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unten in der Halle Schutz gefunden hatten, wurden, als der Blitzstrahl Hernie» derfuhr, von dem Luftdrucke an die Wand geschleudert, ohne jedoch verletzt zu werden.

Harburg, 21. August. Von den Bei dem Tumulte hier am vorigen Sonnabend Verwundeten sind noch zwei gestorben, so daß die Zahl der Ge- tobteten bis jetzt vier beträgt. Ein Theil der Verhafteten ist nach Lüneburg abgeführt worden.

Harburg, 23. August. Ueber den Kravall der vereinigten Welfen und Socialdemokraten am Sonnabend verübt, bringen dieHarburger Nachrichten" vom 19. D. noch folgende Mitteilungen: Nachdem gestern Abend noch einige Verhaftungen von Leuten, die sich Widersetzlichkeiten gegen Polizeibeamte und Soldaten hatten zu Schulden kommen lasten, vorgefallen, hat die Stadt heute chr ruhiges Ansehen wieder gewonnen, und ist die verstärkte Wache, welche im Stadthause eingerichtet war, heute Mittag aufgehoben worden. Der Graf Grote, welcher seit gestern hier in Harburg ist, soll bei dem Vertreter der Kronanwaltschaft Schritte gethan haben, um die verhafteten Welfenführer Bre mann und Moritz gegen Caution auf freien Fuß zu setzen. Soviel uns be­kannt, gehört Moritz, der nach Aussage von Zeugen vor dem Hause der Harb. Nachr." zuerst mit Steinen geworfen haben soll, zu denjenigen Mit- glredern der Welfenpartei, welche vor etwa V/2 Jahren von dem verstorbenen König Georg mit Orden bedacht wurden. Betreffs des Scandals vor genannter Officin ist noch htnzuzufügen, daß das Militär die erste Salve in die Llfft gegeben und erst, als hierauf ein Steinhagel als Antwort erfolgte, scharf ge- jchosten hat. Die Socialdemokraten in Hamburg haben für den Fall, daß die Unruhen sich gestern wiederholen sollten, wegen eines Extrazuges verhandelt, um eventuell ihren hiesigen Gesinnungsgenosten mit 500 Mann zur Hülfe zu kommen. (Letztere Nachricht wird auch derPost" aus Lüneburg bestätigt. Danach sollen, als sich die Kunde von den Unruhen in Hamburg und Altona verbreitete, Tausende von Socialisten sich auf den Hamburger Bahnhof begeben und einen Extrazug verlangt haben, einem Verlangen, dem nicht entsprochen wurde. In Celle stand noch am 20. d. ein Extrazug bereit, um nöthigenfalls Truppen nach Harburg zu befördern).

Hesterreich.

