Kon- nach-
zahl- Bel- obne
Politik der Minister könne nicht davon abhängig gemacht werden, daß irgend eine befreundete Macht es für gut halte, bestimmte Informationen zurück' zuhalten.
London, 25. Januar. Wie es heißt, werde Lord Carnarvon wahrscheinlich heute Abend im Oberhause die Gründe seines Rücktrittes erläutern. — „Morning Adverttser" erfährt, daß die Führer der liberalen Partei gestern Abend eine Versammlung abgehalten und den Beschluß gefaßt hätten: Wenn der zu fordernde Extrakredit kein Kriegskredit und nur für die Vorbereitungen bestimmt sei, welche die Situation erheische und von dem einigen Cabinette verlangt werde, würden sie demselben keine Opposition bereiten.
Petersburg, 24. Januar. General Jgnatieff ist nach dem Hauptquartier abgereist.
Petersburg, 25. Januar. Die „Agence Russe" kommt auf die Konstantinopeler Nachricht von dem angeblichen Marsche eines russischen Detachements auf Gallipoli zurück und bezeichnet dieselbe als ein turkophiles Manöver, um England und Rußland zu entzweien. Die Agence bemerkt, die jüngsten Maßregeln der Pforte hätten augenscheinlich den Zweck verfolgt, Schrecken und Verzweiflung unter der Bevölkerung hervorzurufen und so die Krise aufs Aeußerste
und vielleicht einige Documente vvrlegen. Der Antrag Northcote's, betreffend die Einsetzung eines Ausschusses zur Untersuchung der Geschäftsordnung, wurde vom Hause angenommen. — Im Oberhause begründete Beaconsfield gegenüber Angriffen des Herzogs Argyll das Verhalten der Regierung analog den Ausführungen Northcote's im Unterhause und schloß mit folgenden Worten: Die
Zunehmen.
— Abends. Die „Presse" meldet: Der Kaiser habe die Demission des Cabinets Auersperg angenommen, daffelbe jedoch mit der einstweiligen Fortführung der Geschäfte beauftragt.
Konstantinopel, 25. Januar. Die Pforte hat bereits mehrere Punkte der Friedensbedingungen angenommen. Die Fragen wegen Abgrenzung Bulgariens und Eröffnung der Meerengen werden einem Congreffe vorgelegt.
— Abends. Die „Agence Haoas" meldet: Die Pforte hat die Bedingungen Rußlands angenommen. Die Friedenspräliminarien sollen morgen in Adrianopel unterzeichnet werden, wohin die Bevollmächtigten abgereist sind.
Petersburg, 25. Januar Ein Artikel der „Agence Russe" erklärt, daß Rußland ebenso wie England M'ßverständniffe zu vermeiden wünsche, und kennzeichnet das von der Pforte getriebene Spiel, um die Dinge behufs Herbeiführung der Intervention Englands und Europas zum äußersten zu bringen. Rußland habe stets osfictell erklärt, die Annahme der Friedenspräliminarien müsse der Einstellung der Feindseligkeiten vorauszehen. — Die Pforte habe bisher die Verhandlungen in die Länge gezogen, damit die russischen Truppen inzwischen aus Konstantinopel m rrschirten, indem sie so hoffe, England in Action zu bringen. — Die „Agence" weist auf den Widerspruch hin, der darin liege, daß den vorliegenden Nachrichten zufolge die Delezirten der Pforte die russischen Bedingungen ad referendum nähmen, während die Pforte Europa ankündigte, daß dieselben mit den umfassendsten Vollmachten zum sofortige»» Friedensschluß ausgerüstet seien. Die Pforte rechne beim Hinziehen der Verhandlungen darauf, daß auch Griechenland inzwischen in Epirus und Thessalien einfalle und ein Friedensschluß mit gemäßigten Bedingungen erschwert werde. — Ueber solchen Manöver.» der Pforte müsse das Interesse stehen, die guten Beziehungen zwischen
zu treiben. Dem gegenüber wird bemerkt, daß die Ereignisse sich schneller als alle Combinationen entwickelten und dadurch eine gemeinsame Intervention des gesammten Europa vielleicht erforderlich werden könnte.
