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1878.

Samstag, den 20. Juli

No, 166.

An unsere Leser in der Stadt Gießen.

Vielfache Beschwerden Seitens unserer Abonnenten, sowie verschiedene Unzuträglichkeiten bei der seitherigen früh Morgens erfolgten Ablieferung unseres Blattes, veranlassen uns, von jetzt ab den Gießener Anzeiger" anstatt Morgens schon des Abends vorher m hiesiger Stadt austragen zu lassen. Wir ersuchen deshalb unsere geehrten Abonnenten, nns sofort Anzeige machen zu wollen, wenn ihnen der Anzeiger nicht Abends zugestellt werden sollte. w nr , ,, , .

Mit dieser Aenderung verbinden wir zugleich ine Bitte, alle Anzeigen, welche m dem am Abend erscheinenden Blatt Aufnahme finden sollen, bis spätestens 10 Uhr Morgens bei der unterzeichneten Expedition einreichen zu wollen.

Die Apeditlon des Kichener Ameigers. ,

Schnlftrahe.M

Kießener "Unreiger

AiBse- Md Amtslilktt für de« Kreis Gieße».

'7-7t> «nr __ ' Dreis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

R-vattionSbureau- Gartenstraß- B 165. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag». * M vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Expeditionsbirreau r Sch ul st raße B. 18..L

auch die schwarzen Punkte am -a u ,

Abschluß des Congresses ist für die fernere friedliche Entwicklung um so ent-

Bestrebungen unablässig auf den Umsturz der gegenwärtigen Ordnung Cer Dinge gerichtet sind, von Neuem getäuscht hat. Mag immerhin das Dreikaiser- verhältniß jetzt, wo die orientalischen Wirren beigelegt sind, an Bedeutung ver­loren haben, an seine Stelle ist, was noch bester, daseuropäische Concert", Vas Einvernehmen aller europäischen Mächte als Bürgschaft für die Erhaltung des Weltfriedens getreten.

Wir Deutsche dürfen aus die großartigen Ergebnisse des Berliner Con- gresies mit um so freudigerem Stolz blicken,- als das Hauptverdienst an dem Gelingen des Friedenswerkes demehrlichen Makler", unserem nationale« Staatsmanne gebührt und der gewaltige Unterschied in der Stellung Preußen- ^-utschlands zwischen dem jetzigen und den früheren Congressen von selbst in die Augen fällt. Möge nur dem großen Kanzler, nachdem er die allseitige Anerkennung des Auslandes errungen, nunmehr auch das Vertrauen des eigenen Volkes nicht fehlen und eine baldige Herstellung des inneren Friedens gelingen!

*Zrrr allgemeinen politischen Lage.

Der 13. Juli, der Tag, an welchem der Friede von Berlin unterzeichnet wurde, bezeichnet einen hoch bedeutsamen Wendepunkt der Weltgeschichte. Das Schicksal der Türkei ist nunmehr besiegelt, ihre erste Theilung vollzogen. Ruß­land hat zwar das von ihm erstrebte Ziel, die Befreiung der orientalischen Christen von muselmännischem Joch, in der Hauptsache erreicht, auch große Vortheile für sich selbst in Europa und Asten erlangt, sich aber in der Aus­beutung seiner Siege von Europa Mäßigung auferlegen und schließlich sogar gefallen lasten muffen, daß ihm von nun an ein starker Gegner unmittelbar gegenüber steht, der fest entschlosten ist, eine weitere Ausdehnung seiner Macht in Asien zu hindern. England hat durch seine diplomatischen Siege sein Ansehen unter den Großmächten außerordentlich gehoben, auch seine Macht­sphäre im Orient durch Gewinnung der ganz Vorderasien und Aegypten be­herrschenden Stellung auf Cypern bedeutend erweitert, durch Uebernahme des Schutzes der asiatischen Provinzen der Türkei aber eine schwere Last aus sich geladen. Oesterreich hat in Bosnien und der Herzegowina ein neues Feld für seine Thättgkeit gewonnen und damit zugleich seinen Schwerpunkt definitiv nach Südosten verlegt. Dem bisher lebensunfähigen Griechenland sind durch die Aus­sichten auf die Einverleibung eines großen Theils von Epirus und Thestalien die Grundlagen einer würdigen Existenz gesichert worden. Frankreich und Italien sehen zwar die Machterweiterung Oesterreichs und besonders Englands nicht ohne Neid an, freuen sich aber, selbst wenn ihnen die Compensationen, von denen das Gerückt spricht, nicht zu Theil werden sollten, des Bewußtseins, ihre Stellung zum ersten Male unparteiisch und ohne Selbstsucht zur Wiederherstellung des Friedens verwerthet zu haben. Das Deutsche Reich endlich hat in der äuge- meinen Anerkennung, daß seiner vermittelnder Thätigkeit in erster Linie der Friede zu danken sei, seinen höchsten Ruhm und durch diese Verwirklichung seiner Friedensmtssion zugleich eine erwünschte Befestigung seiner Gesammtstellung

gefunden.

