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waltung der Eisenbahnen Platz greifen, als bisher. Ich will aus der Frage feinen Confl.ct schaffen, will sie im Etnverständntffe mit Ihnen lösen. Aber lösen müssen w<r sie, wenigstens würde ich, wenn das nicht möglich wäre, im Amte nicht bleiben neu " (Sensation.) Die Competenzfragen bezüglich des Handelsminifters, fuhr Fürst Bismarck fort, halte er nicht für so hindernd. Wie die Regierung zu dem Re che- eis nbahnprojecte sich verhalten wolle, fonne sich erst nach Vofung der Personenfrage zeigen uno wenn man wisse, wer preußischer Ftnan-mtntfter sei und was aus dieser Vorlage werde. Er habe sich schwer van Camphausen getrennt. Die Wahl seines NochsolgerS habe die größten Schw ertgkeiten. Er bitte, ihn mit der Vorlage nicht aus ein Jahr zu vertrösten. Die Verzögerung der Vorlage würde die Wahl eines Fi.ianzmtnisters erschweren, dieselbe könne kaum vor Erledigung der Vorlage erfolgen. Ich bitte also die Vorlage anzunehmen und wenn sie Zett für gründ! chere Vorbe- rathung wünschen, im Mai die Berathungen vorzunehmen und zu beendigen.

Schellwitz erklärt sich für die Vorlage, Virchow dagegen. Virchow erörtert die Zustände innerhalb der Regierung, verlangt anstatt der ausschließlich bureaukrattschen Kräfte die Herbeiziehung politischer Persönlichkeiten und bespricht die in der Vorlage vorgeschlagenen Einrichtungen nach verschiedenen Seiten.

Minister Dr. Friedenthal weist mehrere Angriffe Virchows zurück und bemerkt dabei, der König habe ihn zu der Uebernahme des Portefeuilles des Innern aufgefordert Er habe nach seinen Neigungen und seiner Leistungsfähigkeit den ehrenvollen Antrag ab!ehren müssen und auf feinem bisherigen Posten verbleiben zu sollen geglaubt (B-ifoll.) Der Minister bat schließlich, sich nicht durch die Ungunst der momentanen Constellatton bestimmen zu lassen und nothwendige wohlthättge Maßregeln nicht zu ve» schieben. Hierauf wird die Sitzung behufs der Fortsetzung der ersten und zweiten Lesung auf Mittwoch vertagt.

Das Herrenhaus erledigte ohne Debatte die Vorlage über die Berliner Stadtbahn.

Leipzig, 23. März. Heute früh 7 Uhr starb Ernst Keil, der Heraus gebet derGartenlaube."

Oesterreich.

Wien, 22. März. Die österreichische Delegation hat die Credite für die bosnischen Flüchtlinge und die Regierungsvorlage betr. d-s außerordentliche Ersorderntß pro 1878 bis Ende April angenommen. Mit den Beschlüffen der ungarischen Delegation bestehen nunmehr nur noch geringe Differenzen, deren Ausgleichung voraussichtlich morgen stattfindet.

Wien, 23. März. Das Abgeordnetenhaus beendigte heute die Budget­debatte und nahm den gesummten Staatsvoranschlag, sowie das Finanzgesetz in zweiter und dritter Lesung an.

Die .Wiener Äbendpost" schreibt in Bezug auf die augenblickliche Lage: Das britische Cabinet verlangt die Erklärung Rußlands, daß die Mit- tbeilung des Friedens-Instrumentes an die Mächte mit der formellen Vorlegung desselben im Congreffe gleichbedeutend sei, während das russische Cabinet seinen internationalen Pflichten mit jener Mittheilung genügt zu haben glaubt und sick zu der ausdrücklichen Vorlage an den Congreß um so weniger verstehen will, als es bereits durch die Bekanntgabe der Friedensbedingungen jeder ein­zelnen Macht die Möglichkeit geboten hat, die einzelnen Bestimmungen des Vertrages zum Gegenstände der europäischen Berathung zu machen. Eine Verständigung ist bis jetzt nickt erfolgt und so lange dies nicht der Fall ist, muß auch das Schicksal des Congreffes als ein noch unentschiedenes betrachtet werden.

Wien, 23. März. Zwischen beiden Delegationen ist bezüglich sämmt licher differirender Beschlüffe Einigung erzielt, indem die ungarische sich den meisten Beschlüffen der österreichischen Delegation, insbesondere deren Beschluß­antrage in Betreff des 60-Mtllionen-Credits, anschloß. In der ungarischen Delegation erwiderte Graf Andraffy auf die Interpellation Csernatorys, er habe vorgestern Abend durch einen Courier die osficielle Mittheilung des Peters­burger Cabinets über den Friedensoertrag erhalten, von der Türkei bisher noch nicht. Der Vertrag werde auch hier in authentischer Form veröffentlicht wer­den. Für den Zusammentritt des Congreffes sei einer der 'letzten Tage des März in Aussicht genommen gewesen. Inzwischen seien aber einige Präliminar- sr.igen aufgetaucht, in Betreff welcher zwischen Rußland und England ein Ideenaustausch stattfinde. Daher könne der Tag des Zusammentritts sicher noch nicht bestimmt werden.

