Ausgabe 
25.7.1878
 
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Reichshypothekenbank, die neuen Prioritäten der österreichischen Staatsbahn, die Goldobligationen der ungarischen Nordostbahn, ferner eine 31/zprocentige Rente der Stadt Hamburg. Die Ottomanische Bank hat sechs Millionen Pfund türkische Anleihe übernommen.

In London regt sich die Opposition gegen Lord Beaconsfield. Die Turkophilen klagen ihn des Landesverrathes an. Die am 21. ds. von Gladstone im liberalen Club von Louthwack gehaltene große Rede beleuchtete alle Fragen ausschließlich vom Parteistandpunkte und gestaltete sich zu einer großen Anklage gegen das Verhalten der Conservativen während der letzten vier Jahre. Er geißelte nicht nur die englische Politik in der Orientfrage, sondern auch die finanzielle Wirth- schaft der Conservativen seit 1874.

Deutschland.

Mainz, 19. Juli. Ueber Liebknecht's Auftreten hier schreibt derRhein. Kur.": In dem Akademie-Saale des ehemaligen kurfürstlichen Schlosies hielt gestern Abend der Arbeiter-Apostel Liebknecht seine Candtdatenrede. Von der Wahl sprach Liebknecht eigentlich sehr wenig, sein Steckenpferd warenBismarck und die National-Liberalen." Redner hob besonders seinen prophetischen Geist hervor, denn schon vor 8 Jahren will er gesehen haben,daß es so kommen müsse", damals schon hatte er dieBlut- und Eisenpolittk" des Fürsten Bismarck durchschaut. Der Reichstag sei nicht wegen derzwei Schüsse" ausgelöst wor­den, sondern weil Bismarck eine reactionäre Versammlung brauche, die ihn in seiner Politik unterstützen müsse. Bismarck braucht Geld, neue Steuern müssen geschaffen werden und deshalb erfolgte die Auflösung des Reichstags. Im Dienste Bismarck's befinde sich ein Mitglied der Internationale, ihm selbst (Liebknecht) habe man vor Jahren den Antrag gestellt, in die Dienste B's- marck's zu treten, Soctaldemokrat könne er immerhin bleiben. Für'die Ver­sammlung, die größtentheils aus unreifen Jünglingen oder aus Ultramontanen bestand, waren diese Schlagwörter das richtigeFutter" und das Kopfnicken des Vorsitzenden war stets das Zeichen, in ein Betfallsgebrüll auszubrechen. Die Versammlung, die unter der Aufsicht einer starken Polizetmacht tagte, wurde erst um halb 9 Uhr Abends geschlossen.

Offenbach, 22. Juli. Die deutsche Fortschrittspartei hat hier Herrn Heinrich Flinsch aus Frankfurt a. M. für den Wahlkreis Offenbach-Dieburg aufgestellt. Flinsch war im vorigen Jahre Candidat der Frankfurter Fort­schrittler, fiel aber durch.

Berlin, 20. Juli. Die Bemühungen, das Wrack des SchiffesGroßer Kurfürst" zu retten, sind, wie wir erfahren, noch keineswegs aufgegeben. Es ist vielmehr die Absendung einer neuen Anzahl von deutschen Tauchern zur Fortsetzung der Versuche nach der Unglücksstelle beschlossen worden. Sind die Aussichten aus Erfolg auch nur gering, so hat sich doch bereits gezeigt, daß die ursprüngliche Beurtheilung der Sachlage Seitens der englischen Taucher zu ungünstig und die Absendung der deutschen Taucher in jeder Weise zweck­mäßig war.

Berlin, 22. Juli. DerReichs-Anz." veröffentlicht folgendeVerord­nung, betreffend die Aufhebung des Verbots der Ausfuhr von Pferden vom 22. Juli 1878" :

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preu­ßen rc., verordnen im Namen des Reichs, nach erfolgter Zustimmung der Bun­desregierungen, was folgt: Die Verordnung, betr. das Verbot der Ausfuhr von Pferden vom 7. Juli v. Js. (Reichsgesetzbl. S. 547) tritt mit dem Tage der Verkündigung gegenwärtiger Verordnung außer Kraft.

Urkundlich unter Unserer höchsteigenhändtgen Unterschrift und beigedrucktem kaiserlichen Jnsiegel.

Gegeben Berlin, den 22. Juli 1878.

Im Allerhöchsten Auftrage Sr. Majestät des Kaisers:

(L. 8.) Friedrich Wilhelm, Kronprinz. Otto, Graf zu Stolberg.

