Ausgabe 
20.9.1878
 
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Nobiling's ausdrücklich als Acte der socialistischen Revolution bezeichnen. Unter allen Umständen sind jene beiden Verbrechen Symptome, zu welchen Früchten die socialistische Sinnverwirrung in einzelnen verwilderten Köpfen führen kann. Die Versicherung, daß die Socialdemokratie nickt den gewaltsamen Umsturz der Staats- und Gesellschaftsordnung erstrebe, daß sie die einzige Partei mir wahrhaft idealen, wahrhaft humanen Zielen sei u. s. w. das Alles hat der Reichstag sckon oft gehört.

Berlin, 17. Septbr. Der Abg. Stumm hat folgenden, von der deut­schen Reichspartei unterstützten Antrag eingebracht.Der Reichstag wolle be­schließen, den Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage in der nächsten Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, welcher auf die Einführung obligatorischer, nach dem Muster der bergmännischen Knappschaftsvereine zu bildender Alters- Versorgungs- und Jnvalidenkasien für Fabrikarbeiter gerichtet ist."

Laut Verfügung des Handels-Ministers sind besondere Lehrgänge für Eisenbahn - Aspiranten und Beamte zur Erwerbung der für künftige Prüfungen nöthigen Kenntnisse eingerichtet worden, wobei auf alle Dienst­zweige geachtet werden soll. Die Unterweisung umfaßt somit den Fahr-, Stations-, Bureau- und Güter-Expeditions-Dienst und wird von geeigneten höheren Beamten ertheilt. Auch in den Werkstätten werden die sich zu Loco- motivheizern, Wagenmeistern, Vorarbeitern ausbildenden Handwerker insbeson­dere in Deutsch, Rechnen, Schreiben, Zeichnen und in den Grundlagen der Geometrie und Physik unterrichtet.

Kiel, 17. Septbr. Das Demissionsgesuch Werner's erregt großes Auf­sehen, weil es als Protest gegen das System Stosch betrachtet wird. Gestern Morgen fand eine Erörterung zwischen Stosch und Werner statt, worauf Wer­ner sofort von den Geschäften zurücktrat. (Wes.-Ztg.)

Hesterreich.

Wien, 17. Septbr. Einige Pesther Blätter brachten vor einigen Tagen die Nachricht, daß Aufständische die Westgrenze Bosniens überschritten hätten, um österreichische Dörfer zu plündern. Das Hoaved-Ministertum theilt mit, daß eine Compagnie des 88. kroatischen, Landwehr-Bataillons am 7. d. Mts. eine aus 60 Individuen bestehende Insurgentenbande, die über die Grenze dringen wollte, eine Stunde nördlich von Savalje angriff und auseinander­sprengte. Dabet fielen türklscherseits 9 Mann und zwei wurden gefangen genommen.

Wie dasNeue Wiener Tagebl." meldet, hat Rußland mit Serbien soeben eine Militärconvention abzeschloffen. Nach derselben liefert Rußland die für 50,000 Mann serbische Truppen erforderliche Bewaffnung und leistet nach Belgrad eine monatliche Subvention von 250,000 Rubel. Die serbische Regie- rug hat, wie das ctttrte Blatt ferner mittheilt, bereits Ordre zur Mobilmachung der ersten Mtliz-Claffe ertheilt.

Arankreich.

Paris, 16. Septbr., Abends. DasJournal des Dubais" meldet, der hiefige türkische Botschafter habe gestern Midhat Pascha ein Schreiben des Sultans übergeben, durch welches ihm mit seiner Familie gestattet werde, seinem Wunsche gemäß sich nach Kreta zu begeben, zu welchem Zweck ihm ein Schiff zur Verfügung gestellt werden solle. Midhat werde im Laufe der Woche von hier abreisen, um sich in Marseille zur directen Reise nach Kreta einzuschiffen. DieAgence Havas" meldet aus Belgrad: Die serbische Regierung be> schloß jede Cooperation ihrer Armee in dem Paschalik Nooibazar abzulehnen, und weigerte sich, mit Oesterreich ein Zollbündniß abzuschließen. 15,000 bos­nische Serben haben sich mit den Aufständischen im Diftrict Posawtna vereinigt.

Türket.