Wien, 23. März. DerPollt. Corresp." wird aus Athen gemeldet: Minister Deltjannis hat competenten Persönlichkeiten gegenüber die Besorgniß g. äußert, Griechenland dürfte, wenn der Congreß die hellenische Frage nicht definitiv löse, durch die Aufregung seiner Bevölkerung in den Krieg getrieben werden. Die Regierung ließ als Congreßbehels werthvolle statistische Daten über die griechischen Bevölkerungsverhältniffe in Macedonien zusammenstellen. Die Feindseligkeiten zwischen den Pelion-Jnsurgenten und den Türken bei Aghia h'ben wieder begonnen. Die Türken brannten mehrere Ortschaften nieder und maffakrirten die Einwohner. Eine Meldung derPol. Corr." aus Bukarest von heute dementirt entschieden die gestern aus Petersburg gemeldeten Gerüchte über den angeblichen Ausbruch von Unruhen in Bukarest. Bratiano dürfte zum Congreffe gehen. Eine Typhus-Epidemie beginnt Bukarest zu verheeren.

England.

London, 23. März. Unterhaus. Harcourt bekämpft den Lubbock'schen Antrag. England dürfe seine mächtigste Waffe nicht aus den Händen geben. Holker erklärt, die Pariser Declaration fei kein nutzloses Dokument und dürfe nicht aus selbstsüchtigen Gründen ausgegeben werden. Der jetzige Augenblick sei zum Rücktritte von der Declaration keineswegs geeignet; allein jedenfalls würden die Befreiung des Privateigenthums in feindlichen Schiffen von der Wegnahme zur See und die Verzichtleistung auf das Blokaderecht Enzlants Action lähmen. England sei keine große Militärmacht. Die Verzichrleistung ai.f das Recht, den Feind vom Meere zu vertreiben, würde der Ü bergabe von Enzlands maritimer Suprematie gleichkommen. Rorthcote bekämpft ebenfalls den Antrag, für den vielleicht manche Argumente plausibel seien. Die Annahme des Antrages würde aber den Verdacht erregen, daß England sich von der Pariser Declaration lossagen wolle. Der Antrag wurde abgelehnt.

Einer Depesche Llovds aus Sulina zufolge lehnt die europäische Donau- Commission es ab, die Donau für die Schifffahrt geöffnet zu erklären, bevor Rußland gargntire, daß die Torpedos vom Serail bis zur Mündung fortg nommen seien. Die Admiralität hat Die sofortige Indienststellung der Panzer­fregatteJnvincible" und der CorvetteTenedos" angeordnet. Erstere ist für das Mittelmeer bestimmt.

Standard" undDaily Telegraph" sind der Ansicht, der Friedens vertrag von San Stefano sei für Europa unannehmbar und muffe früher oder später durch die Diplomatie oder vermittelst strengerer Methoden abgeändert werden.Morning Post" zweifelt, ob der Congreß die Forderungen Rußlands und Europas mit einander vereinbaren könne.Daily News" undTimes" urtheilen weniger absprechend.

Ein hier vorliegendes Telegramm aus Petersburg vom 22. besagt: Das Geiüchr, Rußland habe verlangt, daß die britische Flotte unverzüglich das Marmara-Meer räumen solle, sei übertrieben; dem Gerüchte liege nur die Thatsach.- zu Grunde, daß Rußland Vorstellungen dieserhalb erhoben habe oder im Begriffe sei, solche zu erheben.

Italien.

Nom, 21. März. Das Ministerium wurde dem Vernehmen nach heute Abend in folgeuber Weise gebildet: (jairoli, Präsidium ohne Portefeuille; Za- nardelli, Inneres; Corti, Aeußeres; Sciömit Doda, Finanzen; Baccurini, Arbeiten; Consorti, Justiz; Desanctis, Unterricht; Bruzzo, Krieg; Martini, Marine. Seismit Doda übernimmt interimistisch das Schatzministerium bis das Ackerbau und Handelsministerium wieder durch Gesetz reactlv.n ist.

Die Kammer ist auf den 26. März einberufen, um Den Handelsver­trag nut Frankreich und den Zolltarif zu beraihen.

Rom, 23. März. Gerüchtweise verlautet, es fei noch ungewiß, ob Baccarmi und Consorti die ihnen zugedachten Portefeuilles annehmen; bezüglich der Besetzung des Marineminlstenums fei noch feine endgültige Bestimmung getroffen.

Ztutzlaud.

Petersburg, 22. März. Die,,Agence Ruffe" bemerkt: England habe bezüglich des Congreffes noch keine Antwort gegeben und bestehe fortgesetzt auf seiner Forderung der Vorlegung des Friedensoertrages, obschon derselbe den Cabineten mitgetheilt und die Freiheit der Discutirung beffdbea im Schooße des Congreffes durch Rußland anerkannt sei. Die Aussichten für den Zusam­mentritt des Congreffes seien deshalb geringer geworden. DieÄgence Ruffe" erwähnt des in der Stadt circulirenden Gerüchtes von einer Revolution in Rumänien und der Abreise des Fürsten Karl. Der Schah von Persien beabsichtigt sich nach Tiflis zu begeben.

