sich das Zeugniß geben, bemerkt die „B. A. C-", daß sie diesem Grundsätze fleireu ihr Verhalten eingerichtet und daß sie sich in dieser Hmsicht bereitwilligst gezeigt hat, nach rechts wie nach links hin Wahlcompromrsie abzuschließen. Gelingt es in der That, durch ein gemeinsames Zusammengehen aller staatserhaltenden Elemente die Zahl der socialdemokratischen Abgeordneten im Reichstage erheblich einzuschränken, so ist der Vortheil, der dadurch für bte Gesammtheit aller anderen Parteien, ja, man kann ohne Bedenken sagen, für das Wohl des Staates erreicht wird, ein so großer, daß es wenig darauf ankommt, ob dabei die eigene Partei vielleicht ein Mandat weniger gewinnt, als bet dem Htneinwersen einer Nebencandidatur in den Wahlkampf unter der gleichzeitigen Gefahr eines Mißerfolges für die Gesammtheit der staatserhaltenden Elemente sich möglicher Weise hatte erraffen laffen.
AranKreich.
Loudon, 22. Juli. Der griechische Ministerpräsident Delijannis hat ich in Begleitung von Gmnadius am Sonnabend nach Paris begeben.
Ein Telegramm der „Times" aus Konstantinopel »om 21. d. meldet: Trikup s wird demnächst wegen der türkisch griechischen Verhandlungen in Kon« tantinopel erwartet. Die Pforte erhebt starke Einwendungen gegen die Abtretung von Janina. — Die „Times" bespricht die englisch-tückische Convention und meint, durch die Behauptung der Opposition, der Vertrag involvire eine ungeheuerliche Verantwortlichkeit, würde das Land keineswegs in Schrecken gesetzt. Wenn jedoch die Pläne der britischen Regierung nicht ohne sehr große Ausgaben auSgeführt werden könnten, dürfte es nothwendig werden, von der Pforte die klarsten Stipulationen zu fordern und dürfte die Convention dann eine fundamentale Veränderung erfahren. — Ein Telegramm der „Times" aus Belgrad meldet, die Skupschtina bereite einen Protest an die europäischen Mächte vor, worin Serbiens Ansprüche auf Bosnien und die Herzegowina gel-
PariS, 20. Juli. Die Arbeitseinstellungen greifen weiter um sich: 450 Arbeiter in den Bäckereien zu Bordeaux und 700 in den Färbereien von Saint Chamond haben die Arbeit eingestellt. — In Anzin und Umgegend ging die letzte Nacht ruhig vorüber, aber alle Gruben der Gesellschaft liegen still- nur in Demain wird wieder gearbeitet. Die Arbeiter verlangen: 1) Abschaffung der Arbeit aus Tagewerk, die durch festen Lohn von 5 Frcs. für den Tag von acht Stunden Arbeit ersetzt werben soll. (Die Grubenarbeiter verdienen jetzt bei neun Stunden Arbeit und gewöhnlicher Leistungsfähigkeit 3i/2 Frcs.) 2) Die Möglichkeit, jeden Augenblick aus der Grube aufsteigen zu dürfen. 3) Ermäßigung des Gehalts der Bureau-Beamten. 4) Wiederaufnahme der Montagsarbeit, die wegen der großen Stockung im Kohlengeschäfte unterbrochen wurde. Die Kohlengesellschaft will nur im letzten Punkte nachgeben; sie hält die Abschaffung der Arbeit auf Tagewerk für unthunlich. (K. Z.)
England.
