peilte bei Gemlik eingetroffen. In Folge eines erzielten Einvernehmens haben die Ruffen die neutrale Zone nicht überschritten.
Nom, 18. Februar. Der Versuch der Intransigenten, ein einheitliches Votum der fremden Cardinäle zu erzielen, scheiterte besonders an dem Widerstande der österreichischen Cardinäle.
— Pius IX. hat in seinem Testament bestimmt, daß die dem heiligen Stuhle gehörigen Gegenstände von den Cardinälen Bilio, Simeoni und Monaco La Valetta übernommen und seinem Nachfolger übergeben werden sollen. Sein Privatvermögen hinterließ der Papst seinen 3 Neffen; derselbe setzte für särnmt- liche italienischen und auswärtigen depoffedirten Fürsten Legate aus.
Berlin, 18. Februar. Die Bundesraths-Ausschüsse zur Vorberathung der Vorlage, betreffend die Stellvertretung des Reichskanzlers, hielten gestern Sitzung, an welcher der Reichskanzler nicht theilnahm; voraussichtlich werben sich dieselben am Mittwoch nochmals versammeln. Heute hat sich der Bundesrach mit der Stellvertretungs-Vorlage nicht beschäftigt. — Dem Vernehmen nach wird der Präsident des Reichstages Sr. Maj. dem Kaiser zu der heutigen Vermählungsfeier der beiden kaiserlichen Prinzessinnen eine Glückwunsch- Adresse der deutschen Abgeordneten überreichen. Die standesamtliche Eheschließung der Prinzessin Charlotte mit dem Erbprinzen von Meiningen und der Prinzessin Elisabeth mit dem Erbgroßherzog von Oldenburg wurde heute durch den Hausminister v. Schleinitz vollzogen.
London, 18. Febr. „Times", „Daily News" und „Standard" betrachten die Situation als eine wesentlich friedlichere und erachten die Kriegsgefahr für vorläufig abgewendet. „Standard" meint, die Zurückbewegung der britischen Flotte nach der Bai von Mudania der Bereitwilligkeit Rußlands, von der Besetzung Konstantinopels abzustehen, zuschreiben zu können. — „Daily News" will erfahren haben, daß die Russen nach dem Abschluß der Verhandlungen zu Adrianopel, welcher, wie „Daily News" meint, Mittwoch erwartet werden dürfte, Rumelien unverzüglich räumen würden.
Nom, 18. Febr. Der Herzog von Aosta reist heute Abend nach Liffa- bon ab, um dem König von Portugal das Handschreiben des Königs Humbert, welches dessen Thronbesteigung uotificirt, zu überreichen. — Entgegengesetzt den Berichten mehrerer Journale vernimmt die „Agenzia Stefani", daß bei den Dorberathungen der Cardinäle alle Beschlüffe, ausgenommen den auf den Ort, des Conclave bezüglichen, ohne Opposition gefaßt wurden. Die Cardinäle werden im Vatikan je 3 Zimmer bewohnen, von denen das erste für den Cardinal selbst, das zweite für den Secretär und das dritte für den Diener bestimmt ist. Einige französische Wallfahrer sind angekommen. Der heute früh celebrirten Heiligegeist-Meffe wohnten alle Botschafter und der Adel bei. Sodann werden die päpstlichen Constitutionen verlesen, auf welche die Cardinäle das Gelöbniß der Treue und des Stillschweigens leisten werden. Am Abend werden sich die Cardinäle in den Conclave-Appartements einschließen.
München, 18. Febr. .Die Abgeordnetenkammer nahm bet der Be- rathung über die Beschwerde betreffend die Münchener Simultanschulen den Ausschußautrag, die Beschwerde für begründet zu erklären, bei namentlicher Abstimmung mit 77 gegen 72 stimmen an; für den Ausschußantrag hatten die klerikalen Abgeordneten Ludwigs, Hauck und Krätzer gesprochen; gegen denselben außer dem Korreferenten Fleischmann nur der Cultusminister in ausführlichster Weise. Die Liberalen erklärten, wegen der vorgerückten Session sich an der Debatte nicht betbeiligen zu wollen. Die Wahl des Bezirks Schweinfurt wurde für nichtig erklärt; sämmtliche Stimmen der patriotischen Partei waren für die Vernichtung. Morgen wird über das Forstschulwesen berathen.
Konstantinopel, 18. Februar. Die Russen haben die in der neutralen Zone gelegene Redoute Samidie (Sarnidie?) geräumt.