London, 25. Januar. Im Unterhause machte Schatzkanzler Northcote folgende Mittheilung: Der russische Botschafter Graf Schuwaloff habe heute gewisse Friedensgrundlagen zur Kenntniß des Lord Derby gebracht. Seitdem sei die am Mittwoch nach den Dardanellen beorderte Flotte angewiesen worden, an dec Mündung der Dardanellen halten zn bleiben. Die Creditforderung betrage 6 Millionen Lstrl. Von dem angeblich bereits erfolgten Abschlüsse des Waffenstillstandes sei nichts bekannt. — Im Oberhause bezeichnete Lord Carnarvon als Gründe des Rücktritts üon semem Mnusterposten die Beorderung der britischen Flotte nach deit Dardanellen und die Forderung des Supplemen- tarcredites. Auch sei Beaconsfield gegen ihn erbittert wegen seiner (Carnarvons) bekannten Ansprache an eine Deputation.
Wien, 25. Januar. Die „Polit. Corr." enthält folgende Meldungen. Aus Konstantinopel: (Suleiman Pascha ist zum Obercommandanten der Be- festigungen von Bulair, welche zur Vertheidigung oon Gallipoli dienen, ernannt. — Aus Athen vom 24.: Das neue Cabinet erhielt ein indirectes Vertrauensvotum, indem von der Kammer eine Interpellation wegen Angabe der Gründe der Demission des früheren Cabinets mit 80 gegen 32 Stimmen verworfen wurde. — Aus Bukarest vom 25.: Die Festung Widdin wird ununterbrochen
von den Rumänen bombardirt; der Sturm wird bald erwartet. Neuer reicher Nachschub an russischen Truppen rückt in Rumänien ein. — Aus
jedoch höheren Grades. Heftige Kopf Congestionen, verbunden mit bedeutender Schwäche. — Der Kaiier fandte einen Fiügeiadjutanten und ließ sich nach dem Befinden des Kranken erkundigen, sowie der Familie seine Theilnahme ausdrücken. t ,
— In den verfassungstreuen Clubs theilten die Obmänner das Resultat der heutigen Conserenz bei dem Minister-Präsidenten mit. Demnach erklärte dieser • dvß, nachdem die Regierung wahrgenommen, daß keine Aussicht vorhanden, das Abgeordnetenhaus werde auf die hohen Zollpositionen für Kaffee und Petroleum eingehen, sie sich veranlaßt gesehen haben, ihre Demission zu geben. Der Minister-Präsident erklärte überdies auf Befragen, daß die Frage der Zollrestitution mit der 80 Milltonen-Schuld im Compensationswege sich vielleicht regeln lassen werde. Fürst Auersperg ersuchte um baldigen Beschluß der Clubs, um der Regierung volle Aufklärung über die Haltung der Clubs in dieser Frage geben zu können. Der Club der Linken beschloß nach längerer Debatte in Betreff des Petroleumzolles dem Ausschuß Anträge, in Betreff des Kaffees keinem höheren Zollsätze als 20 fl. zuzustimmen. Der Fortschritts-Club beschloß, bei seinen früheren Beschlüsse»» zu verharren, der Club des linken Centrums beschloß, auf Erhöhung des Kaffeezolles auf 24 fl. und eine mäßige Erhöhung des Petroleumzolles unter der Bedingung einzugehen, daß diese Frage mit der Frage der 80 Millionen-Schuld und bet Steuerrestitutlon erledigt werde. __
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Eorrespondenz-Bureau.
Köln, 25. Januar. Die „Köln. Ztg." meldet aus Pera vom heutigen: Gestern Nachmittag hat die Pforte alle russische Bedingungen angenommen und ihre Bevollmächtigte angewiesen, ihre Zustimmung zu ertheilen. Heute wird in den Moscheen ein Aufruf verlesen, um die Gemüther vorzubereiten. Die russischen Bedingungen werden strengstens geheim gehalten.