London, 19. Juli.ZI Nach Cypern sind gestern von Malta aus dre R gimenter Infanterie, eine~Batterie und fast alle indischen Truppen abgegangen. Der „Daily News-Correspondent" ist voll des Lobes über die Methode und Schnelligkeit, mit welcher die Truppen, etwa 10,000 Mann stark, eingeschlfft wurden. Vollständige Vorräthe auf einen Monat hinaus wurden mitgenommen. Wir erfahren weiter, daß die Gesundheit der indischen Truppen während ihres Verweilens auf Malta vortrefflich gewesen, ihre Quartierung völlig befriedigend und ihre Disciplin, einen einzigen Fall ausgenommen, be- wundernswerth gewesen. Valetta und Umgegend seien durch die 8000 Asiaten nicht in chrer Ruhe und Sicherheit gestört worden. — Sir Garnet Wolseley bat aus Cypern erfahren, daß es an Heu mangele, im Uebriqen aber alle Vorrälhe, auch Fleisch und Gemüse, reichlich und zu vernünftigen Preisen gekauft werden können. — Auf Malta beschäftigt man sich sehr mit Gedanken der Auswanderung nach Cypern. Man wünscht Vorkehrungen gegen Ansammlung von allerlei Gesindel getroffen zu sehen.
Italien.
Rom. In Italien dauert die Aufregung wegen des englisch-türkischen Vertrages fort, und die Blätter werden nicht müde, das Thema zu behandeln. Die Organe der Linken überhäufen den^Grafen Corti mit Vorwürfen. Der Risorgimento von Turin nimmt ihn in Schutz, setzt aber doch hinzu, Italien wäre in Berlin nachdrücklicher aufgetreten, wenn die Opposition noch am Ruder wäre. In Rom wird ein großes Meeting vorbereitet, auf dem gegen die Beschlüsse des Congreffes feierlich protestirt werden soll. Die Frage, ob die Regierung das Meeting verbieten soll, ist im letzten Ministerrathe verneint worden. Was die „Societä in prö dell’ Italia irredenta“ betrifft, die eben in Neapel eine große Volksversammlung veranstaltete, so hatte sich Herr Zanardelli doch veranlaßt gesehen, ein Rundschreiben an die Präfekten zu richten, worin sie aufgefordert werden, darüber zu wachen, daß die „Italia irredenta“ den Boden der Gesetzlichkeit nicht verlaffe. Von Berlin aus soll übrigens ein freundlicher Wink nach Rom ergangen sein, man möchte doch die Oesterreich verletzende Agitation nicht gar zu üppig in's Kraut schießen lasten.
Rom, 21. Juli. Ein unter dem Vorsitze Menotti Ganbaldi’s abgehaltenes demokratisches Meeting hat eine Resolution angenommen, welche die Vergewaltigung des Nationalitäts- und Volkssouoeränitäts-Principes durch den Kongreß tadelt, die Solidarität des italienischen Volkes mit den durch den Congreß verschacherten Völkern betont und daran erinnert, daß noch italienische fremder Herrschaft unterworfene Länder existiren; man müffe auf die nächste Zukunft, auf Gerechtigkeit und Wahrheit vertrauen. — In Turin, Genua, Palermo und Pisa sanden gleichfalls Versammlungen statt. Die Abhaltung einer solchen in Mailand scheint aufgegeben zu sein. — Heute Abend ließen junge Leute auf der Piazzo Colonna Hochrufe auf Triest und Trentino erschallen. Die Behörden ergriffen entsprechende Maßregeln.
telegraphische Depeschen.
Wagner'- telegr. Eorrespondenr - Bureau.
Berlin, 22. Juli. Nach dem neuesten Bulletin war das Befinden des Kaiser in letzter Zeit ungestört gut. In den Kräften ist ein erfreulicher Zuwachs eingetreten, so daß bei günstigem Witterungswechsel die erste Ausfahrt mit sehr gutem Erfolg unternommen werden konnte. — Herr v. Oubril ist gestern Abend nach Petersburg abgereist. Graf St. Vallier reist heute Abend nach Paris.
— Se. Maj. der Kaiser ist heute Nachmittag l3/< Uhr mittelst Extrazuges nach Babelsberg übergesiedelt.