London, 18. Februar. Die „Times" bringt in einer Specialausgabe folgendes Telegramm aus Pera vom 17. d.: Die Russen ziehen vor der Ver- tbeidigungslinie von Konstantinopel Truppen zusammen; zur Zeit liegt aber nicht das geringste Anzeichen für eine Vorwärtsbewegung derselben vor.
Petersburg, 18. Februar Der Großfürst-Thronfolger und Großfürst Wladimir sind hier eingetroffen. — Der „Agence Russe" zufolge gilt die Wahl Baden-Badens als Congreßort, sowie die Anwesenheit der Minister des Auswärtigen daselbst als wahrscheinlich; jedoch sei etwas Definitives hierüber noch nicht festgestellt.
Berlin, 18. Februar. Die Vermählungsfeier der Prinzessinnen Charlotte und Elisabeth hat heute den programmmäßigen Verlauf genommen. Schon seit dem frühen Morgen zeigte sich anläßlich der Feier auf den Straßen, namentlich unter den Linden und in der Friedrichsstadt, ein bewegtes Leben. Alle öffentlichen und städtischen, sowie auch viele Privatgebäude waren beflaggt und festlich geschmückt. Vor dem kaiserlichen und dem kronprinzlichen Palais war eine dichtgedrängte Menge versammelt, von welcher der Kaiser und der Kronprinz, sobald sie sich zeigten, mit enthusiastischen Zurufen begrüßt wurden; viele Häuser der Stadt sind iQuminirt.
Versailles, 18. Februar. Bei der Berathung des Cnltusbudgets in der Deputirtenkarnrner trat Baragnon für Religion und Geistlichkeit ein und äußerte dabei: wenn die Republik nicht eine christliche sei, so werde sie keinen langen Bestand haben. Boysset entgegnete: er wolle keinen vorherrschenden Cultus. Cultusminister Bardoux befürwortete den alsbaldigen Schluß der Generaldiscussion, indem er die Erklärungen der Regierung bis zum Beginn der DiScussion der einzelnen Artikel vorbehielt. Hierauf wurde die Generaldebatte geschlossen.
Paris, 18. Februar, Abends. „Messager de Paris^ veröffentlicht ein Memorandum der europäischen Colonie in Egypten, welches die europäischen Cabinete bittet, thätig zu handeln, damit der Khedive seine Verpflichtungen erfülle.
Wien, 18. Februar. Abends. Die „Polit. Corr." meldet aus Bukarest vom 18. d.: Großfürst Nikolaus schickte den Flügeladjutanten Fürsten Obolensky zum Fürsten Karl, um letzterem die Friedenspräliminarien mitzutheilen und eine Verständigung wegen Durchführung verschiedener auf die Waffenstillstandsbedingungen bezügliche Fragen herbeizuführen. Die rumänische Regierung bereitet ein Memorandum an die Mächte, betr. die Anerkennung der Unabhängigkeit Rumäniens vor. — Dieselbe Korrespondenz berichtet aus Athen vom 18.: Die Jnsurrection gewinnt an Ausbreitung; in Epirus fanden blutige
Laut Meldung desselben Organes aus Cattaro war der Präsident des montenegrinischen Senates Bozo Petrovits, auf der Durchreise nach Wien gestern daselbst eingetroffen.
London, 18. Februar, Abends. Im Oberhause richtete Derby an
Stratheden das Ersuchen, seinen Antrag betr. die orientalische Frage zurückzu- ziehen, da es nicht ersprießlich sei, über den Waffenstillstand zu debattiren, während England im Kriege neutral geblieben sei. Stratheden zog seinen Antrag zurück, nachdem Granville denselben gleichfalls gemißbilligt hat. — Auf eine Anfrage des Letzteren erwiderte Derby: Betreffs des Kongresses sei noch kein weiterer Fortschritt gemacht. Der jetzige Aufenthaltsort der Flotte des Admirals Hornby gewähre einen besseren Ankerplatz und bessere telegraphische Verbindung mit Konstantinopel. Die Bewegung der Flotte sei nicht das Er- gebniß irgendwelcher Unterhandlungen zwischen England und Rußland. Die Regierung besitze keine weiteren Nachrichten hinsichtlich des Vormarsches gegen Konstantinopel; bezüglich des Vormarsches der Russen gegen Gallipoli habe sie vor Kurzem eine Depesche empfangen, die noch nicht dem Cabinet unterbreitet sei und deren Inhalt er baldmöglichst andeuten werde. Derby verlas ferner ein Telegramm Layards, in welchem dieser ausdrücklich die ihm von „Daily News" zugeschriebenen Aeußerungen für unbegründet erklärt. — Hierauf vertagte sich das Haus.
