Einzelbild herunterladen

stände, der nur verhängnißvoll für die Türkei sein könnte. Sei irgend etwas vorgefallen, was das vorjährige Vertrauen der Regierung bezüglich der Sicher­heit der englischen Interessen schmälere? Hoffentlich werde das Haus nicht vergeffen, daß Englands Eintritt in den Confllct wahrscheinlich jede Hoffnung aus Lokalisirung des Krieges vernichten würde. Es wäre die größte Unklugheit, wenn in einem Augenblick, wie dem gegenwärtigen, der Einfluß Englands in die Thetlnahme am Kampfe verwickelt würde. (Hierauf hielt Schatzkanzler Northcote die schon in Nr. 17 mitgetheilte Rede). Gladstone fragte, ober Northcote recht verstanden habe, daß die Regierung also keine Vorschläge zu machen habe, bis sie Rußlands Bedingungen kenne. Northcote bejahte dies. Gladstone be­merkte, er sei erfreut, daß keine sofortigen Anträge beabsichtigt seien. Er finde keinen Grund, darüber zu klagen, daß die Regierung die Unterstützung für Vorsichtsmaßregeln nachsuchen möchte. Er sei jedoch der bestimmten Ansicht, daß nichts von dem, was bisher bekannt wurde, solche Vorsichtsmaßregeln recht- fertigen. Was die Behauptung angehe, daß die Regierung nicht hoffen könne, in irgend einer Sache erfolgreich zu sein ohne die Unterstützung des Parla­mente, so stehe allerdings außer Zweifel, daß bei einer solchen Lebensfrage die Ansichten im Parlament nicht getheilte, sondern übereinstimmende sein müßte i. Nach einigen Bemerkungen Montagus beantragten die irischen Mitglieder Mitshell und Hency ein Amendement zu Gunsten der Home-Rule-Bill. Es entspann sich hierüber eine längere Debatte, deren Fortsetzung schließlich auf morgen vertagt wurde.

Spanien.

Madrid, 18. Januar. Der Senat hat die Jahresrente der Königin für den Fall ihrer Verwittwung bewilligt. Von den Deputirten wurde die Erwiederung der Kammer auf die königliche Botschaft dem Könitz überreicht; dieser dankte für die an ihn gerichteten Glückwünsche, mit dem Hinzusüzen, er hege das Vertrauen, daß seine Ehe sein Glück und das Glück Spaniens sichern werde. Der König unterhielt sich darauf mit mehreren einzelnen Deputirten.

Rußland.

Petersburg, 19. Januar. DieAgence Russe" legt entschieden Ver­wahrung gegen die Insinuationen gewiffer Journale ein, welche aus dem Um­stande, daß die russischen Ober-Commandtrenden keine Instructionen empfingen aus die Hintergedanken der russischen Regierung, um die Begegnung mit den türkischen Unterhändlern zu verzögern, schließen wollten. Ueber den Waffenstill­stand habe nicht verhandelt werden können, so lange die türkffchen Bevollmäch­tigten in Folge von Transportschwierigkeiten in Kasanlyk überhaupt noch nicht angekommen waren. Die russische Regierung wünsche aufrichtig den Frieden, aber die Thatsache, daß die Pforte die tückischen Truppen von dem Eintritt eines Waffenstillstandes benachrichtigt habe, sei ein Zeichen, welches beweise, daß die Pforte die Meinung Europas auszubeuten beabsichtigte, die immer geneigt fei Rußland Berechnungen unredlicher Art unterzuschieben, und welches zugleich darthue, daß die Pforte, indem sie einen Waffenstillstand beantrage, nicht den Frieden im Auge habe, sondern nur die Mittel, um den Widerstand zu verlängern.

Türkei.

Konstantinopel, 18. Januar, Vorm. -Dem mehrstündigen Minister- rathe, der gestern ttn Seraskierate unter dem Vorsitze des Sultans stattfand, wohnten die Ulemas, die Generale und die ehemaligen Minister bei. Man verkehrte telegraphisch mit den Armee-Corps und Festunzs-Commandanten und discutirte die Lage für den Friedens- wie für den Kriegsfall. Nach dem Con­seil wurden mehrere Deputirte dem Sultan vorgestellt, der ihnen für die ge­troffenen Vorkehrungen zur Unterstützung der Ausgewanderten dankte. Fort­während langen Flüchtlinge ein. Dieselben werden in den Minister-Palais und in Privathäusern untergebracht.

Der Großvezir hat die Deputirtenkammer durch eine Botschaft auf- gesordert. 5 Delegirte ui wählen als Mitglieder einer im Uebrigen aus Sena­toren, Ulemas und Osficteren zusammengesetzten Commission, welche die militärischen Maßregeln für den Fall des Scheiterns der Waffenstillstands- V^rhandlungen in Erwägung ziehen soll.

Konstantinopel, 19. Januar. Die Truppen, welch? Adrianopel be­setzt hielten, haben sich auf Tschataldja, dem Centralpunkt der Vertheidigungs- Linie von Konstantinopel, zurückgezogen. Die Raffen sollen, wie verlautet, heute Abend in Adrianopel einrücken.