— Se. Maj. der Kaiser war bei der Uebersiedelung nach Babelsberg von Ihrer Maj. der Kaiserin, der Großherzogin von Baden und deren Tochter Prinzeß Victoria begleitet. Der Kaiser fuhr im geschloffenen Wagen über die Linden nach dem Potsdamer Bahnhof und wurde überall, wo Se. Majestät vom Publikum erkannt wurde, namentlich bei der Einfahrt in den Bahnhof, mit enthusiastischen nicht enden wollenden Zurufen begrüßt. Auf dem Bahnhof befanden sich der Stadtcommandant und der Polizeipräsident.
— Der „Reichs-Anzeiger" veröffentlicht eine vom Grafen Stolberg gegen- gezeichnete kaiserliche Verordnung vom 22. Juli, betr. die Aufhebung des Pferde- Aussuhrverbotcs. Ferner veröffentlicht derselbe das Gesetz, betr. die Abänderung der Gewerbeordnung.
Stuttgart, 22. Juli. Der König der Niederlande ist zum Besuch dcr königlich württembergischen Herrschaften in Friedrichshafen eingetroffen.
tenb gemacht werben.
London, 22. Juni. Durch Circular bes Kciegsministers wirb bte Entlastung der Reservisten ber Armee unb Miliz zum 31. Juli anbefohlen. Vor ber Entlastung wird ber Herzog von Cambridge Revue über 14,000 Mann halten.
Berlin, 22. Juli. Der „Reichs-Anz." schreibt (in Bestätigung anber- iveitiger Melbungen): Für bte vielfach verbreitete Nachricht, baß bte russische Regierung beabsichtige, die Verorbnung, betr. bie Zahlung ber Zölle in Gold, vom 1. Septbr. an außer Kraft zu setzen, liegen bisher keine tatsächlichen Anhaltspunkte vor; dieses Gerücht erscheint nach Lage der Verhältniste wenig glaubwürdig.
Rom, 22. Juli. Gestern fanden in Pavia und Reggio Versammlungen statt, bie ohne besondere Zwischenfälle verliefen. In Neapel und Bologna kam es zu Demonstrationen, ohne daß jedoch die Ruhe weiter gestört wurde. Die in Mailand, Venedig, Como, San Remo und anderen Orten beabsichtigten Versammlungen sind verschoben. Das Journal „Liberia" constatirt, daß der gestern Abend in Rom gemachte Demonstrationsversuch nicht die von ben unklugen unb exaltirten Veranstaltern bestelben erhofften Resultate hatte, in Folge der ruhigen würdigen Haltung der Bevölkerung. Das Journal „Capi- tale" beklagt ebenfalls die besagte Demonstration und fürchtet, dieselbe fei durch Unvorsichtige oder Agents provocateurs veranlaßt worden.
Berlin, 22. Juli. Nachdem die Verhandlungen der in Kiel thätig gewesenen Havarie Commission, betr. den Untergang des „Großen Kurfürsten" bei der Admiralität eingegangen sind, haben die Einleitungen zum kriegsgerichtlichen Verfahren nunmehr begonnen.
London, 22. Juli, Abends. Im Unterhause kündigte Kenealy ein Amendement zu Hartington's Beschlußantrag an, welches Befriedigung über die Abmachung der britischen Vertreter auf dem Congreffe ausdrückt unb bie Agitation, welche Rußland zum Angriffe auf bte Türkei ermutigte unb daher ernstlich bas europäische Gleichgewicht unb Jnteresten, wie Hanbel Englands, beeinträchtigte, verurtheilt. Plunket kündigte ein Amendement zu Hartington's Resolution an, wonack an die Königin eine Adresse zu richten sei, die ür Mittheilung des Vertrages, der Congreß-Protokolle und der englisch- türkischen Convention Dank ausspricht und die feste Versicherung ertheilt, daß das Haus mit höchster Befriedigung die Beendigung des Krieges durch den Vertrag zwischen den Großmächten vernommen habe; ferner soll in der Adreffe die zuversichtliche Hoffnung ausgesprochen werden, daß dies Arrangement zur Wahrung des Friedens, zur Besserung der Verhältniffe eines großen Theiles der orientalischen Bevölkerung und zur Aufrechterhaltung der Jntereffen dieses Reiches führe. (Beifall der Conservativen.)
