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nachdem ich den Eindruck durch die Begründung der Interpellation erhalten, daß die deutsche Politik unentwegt ihre bisherigen Ziele zur Herbeiführung des Friedens weiter verfolgen kann.

Im Orient heißt es jetzt mit Recht: die Waffen ruhn, des Krieges Stürme schweigen. Gebe Gott, auf lange!

Wenn ich mir den Abschluß des Waffenstillstandes und die Friedensprä- llminarien ansehe, so frage ich mich vergebens, ob und wo em deutsches In­teresse dabei verletzt ist (der Reichskanzler erörtert mit der Landkarte in der Hand die Festsetzungen des Waffenstillstandes), so daß wir darüber in Conflict mit unseren Nachbarn zu kommen brauchten.

Ueber die Dardanellensrage ist weit mehr in der Welt verbreitet, als erklärlich ist. Bedenklich wird die Sache, wenn es sich darum handeln sollte, daß Rußland allein den Schlüffel zu den Dardanellen in Händen haben wollte. Die Frage, ob der Besitz der Dardanellen in andere Hände übergehen soll, könnte zu Weiterungen führen, welche tndeffen jetzt noch nicht abzusehen sind. Für uns liegt Alles daran, daß die Wafferstraßen für unfern Handel unb Verkehr nach wie vor offen bleiben (Beifall), dies ist ein deutsches Intereffe.

Ein weiteres, aber minder directes ist der Schutz der Christen, das wir

wie bisher wahren werden. Ueber die Stellung, welche Deutschland zu dieser zweiten Frage genommen hat und nehmen wird, kann ich bestimmte amt­liche Mittheilungen nicht machen. Die Actenstücke, die uns dazu nothwendig sind, liegen noch nicht vor. Wir haben keine directen Mittheilungen über die Er- olge unseres Etnfluffes. Auch im Intereffe Rußlands liegt eine Abmachung, die es vor der Wiederkehr eines baldigen Krieges schützt.

Es fragt sich, ob die mit den russischen Bedingungen Unzufriedenen gegen Rußland die Waffen ergreifen möchten. Es wird doch eine Bestimmung dar­über getroffen werden müffen, was aus den jetzigen russischen Eroberungen werden soll. Ich zweifle, ob Oesterreich-Ungarngeneigt sein möchte, diese Länder zu übernehmen.

Ich kann mir nicht denken, daß diese Dinge Grund zu einem großen, verheerenden Kriege zwischen zwei großen Mächten, die befreundet waren, wer-

Amerika.

Washington, 16. Februar. Der Senat hat mit großer Majorität die Amendements zur Bland'schen Bill, welche von dem Finanzausschuffe bean­tragt worden, und welche den Artikel des Gesetzes über die freie Ausprägung von Silbergeld ausheben und die Ausprägung aus 4 Mill. Dollars monatlich beschränken, angenommen. In Folge der Annahme der Amendements wird auch eine Commission eingesetzt werden, welche den Auftrag erhält, mit der sog. lateinlschen Münzvereinigung in Europa und mit anderen Staaten in Verbin­dung zu treten, um eine gemeinsame Silber- und Goldwährung herbeizuführen. Die Amendements ermächtigen auch zur Ausgabe von Certistcaten der Silber- Depots, die bei Zahlung von Steuern und Zöllen angenommen werben.^lieber die anderen Amendements liegt noch kein definitives Votum vor. Die Sitzung des Senats war um 4 Uhr Morgens noch nicht zu Ende.

