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Leipzig. Nach einer im hiesigenTageblatt" ausgestellten Liste sämmt- licher, nunmehr bekannter und mehr ober weniger feststehender Candidaturen für den Reichstag in den 23 sächsischen Wahlkreisen sind aufgestellt: 19 social­demokratische, 11 national-liberale, 10 deutsch- ober streng-conservative, 4 freu conservatsve, 6 softschrtttliche, endlich 2 zwischen Fortschritt und National- Liberalismus mittendrin stehende Candidaten. Wie hieraus zu ersehen, wollen die Socialdemoksaten alle Anstrengungen machen, um ihre alte Hauptdomäne, Sachsen, zu behaupten, ja womöglich ihren Besitzstand zu erweitern.

Oesterreich.

Wien, 16. Juli. Aus vorzüglicher Quelle höre ich, daß die Wahl des Prinzen von Battenberg, des Sohnes des Prinzen Alexander von Heffen und bei Rhein, zum Fürsten des neuen autonomen bulgarischen Staates voll­ständig gesichert ist. Prinz Alexander ist bekanntlich ein Bruder der Kaiserin von Rußland und gehört als General der Kavallerie und Regiments-Inhaber der österreichischen Armee an; sein Sohn aber ist der Gatte der Tochter der Schwester des Kaisers von Rußland aus deren morganatischer Ehe.

(Karlsr. Ztg.)

Wien, 17. Juli. DiePresse" meldet, Serbien habe Oesterreich gegenüber principiell die Verpflichtung übernommen, innerhalb 3 Jahren die Eisenbahnlinie von Belgrad nach der neuen serbischen Südgrenze auszubauen.

Frankreich.

Paris, 17. Juli. Berichte aus Valenctennes melden von einer Arbeits­einstellung, welche gestern in Anzin und Denain ausgebrochen ist und sich über das ganze dortige Kohlenbecken zu verbreiten droht. Die Zahl der feiernden Arbeiter beträgt 5000. Die Behörde hat alsbald Maßregeln ergriffen, um Unordnungen zu verhüten. Zwei Bataillone Infanterie und eine Escadron Kavallerie sind bereits in Denain eingetroffen. Da Banden feiernder Arbeiter den Versuch machen, ihre die Arbeit sortsetzenden Genossen hiervon abzuhalten, so war die Gensd'armerie genöthtgt, Feuer zu g^en; dieselbe gab Schüsse in die Luft ab. Durch eine anprallende Kugel wurde ein Grubenarbeiter verwun­det. 15 Verhaftungen wurden vorgenommen. Die Arbeiter fordern dem Ver­nehmen nach Lohnerhöhung und Verminderung der Arbeit.

England.

London, 16. Juli. Aus Woolwich wird derMorning Post" von einer neuen Mordwaffe, dem Hand-Torpedo, geschrieben. Dieser Torpedo sol mit der Hand in feindliche Bote ober über Verhaue geworfen werden und be­steht gänzlich aus Schießbaumwolle, die zu Ballen von 3 bis 4 Pfd. Gewicht zusammengepreßt worden. Daran befindet sich eine lange Schnur, die mit einer in der Hand gehaltenen pistolenartigxn Waffe in Verbindung steht. Ein Druck auf den Hahn dieser Pistole entlastet die Schießbaumwolle und eine Wirkung wird erreicht, die, wie Proben gelehrt haben, groß genug ist, um einen Grantt- block von 5 Tons zu zerschmettern.

Nach einer Mtttheilung derDaily News" ward am 10. d. in Stambul eine große Verschwörung gegen den Sultan entdeckt. Zwei der Ver­schworenen machten im Palaste Anzeige und mitten in der Nacht ward ein Haus, wo die Verschwörer sich versammelten, von Polizeisoldaten umzingelt und mehr als 50 Personen gefangen genommen. Man sagt, daß mehrere Per­sönlichkeiten von hoher Stellung in die Sache verwickelt seien.

London, 16. Juli. Der Grvßherzvg und die Großherzogin von Hessen sind am Freitag zum Besuch bei der Königin auf Schloß Windsor eingetroffen. Die Königin Victoria empfing ihren Schwiegersohn und ihre Tochter persönlich am Schloßthor.

London, 17. Juli. Unterhaus. In der Special-Debatte über die Rinderpest-Bill stimmte die Regierung dem von Pell angeregten Amendement principiell bei, wonach der Geheimerath hinsichtlich der Zulassung von Vieh aus allen Ländern die discretionäre Besugniß haben soll, von einer zwangs­weisen Abschlachtung abzusehen, wenn sich das Vieh als seuchenfrei er­wiesen hat.

Wußkand.

Petersburg, 17. Juli. Zuverlässigen Informationen zufolge sind die Gerüchte über eine bevorstehende Aufhebung der Goldzölle, sowie über eine innere und eine äußere Anleihe ganz unbegründet.

Türkei.