Lokal-Notiz.
Gießen, 23. Juli. Tagesordnung für die Stadtverordneten - Sitzung aa Donnerstag den 2Z. Juli 1878, -tachmittagS 4 Uhr r
1. Erlaß eines Lokal: Reglements in Betreff der Stratzenreintgung.
2. Den Burg-Graben betreffend.
3. Die Anlegung einer Straße zwischen dem Gartfeld und dem Asterweg bett. 4. Die Erbauung eines Schlachthauses.
5. Die Realschule erster Ordnung.
6. Die Betriebsregulirung der Stadtwaldungen.
7. Erbbegräbnisse betreffend.
8. Erweiterung des Friedhofs betreffend.
9. Gesuch wegen Pflasterung des rechtsettigen Trottoirs der Frankfurter Straß!.
10. Gesuch des L-chreinermeisters Jacob Schmidt um Bauerlaubniß.
11. Gesuch des Wilhelm Wagner n. um Bauerlaubniß.
12. Gesuch des Daniel Weller von Heuchelheim umErlaubniß zur Erbauuni eines Hintergebäudes.
13. Gesuch des BäckermeifterS Wilhelm Löber VL um Erlaubniß zur Voi- nähme von Bauveränderungen.
14. Gesuch des Kaufmanns C. W. Nowack um Erlaubniß zur Erbauung einet StalleS.
15. Gesuch des Rentners C. Münch um Erlaubniß zur Anlegung einer Ein- friedigung.
16. Desgleichen Seitens de8 Heinrich Adami.
17. Gesuch deS Braumeisters Möller um Bauerlaubniß»
18. Desgleichen des GlasermeisterS Scherff.
19. Verzinsung von Communal-Ausständen.
Gießen, 23. Juli. Der von dem Oberhessischen Verein für Localgeschichte ü Aussicht genommene Ausflug nach Münzenberg findet nicht, wie anfänglich beabsichtig!, nächsten Samstag, sondern erst Sonntag den 4. August und zwar über Butzbach stae. Herr Professor von Ritgen wird an Ort und Stelle einen Vortrag über Baua: und Geschichte von Münzenberg halten. J
Der auf die Saalburg projectirte Ausflug wird vorerst unterbleiben, wefl^ den eifrigen Bemühungen des Ausschusses gelungen ist, das Ministerium des Innen für die Ausgrabung der CaperSburg durch einen Hess. Verein zu interessicen und das selbe eine namhafte Geldunterstützung zugesagt hat, so daß der Ausschuß im vertraue« auf reichliche außerordentliche Beiträge der Mitglieder die Ausgrabung beschlossen he und damit sofort nach Einlangung der ministeriellen Genehmigung, die Anfang nächste Woche erwartet wird, begonnen werden soll.
Die Liste zur Einzeichnung von Beiträgen wird dieser Tage circuliren und wir! eine Einrichtung getroffen werben, durch welche auch Rtchtmitgliedern Gelegenhe: geboten wird, sich durch eine wenn auch nur kleine Geldzeichnung an einem für unsere Stadt so bedeutungsvollen Unternehmen zu betheiligen. i
--Durch Unwohlsein verhindert, war es Frl. Natalie Köhler nicht nwg' lich, ihrem Versprechen gemäß, den Oedipus in Kolonos bis jetzt zu lesen. beabsichtigt jedoch denselben kommenden Freitag Abend vorzutragen, lieber die W lesung des Oedipus äußerte sich die leider zu früh verstorbene treffliche Lout Büchner im Darmst. Tagblatt vom Jahre 1875: Mit großer Befriedigung folgt am vergangenen Freitag ein gewähltes und zahlreiches Publikum der Vorlesung oe, Oedipus in Kolonos, durch Frl. Natalie Köhler. Sie hat die höchst schwierige Aufgabe, wie sie der Vortrag einer Dichtung von solch hochtragischem Schwünge um


