/4. Für Roggen hat sich die Stimmung in dieser Woche wieder befestigt und gilt prima Waare X andere Sorten 13y2—141/Ä. Im Geheimen
sollen ab Berlin einige Abschlüsse in DomäniabRoggen zu Stande gekommen sein, die Anerbietungen find indeß ziemlich vereinzelt, was dazu führte, Verkäufer zurückhaltend zu machen. Gerste ganz unbelebt JL 17y2—18^2, geringe Sorten 13y4— 14i/2. Hafer erfreute sich in feinen Sorten recht guter Nachfrage. Hinzu kam noch, daß das Proviant-Amr kaufend im Markt war. prima Waare JL 13^—14, Mtttelsorten 12^—13. Hülsenfrüchte sind wenig umgegangen, wirklich feine Waare bringen hohe Preise. Mehl erfreute sich in dieser Woche zunehmend guten Begehrs, Roggenmehl "/I ab Berlin JL. 18, 0 allein 20. Futterstoffe fest und höher gehalten. Raps ruhig, fein böhmischer dürfte JL. 28%—29 bringen, Rüböl nur detail gethan.
Irischbäcker in Gießen.
Sonntag den 2. März. Georg SpieS, Neustadt. Friedrich Hennings, Seltersweg. Ernst Wallenfels, Wallthorstraße.
Kirchliche Anzeigen der evangelischenGemeinde?uGießen.
Gottesdienst:
Sonntag den 2. März: Morgens: Pfarrer Schlosser. Nachmittags: Pfarrvicar Schöner. Passionsgottesdienst in der HoSpttalkirche.
Mittwoch den 5. März: Abends 6 Uhr : Gymnasiallehrer Stamm.
Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 2. bis 8. März besorgt Pfarrer Schlosser.
Holzoersteigemng
im Gießener Stadtwalde.
Montag den 3. März 1879,
von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwalde in den Dtstricten Ursulum, Neumark u. Erlen- wäldchen nachverzeichnetes Holz versteigert werden:
A. Brennholz:
Scheich. Prügelh. Stockh. Reish.
Raummeter. Wellen. Radel 9 43 38 2800
Erlen — — — 2200
Eichen — — '— 1600
Dorn — — — 290
Pappel — 3 — —
B. Bau-, Werk- und Nutzholz 300 Fichtenstämme mit 60 Festmtr., bis zu 26 Ctm. Durchmesser, 695 Fichteostangen mit 39 Festmtr., 14 Pappelstämme mit 7,06 Festmtr., 205 Gschenstangen mit 0,90 Festmtr., zu Schießerstangen und Schippenstiele sich eignend.
Die Zusammenkunft ist auf dem alten Rödger W'g am Exercirplatz. Gießen, am 25. Februar 1879. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. 1201) A. Bramm.
Holzversteigerung.
Freitag den 7. März,
Vormittags 10 Uhr, sollen in dem Gemeindewald Roßbach, Distrtct Kirschberg:
47 Stück Eichennutzholzstämme von 40 — 90 Ctm. Durchmesser bis zu 15 Mtr. Länge, zusammen 86,43 Festmr. L Qualität des Holzes,
9i Rmtr. Stockholz öffentlich meistbietend auf Ort und Stelle versteigert werden.
Der Anfang ist bei Nr. 1 (Stamm. Holz).
Roßbach, den 19. Februar 1879. Der Bürgermeister:
1123) Frtnk.
Allgemeiner Anzeiger.
Holzversteigerung.
Donnerstag den 6. März l. I., von Morgens 9 Uhr an, sollen in dem hiesigen Gemeindewold, 18 Elchenstämme von 5—18 Mtr. Länge und von 18—95 Ceutm. Durchmesser,
52 Nadelstämme von 14—18 Mtr. Länge,
13 Buchenstämme zus. 16,92 Fstm.,
63 Nadelstangen zus. 6,41 Fstm., 220 Rmtr. Buchen-Scheitholz, 16 „ Eichen- „
26 „ Buchen-Knüppelholz,
6 „ Eichen- ,
6 „ Nadel- „
2200 Wellen Bnchen-Reisholz,
450 „ Elchen- „
550 „ Nadel- „
70 Rmtr. Buchen-Stockholz, 12 „ Elchen- „
24 „ Nadel- ,
versteigert werden.