Wien. Einer Mittheilung desStandard" zufolge sollen mehrere Compagnien in der Szapary'schen Division, welche mit 240 Mann ausgerückt tonen, nur noch 80 Mann stark sein. Die Zahl der bei Doboj befindlichen Aufständischen soll täglich wachsen, aber auch die Szapary'sche Division soll bedeutende Verstärkungen erhalten haben. Der Fanatismus der Mohamevaner soll seit Niederbrennung von Tuzla und Gracantca aufs Aeußerste erregt sein, so daß selbst Weiber und Kinder sich an den Kämpfen betheiligten. Die gleiche Nachricht wird auch von österreichischen Berichterstattern gebracht, die bei den Kämpfen um Han Belalovac Frauen in den Reihen der Kämpfenden gesehen haben. Vier Frauen wurden sogar zu Gefangenen gemacht. Aus Agram vom 13. d. M. wird demEllenör" berichtet:Im Banjalukaer-Spital lagen außer unseren eigenen auch einige türkische Verwundete. Unter dem Vorwande, letztere zu besuchen, kamen mehrere Türken irfs Spital; ihnen folgten in unauffälliger Weise bald andere nach, bis zuletzt ganze Haufen sich eingefunden hatten. Wie sich später herausstellte, barg jeder dieser Besucher Waffen unter seinem Gewand. Plötzlich entstand ein furchtbarer Alarm und entsetzliches Wehegeschrei. Die in Banjaluka befindlichen Truppen stürzten herbei und fanden entsetzt unsere sämmt- lichen Verwundeten, Aerzte und Krankenwärter ermordet in ihrem Blute liegen. Die eingedrungenen Türken, welche Widerstand leisteten, wurden von unseren Soldaten rasch bewältigt und niedergestochen. Die Soldaten drangen hierauf in die Häuser und holten von dort einen Haufen Gesindel hervor, dem kein Pardon gegeben wurde. Schließlich, nachdem die Leichen der unglücklichen Ver- w mdeten, Aerzte und Krankenwärter hinweggeschafft märet, wurde die Stadt von den Truppen umzingelt, mit Kanonen beschossen und in Brand gesteckt. Banjaluka existirt nicht mehr." Von anderer Seite wird der Hergang folgender­maßen dargestellt:Die Muhamedaner aus der Umgebung von Banjaluka, im Besitz aller ihrer Waffen, verstärkt durch eine militärisch bewaffnete und ausgerüstete Schaar von ungefähr 3000 Mann aus der Umgegend von Novi, Buschim und Bihatsch, wollten Banjaluka nehmen. Um unsere leider nur aus drei Compagnien bestehende Besatzung aus der Festung von Banjaluka heraus - zulocken, haben sie zuerst das etwas abseits der Stadt gelegene Kloster, welches gegenwäct'g zu einem Feldspital urnge-vandelt wurde, überfallen und angezündet, worauf in dem ausschließlich von Muharnedanern bewohnten Stadtviertel von Bmjaluka eine allgemeine Erhebung folgte. Die drei Compagnien verließen nicht die Festung, sondern bombardirtrn das türkische Stadtviertel- Mittler­weile wurde die Sache nach Gradiska gemeldet, von wo ein Oberst in solcher Eile mit vier Gebirgsgeschützen, der nöthigen Munition, Bedienungs- und Be­deckungsmannschaft nach Banjaluka eilte, wo er schon nach drei Stunden mit einem neben sich reitenden guten Wegweiser (einem Schiffsmatrosen, der sich vor mehreren Jahren lange Zeit in Banjaluka aufhielt) Banjaluka erreichte an geeigneter Stelle die Geschütze postirte und in den dichten Knäuel der Auf­ständischen derart mit Kartätschen hineinarbeiten ließ, daß die Türken wie das Gras mit der Sense niedergemäht wurden, wobei auch der türkische Skadttheil in Flammen aufgegangen sein soll. Was aber mit unseren Oranten, mit Aerzten und Nonnen geschah, darüber konnte mir bis jetzt Niemand etwas Bestimmtes mittheilen. Aus dem ganzen Vorfall kann man neuerdings die Ueberzeugung gewinnen, daß dem Muhamedaner niemals und nirgends zu trauen ist. möge er noch so schöne Versprechungen und Bücklinge machen, weil ihm eben sein Glaube gebietet, den Ungläubigen zu täuschen und womöglich zu tobten.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'« telegr. Eorrrspondeuz Bvrearr.

Wien, 26. August. D'.ePol. Corr." meldet aus Cettinje vorn 26.: Nach der jüngsten für die Insurgenten so verhängnißvollen Affaire bei Stolac suchten zahlreiche türkische Flüchtlinge Zuflucht in Montenegro. Der Fürst von Montenegro verfügte deren Jnternirung und bestimmte für alle an Der Demar­kationslinie eintreffenden Flüchtlinge Nccsic als Jnternirungsort. Dieselbe Correspondenz meldet aus Konstantinopel: Die Pforte verheimlicht immer noch die Nachricht von Der Besetzung Serajewo's durch die Oefterreicher und ver­breitete die Version, Graf Zichy hätte auf Verwendung der Pforte, daß Sera- jewo von einem Bombardement verschont bleibe, angeblich erklärt, dies sei nur möglich, wenn die Stadt ohne Widerstand übergeben werde. Trotz der fort­gesetzten Vorbereitungen zur Einschiffung der russischen Garde ist es positiv, daß

die Befestigungen Tschataldja's erst nach der Uebergabe Batums geräumt werdet, sollen. Hierauf würde das Hauptquartier des Generals Totleben nicht nach Nodosto, sondern nach Varna verlegt werden. Die Fürsten Dondukoff unb Labanoff arbeiten an einem Berichte über die Rhodope-Jnsurrection, welche: dem Elaborate der internationalen Rhodope-Commifsion entgegengesetzt werden soll. Mukhtar Pascha soll demnächst in einer Mission nach Kreta abgehrri. Die Vorbereitungen der Türkei zur Abwehr der griechffchen Invasion (n Epirus unb Thessalien werden fortgesetzt.