Berlin, 22. Juli. Zur Bergung der Ladung desGroßen Kurfürsten" sind ununterbrochen Taucher beschäftigt. Zur rascheren Förderung dieser Arbeit sollen, wie dieElberf. Ztg." meldet, noch mehr Taucher nach dem Canal ge­sandt werden. Die Hafenanlagen bei Ellerbeck sind jetzt so weit vorgeschritten, daß noch im Laufe dieser Woche dieHansa" gedockt werden kann. Darauf sollFriedrich der Große" gedockt werden. Die Verschlußpoatons für die anderen beiden Docks werden bis Mitte August von der Gesellschaft Vulcan in Stettin geliefert werden. Demnächst wird an die Ueberführung des eisernen Schwimmdocks nach Swinemünde gedacht werden können. In Danzig ist die Baugrube zur Aufstellung des eisernen Schwimmdocks so weit hergerichtet, daß mit der Zusammensetzung des letzteren vorgegangen werden kann.König Wil­helm" ist am 14. d. in Wilhelmshaven außer Dienst gestellt worden. Die Werst hat den Auftrag erhalten, alle Geschütze und schweren Gewichte von Bord zu nehmen. Das Material zur Wiederherstellung der beschädigten Thetle des Schiffes soll aufgestellt und ein Contract für die beschädigten Vorsteven abgeschlossen werden. Hierauf soll das ganze Schiff in Dock gelegt und die gründliche Ausbesserung rasch vorgenommen werden. In Betreff der Hrvarie, welche vomKönig Wilhelm" angeblich bei seiner Rückkehr einer Fischerflotille zugefügt worden sein soll, ist zu bemerken, daß die etwaigen Beschädigungen von ganz untergeordneter Natur gewesen sein müssen, da die Fischer sie nicht einmal dem Commandanten desKönig Wilhelm" gemeldet haben.

Dresden, 22. Juli. Die erste Kammer hat den Ankauf sämmtlicher noch in Besitz von Privatgesellschaften befindlichen fünf Eisenbahnen für den Staat genehmigt. Die zweite Kammer hält heute Nachmittag Sitzung zur weiteren Berathung dieser Angelegenheit.

Hesterreich.

Wien, 22. Juli. Meldungen derPolit. Corresp." Cattaro, 22. d. Die Montenegriner concentriren seit einigen Tagen an den von ihnen besetzten Küstenpunkten mehr Geschütze und häufen Munition an. Serajewo, 22. Juli. Die Aufregung der bosnischen Mohamedaner ist im Nachlassen; dieselben machen sich mit der bevorstehenden Occupation immer mehr vertraut. Nur in wenigen Districten der Herzegowina finden sich noch Spuren von Ueberretzung. Konstantinopel, 22. Juli. Karatheodori und Mehemed Alt Pascha signalisiren aus Wien dem Großvezier den befriedigenden Stand der Verhandlungen mit dem Wiener Cabinet. Aus den Verhandlungen mit Griechenland will man auf der Pforte beruhigendere Eindrücke haben. Es wird versichert, die Pforte verhandle wegen Aufnahme einer vorläufigen Anleihe von 50,000 Pfd. zur Remstallirung der Flüchtlinge.

Pesth, 21. Juli. Der Kaiser bewilligte einem General, mehreren Ober­sten und 60 Osficieren einen dreijährigen Urlaub zur Reorganisirung der per­sischen Armee.

Italien.

Nom, 20. Juli. Die Unterhandlungen zwischen der preußischen Regie­rung und dem heiligen Stuhle dauern fort und da es für den Augenblick nicht möglich ist, sich über Principienfragen und Reformen der bestehenden Gesetze zu verständigen, so hat der Papst einen Modus vivendi vorgeschlagen, nach welchem Preußen die Jurisdiction des Nuntius in München über die geistlichen Ange­legenheiten in Preußen anerkennen solle.

lelrgraphische Deprschr«.

Wagner'- telegr. Torrefpondenz-Vureau.

Berlin, 23. Juli. Wie verlautet, ist der Aufenthalt des Kaisers in Babelsberg auf 8 bis 10 Tage bemessen.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Die Nrchricht, der preußische Gesandte in München, Graf Werthern, sei für den Botschafterposten in Konstantinopel ausersehen, bestätigt sich nicht. Graf Werthern hat in Hinsicht auf Familren- verhältniffe den Wunsch ausgesprochen, in München zu bleiben. Wie verlautet, ist nunmehr der Gesandte am Madrider Hofe, Gras Hatzfeldt, für Konstan­tinopel designirt.

Wien, 23. Juli. DiePolit. Corresp." meldet aus Konstantinopel von heute: 16 russische Infanterie - B ttaillone mit zahlreicher Artillerie haben Schumla besetzt. Auch mehrere russische Ciotlbeamte übernahmen dort die Ver­waltung von den türkischen Civilbeamten, welche sich nach Varna zurückzogen. Ueber die Räumung der russischen Stellungen vor Konstantinopel, welche erst nach der gleichfalls bevorstehenden Räumung Varnas Seitens der Türken er­folgt, wird gegenwärtig lebhaft verhandelt. Die Türken wünschen, daß sich die Russen auf eine Entfernung von 24 Stunden hinter Tschataldja zurückziehm. Die Russen wollen sich nur aus eine Stunde Entfernung von Tschataldj r zu- rücksiehen. Die betreffenden Räumungs-Verhandlungen werden Seitens der Türken mit einem gewissen Mißtrauen geführt, weil dieselben befürchten, daß die Russen nur in den Besitz Schumlas und Varnas gelangen wollen, um schließlich doch die Stellungen vor Konstantinopel nicht zu verlassen. Gestern fand ein Ministercath wegen Bosnien statt. Die Gerüchte von dem nahen Abschlüsse einer österreichisch - türkischen Convention haben sich vorläufig noch nicht bestätigt.