Im Unterhaufe entgegnete Northcote aus eine Anfrage von Beresford: es sei nicht wahrscheinlich, daß die Angelegenheiten Polens auf dem Kongresse angeregt würden. Auf Befragen Hartington's erklärte Northcote: Abm ral Hornby habe im Einvernehmen mit Layard die Flotte nach der Bai von Mudania in eine bequemere Position gebracht. Vor einer halben Stunde habe Derby eine wichtige Mittheilung erhalten. Gegenüber Dilke äußerte der Schatzkanzler: die Regierung habe keine Nachricht erhalten, über die Besetzung einer Redoute innerhalb der neutralen Zone durch die Russen. Anläßlich der dritten Lesung der Creditbill bat Northcote keine Debatte anzuregen, da eine solche gegenwärtig nicht an der Zeit sei; die dritte Lesung erfolgte darauf ohne Abstimmung.
Papst Pius IX. ——
VI.
Pius beschuldigte den modernen Staat nicht nur der Unterdrückung der K.rche, sondern der Verderbniß der Sitten, der Verbreitung von Lastern und Verbrechen. Es ist daher unerläßlich, einen Blick auf das päpstliche Rsm zu werfen und den dort herrschenden Sittenzustand einer Prüfung zu unterziehen. Wir finden nun, daß im ehe maligen Kirchenstaat auf je 8700 Einwohner ein Mord kam (im Übrigen Italien auf je 16,000, in Oesterreich auf 31.000, in England auf 45,000, in Preußen auf 66 600) 1855 befanden sich in den Gefängnissen des Kirchenstaates 4133 Kriminalsträfl nge, darunter 608 wegen einfachen Mords, 25 wegen Elternmordes, 12 wegen Gattenmo^ des 11 wegen anderer nicht nennbarer Verbrechen. Im gleichen Verhältnisse müßte Deutsch ' land 8400 Mörder in seinen Gefängnissen haben. 1868 betrug die Zahl der Raubanfälle im päpstlichen Rom 236, der blutigen Gewaltakte 938; unter der italtnischen Regierung 1873 war die Zahl der ersteren 26, der letzteren 603. Die zahlreichen Pro stituirten tn Ron waren meistens Ehefrauen, ein Zustand, der die große Anzahl von rachitischen und verkrüppelten Kmdern in Rom erklärt.
Vergleichen wir die Bildungsoerhältnisse. 1860 waren im Kirchenstaat von 1000 männlichen Einwohnern 641, von 1000 weiblichen 750 des Lesens und Schreibens gänzlich unkundig, während in Preußen von je 1000 Rekruten 48 ohne Schulbildung
In Bezug auf Moral und Bildung stand also der Kirchenstaat tief unter allen anderen Staaten Europas. Aber nie hatte der Papst darüber Kluge geführt, während er beständig den liberalen Staat als Sittenoerderber, als Verführer der fugend »ls den Urheber aller Laster und Verbrechen hinstellte. Es laßt sich dieser eigenthümliche Umstand nur so erklären, daß der Papst eine von dem bisherigen Begriff abweichende Meinung über Tugend und Laster hatte und daß er nur deßhalb so schwere Ank age gegen den Liberalismus erhob, weil dieser die ihm v-rhaßien Humanitätsgrundsätze xvu Zeitung gebracht hat. Diese Erklärung wird bestätigt durch folgenden Ausspruch oes Papstes: „Es gibt ein liebel, welches schlimmer ist als die Revolution, schlimme- als die Commune und ihre Anhänger, welche Paris in Brand steckten, dieses liebel ist der katholische Liberalismus."
Aber trotz dieser Anfeindung der liberalen Institutionen des'modernen Staates, nützte er besonders zwei derselben, die er vielmals verdammt hatte, im äußerstem G ade aus: die Preßfreiheit und die Vereinsfreiheit.