bedingungen für den Fall, daß die Türkei sich vor dem Uebergange der Ruffen über den Balkan unterwerfen würde. Zu jener Zeit schlug Rußland vor, daß der Balkan die Grenze des Vasallenstaates Bulgarien bilden solle. Ferner for­derte Rußland damals die Zurückgabe Rumänisch Bessarabiens und die Ab­tretung von Batum, und bot Oesterreich-Ungarn zur Ausgleichung Bosnien und die Herzegowina an. Indem die russiiche Regierung der englischen diese Be­dingungen mitthetlte, wollte sie einen Beweis ihrer Mäßigung geben und sich des Einvernehmens und der Neutralität Englands versichern, worauf sie großen Werth legte. Später, am 14. Juni, erklärte Gortschakoff: die inzwischen angestellten Erhebungen bewiesen, daß es unmöglich sei, Bulgarien durch den Balkan in zwei Hälften zu the,len, Bulgarien müffe eine einzige Provinz bleiben. Derby erklärte: die englische Regierung wolle ihre Ansicht über die Bedingungen nicht aussprechen und beschränke sich auf die Aeußerung: sie glaube nicht, daß die Türkei die ersten Bedingungen, und noch viel weniger, daß sie die zweiten acceptiren werde. In einer Depesche vom 18. Ium führt Layard aus, daß es gefährlich wäre, die Bedingungen Rußlands der Pforte mitzutheilen; eine solche Mittheilung von Seiten Englands würde eine verzweifelte, Erhebung der mohamedanischen Bevölkerung, sowie Feindschaft zwischen der Türkei und Eng­land und die Niedermetzelung der Christen herbeiführen.

Griechenland.

Athen, 16. Februar. In Thessalien nahmen die Insurgenten angeb lich 5000 Türken gefangen. Aus Kreta nimmt der Ausstund große Dimen­sionen an.

den können.

Oesterreich hat zuerst den Gedanken einer Conferenz gehabt. Die Wahl des Ortes ist für uns gleich. Wir sind für Baden-Baden, Wiesbaden oder Wildbad (Heiterkeit); uns kommt es nur auf Beschleunigung der Sache an und daß überall deutsches Präsidium gesichert ist. (Beifall.)

Ich glaube, daß die Conferenz in Der ersten Hälfte des Mär; ftattfinden und ihr eine Verständigung der Mächte vorangehen wird. Die Mächte sind sicher bereit, die Conferenz zu beschicken. Wir wenigstens sind dazu vorbereitet.

Wenn uns vielfach der Rath gegeben wird, wir sollten Den Frieden be­stimmen, so ist dies wohl mehr Preßpolitik als Staatspolitit. Wir können nicht den Schiedsrichter spielen; wir haben mehr die Rolle eines ehrlichen Maklers, der das Geschäft zu Stande bringen will. Wir können nur eine vermittelnde Rolle spielen. Wir sind nach Lage der Dinge jedenfalls ebenso berufen, Vertrauenspersonen zwischen Rußland und Oesterreich zu sein. Wir werden dies thun, wie wir uns andererseits vor zu hohen Ansprüchen an unsere Vermittlerrolle bewahren, uns nicht die Stelle eines Schiedsrichters unbedingt anweisen lasten wollen. Eine solche Rolle würde ich Deutschland zu überneh- men nicht zumuthen. (Beifall.)

Ich lehne es ausdrücklich ab und erkläre auch, daß uns bisher auch eine solche Zurnuthung nicht gemacht ist. ~ -

Ich würde kein Opfer bringen, als für unsere Unabhängigkeit nach Außen, unsere Einigkeit unter uns, und diejenigen Interessen, die so klar sind, daß, wenn wir für sie eintreten, nicht nur die unbedingte Zustimmung des Bundes- rathes, sondern auch die volle Ueberzeugung der ganzen deutschen Nation uns trösten könnte für die Opfer, die wir bringen müßten. Nur für einen solchen Krieg würde ich eintreten. (Lebhafter Beifall.)

Auf Antrag Hänel's folgt eine Besprechung der Interpellation.

