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ganz gut zu verwenden gewesen wSre, tritt uns als Besoffener entgegen, ja wir rönnen sagen in dem Stücke als „ohne Grund" Besoffener und muß daher auch einen widerlichen und unästhetischen Eindruck machen. Als psychologisch räthselhaft und als Beitrag zur Frauenwürde dürfte wohl die Thatsache gelten, daß Emma, Fritzens Geliebte, als sie den betrunkenen Stiefelwichser sieht, nicht sogleich die Flucht ergreift, sondern mit dem einen Kutz verlangenden Stiefelfuchs „Nachlaufen" spielt, das durch Kommen des Bräutigams zum Schmerze der Gallerte so bald ein Ende fand.
Als auffallend dürfte noch zu bemerken sein, datz der Oheim in türkischer Tracht austritt. Die Reise nach Jerusalem u. s. w. sollte allerdings das lange Stillschweigen, das Ausbleiben des Geldes erklären, aber dazu muß doch der Oheim nicht in türkischer Kleidung auftreten, die Neffen hätten seine Erzählung ohne dieses sichtbare Zeichen geglaubt und das Publikum hätte sich mit der einfachen Thatsache begnügt, daß der Oheim abwesend gewesen und sogar nicht einmal eine so weite Reise verlangt.
Also auch in der Zeichnung der Personen verdient das Lustspiel nicht das Prä- dicat „vorzüglich".
Die „falschen Brillanten" dürften noch nicht einmal als gute „Imitation" betrachtet werden und das Darbteten an das Publikum eine dürftige Steinkunde der Directton verrathen, die derjenigen des Juweliers würdig an die Seite zu stellen ist.
B e r i ch tL g u u g.
In dem Eingesandt in Nr. 17 d. Bl. ist zu lesen Zeile 5 v. oben: ^staunens- wertb", nicht staunenswertben-__
Vermischtes.
— Ein von der Franzosen im Jähre 1689 auf Ludwig XIV. Befehl zerstörtes altehrwürdiges Denkmal deutscher Baukunst, die architektonisch merkwürdige St. Katharinenkirche in Oppenheim a. Rhein wird nunmehr bestimmt innerhalb der nächsten Jahre in voller Pracht wiet erhergestellt werden. Se. Majestät der Kaiser hat lebhaftes Interesse an diesem Acte der Pietät bekundet und schon in den diesjährigen Reichs-Etat als erste Beitrags Rate für den Wiederherstellungsbau die Summe von JL 165,000,— einstellen lassen; desgleichen hat der Landtag des Grotzherzogthums Hessen einen Beitrag von jährlich 50 000 bewilligt. Behufs Deckung des Restes durch Sammlung freiwilliger Gaben hat sich ein Comttä in Darmstadt gebildet, welches u. A. auch eine behördlich genehmigte Verloosung werthvoller Gemälde und Kunstblätter veranstaltet, zu welcher Loose ä 3 JL von Herrn Carl Gaul6 in Darmstadt zu beziehen sind. Wer sein Scherflein beitragen will, kann durch Entnahme eines Looses gleichzeitig Ge- legenbeit zu einem wertbvollen Gewinn finden. N'eten exfftiren nicht.
Theater.
M. Am Freitag Abend kamen zwei Lustspiele, das bekannte Schweitzer'sche Darwinianer" und daS weniger bekannte, überhaupt erst zum 2. Mal aufgefüvrte Lustspiel »Die falschen Brillanten von einem hiesigen Studenten" zur Auf- ^^Das erstere können wir mit Stillschweigen übergehen, da es als Original-Preis- luftspiel auf allen Bühnen den größten Erfolg erzielte. Die Aufführung desielben war eine so gelungene, daß das Publikum fast nicht aus dem Lachen herauskam.