Prizrend, 12. Septbr. Ein Jungtürke, Namens Osmar Effendi, der dem albanestschen Blute durch seine Abstammung angehört, versammelte am 26. August die Häupter der albanestschen Liga und forderte sie auf, die Rege­lung des Schicksals der Nation selbst in die Hand zu nehmen. Abdullah Esstm, ein angesehener Einwohner aus Djakova, stellte die Nothwendtgkeit der Lossagung von der Pforte dar. Wiewohl seine Worte überzeugend wirkten, wollte man eineUnabhängigkeits-Acte" doch nicht verfaffen. Man einigte sich vielmehr dahin, die Autorität der Pforte so lange zu respectiren, als diese nicht gegen die Interessen des albanestschen Volkes etwas unternehmen sollte. Sobald aber der Sultan an die Entwaffnung der Albanesen oder an Ueber- gabe ihrer Gebiete an wen immer schreiten sollte, solle man den Padischah ab- setzen und ein eigenes Oberhaupt ernennen. Die Liga hat beschlossen, den Aufständischen im Novi-Bazarer Paschalik 20,000 Mann zu Hilfe zu schicken. Nimmt man diesen Beschluß auch nicht wörtlich, so ist doch immerhin mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen, vaß mindestens 8- bis 10,000 Mann Hilfstruppen" in das Javor-Gebirge abgehen dürften. Die Local-Regierung ist sicher ihrer absoluten Ohnmacht so sehr bewußt, daß sie gar keinen Versuch machen wird, der Vollziehung dieses Beschlusses entgegenzutreten. Es stehen in Alt-Serbien (oder Unter-Albanien, wie man eigentlich diese Provinz nennen soll) bet 12,000 Regulärer, aber diese Soldaten sind im höchsten Grade unzu­verlässig. Die Leute haben seit 18 Monaten keinen Sold erhalten, und die Ernährung selbst, die in früheren Zeiten eine reichliche war, ist jetzt so dürftig, daß die armen Nizams und Redifs betteln gehen müssen. Daß unter solchen Verhältnissen die Disciplin stark gelockert werden mußte, ist ohne Weiteres klar. Die Mannschaft ist überdies von den Hodschas stark bearbeitet worden. ________(Pesth. gib.)

Telegraphische Depeschen.

Waguer's telegr. <orrefptnteni thirea*.

_ 18. September. In der heutigen Reichstags-Sitzung wurde angezeigt, daß die Commission für das Socialistengesetz constitutrt sei; dieselbe besteht aus folgenden Mitgliedern: v. Bennigsen (Vorsitzender), Harmer, Lasker, v. Puttkamer (Fraustadt), ». Schauß, Gneist, Reichensperger (Olpe), Moufang, v. Hertling, Brüel, Graf Galen, Hauck, Schwarze (stellver­tretender Vorsitzender), v. Schmid (Würtemberg), v. Kardorff, v. Stauffenberg, Hanel, Hoffmann (Schriftführer), v. Helldorf, Ackermann und v. Goßler. Der Antrag Bracke auf Sistirung des Strafverfahrens gegen Fritzsche wurde vom Hause angenommen, nachdem der Antrag Beseler s auf Ueberweisung an bie Geschäftsorvnungs Commission abgelehnt worden war. Die auf der heutigen Tagesordnung stehenden Wahlprüfungen wurden von der elben abaesetzt. Nächste Sitzung unbestimmt.

Kassel/ 18. Septbr. Se. Majestät der Kaiser durchschritt heute gegen HVr Uhr den Schloßpark. Um 1 Uhr fuhr der Kaiser im offenen Wagen durch die Haupstraßen von Kassel, überall von enthusiastischen Kundgebungen der dichtgeschaarten Menge begleitet, und besuchte das Palais, sowie Schloß Bellevue.

Würdenträger den Sultan einzunehmen.