An dem Beginn einer neuen Aera des Friedens und damit des wirih- fchaftlichen Aufschwungs kann jetzt nicht mehr gezweifelt werden. Die Ars- führung der Congreßbeschlüsie wird freilich, da der Kongreß keine Zwanxs- maßregeln zu diesem Zweck beschlosien, die Sorge für die Ausführung vielmehr een einzelnen Mächten überlasien hat, nicht so glatt und rasch verlausen, nie die Friedensverhandlungen; Oesterreich sowohl wie besonders Griechenland wi:d jedenfalls noch Schwierigkeiten genug zu überwinden finden. Aber der Welt­friede wird doch, nachdem die Stellung der Hauptgegner zu einander im Ganzen und Großen abgegrenzt worden, durch etwaige Streitigkeiten um Gegenstände von geringerer Bedeutung nicht mehr gefährdet werden. Hat doh auch Cer deutsche Kronprinz bei dem Festdtner, welches er den Eongreßbevvl- mächtigten nach Vollendung ihrer Arbeiten gab, in seinem Toast ausdrücklich darauf hingewiesen, daß Deutschlands Beistand im Voraus Allem gesichert se, was darauf abziele, die großen Wohlthaten des Friedens und des allgemeiner Wohls zu erhalten. Mit Recht konnte daher Fürst Bismarck in seiner Red, zum Schluß des Congrefles erklären, dieser habe sich um Europa wohl verdient gemacht, indem er den Frieden bewahrt und gesichert habe. Besonders »er beißungsvoll klang, was er noch hinzufügte: er hege die feste Hoffnung, das das Einvernehmen Europas ein dauerndes bleiben und die persönlichen freund lichen Beziehungen, welche während der Arbeiten geschaffen worden, die guter Verhältnisse zwischen den einzelnen Regierungen befestigen würden. Allgemeine: Annahme nach hat der Reichskanzler damit hauptsächlich die in neuester Zeil erfolgte außerordentlich günstige Gestaltung der Beziehungen zwtschen Deutsch- land und Frankreich hervorheben wollen. Was könnte dann den politischen Himmel in nächster Zeit noch trüben, wenn mit den Kriegswolken im Osten

Deutschland.

Darmstadt, 16. Juli. In einer vergangenen Samstag Abend von Seiten der Arbeiterpartei im Osterrath'schen Saale abgehaltenen Wählerver- sammlung wurde Most wiederum als Candidat der Socialdemokraten für den diesseitigen Wahlbezirk aufgestellt.

Berlin. Seitens des General-Telegraphenamts ist Anweisung ergangen, in welcher Art von den Wahlcommisiarien das Resultat der Reichstagswahlen dem Retchskanzleramte telegraphisch übermittelt werden soll. Es wird dabei besonders darauf htngrwiesen, wie es sich von selbst versteht, daß eben nur die am 3. August erst bekannt werdenden Gesammtergebnisie der Wahlen, keines­wegs aber die Ergebnisse der einzelnen Wahlbezirke, wie sie am Abend des 30. Juli bekannt werden, hier in Betracht kommen können. Das von den Telegraphen-Anstalten den einzelnen Wahlcommisiaren zur Ausfüllung zu über­gebende Formular hat folgende Rubriken: Verwaltungsbezirk, Wahlkreis, Num­mer des letzteren, Gesammtzahl der abgegebenen Stimmen, gewählter Candidat, Parteistellung, Zahl der Stimmen, Name des Wahlcommisiars. Für Stich- und Nachwahlen gilt dasielbe Formular.

Berlin, 16. Juli. Nach Mittheilungen derPost" und anderer Blätter sind bis zum 6. d. im deutschen Reiche 387 Personen wegen Majestäts-Belei­digung zu 666 Jahren Gefängniß verurtheilt worden.

Berlin, 17. Juli. Die auf den Masienaustritt aus der evang. Kirche gerichtete socialdemokratische Agitation hat nach einer imEvang. Kirchen-Anz." veröffentlichten amtlichen Uebersicht bei Weitem nicht den Umfang angenommen, den man derselben in den betr. Kreisen zuschreiben zu dürfen glaubte. Bei einer Einwohnerschaft Berlins von ca. 600,000 Evangelischen über 15 Jahren, ausschließlich der Militärgemeinde, bezifferten sich die Anmeldungen zum Aus­tritt aus 1350, tatsächlich traten aber nur 553 aus, und seit dem 3. Juni hat die Socialdemokratte Wichtigeres zu thun, so daß es vom Masienaustritt ganz still geworden ist. Im vierten Wahlkreise mit 124,000 erwachsenen Ge­meindegliedern und 10,967 Stimmen für Fritzsche bei der letzten Wahl (ein­schließlich der Herren Hessel und Genosien) meldeten bei den drei Parochien 428 ihren Austritt an, 167 vollzogen denselben tatsächlich; im sechsten Wahl­kreise mit 9569 Stimmen für Hasenclever und etwa 120,000 erwachsenen i Evangelischen stellten sich die Anmeldungen auf 445 und die Austritte auf 195; l bei den übrigen 21 Parochial - Gemeinden kamen 487 Anmeldungen vor, - 191 Mitglieder traten aus, und bei den hiesigen Personal-Gemeinden trat nur

ein Mitglied aus.

iruoen, wen., u.u ... Kissingen, 18. Juli. Gestern Abend 9 Uhr 15 Mn. traf Fürst

westlichen Horizont verschwinden? Der glückliche Bismarck mit seiner Gemahlin und Tochter, von dem zahlreich versammelten Avicvmn ces Tonarmes tu rar cie fernere friedlich. ..... so ent- Publikum lebhaft begrüßt, hier ein , bestieg sofort die bereitstehende königliche

scheidender, da derselbe die Hoffnungen der schwarzen Internationale, deren Equipage und fuhr nach seinem Absteigequartier in der oberen Saline.