Konstantinopel. Die Pforte hat die englisch-türkische Convention folgendermaßen bekannt gemacht: In Übereinstimmung mit dem Vertrag be­treffs der Occupation von Cypern verpflichtet sich England, der Pforte jährlich 150,000 Pfd. Sterl. auszubezahlen, während die gegenwärtigen Einkünfte der Insel nur 120,000 Pfd. Sterl. abwerfen. England verpflichtet sich ferner, die Türkei in Asien gegen alle zukünftigen Angriffe zu schützen und die Insel Cypern wieder an die Türkei auszuliefern, falls Rußland später das in Asien annectirte Territorium herausgibt.

telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Lvrrespondenz- Bureau.

Köln, 18. Juli. DieKöln. Ztg." meldet aus London: Gutem Ver­nehmen lag dem Cabinetsrathe gestern die Frage wegen Auflösung des Par­lamentes vor, und wurde dieselbe grundsätzlich bejaht. Der Zeitpunkt hängt von den Umständen ab; in parlamentarischen Kreisen betrachtet man die Wahlen als zum October oder November bevorstehend.

München, 18. Juli. Der Landtag ist heute durch königliche Botschaft bis auf Weiteres vertagt worden.

Washington, 18. Juli. Der DampferWalker" mit einer Ladung von Waffen und Munition, im Werthe von 1 Mill. Doll., ist von Newhaven nach Konstantinopel in See gegangen. In den Weststaaten herrscht außer­gewöhnliche Hitze; viele Personen in St. Louis, Chicago und anderen Orten sind am Sonnenstich gestorben. Laut Bericht des laudwirthschaftl. Bureaus ist der gegenwärtige Stand der Getrelde-Erndte besser als am 2. Juni.

Bukarest, 18. Juli. Die fürstliche Botschaft, womit die Session bei Kammern geschlossen wirb, sagt: Der Congreß hat einen Vergleich über wich­tige unb wesentliche Fragen für bie kleinen Staaten zu Stanbe gebracht, bie aber für bie großen europäischen Interessen als Fragen von secunbärem Rang« betrachtet werden. Speciell Rumänien ist es beschieden, dem Frieden der Wel:

die größten und grausamsten Opfer zu bringen. Wir werden jedoch Europa durch würdige Haltung und kluge patriotische Beschlüsse beweisen, daß Rumä­nien vom Congreffe mehr hätte erwarten dürfen.

Paris, 18. Juli. Die Arbeitseinstellung in Anzin hat nicht weiter um sich gegriffen. Es sind keine Unordnungen mehr zu befürchten, indeß ist wenig Hoffnung, daß die Arbeit von den jetzt feiernden Arbeitern bald wieder ausgenommen werde. Das Gericht in Douai hat 6 Personen, welche wegen Bedrohung der Arbeitsfreiheit angeklagt waren, zu Gefängniß verurthellt.

Wien, 18. Juli. Meldungen derPoltt. Corresp." Konstantinopel, 18. d. Die Aussichten auf Verständigung zwischen der Pforte und Griechen­land verdüstern sich. Die Pforte trifft militärische Vorkehrungen, um die an­geblich neuerlich von Athen angefachte Jnsurgirung der türkischen Grenzpro­vinzen, eventuell selbst durch Coercitiv-Maßregeln gegen Griechenland, zu ver­hindern. Vorgestern sind mehrere Transportdampfer mit Truppen unter dem Commando des Admirals Hassan Pascha von Konstantinopel nach Volo abze- gangen. Eme neue Truppensendung nach der griechischen Grenze steht in Aus­sicht. Es verlautet, daß eine Verständigung über die Occupation Bosniens noch nicht erzielt sei. Athen. Die Kammer ist für den 12. August einbe- rufen, um den Bericht des Ministers Delyannis über das Ergebniß des Congresses entgegenznnehmen. Aus Thessalien unb Macedonien wirb von Ver­mehrung ber Jnsurgentenbanben berichtet.

London, 18. Juli. Der Municipalrath hat beschlossen, Lorb Beacons- fiield unb Lord Salisbury Ehrenbürgerbriefe in goldenen Kapseln zu verleihen, wozu 2500 Pfd. Sterl. bewilligt worden sind.

Bukarest, 18. Juli. Der Unglücksfall, welcher den Ministerpräsidenten betroffen hat, brachte in ganz Rumänien einen tiefen Eindruck hervor. Nach dem Bulletin von heute Morgen ist dessen Befinde», den Umständen nach, so wohl wie möglich. Bratiano hat zahlreiche Beweise der Sympathie erhalten.

Paris, 18. Juli. Es gewinnt den Anschein, daß der Strike von Anzin von der Internationalen angeregt wurde unb geförbert wirb.

Vermischte-.