Die Räumung der russischen

Stellungen vor Konstantinopel wird jetzt lebhaft betrieben. Man glaubt, das russische Hauptquartier werde Erde dieser Woche nach Adrianopel verlegt. Gleichzeitig soll Totlebm nach Livadia abreisen. Wie versichert wird, soll es Layard gelungen sein, bei der Pforte dir Annahme der von England für die asiatische Türkei aufgestellten Reformprojecte durchzusetzeu-

Berlin, 18. September. Gegenüber den von derVolkszeitung" ge­äußerten Zweifeln, wie der Minister des Innern habe behaupten können, daß Nobiling gerichtlich vernommen worden sei, constatirt dieNordd. Allg. Ztg.", daß eine gerichtliche Vernehmung Nobiling's in aller Form Rechtens ftattge- funden und daß derselbe dabet die vom Minister des Innern in der Retchstags-

Das Befinden des Kaisers ist fortgesetzt gut. Der Küfer machte gestern wieder einen Spazierritt und empfing Nachmittags die beiden Geschäfts­führer der Naturforscher-Versammlung, welche bie Festschrift überreichten unb zur Tafel gezogen wurden.

London, 18. Septbr. DieMorning Post" erfährt, daß Graf Beust von fernem Posten als Botschafter zurücktrete und Graf Karolyi zu seinem Nachfolger bestimmt sei. L tzterer würde im November sein Amt antreten.

Paris, 18. Septbr. Bei einem gestern in Valence stattgehabten Banket hielt Gambetta eine Rede, in welcher er zur Eintracht mahnte und die Eini­gung der republikanischen Partei empfahl.

Berlin, 18. Septbr. In der heutigen Sitzung des Aussichtsraths der rumänischen Eisenbahn-Gesellschaft beschäftigte sich derselbe nur mit internen Angelegenheiten. Die Verkaufsfrage wurde nur flüchtig berührt und ist die formelle Erledigung dieser Frage seit der letzten Generalversammlung noch nicht weiter gekommen.

London, 18. Septbr.Reuter's Bureau" meldet aus Konstantinopel von gestern: Die Russen räumen San Stefano in 10 Tagen und gehen nach Tschataldja. Monffa Pascha wird Erzerum besetzen und hat die Ermächti- gung, im Falle von Ruhestörungen das Kriegsrecht a izuwenden. DieTimes" berichtet aus Konstantmopü, daß General Totleben den Kaiser von Rußland Ende dieser Woche oder zu Anfang der nächsten Woche in Livadia besuchen werde.

Wien, 18. September. Meldungen derPol. Corr." Konstantinopel, 12. d. Savfet Pascha soll als Minister deö Auswärtigen in einer Circular- Depesche an die diplomatischen Vertreter der Pforte die Verantwortlichkeit für die Ereignisse in Bosnien und der Herzegowina abzelehnt und zugleich betont haben, daß seitens der Pforte der Berliner Vertrag vollständig respecttrt worben sei. Trotzdem scheint bet der Pforte der Abschluß einer Convention mit Oester­reich-Ungarn wieder lebhafter erörtert zu werden. Seit dem 7. d. liegt dem Sultan ein die Unterzeichnung aus Grundlage der letzten österreichischen Vor­schläge anrathender Beschluß des türkischen Ministerrathes vor. Von allem Anfänge vertrat Savfet die Opportunität des Abschlusses der Convention und thut dies auch gegenwärtig, indem er betont, daß die Existenz einer Convention eo ipso die Fortdauer des Rechtstitels der Pforte auf den Besitz Bosniens in« volire. Gegen diefe Anschauung bemühten sich der Kciegsminister und geistliche

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sttzung vom 16. d. angeführten Aeußerunqen gethan habe.

London, 19. Septbr.Reuters Bureau" meldet aus Konstantinopel von gestern: Die türkische Regierung beabsichtigt, die in Bulgarien gelegenen Domänen, sowie Vorräthe an Waffen und Kanonen, im Werthe von ungefähr 2 bis 3 Millionen Pfd. St. zu verkaufen.

Wien, 18. Septbr. Ueber eine angebliche Cooperation Oesterreich« Ungarns mit Serbien und Montenegro sind bisher keinerlei Verhandlungen gepflogen noch auch nur angeregt worden.

Paris, 18. Septbr. Midhat Pascha hatte heute eine lange Unterredung mit dem Minister Waddington. DieAgence Havas" meldet aus Semlin: 12,000 bosnische Insurgenten haben sich von Bertschka nach Bjelina zurückge­zogen. Bei Zwomick sind 20,000 Insurgenten unter Hadji Loja concentcirt.