Eine genauere Betrachtung verdient das 2. Stück „von einem hiesigen Studenten", auf welch' letzteren Umstand der überaus zahlreiche Besuch zurückzuführen sein dürfte. Der Inhalt des Stückes: Zwei Studenten Fritz und Karl haben ft in Geld, sie erwarten natürlich schon lange solches vom Onkel, dieser kömmt unerwartet selber, aber scheinbar zu spät; da sie um dem Drängen der Philister zu entgehen, schon eine kostbare Nadel, die sie für unächt hielten, einem jüdischen Juwelier als „ächt" verkauft haben. Der Onkel, dem die reuigen Neffen dieses gestehen, erklärt dieses abgeschlossene Geschäft für den dümmsten Streich", den sie jemals gemacht, will dieselbe wieder erlangen und führt sich zu diesem Zwecke bei dem Juwelier als Liebhaber von Imitationen ein, erklärt die Nadel für eine solche und überzeugt den Juwelier, der die Nadel für „ächt" gekauft, fast ohne Mühe von deren Unächthett, so daß der Juwelier froh ist, dieselbe nut geringem Verlust wieder herzugeben. Darüber große Freude bei Allen, die noch Lurch Fritzens Ernennung zum Gymnasiallehrer, mit 300 Thlr. Gehalt vergrößert wird. Fritz verlobt sich sofort mit der Tochter des Hauswirthes, welche ihn liebte. Diese Liebe erfahren wir daraus, daß die einzige Tochter, um ihren Geliebten vor dem Hinauswerfen von Seiten ihres Vaters zu bewahren, bemjdbcn ihre Sparcasse unbictet, damit „er eine Abschlagszahlung machen könne."
Dies der Inhalt des kleinen Lustspiels, der an Einfachheit und Klarheit nichts zu wünschen übrig, aber auch ein Suchen unsererseits nach der Haupthandlung, dem Kerne des Stückes, nickt unberechtigt erscheinen läßt- Wir stehen der Frage „wo ist die Haupthandlung?" fast ebenso gegenüber, wie vor einiger Zeit der bekannten Vextr- frage „wo ist die Katze?" Wir sehen keine Hauptperson, die uns bet unserem Suchen als Führer hätte dienen können. Fritz, der eine der Studenten, der als Liebhaber die meiste Anlage dazu gehabt hätte, erfüllte diese Aufgabe keineswegs, da er sich nur durch wiederholtes Küssen seiner Geliebten als ein solcher manifestirte, er würde dann auch mit dem Stiefelwichser (Johann) concurricen müssen, der in seiner Trunkenheit sich das Küssen ebenfalls zum Ziele setzte.
Die Brillanten hätten wohl zur dramatischen Entwicklung und Verwicklung den Stoff geben können, gaben es aber nicht, da wir ein gewöhnliches Handelsgeschäft vor- gesührt bekamen, das noch an der Unwahrscheinlichkeit leidet, daß der Juwelier, der doch Kenner von Steinen sein muß, sich auf solche plumpe Weise dupiren läßt. Es ist uns ferner unbegreiflich, warum gerade der Juwelier in jüdischem Jargon sprechen mußte. Wir dächten doch, solche Carricaturen seien schon längst in die „Tingel-Tangel" verwiesen und in einem „neuen vorzüglichen" Lustspiele, das dem Schweitzer'schen als ebenbürtig zur Seile gestellt wurde, nicht am Platze. Ueber die Komik derselben hat die „Gallerte" durch ihren stürmischen Beifall gerichtet und der Autor hat damit fein Ur- Ihetl aus den Händen derer erhalten, denen er allein eine solche Carrtcatur zu bieten
wagen dürfte. r
Der Rentier Hohenberg als polternder Hausphilister, war als solcher> anfangs aut angelegt und wäre die Person dazu gewesen, um von flotten Studenten, „an der Nase herumgeführt" zu werden. Der Autor kündigt dies dem Publikum auch an, läßt es aber auch bei dieser Ankündigung, indem wir von einem „an der Nase herumführen" keine Spur merken. — Der Siiefelfucks. der als Faktotum, als ..gemüttilickes Haus"
Jüngere Personen, welche zu Katarrhen und Lungenverschleimungen geneigt sind sollen ernstlich darauf bedacht sein, ihre Athmungsorgane zu kräftigen, um her Gefahr eines frühen Stechthums zu entgehen. Neben dem Leberihrane und in den vielen Fallen, wo er auf die Dauer nicht vertragen wird, ist das Isländische Moos tin feit Jahrhunderten erprobtes Kräftigungs- und Heilmittel für eine schwache Lunge. Der aus demselben dargestellte Thee ist in den Haushaltungen wohl bekannt; die richtige Bereitung jedoch umständlich. Dem Apotheker Engelhard in Frankfurt a. M. ist es nun gelungen, die wirksamen Bestandtheile des isländischen Mooses in die Form einer Pasta zu bringen und dadurch den Gebrauch dieses überaus nützlichen und von Jedermann gut dertragenen Mittels in angenehmer und leichte'- Weise zu errnöglicken. Die Engelhard'sche Jsländ -Moos Pasta hat sich bereits einen wohlverdienten Ruf bei Solchen erworben, die in Folge schwächlicher und empfindlicher Athmungsorgane auf Heilmittel gegen die Gefahren der Schwindsucht angewiesen sind, und ist in den Apotheken zu haben. ______
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