London, 25. Januar. Nach einem in der Mittag-Ausgabe des „Daily Telegraph" enthaltenen Telegramm aus Pera vom 25. d., Morgens, dessen Inhalt anderweitig nicht bestätigt ist, erhielten die türkischen Unterhändler gestern Abend Ordre, die Präliminarien zu unterzeichnen und glaube man, der Waffenstillstand werde heute unterzeichnet werden.
Karlsruhe, 25. Januar. Die zweite Kammer verwarf den Antrag der klerikalen Abgeordneten, betr. die Nachbezahlung, bezw- Miederzahlung der im Jahr 1875 gestrichenen erzbischöflichen Dotation. Ebenso wurde der Antrag der Klerikalen auf Abänderung des Gesetzes über die Vorbildung der Geistlichen abgelehnt. Von Seiten der Regierung, welche ihre Zustimmung zu dem ablehnenden Beschluß der Kammer erklärte, wurde hervorgehoben: das Gesetz werde nicht eher abzeändert, bis die Curie das Verbot des Staatsexamens oder der Dispensnachsuchung zurücknehme. Abg. Hansjakob (Mitglied der klerikale»» Fraktion und katholischer Priester) erklärte, die Curie müsse nachgeben im Interesse des Friedens innerhalb der Kirche, des Klerus und des katholischen Volkes (große Sensation). Kiefer kündigte an: wenn die Curie Hansjakob roegen dessen heutigen Auftretens ein Haar krümme, werde er (Kiefer) den Antrag auf Ausschließung der katholischen Priester aus der badische»» Volksvertretung stellen.
Petersburg, 25. Januar. Das „Journal de ^t. Petersbourg" klagt die türkische Regierung an, daß sie die mohamedanische Bevölkerung in den Provinzialstädten zu unnützen Brandstiftungen und zu Plündereieu veranlaßt und dadurch gegenseitige Grausamkeiten zwischen Muselmännern und Christel» heraufbeschworen habe, die meist dadurch veranlaßt seien, daß man die flüchtende Bevölkerung den zurückgehenden Truppen nicht vorausgehen, sondern folgen ließ. Das „Journ. de St. Pet." fragt, ob dies das Verhalten einer Regierung sei, die nach Art. 7 des Pariser Vertrages an den Vortheilen des öffentlichen Rechtes und europäische»» Concertes participirt. Das Blatt erörtert ferner, bie Artikel 7, 8 und 9 des Pariser Vertrages und weist nach, daß letzterer keinerlei Verbot des directe»» Friedensschlusses zwischen der Türkei und siner Siznatarmacht enthalte, besonders nachdem die Mächte bereits früher nach Art. 8 die nunmehr eingetretene Eventualität zu verhindert» gesucht hätten. Am Schluffe wiederholte das „Journ. de St. Pet." im Sinne des kürzlichen Artikels der „Provinz.- Cvrresp.", daß die Mitwirkung und das Einverständniß ber Mächte für die Lösung derjenigen Fragen erforderlich sei, welche europäische Interessen beträfen.
London, 25. Januar, früh. Im Fortgänge der Unterhaussitzung fragte Montague an: ob die in der Depesche des Lord Loftus vom 9. Januar enthaltene Erklärung Gortschakoffs, er glaube, der Friede könne nur unter zwei Bedingungen erzielt werden, »»ämlich daß die russische Armee weiter vordringe, und daß die Türkei davon überzeugt würde, sie hätte keinen Peistand voi» England zu erwarten, ob diese Erklärung von Derby beantwortet sei. Unterstaats- secretär Bourke antwortete hierauf verneinend. Lord Hartington stellte sodann die Anfrage, ob die Regierung Schriftstücke über die Beziehungen mit den Neutralen vorlegen werde. Northcote erwiderte, er wolle die Angelegenheit erwägen
grab vom 25.: Heftige Kämpfe finde»» um Pristina statt, bisher noch Entscheidung. Jedoch sind die Serben in der Uebermacht.