,Von der Presse sagte er: „Die Presse ist eine Macht, welche Gott als Werkzeug für seine Kirche gebraucht wissen will", und er wies es stets zurück, die Ausschreitungen oer ultramontanen Redakteure zu tadeln. „Wie könnte ich das thun?" sagte er, ,.sie schreiben ja für Gott und seine Kirche." Selbst Bischöfe wurden gemaßregelt, wenn sie der maßlosen Sprache, den Aufreizungen ultramontaner Blätter Einhalt thun wollten. So wurde der Erzbischof von Paris, der das infame Treiben des „Unioers", die Untergrabung der bischöflichen Autorität durch dieses Blatt gerügt hatte, zum Widerruf tn diesem nämlichen Blatte gezwungen. Große Summen verwendete Pius auf die Unterstützung dieser Presse. Zu welcher Höhe sich dieselben belaufen haben, läßt sich aus der Aufbesserung vermuthen, die dieser Preßfond im Jahre 1875 erhalten und welchen das Organ des Kardinals Cullen, die „Dubliner Evening Post", zu 180,000 Lire angab. .unablässige Sammlung des „Peterspfennigs" machte diese Ausgaben möglich, ob- 6 le ich die päpstliche Hofhaltung und die Besoldung der Tausende von ehemaligen päpstlichen Beamten und Osfizieren enorme Summen kosteten. Der Papst hatte nicht nöihig, die 3-/4 Millionen Lire, die ihm Italien als jährliche Dotation ausgesetzt, anzunehmen.
Huhr 1871 allein brachte ihm 25 Millionen Frcs. an Peterspfennigen ein, das Jahr 1877 gegen 30 Millionen; die Gesammtsumme übersteigt weit 100 Millionen.
In gleicher Weise und zu gleichem Zwecke wie die Presse wurde von Pius auch das Veremswesen gefördert. In einem Schreiben vom Jahre 1872 sagte er: Wir erachten als Gott wohlgefällig die Überaus nützlichen katholischen Vereine, welche, der eine diesen, der andere jenen Kreis von den so vielen Bedürfniffen der Kirche in seinen »eich ziehend, wie geordnete Heere die Schlacht des Herrn schlagen. Wir können uns nicht enthalten, allen derlei Vereinen mit überschwenglichen Ausdrücken Glück z i wünschen, um zur Verteidigung des Glaubens, zur Behauptung der Rechte der Kirche mrd zur Wledererringung ihrer Freiheit mit vereinten Kräften und Plänen zu wirke: . so mögen sie fortfahren, gegen die furchtbaren Angriffe der Gegner wie eine geordnete Dchlachtreihe zu streiten."
Es ist seltsam, daß Pius, dessen Geist so sehr im Wunderbaren befangen schien, der behauptete, die Kirche sei mächtiger als selbst der Himmel, sein Vertrauen auf fo ganj weltliche Mittel setzte, ja noch mehr, daß er sich derselben Einrichtungen bediente, die er stets als verwerflich und verdammenswerth bezeichnet hatte. Es mußte eben alles, das Heilige wie das Unheilige diesem Papste dienen zur Erreichung des einen Zieles: Erhöhung seiner Gewalt und Wiedergewinnung der weltlichen Herrschet. Häufig finden wir auch in seinen Reden diese Vermengung heiliger und profaner Dirn e. Besonders wendet er oft Stellen der heiligen Schrift, die eine rein geistige Bedeutung haben, auf durchaus irdische Dinge an.
So finden wir wiederholt in seinen Reden folgende Stelle: „Was St. Petrus betrifft, so hatte er zwar keine Armee, aber er besaß eine Eigenschaft, die mehr werth ist als tausend Armeen: wenn Jemand sich seinem Willen widersetzte, so streckte er ihn mit einem einzigen Worte tobt nieder. Ananias und Saphira sind deß Zeugen. Ich besitze diese kostbare Eigenschaft nicht, darum brauche ich Soldaten, um das Ansehen meines apostolischen Amtes aufrechtzuerhalien."
8 vkal-Notiz.
Gießen, 19. Febr. Wir lassen nachstebend die Tagesordnung für bie Stadt- verordneten-Sitzung am Donnerstag den 21. Februar 1878, StachmittagS 4 Uhr, irn alten Realschulgebäude folgen:
1. Die Reinhaltung der Straßen, Plätze rc.
2. Die Anlegung von Straßen tn der Schwarzlach.
3. Anlagen auf der Schoor zwischen Wallthor und Neustadt.
4. Die Reichensand-Bahnhofsstraße.
5. Gesuch wegen Eröffnung der Bleichstraße.
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Betr.:
1054) A' neun Stiftungen 16. September zustebt, ausbezatz sich bei der unte
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