Hänel erörtert die Lage, die Friedens-Grundlagen, die deutschen Jnteresten bei der Regelung der Orientfrage und betont schließlich, daß die vom Reichs­kanzler in ihren Grundzügen dargelegte Politik bei der Reichstagsmehrheit und speciell bei der Fortschrittspartei stets loyale Unterstützung finden werde. Windt- horst (Meppen) erklärt, auch das Zentrum wünsche Erhaltung des europäischen Friedens. Um beurtheilen zu können, ob die von der Regierung befolgte Politik geeignet war, zur dauernden Erhaltung des Friedens beizutragen, wäre die Einsichtnahme der diplomatischen Correspondenz nothwendig. Windthorst wünscht die Wahrung des deutschen Einflustes und des deutschen Jnterestes auf der Balkanhalbinsel, welches die Wahrung des österreichisch-ungarischen Jnterestes erheische. Fürst Bismarck weist die Bemerkung Windthorst's, daß die Inter­pellation nur mit seiner Genehmigung eingebracht sei, als unwahr zurück; wenn er um Rath gefragt worden wäre, würde er eine Verschiebung der Interpella­tion angerathen haben. Die Vorlegung der diplomatischen Verhandlungen anlangend, so stünden die Hauptverhandlungen erst bevor und würden dieselben seiner Zeit vorgelegt werden. Wenn über die auswärtige Politik bisher wenig interpellirt worben sei, so liege der Grund darin, daß zwischen der Reichstagsmehrheit und zwischen dem Kanzler hierüber stets Einverständniß geherrscht habe. Dagegen muffe er entschieden protestiren, wenn gesagt werde, daß die Reichsregierung den Ausbruch des Krieges hätte verhindern können. Auf das Entschiedenste weise er ferner die Insinuation zurück, daß Deutschland bei der angeblichen Dupirung Oesterreichs durch Rußland betheiligt sei. Unsere Beziehungen zu Oesterreich sind diejenigen voller Offenheit und gegenseitigen Vertrauens. Speciell sind dies die Beziehungen zwischen mir und Andrassy persönlich. B?thusy-Hnc druckt die volle Befriedigung seiner Partei über die Erklärungen des Fürsten Bismarck aus. Komierowski wünscht, daß Deutschland auf der Conferenz, für die Besterung der Lage der polnischen Unterthanen etntrete. Löwe bekämpft die

Ausführungen Komierowski's und spricht sein Vertrauen in die Politik des Reichskanzlers aus. Liebknecht erörtert die Stellung Deutschlands zu Rußland und zur Orient-Frage vom Standpunkte der social-demokratischen Partei. Fürst Bismarck bezweifelt, daß die Partei Liebknecht's ihre Vorschläge würde durch­führen können. Wenn die Social-Demokraten Polen regieren wollten, würden ; sie ans den Polen bald gute Deutsche machen. Nach einer weiteren Bemerkung

Helldorf's schließt die Besprechung und damit die Sitzung.

Wien, 19. Februar. Abends. DiePolit. Corr." meldet aus Buka­rest: Die Räumung von Rustschuk türkischerseits ist in vollem Zuge; die Cou- - suln kehren dahin zurück. der österreichische Generalconsul v. Montlong wird ° heute erwartet. Die Uebergabe von Widdin dürfte kaum an Rumänien er- , folgen. Mehrere rumänische Regimenter vom Belagerungscorps dieser Festung

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Telegraphische Depeschen.

Privat-Depesche des Gießener Anzeigers.

Rom, 20. Februar.Agenzia Stefani" meldet: Kardinal Perri i zum Papst gewählt und hat den Namen Leo XIII. angenommen.

Wagner'« telegr» Eorrespondenz-Bureau.

Berlin, 19. Februar. (Verhandlungen des deutschen Reichstags.) Die Commissionen für Den Reichshaushaltetat und die Geschäftsordnung sind gewählt < und haben sich constituirt. Vorsitzende und Schriftführer sind: für die erstere , Bennigsen, Lucius, Bodmann, Maltzahn Gültz, Pflüger; für die letztere Bernuth, Seydewitz, Valentin, Soden. Der Abg. Dzialowski ist gestorben, die Mit- i glichet erheben sich zu seinem Gedächtniß. Vor Eintritt in die Tagesordnung erscheint bereits Fürst Bismarck. Die Anleiheoorlage wird ohne Debatte an die Budgetcommission überwiesen. _______'