Wien, 25. Januar. Ein Telegramm der „Polit. Corresp." aus stanttnopel vom 24. d. meldet: Rußland zeige sich in manchen Details giebiger; die Hoffnung auf das Zustandekommen des Waffenstillstandes sei im
Rußland und England zu erhalten.
London, 25. Januar. Abends. Im Unterhause erwtederte Schatzkanzler Northcote auf eine Anfrage Samielson's: die Forderung einer Geldbewilligung im Interesse der Erforschung von Afrika sei nicht beabsichtigt. Derselbe erklärte auf Veranlassung von Cartwrtght: Schriftstücke betreffs Griechenlands seien nicht vorgelegt, um der Türkei und Griechenland nicht Verlegenheit z»» bereiten; wenn diese Staaten in die Vorlegung einwilltgten, so stehe der Mitthetlung nichts im Wege. — Auf Befragen Gourley's äußerte ^sich Smith Namens der Regierung dahin, daß die Nennung der Namen der Schiffe von der Mittelmeerflotte nutzlos sei ohne Angabe ihrer Stärke, dies sei aber unter Den gegenwärtigen Verhältnissen unthunlich. — Harttnzton stellte folgende Anfragen: si»d die Friedensbedinzungen eingetroffen? wußte die Regt-rung, als sie gestern den Kredit ankündigte, daß die Pforte die Friedensbedingungen erwägt? sind Waffenstillstandspräliminarien unterzeichnet? sind irgend welche Schritte geschehen oder Instruktionen gegeben? ist der Rücktritt eines oder zweier Minister begründet? nicht Neugierde, so fügte Hartington hinzu, bestimme ihn, zu fragen; aber wenn dies wahr sei, so beweise es, daß selbst Minister die Politik nicht billigten. — Wie sind die Beziehungen zu den anderen Mächten? Ist England isolirt? Northcote wies die Vermnthung als unwürdig zurück, daß die Regierung, als sie gestern den Kredit ankündtgte, gewußt habe, daß die Pforte bie Bedingungen erwäge. Gestern Abend erhielt die Regierung privatim einige Kenntniß von den Bedingungen, aber nicht in c authentischer Weise. Heute theilte Graf Schuwaloff Lord Derby gewisse
- Friedensbasen mit, ohne dessen Zustimmung eine Mittheilunz unthunlich sei. . „Wir wissen nichts von dem Abschluß des Waffenstillstands oder der Präliminarien". Am Mittwoch Abend habe die Regierung beschlossen, die Flotte nach den Dardanellen zu beordern, um den Wasserweg offen zu halten und das Leben und Eigenthum der Einwohner im Falle einer Besetzung
Konstantinopels zu schützen. Seitdem sei gestern Abend der Befehl erfolgt, daß die Flotte an der Mündung der Dardanellen halten bleiben solle. Die Regierung habe viele Depeschen mit den fremden Mächten ausgetauscht, könne aber viele derselben nicht ohne Zustimmung dieser Mächte vorlegen. Die Frage, ob England isolirt sei, könne er nicht beantworten. Der zu fordernde Kredit betrage 6 Millionen Pfund Sterling, Die jüngsten Ereignisse hatten die Politik der Regierung nicht hinsichtlich de- Kredits, sondern nur hinsichtlich der Flotte geändert. Hartington wurde warm applaudirt seitens der Liberalen, Northcote seitens der Konservativen. Als Letzterer sagte, daß die Flotte beordert sei, an der Mündung der Dardanellen halten zu bleiben, ertönte ironischer Beifall von der liberalen und schwacher Applaus von der conservatioen Seite.__________________ ,
8 o k a l - -to t iz.
Gießen, 26. Januur. (Sitzung der Stadtverordneten am 24. Januar ) Mehrere Freistellen an der Realschule werden nach dem Anträge der Schuldeputation befähigten