Wien, 23. Juli. DiePresse" meldet aus Rom, daß trotz allen osst- ciellen Versicherungen der Rücktritt des Grafen Corti ein; festbeschlossene That- sache sei. Die Demission desselben soll erst nach der Rückkehr des Königs aus Oberitalien erfolgen. Graf Robillant wird allgemein als Nrchfolg^r Corci's bezeichnet.

Professor Karl Rokitansky ist heute gestorben.

Dresden, 23. Juli. Die beiden Kammern beschlossen heute endgültig den Ankauf der Eisenbahnen Annaberg-Weipert, der Muldethalbahn, Goesnitz- Gera und Mehltheuer-Weida für den Staat, denjenigen der letzteren unter gewissen Bedingungen. Der Ankauf der kleinen Bahn Chemnitz-Würschnitz wurde abgelehnt.

Dortmund, 23. Juli. DieWestphäl. Ztg." meldet: Auf der dem westphältschen Grubenverein gehörigen ZecheHansa" fand heute Morgen eine Explosion schlagender Wetter statt. Fünf Bergleute blieben tobt, zwei wur­den verletzt.

Paris, 23. Juli, Nachm. Der Präsident der Republik hat den Ver­trag von Berlin heute Morgen ratistctrt. Der Austausch der Ratificationen mit den anderen Mächten wird sofort erfolgen.

Nom, 23. Juli. Das radikale BlattCapitale" protestirt lebhaft gegen die Demonstrationen, welche gegen die nationale Würde sind und diplo­matische Verwickelungen herbeiführen können. Das Blatt empfiehlt den Italie­nern angelegentlich, auf der Hut zu sein: es sei Grund zur Annahme, daß hinter diesen Demonstrationen Individuen stecken, welche als Feinde des gegru- wärtigen Zustandes Italiens bekannt sind. Dasselbe Blatt meldet: Der Bericht über die am Sonntag stattgefundene Demonstration ist gestern der Be­hörde zur Erwägung übermittelt worden, ob eine gerichtliche Verfolgung einzu- leiten sei.

Wien, 23. Juli. DiePresse" hört, das Pserdeausfuhroerbot werde im Einvernehmen mit der ungarischen Regierung für die ganze Monarchie auf­gehoben werden. Der Commandant der Occupationstruppen Baron Feld­zeugmeister v. Philtppovich ist gestern Nacht in Brod eingetroffen.

Washington, 22. Juli. Nach einem Berichte des Agricultur-Depar- tements waren am 1. Juli fast 50 Millionen Acres mit Kornfrüchten bestellt, was etwas hinter dem Vorjahre zurücköleibt. Die Winterweizenernte war sehr ergiebig in den Mittelstaaten. Der vortreffliche Stand des Frühjahcsweizen im Juni hat sich auch diesen Monat behauptet. Seit dem 1. Juli hat der Frühjahrsweizen in Minnesota, im Norden von Iowa und in Wisconsin in Folge verschiedener Ursachen ernstlichen Schaden gelitten.

London, 23. Juli. Die Königin hat Beaconsfield den Hosenbandorden verliehen; die Ceremonte der Investitur hat am Montag Vormittag in Osborne stattgefunden. Im Unterhause erklärte der Staatssecretär des Krieges Stanley auf eine Anfrage Rathbone's, daß die Entlassung der ersten Classe der Armeereserve und Milizreserve befohlen sei. Schatzkanzler Northcote bemerkte gegenüber Campbell: es seien im Frtedensvertrage Bestimmungen wegen der europäischen Commission vorgesehen. Unterstaatssecretär Bourke erklätte auf eine Anfrage: wegen der Anwesenheit der rumänischen Minister in Berlin hätten die Unterhandlungen über den Handelsvertrag mit Rumänien keinen Fortschritt gemacht. Northcote theilte ferner auf Erkundigung Hartington's mit, daß er die Debatte über Hartington's Resolution auf nächsten Montag festsetze. Der erste Lord der Admiralität, Smith, ertheilte auf eine Anfrage Montagu's die Auskunft: er zweifele nicht, daß Rußland befriedigende Erklärung wegen der Beschießung eines britischen Bootes geben werde. Otway fragte an, ob die durch den Berliner Vertrag nicht aufgehobenen Bestimmungen des Vertrages von St. Stefano die Kraft von Vertragsbestimmungen zwischen der Türkei und Rußland hätten. Northcote erwiderte: die Frage ist eine internationale zwischen den beiden Mächten, worüber England noch keine Ansicht ausgedrückt hat.

Konstantinopel, 23. Juli. Die Russen haben gestern Schumla besetzt.

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