Es folgt die Interpellation Bennigsen. Fürst Bismarck erklärt sich ,$ur sofortigen Beantwortung bereit. Bennigsen motivirt die Interpellation, er knüpft an die vorjährige Thronrede an, betont die Localisirung des Krieges, die, er : als ein wesentliches Verdienst Deutschlands bezeichnet, und weist auf die bezüg­liche Stelle der diesjährigen Thronrede hin. In der Bereitwilligkeit zur Beantwortung der Interpellation sieht er ein Zeichen, daß die Lage nicht so k gespannt sei, wie sie nach Zeitungsnachrichten der letzten Tage erscheine. Natur- 1 lich verlange die Interpellation nicht weitere Auskunft als sie im Intereffe \ Deutschlands und Der Erhaltung des Friedens gegeben werden könne, zumal l das Vertrauen zu der friedliebenden, maßvollen, sicheren H altung der Regierung unerschüttert fei. Deutschlands Interessen ständen der Orientfraze ferner. < Allein Deutschland könne doch mehr in dieselbe verwickelt werden. Seit dem ' französischen Kriege habe die Erhaltung des Friedens wesentlich bei Deutschland gelegen; sie sei durch das Drei-Kaiser-Bündniß gelungen. Es sei zu wünschen, daß dies Verhältniß unberührt bleibe. Wir haben ein Interesse an der intacten Erhaltung Oesterreichs. (Beifall.) Wir wünschen, daß die Interessen Oester­reichs nicht durch den weiteren Verlauf Der Dinge geschwächt werden. (Beifall.) Durch den Fall von Plewna seien die Besorgnisse vor Schwächung Rußlands beseitigt. Die Besorgniß geht jetzt dahin, daß Rußland nach seinen glänzenden Erfolgen gegenüber den inneren Verhältnissen Oesterreichs und der isolirten Stellung Englands exorbitante Forderungen stellen möchte. Wir müssen

wünschen, daß Rußland solche Forderungen vermeide. Niemand werde Rußland bestreiten, daß es nach seinen Erfolgen Vortheile nicht nur für die christliche Bevölkerung in der Türkei, sondern auch für seine Opfer werde erreichen wollen. Ich möchte nur hoffen, daß weitere kriegerische Verwicklungen vermieden würden. Der Reichskanzler wird auf Unterstützung des^Reichstazes rechnen können, wenn er daraus seine Anstrengungen richtet. Seit dem französischen Kriege ist das Zutrauen zu Der frieDlichen Politik Deutschlands in Europa gewachsen. Was hätten wir für Interessen an weiteren Kriegen? Welcher Gebietszuwachs wäre uns noch wünschenswerth (sehr wahr!), der uns nicht weitere Verlegen­heiten bereiten würde? (Sehr wahr!) Unser höchster Ehrgeiz besteht in der

Erhaltung des Friedens. Wir müssen ja Dafür manche Opfer bringen, schwere Lasten tragen; wir tragen sie als Nothwendigkeit und Pflicht zur Erhaltung unserer mühsam erkämpften Stellung, die auch bedingt, daß wir den Frieden in Europa erhalten. Die Aufgabe, die Deutschland hat, ist ja eine schwer verantwortliche, die Leitung der Politik ist in bewährtesten Händen. Daß es dieser Leitung gelingen werde, den Frieden zu erhalten, das müssen wir wünschen und von ihrer Weisheit die Erreichung des Zieles erwarten. (Beifall.)

Bismarck: Es wird mir schwer, zu stehen, ich bitte also um Nachsicht, wenn ich vielleicht sitzend weiter sprechen muß. Ich habe nicht viel zu ver­schweigen und brauche deßhalb die Interpellation nicht mit Nein zu beant­worten. Die Verhandlungen des englischen Parlaments erleichtern die Be­antwortung. Die Welt kennt hierdurch die politische Lage. Ich spreche offen,