Konstantinopel, 19. Januar. Telegrammen aus Adrianopel von heute zufolge haben die Türken die Vertheidigung Adrianopels aufgegeben und alle Truppen und Kanonen zurückgezogen. Der Generalgouverneur verließ heute Morgen Adrianopel und ließ nur 72 Gensd'armen zur Aufrechthaltung der Ordnung bis zu dem bevorstehenden Einmarsch der Russen zurück- Nichdem die Russen gestern in Mustapha Pascha, einige Kilometer von Adrianopel, ein- trasen, wurden Maßregeln getroffen, daß die zurückgebliebenen Gensd'armen nach dem Einmarsch der Russen unbehelligt abziehen können. Heute Morgen ging ein Eisenbahnzug von Adrianopel ab, welcher alle Fremden und Ein­heimischen, welche die Stadt zu verlassen wünschten, mttnahm. Der französische Consul blieb zum Schutze seiner Nationalen in der Stadt zurück. Von Suleiman Pascha liegt noch keinerlei Nachricht vor. Die türkischen Bevoll­mächtigten sind gestern in dem russischen Hauptquartier zu Kasanlyk eingetroffen. Die Verhandlungen begannen sofort. Izzet Bey, Enkel Fuad-Pascha's. ist ge­stern mit neuen Instructionen für die türkischen Bevollmächtigten nach Kasanlik abgereist. Das Kriegsministerium hat eine Commission eingesetzt zum Zwecke der Berufung aller ledigen Männer zur Vertheidigung der Befestigungen der Hauptstadt.

Konstantinopel, 19. Januar. Ein Jrade des Sultans ruft alle Ottomanen unter die Waffen zur Vertheidigung des Vaterlandes, das in Ge- fahr ist.____________________

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Eorrespondenz-Bureau.

Paris, 19. Januar. Die geograph. Gesellschaft gab gestern Abend dem Afrikareisenden Stanley zu Ehren ein Banket, an welchem unter dem Vorsitze des Admirals La Ronciöre 270 Personen theilnahmen. Dem Gefeierten wurde von der Gesellschaft die goldene Medaille zuerkannt und von dem Unterrichts- Minister unter lebhaftem Beifall der Anwesenden die akademischen Palmen

Konstantinopel, 19. Januar. Nachrichten aus Adrianopel vom Heu­tigen zufolge verlassen fortdauernd die mohamedanischen Einwohner die Stadt. Die Patriarchen halten vermittelst der christlichen Bürgergarde die Ordnung aufrecht. Ein Munitions-Depot ist in die Luft geflogen. Das alte L-erail steht in Flammen.

Rom, 19. Januar. In Anwesenheit des ganzen königlichen Hofes, der Königin und des Kronprinzen von Portugal, des deutschen Kronprinzen, Erz­herzogs Rainer und Marschalls Canrobert leistete heute der Köniz den Eid nach der üblichen Formel und unterzeichnete das Eidesinstrument. Hierauf leisteten die Senatoren, unter ihnen die Prinzen Amadeus und Carignan, sowie die Deputirten, den Eid; von letzteren waren etwa 460 erschienen. Der König hielt sodann eine kurze (bereits gemeldete) Ansprache, wiederholt von Beifall unterbrochen, worauf der Hof in den Quirtnal zurückkehrte. Der König ward auf dem Hin- und Rückwege vom Publikum herzlich begrüßt.

Athen, 19. Januar, Abends. In Thessalien ist ein Aufstand ausge­brochen ; 500 Aufständische haben die Waffen ergriffen und sich in den Dörfern Vizritza und Pinacotes unweit der türkischen Festung Volo concentrirt. Die Türken fliehen nach Volo 200 flüchtige christliche Familien sind in Athen ein­getroffen. Heute haben sich 800 türkische Soldaten von Larissa gegen die Auf­ständischen in Marsch gesetzt.

Versailles, 19. Januar, Abends. Die Rechte wohnte der heutigen Sitzung der Kammer nicht bei, sondern beschäftigte sich mit einer Resolution, in welcher sie gegen verschiedene von der Kammer beschlossene Wahlcassirungen zu protestiren beabsichtigt. Die Kammer erklärte heute abermals die Wahl eines Deputirten der Rechten für ungültig.

Rom, 20. Januar. Durch königliches Decret werden alle bis jetzt wegen politischer oder Preßvergehen verurtheilte Personen amnestirt; desgleichen soll auch bei anderen Vergehen, wenn keine höhere als sechsmonatliche Strafe verwirkt ist, das Strafverfahren eingestellt werden.

Prag, 20. Januar. Nach drei Stunden dauerndem Verhör wurde Skrejschowsky, da sich die Zeugen widersprachen, vorläufig noch weiter in Hast behalten.