Florenz, 18. Sept., Abds. Der Orientalistencongreß wurde mit einer beifällig aufgenommenen Rede Amari's geschlossen; darin wurde Deutschland als Sitz des 5. Congresses im Jahre 1881 proclamtrt und der deutschen orien­talischen Gesellschaft die Wahl des Präsidenten, des Comit6s und des Ver­sammlungsortes anheimgestellt. Immer, ein Deutscher, erhielt den ministe­riellen Preis von 2500 Lire; drei Indiern, darunter Dachuna, wurden eben« falls Preise verliehen. Degubernatis hielt die Schlußrede.

8 o k a 17 9t o t t z.

Gießen, 19. September. Das Großherzogliche Ministerium deS Innern hat unter dem 19. August 500 zur Ausgrabung der CaperSburg bewilligt und ist Herr Gustav Dieffenbach in Friedberg als Sachverständiger mit der Leitung der Aus­grabung betraut worden. Am 7. b. M. ist dieselbe in Angriff genommen und wurden bis jetzt die Umfassungsmauern an den wichtigsten Punkten fretgelegt, genau vermessen und ausgenommen, und die vier Thore vollständig ausgegraben. Diese Arbeiten haben ergeben, daß die CaperSburg in ihrem Bauplan nicht unwesentlich von den bis jetzt genauer erforschten Castellen unserer Gegend abweicht. So ist z- B. daS Thor der dem Feinde zugekehrten Seite, porta praetoria, nicht viel enger als das gegenüberliegende Thor, porta decumana, während die porta praetoria der Saalburg nur halb so breit ist als die deoumana. Von den vier Thoren stnd nur drei mit je zwei Thürmen ver­sehen, die porta finistra sonderbarer Weise nicht. Das Auffallendste ist jedenfalls, daß die einzelnen Fronten des Castells keine gerade, sondern eine schwach gebrochene Linie bilden, so daß das castrum streng genommen ein Achteck darstellt, an dem vier Ecken abgerundet sind, während die vier anderen von den Thoren eingenommen werden. Herr Dieffenbach wird in der nächsten Zeit die genaueren Maße veröffentlichen. Außer­halb der Mauer befindet sich eine Berme (Wallgang) und ein ziemlich tiefer Graben.

ES sollen jetzt zunächst die Straßen des Castells freigelegt und sodann die einzelnen Gebäude ausgegraben werden.

Fundgegenstände von irgmdwelcher Bedeutung haben die bis jetzt nur die Um- fassungSmauern betreffenden Arbeiten nicht zu Tage gefördert.

V er misch te

DieAnzeige-Spalten" der New-Aorker Blätter lasten erkennen, daß dort anz merkwürdlge Erwerbszweige blühen. Wir sagenblühen": denn wenn die be­treffenden HerrnFachleute" fich nicht guter Einnahmen erfreuten, fdnnten sie unmöglich die hohen Anzeigeraten bezahlen, welche der New-AorkerHerald" berechnet. Um sich von der Vielseitigkeit deS New-Parker Geschäftsleoens ein Bild zu machen, lese man nur folgende Annoncen:Kranke Hunde werden ärztlich behandelt. Kostgeld wöchentlich und monatlich zahlbar."Vögel werden in Kost genommen."Hunden werden Ohren und Schwänze nach der neuesten Mode beschnitten."Cigarrenstummel werden zum höchsten Marktpreise gekauff."Bösartige Hunde werden zu anständigem Benehmen erzogen."Damm- und Herrenhände werden zart gemacht und an aristokratische Bewegungen gewöhnt."Jungen Damen wird der Name und Stand ihres künftigen Gatten mitgetheilt."Personen mit gekrümmtem Rücken werden gerade gemacht." Graziöses Benehmen wird in zwölf Stunden gelehrt und der Erfolg garantirt" Kleine Kinder werden verborgt und vertauscht."Falsche Rasen werden angenäht, mit der Garantie, daß sie so gut wie echte sitzen."Hetrathsicheine werden geliefert." Schwarze Augen werden hübsch übermalt."Zuverlässige Auskunft über ge­winnende Lotterieloose wird ertheilt." U. s. w.

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