London, 26. August.Reuter's Bureau" meldet aus Calcutta: Die indische Regierung dürfte sich, falls der Emir von Afghanistan in seiner feind, seligen Haltung verharren sollte, veranlaßt sehen, den Kyber-Paß zu schließen und eine Rectification der Nordwestgrenze eintreten zu lassen. Nach einem Telegramm desStandard" aus Konstantinopel wären die Lazen neuerdings gewillt, sich der Abtretung Batums an Rußland nicht zu widersetzen, wenn die Autonomie Datums gewahrt würde.

Wien, 26. August. Der Verkehr am Saatenmarkte gestaltete sich aus. nahmsweise schon gestern, Sonntags, sehr lebhaft. An Weizen, Gerste und Korn wurden mindestens 150,000 Meter-Centner umgesetzt. Die Tendenz war angenehmer, die Kauflust bester.

Mainz, 26. August. Heute Vormittag 4 Minuten nach 9 Uhr fand hier fein Erdbeben statt, welches 45 Sekunden währte. Die wellenförmige Bewegung ging von Norden nach Süden.

Wiesbaden, 26. August. Das Erdbeben von heute Vormittag 9 Uhr wurde auch hier in Wiesbaden und in Idstein bemerkt.

Osnabrück, 26. August. Heute Morgen 9 Uhr 5 Min. wurden hierselbft drei starke Erdstöße mit bedeutenden Schwankungen verspürt.

Dortmund, 26. August. Heute Morgen 9 Uhr 7 Min. wurde hier, selbst ein heftiger 2 Secunden andauernder Erdstoß in der Richtung von West nach Ost wahrgenommen.

Barmen, 26. August. Wie dieBarm. Ztg." meldet, fand heute Morgen nach 9 Uhr hierselbft ein ziemlich heftiger Erdstoß statt. Tische unb Pulte in den oberen Etagen wackelten; in den Schaufenstern ausgestellte Gegen, stände fielen um, bie Giebel der Häuser wiegten sich hin unb her unb die Häuser hoben und senkten sich.

Clberfeld, 26. August. DieElberf. Ztg." meldet: Heute Vormittag 9 Uhr lebhaftes Erdbeben mit Wellenbewegung von Norden nach Süden. Daffelbe wurde auch in Köln wahrgenommen.

Um 11 Uhr 10 Min. wurde ein weiteres Erdbeben hier, in der Um­gegend, in Düffeldorf und in Köln wahrgenommen.

Bonn, 26. August. Heute früh 8 Uhr 58 Min. wurden hier zwei starke Erdstöße von 6 resp. 4 Secunden Dauer, wellenförmig, in der Richtung von Nord-Nord-Ost nach Süd-Süd-West bemerkt; eine halbe Stunde später ein schwächerer Stoß.

Brüssel, 26. August. Heute früh wurde in Lüttich ein Erdbeben ge­spürt. In mehreren Häusern wurden die Thüren unb Fenster ziemlich heftig erschüttert unb Stühle von ihrem Platze gerückt.

Berlin, 27. August. DerVoss. Ztg." zufolge hat Stabtrath Techow auf die an ihn bezüglich feiner Stellung zu der Berliner Reichstags-Erndtdalur durch den Vorsitzenden des fortschrittlichen Wahlkreises gerichtete Anfrage geant­wortet, die von beiden liberalen Parteien ihm angebotene Candidatur würbe er annebmen; er lehne aber eine von einer Partei allein angetragene Candi- batur ab, da er nicht wolle, daß bei den Nachwahlen durch seinen Namen Zer- würfniffe unter den beiden Parteien herbeigeführt würden.