Petersburg, 19. Januar. Aus Schipka vom 19. d. wird amtlich gemeldet: Nach hartnäckigem Kampfe mit bewaffneten Einwohnern nahmen die Moskauer Leibdragoner am 16. Tirnowo-Hermanli ein, wobei 2 Dragoner getödtet und 8 verwundet wurden. Die rasche Einnahme dieses Punktes ist der Energie des Generals Strukoff zu danken, welchem General Skobeleff II. das Commando des gesummten Vortrabes seines Detachements anvertraut hatte. Letzteres concentrirte sich bei Hermanli; der Vortrab unter Strukoff setzt heute seinen Marsch fort.

Rom, 19. Januar, Abends. Vor dem Quirinal versammelte sich, als der König und die Königin nach der Eidesleistung dahin zurückgekehrt waren, eine große enthusiastisch bewegte Volksmenge. Das Königspaar trat auf den Balkon und wurde mit Jubelrufen empfangen. Als diese fortbauerten, traten demnächst die Majestäten nochmals heraus in Begleitung des deutschen Kron­prinzen, welcher den Prinzen von Neapel im Arm hielt, worauf die Menge in neue enthusiastische Jubelrufe ausbrach.

Petersburg, 20. Januar. Aus Kazanlik vom 18. wird amtlich ge­meldet: Das Detachement des Generals Skobeleff II concentrirte sich in Her­manli, nachdem dasselbe 82 Werst in 40 Stunden zurückgelegt hatte, wöbet es den kleinen Balkan überschritt und doch fast gar keine Marode hatte. Die türkischen Bevollmächtigten Server und Namyk Pascha in Begleitung des Ferik Nefuab Pascha und des Lioa Osman Pascha trafen am 17. in Hermanli ein, wurden auf Befehl des Großfürsten Nikolaus ehrenvoll empfangen und nach Kazanlik geleitet, woselbst sie am 19. erwartet werden.

Der amtliche Bericht über die der Besetzung von Philippopel voraus­gegangenen Bewegungen und Kämpfe, sowie über die am 16. erfolgte Be­setzung von Sliwno enthält ferner noch folgende Mittheilung: Es bestätigt sich, daß Suleiman Pascha befahl, beim Rückgang allenthalben zu sengen und zu brennen; Tatar-Basardschik ist halb niedergebrannt und gänzlich verwüstet, die Dörfer zwischen Basardschik und Philippopel fast sämmtlich zerstört, in Sliwno das Bulgarenviertel verwüstet. Philippopel wurde durch die Russen rechtzeitig gerettet.

Wien, 19. Januar, Abends. DiePolit. Corresp." meldet von heute: Der Ministerrath hat die Räumung Adrianopels nicht aus militärischen, son­dern aus politischen Gründen beschlossen. In Folge der Erwartung, daß der Waffenstillstand abgeschlossen werde, sind die Vorbereitungen, welche für Uebrr- siedelunq des Sultans nach Bruffr getroffen wurden, sistirt worden.

Petersburg, 19. Januar. DieAgence Rufs:" und dasJournal de St. PeterSbourg" bezeichnen bie. Angabe einer im englischen Blaubach ent­haltenen Depesche Layaro's vom 14. Januar, wonach ein russisch:r Parlamen­tär b.'i den türkischen Vorposten erschienen wäre, um die Einstellung ber Feind­seligkeiten in Bulgarien anzuzuzeigen, als unbegründet und als ein türkenfreund­liches Manöver.

Rom, 20. Januar. Der König und die Königin empfingen heute Vor­mittag die Huldigungen der Senatoren und Deputirten und sprachen denselben ihre große Befriedigung aus über ihren gestrigen Empfang Seitens des Par­lamentes und des Volkes. Sodann empfingen die Majestäten die Generale und die Adm rale, welchen der Köaig versprach, der Armee und Marine alle Sorgfalt zuzuwenden. Die richterlichen Behörden und die Vertretungen der Communen und der Schulen wurden gleichfalls empfangen. Erzherzog Rai­ner, Prinz Wilhelm von Baden und Marschall Canrobert sind gestern abge­reist. Die Journale stellen in Abrede, daß Marschall Canrobert eine Audienz bei dem Papste nachgesucht habe.

Wien, 20. Januar. Aus Konstantinopel vom heutigen wird gemeldet!? Die türkischen Delegirten wurden vorgestern in Hermanli von einem russischen General abgeholt und ins russische Hauptquartier geleitet. Die Flucht der Be­völkerung vor der Invasion und hierher nimmt coloffale Dimensionen an. Mehemet Ali ist mit der Besatzung von Adrianopel gegen Kirklllsche abmar- schirt, nachdem er sämmtliche Vorräthe verbrannt und das Munitionsdepot in die Luft gesprengt hatte.

Wien, 20. Januar. DieCorresp. gönöral Autrich." meldet: Auf Einladung des Großfürsten Nikolaus sind der rumänische Oberst Arion und Oberstlieutenant Berendec in das russische Hauptquartier abzereist, um als Delegirte der rumänischen Armee an den Waffenstillstandsverhandlungen theil- zunehmen. Georg Ghika wurde zum diplomatischen Agenten Rumäniens in Berlin ernannt.