Großen-Bus ck, am 27. Febr. 1879. Großh. Bürgermeisterei Großen-Buscck. 1264)Wagner.
Holzverfteigerung
in der
Fürstl. Oberförsterei Lieh.
Dienstag den 4. März,
soll in den Dlstricten Auch (ha ch, Kellersberg w d Höler nachverzelch netes Holz versteigert werden:
Scheith. Prügelh. Stockh. Reish.
Raummeter Wellen
Buchen- 56 146 87 3010
Eichen- 13 9 16 750
Nadelholz 2 19 34 260
sowie:
6 schwere Eichenstämme von 41 —56 Etrn. Durchmesser und 5 — 14 Mtr. Länge mit 10,18 Cbm. Inhalt.
Zusammenkunft
Morgen- 10 Uhr
bei der Bank im Fuchsstrauch, wo mit dem Eichenholz der Anfang gemacht wird.
Lich, den 22 Februar 1879.
1166) Wtmme nauer, Forstrath.
Holzoersteigerung
tn der Oberförsterei Schiffenberg.
1173) Es sollen versteigert werden:
Mittwoch den 3. März l. I. in den Domanialwalddtstricten Rabenpfubl, Wüstekopf und Altgehegt:
4 E chenstämme von 26 bis 34 Centim. Durchmesser und 8—9 Mcker
Länge — 2.41 Frstm.,
105 Nadelstärnme von 15—25 Centim. Durchmesser und 10—16 Mcker Länge — 30,07 Festm.,
338 Nadelderbftangen — 16.95 Festm.,
449 Nadelreisstangen = 2.51 Festm.
Scheiter. Knüppel. Stöcke. Reisig.
Raummeter. Wellen.
Eichen 91 13 30 300
Nadelholz 31 190 27,6 10100
t
u
3
1. Tag
auf der
am
der Sandka'tschaeise, am 2. Tag am Groß-Lindener Viehtrieb am Eisenbahn-
Knüppel, m m r i
Buchen Eichen
6
82
4
32
Scheiter. R a
Reisig.
Wellen.
8660 (Stammreiser),
3330
8080
400
Steinberger Chaussee an
Nadelholz —
Aspen —
Die Zusammenkunft ist
Stöcke, e r.
Donnerstag den 6. März l. I. in den Domanialwalddistrictm R hhkck., F anzenwald, Günthersgrab und Hasenkopf:
Übergang Vormittags 9 Uhr Prä cis.
Gi ßen, den 24. Februar 1879.
Großherzogliche Oberförsterei Schiffenberg.
I. V. d. O.:
Joseph, Forstaccesstst.
Dienstag den 4. n. Mts. soll Bornftrags 11 Uhr
eine gut erhaltene Zündnadel- Doppelflinte in dem Geschäfts- zimmer des Unlerzeichneten, wo dieselbe zuvor et.'gesehen werden kann, ver- ste gert werden.
Gi-ßen, den 24. Februar 1879. 1203) Georgi, Oberförster.______
Donnerstag den 6. März, Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dahiesigem Ortsgericht die dem Wi Helm Steinmüller in Lang-Göns gehörigen Grundstücke, in der Gemarkung Gießen gelegen, wie solche im Gießener Anzeiger vom 3. Juli 1878 näher beschrieben sind, nochmals versteigert werden.
Gießen, den 28. Februar 1879.
Großh. Ortsgericht Gießen. 1265) Müller.
1221) Mistbeetfenster stets in Borrath bei H- Keck.
Versteigerung von Mobiliargegenstände«. Montag den 3. März I. J., Morgens 10 Uhr, sollen im Hofe des alten Gymnafialge- bäudes auf dem Brand dahier:
50 Stück Subsellien von 2—4 m Länge, 43 „ Bänke „ 2-4 „ „
8 Stühle, 4 Tische, 3 Pritschen, 6 Wandtafeln und 15 Rouleaux
gegen sofortige Zahlung öffentlich versteigert werden.
Gießen, den 27. Februar 1879. Großh. Kreisbauamt Gießen. In Vertretung:
1254) M. Wahl, Großh. Kreisbauaufseher.