Petersburg, 23. März.Golos", den Vertrag besprechend, meint, tue volle, endgültige Befreiung der Christen sei dadurch nicht erreicht; er glaubt, der Vertrag befriedige das russische Volk nicht.

Türkei.

Konstantinopel, 21. März. Mohamedanische Notable Bulgariens bereiten eine Petition an die Königin Victoria vor, in welcher sie um die guten Dienste Englands ersuchen, Damit die Mohanedaner, welche sich entschließen, in Bulgarien zu verbleiben, vorn Militärdienste befreit werden gegen Zahlung einer Militärbefreiungs-Taxe, wie ^ies bei der christlichen Bevölkerung in der Türkei der Fall ist.

Konstantinopel, 22. März Abends. Die hiesigeAgence Havas" will wissen, daß die Abfahrt der russischen Garde bis nach dem Congreffe vertagt sei.

Konstantinopel, 22. März. Mehrere Kasernen von Starnbul muß­ten wegen Ausbruch des Typhus geräumt werden; Die Soldaten wurden ui Die Ebene von Bnjukdere verlegt, wo sie campiren. In einer Versammlung von Besitzern ottomann'cher Bonds wurde die Bildung eines Comitss beschloffen zur Vertretung ihrer Jntereffen in der Türkei und im Auslände.

Amerika.

Washington, 22. März. In der am Montag stattgehabten Sitzung Der Finanzcommission des Senats bekämpfte der Secretär des Schatzes Sherman entschieden Die Annulliriing des Gesetzes, betr. die Wiederaufnahme der Baar­zahlungen. Derselbe wies darauf hin, daß die Regierung bezüglich der Wieder­aufnahme der Baarzahlungen bereits erhebliche Fortschritte gemacht habe, indem das Goldagio so gut wie beseitigt und Der Umlauf von amerikanischen Bank­noten sowie Greenbacks wesentlich eingeschränkt sei. Die Blandffche Silbeibill habe ihre guten, aber auch ihre schlimmen Seiten; dieselbe habe temporär Die Amortisirungs - Operationen und Anhäufungen von Silber zum Stillstand ge­bracht und dazu geführt, daß die Staatsschuldtitel aus dem Auslande nach Amerika zurückgefloffen seien; letztere wären indeß in Amerika ohne weiteres aufgenommen worden. Dies zeuge von dcm Vertrauen, welches das amerika­nische Volk in Die Zukunft des Landes setze. Inzwischen sei durch Ausprägung von Silbermünzen dem Verlangen der Bevölkerung nach Circulation von Gold und Silber, das die Wiederaufnahme der Baarzahlungen erleichtern solle, Genüge geschehen. Er (Sherman) glaube, er werde binnen Monatsfrist alle 4proc. Obligationen, Die nothwendig seien, um Die Wiederaufnahme der B Bar­zahlungen herbeizuführen, verkaufen können; er halte cs inDeß für ausreichend, nur so viel Obligationen zu verkaufen, als nothwendig, um monatlich 5 Mil­lionen in Gold und Selber anzusammeln. Er empfehle dem Congreffe, ihn zu ermächt-gen, daß ef für die Obligationen und bei Entrichtung der Zölle Green­backs in Zahlung nehmen und letztere neu ausgeben dürfe. Wenn 300 Mil­lionen Greenbacks in Umlauf gelassen würden, die nach dem 1. October für Zölle in Zahlung genommen werden könnten, so würde das Schatzamt im Stande fein, mit der jetzt in Den Kaffen befindlichen Summe von 90 Millionen golD und Silber und mit der in Aussicht genommenen Ansammlung von mo­natlich 5 Millionen spätestens im Januar 1879 die Baarzahlungen aufzunehmen.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'« telegr» Correspondenz-Burean.

Wien, 23. März. Die österreichische Delegation nahm einstimmig den Antrag an, Die Petition des Beamten-Vereins und Der Versicherungs-Gesell- schfften wegen Desii.fection Der Schlachtfelder dem gemeinsamen Ministerium mit Der Aufforderung zu übergeben, auf internationalem Wege eine unoerroeilte Beseitigung Der Durch unbecrDigte Leichen in Bulgarien und Rumelien dem all­gemeinen Gesundheitszustände Europas Drohenden Gefahren anzustreben und zu Diesem Behufe auf Die sofortige Bildung einer internationalen SanitätScom- mission hinzuwirken.

Konstantinopel, 24. März. Die türkischen Truppen, welche bisher m Dcutari cantonirten, sind in Die Umgegend von Bujukdere verlegt, wo ein Lager von 15000 Mann errichtet wird. Ein zweites Lager wirD bei Kavak am Schwarzen Meere gebildet. Gerüchtweise verlautet, daß Munit Effendi ium Botschafter in Petersburg ausersehen sei. Osman Pascha soll mit Reuf Pascha heute hier ankommen.

London, 23. März. Wie verlautet, sollen 5 Dampfer von der Cunard- unD der White-Star-Comp. provisorisch von der Regierung gemietet sein.

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