Bingen, 16. Juli. Wie gefährlich das unsinnige Laufen nach dem Bahnhof roerben kann ist gestern, Montag, an einem erschütternden Beispiel wieder vor Augen geführt worden. Ein etwas corpulenter Herr aus Mayen, welcher mit Creuznacher Freunden einen Ausflug auf den Niederwald machen wollte, hatte sich Morgens zum Zug etwas verspätet und dehhalb seine Schritte nach dem Bahnhof übermäßig be­schleunigt. Sofort klagte er über Seitenstechen und Athemnoth; die Schmerzen wurden so heftig, daß er hier die Hilfe eines Arztes zu suchen genöthtgt war, diesem auch sein Leid und dessen Ursache klagte, jedoch, während der Arzt den Puls fühlte, tobt zusammen­brach. Alle Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. (Rh. u. N.-B.)

Daß es bei Gemeindewahlen auf dem Lande hoch hergeht, beweist folgender am Würzburger Bezirksgericht anhängiger Ciotlprozeß. Der Gastwirthzur Krone- in Randesacker, einem benachbarten Dorfe von 1500 Seelen, macht gegen den dortigen Bürgermeister Schmitt eine Wirthsrechnunq von 549 40 für die Zrcherei nach

vollbrachter Bürgermeisterwahl im Jahre 1876 geltend. Bei dieser Gelegenheit wurden neben dem Wein und Bier auch zwei Schweine und ein Kilb consumirt. Namentlich sollen die Mitglieder des Turnvereins unb ber freiwilligen Feuerwehr hierbei Tüchtiges geleistet haben. Bürgermeister Schmitt gab bem Wirthe mehrmals bas Versprechen unb bie Versicherung, Alles zu bezahlen, jetzt aber verweigert er bie Zahlung. Es wurde bereits auf Beweis durch Zeugen erkannt.

Saarbrücken. In dem Dorfe Rümmelsbach bei Lebach wurde dieser Tage ein Mann vorgefunden, der von seinen Verwandten seit 51 Jahren an einer Kette, welche an einem Rinz um die Hand und an der Wand über seinem Bette befestigt ist, gefangen gehalten wurde. Der Unglückliche, dessen Befreiung die herbei gerufene Gerichtscommission anordnete, wurde im Jahr 1826 in Trier bei m 30 Inf. Reg. wahnsinnig und als unheilbar entlasten. Seine Elrern und spater seine Verwandten verwahrten ihn bis beute in der angegebenen Weise. Als ihm die Fesseln abgenommen werden sollten, wehrte er sich mit Händen und Füßen dagegen. Merkwürdiger Weise ist der Mann trotz seiner 52jährigen Gefangenschaft noch gesund und frisch._____________

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Abgekürzter Auszug aus SO,000 Eertificaten.

Certificat des Medicinalraths Dr. Wurzer Bonn, 10. Juli 1852. Revalescibre Da Barry ersetzt in vielen Fällen alle Arzneien. Sie wird mit dem größten Nutzen angewandt bet allen Verstopfungen, Durchfällen und Rühren, in Krankheiten der Urinwege, Merenkrankheiten k., lei Steinbeschwerden, entzündlichen oder krankhaften Reizungen der Harnröhre, bei krankhafte» Zusammenziehungen in den Nieren und in der Blase, Blasen - Hämorrhoiden re. Mit dem ausgezeichnetsten Erfolge bedient man sich auch dieses wirklich unschätzbaren Mittels nicht blo- £>ei Hals- und Brustkrankheitey, sondern auch bet der Lungen» und Luftröhrenschwindsucht. L- S. Rud. Wurzer, Medicinalrath und Mitglied mehrerer gelehrten Gesellschaften.

Nr. 62476. Dem lieben Gott und Ihnen sei Dank. Die Revaleeo&re hat mei» 18jähriaes Leiden im Magen und in de« Nerven, verbunden mit aDgei*einer Schwäche unb nächtlichem Schweiß gänzlich beseitigt. I. Comparet, Pfarrer, Saint« Romaine des Iles.

Nr. 89211. Orvaux, 15. April 1875. Seit vier Jahren lgenieste ich die köstlich« Revalesciere und leide seitdem nicht mehr an den Schmerzen in den Lenden, die mich während langer Jahre fürchterlich gefoltert hatten. In meinem 93. Jahre stehend, erfreue ich mich jetzt der vollkommensten Gesundheit. Leroy, Pfarrer.

Nr. 64210. Marquise von Brshan von 7jähriger Leberkrankheit, Schlaflosigkeit, Zittern an den Gliedern. Abmagerung und Hypochondrie.

Nr. 75877. Florian Köller, St. St. Militärverwalter, Großwardein, von Lungen- und Luftröhrcn-Katarrh, Kopfschwindel und Brustbeklemmung.

Nr. 75970. Herr Gabriel Teschner, Hörer der öffentlichen höheren Handelslehranstalt in Wien, in einem verzweifelten Grade von Brustübel und Rervenzerrüttung.

Nr. 65715. Fräulein de Montlouis, von Unverdaulichkeit, Schlaflosigkeit und Ab­magerung.

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