Berlin, 26. August. DerReichsanzeiger" bringt eine Darstellung des Harburger Tumultes, woraus, da das Uebrige meist bekannt, hervorzubeben ist, daß, als bie Feuerwehr, bie Polizei unb das Militär mit blanker Waffe unb gefälltem Bajonnet gegen bie Menge vorrückten, bie beiben letzteren aui einer Querstraße mit Steinwürfen empfangen würben, worauf das angegriffene Militär zunächst hoch und bann scharf Feuer gab. Einige Mitglieber der Feuerwehr, einige Polizeibeamte unb ein Gensbarm wurden durch Steinwürse contufionirt. Von den Tumultuanten wurde ein Arbeiter getöbtet unb zwei Arbeiter sind am folgenben Tage an ihren Verletzungen gestorben. 19 Personen wurden mehr ober weniger schwer verwundet. Viele Verhaftungen haben statt- gefunden und ist die Untersuchung im Gange.

Wien, 26. August. DasFremdenblatt" erklärt auf Grund bester Informationen, daß alle Sensationsgerüchte über Ministerkrisen und Demisstonö- gesuche jedweder thatsächlichen Grundlage entbehren.

London, 26. August. WieReuter's Bureau" aus Konstantinopel meldet, beziehen sich die der Pforte von der britischen Regierung empfohlener Reformen für Asien auf Einführung einer Gensdarmerie, auf Steuern, Gericht, sowie Errichtung eines Appellgerichtshofes. Die Pforte erklärte, sie besäße nid?l die Mittel, um die geforderten Reformen durchzuführen und ersuchte gleichzeitig die britische Regierung um deren Unterstützung behufs Aufnahme einer Anleihe

Lokal-Notiz.

Gießen, 27. August. Ueber das gestern bereits gemeldete Erdbeben geht uni noch nachfolgendes Schreiben zu:

Soeben, 9 Uhr 10 Min, beobachten wir in hiesiger Stadt ein ziemlich heftiges, mehrere Sekunden lang andauerndes Erdbeben. Der Tisch, an dem ich gerade arbeitet war in deutlicher, anscheinend wellenförmiger Bewegung. Sehr deutlich bemerkte nut die Wirkung auch an der Thüre. Ebenso war an den Wänden ein starkes Geräuich zu hören, zum Theil durch ihre eigne Bewegung, zum Theil auch durch das Spanne der Tapete, die wir in einem Zimmer sogar gerissen sanden. Kurz vorher fielen otn einem gegenüberstehenden Gebäude einige Dachziegeln prasielnd herab, und ich halte tfl daher für wahrscheinlich, daß schon vorher ein schwächerer Stoß stattsand. D.

Gießen, 27. August. Ueber das gestrige Erdbeben liegen uns heute aus eint großen Reihe von Orten Nachrichten vor. UeberaU wird von einer sehr heftigen Be wegung berichtet. Von mehreren Städten wird sogar ein zweites Erdbeben nach 11 UH Vorm. gemeldet. Es wurde wahrgenommen in Marburo 9 Uhr 8 Min., Hanau 9 ll 10 M-, Cassel 9 U. 12 M-, Cöln 9 U- 3 M. und 11 U. 10 M. (Es fanden oielfacc Beschädigungen durch herunterfallende Schornsteine statt, eine Frau wurde habet ge» tobtet.) Nippes 9 Uhr, Kalk 9 U , Lövenich 8 U- 58 M-, Rhöndorf 9 U. 4 M-, fern* in Aachen, Brühl, Godesberg, Remagen, Udenbach, Hilden, Neuß, Norf, Bonn, Düren, Jüchen, Hitdorf, Neuenahr, Dülmen, Dortmund, Osnabrück, Elberfeld, Barmen £.

Gießen, 27. August. Wie man hört scheint das am 1. unb 2. September ftati* findende J^hn- unb Sedanfest ein in jeder Beziehung würdiges zu werden.

An bem am 2. September ftattfinbenben Festzug betheiligt sich außer bto hiesigen Vereinen unb Korporationen auch bie Jugend hiesiger Stadt, insbesonbere diejenige über 12 Jahren. Zu dem programmmäßiaen PreiSturnen haben sich schoo eine ganz bedeutende Anzahl fremder Turner angemeldet.

Sebr erwünscht wäre es wenn die Einwohner hiesiger Stadt ebenso wie bei früheren Gelegenheiten zu dem projectirten Freudenfeuer, welches am 1 September abgebrannt werben soll, alte Fässer, Kisten rc. zur Verfügung stellten unb noch er»

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