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politisch

Der wachsende Militär - Etat.

DieNeue Zeit" bringt aus parlamentarischer Feder folgenden Aufsatz: Der vorliegende neue Militär-Etat pro 1878/79 fordert zu einer Vergleichung darüber aus, wie seit dem Friedensschluß mit Frankreich und seit dem ersten einheitlichen deutschen Militär-Etat pro 1872 die laufenden Kosten der Militär­verwaltung gestiegen sind. Außer Betracht sollen dabei gelassen werden die gesammten Extraordinarien, d. h. die Ausgaben für militärische Bauten, sei es, daß dieselben nun aus laufenden Mitteln oder aus besonders dazu bestimmten Capitalfonds bestritten werden, sodaun die gesammten Netablissementskosten, endlich die Gesammtkosten für Pensionen, sowohl der Pensionäre aus den Kriegen, wie der Friedens-Pensionäre. Läßt man alle diese einen klaren Ver­gleich behindernden Positionen außer Betracht, so ist der Militär-Etat, wie folgt, gewachsen. Er betrug:

1872 242 Millionen Mark,

1873 260

1874 263

1875 311

1876 316

1877/78 323 1878/79 328

Die Etats pro 1872, 1873, 1874 standen noch unter der Herrschaft des Pauschquantums von 225 Thlr. pro Kopf der Präsenzstärke. Im Jahre 1873 e-.höbte sich der Betrag um den Wohnungsgeldzuschuß der Osficiere und die erhöhte Dotation der Unterosficiere. Im Jahre 1875 stieg der Etat um 8 Millionen Mark sprungweise in die Höhe. Der Etat trat nach Ablauf des Militärpauschquantums unter die Herrschaft des im April 1874 im Reichstage durchgedrückten Militärgesetzes, worin ein Präsenzstand von 401,000 Mann für sieben Jahre normirt worden war. Thatsächlich hatte die Präsenz bis dahin 30,000 Mann weniger betragen und war durch diese Minderpräsenz die sed Festsetzung des Pauschquantums eingetretene Preissteigerung ausgeglichen worden. Nunmehr zog die allgemeine Preissteigerung ihre vollen Consequenzen. Dazu kam eine Löhnungserhöhung um sechs Pfennige pro Tag und eine Er­höhung der Haferratton um V2 Pfund pro Tag. Seit 1875 ist der Militär- Etat im Wachsen geblieben, theils weil bisherige mit Rücksicht auf das fett dem Kriege stattgehabte Retablissement gemachte Ersparnisse nicht mehr vorge­sehen werden konnten, theils in Folge fortgesetzter Osficiersstellenvermehrung (zuletzt im vorigen Jahre durch Einführung der 13. Hauptleute), theils unter der Wirkung fortgesetzter Preissteigerungen, insbesondere bei der Naturalver­pflegung. Es ergibt sich sonach zwischen dem Etat von 1872 und demjenigen für 1878/79 ein Unterschied von 86 Millionen Mark oder um 36 pCt. Der Etat der laufenden Kosten der Marineverwaltung ist in derselben Zeit von 11 auf 25 Millionen Mark gewachsen, so daß eine Erhöhung der Etats für Heer und Marine von 253 auf 353 Millionen oder um 100 Millionen Mark = 40 pCt. sich ergibt. Außer den vorbemerkten 353 Millionen Mark sind im vorgelegten Etat aufgeführt für Pensionen von Militär- und Marineper­sonen 50 Millionen Mark, für Kasernen-, Festungs-, Schiff-, Hafenbauten und andere nicht zum laufenden Etat gehörige Aufwendungen 76 Millionen Mark. Von den Pensionen und Extraordinarien sollen indessen nur 30 Millionen Mark aus laufenden Mitteln bestritten werden. Der Rest wird gedeckt theils aus besonderen, noch von der französischen Kriegsentschädigung herrührenden Fonds, theils aus Anleihen. Im Ganzen sollen also dem Krtegsdepartement und dem Marinedepartement 479 Millionen Mark pro 1878/79 zur Verfügung gestellt werden.

Was die laufenden Ausgaben im neuen Militär-Etat pro 1878/79 und deren Erhöhung anbetrifft, so ist es allerdings richtig, das von den 3,593,010 Mark Mehransätzen des preuß. Etats der größte Posten von 2,212,543 Mark auf den Fonds für Naturalverpflegung fällt. Während thatsächlich die Roggen» und Fouragepreise erheblich gefallen sind, wird hier in Folge einer auf dem Durchschnitt der Jahre 1866/76 fußenden Calculatur-Schablone eine Erhöhung angesonnen. Es kommen aber doch auch nicht unerhebliche Erhöhungen vor, theils in Folgeorganischer Fortentwickelung des Heerwesens", theils in Folge von Gehalts- und Zulage-Erhöhungen. Zu ersterem werden gerechnet 8 neue Stabsosficier-Stellen im Generalstab, darunter zwei ad latus der Gouverneure von Metz und Straßburg, und sechs als Etsenbahnlinien-Commiffare. Letztere Stellen sollen jetzt schon im Frieden besetzt werden. Dem Bezug der neuen Central-Cadettenanstalt Lichterfelde im künftigen Sommer soll eine Vermehrung der Cadetten um 80 Köpfe folgen. Wiederum soll bei vier Infanterie-Regi­mentern in Elsaß-Lothringen die Bataillonsstärke von 564 auf 680 Mann ge­bracht werden ; das Plus, welches dadurch hauptsächlich an Unterofficier-Stellen entsteht, wird durch Verminderung der Gemeinen hauptsächlich bei den Land- wehrbezirks-Commandos und bei den Jägern ausgeglichen. Sodann ist eine Ausdehnung der Ueburgen der Osficiere und Aerzte des Beurlaubtenstandes vorge­sehen. 4181 Osficiere und 300 Aerzte der Reserve und Landwehr sollen dazu eingezogen werden. Unter den Gehaltsverbesserungen fällt eine Erhöhung der Gehäl­ter der Geistlichen und Küster um 600, bezw. 325 Mk. auf, weniger eine solche der

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Proviantsamt-Assistenten. Den Osficteren soll bei Manövern in Cantonnements die ganze statt der halben Commandozulage gewährt werden, eine Forderung, welche vom Reichstage schon vor drei Jahren mit Rücksicht darauf abgelehnt wurde, daß den Osficteren noch der Wohnungsgeldzuschuß neben dem bisheri­gen Servis gewährt worden war. Die Motive finden in der Gewährung nur der halben Commandozulage welche pro Tag um 60 bis 124 Psg. geringer ist als die ganze den ersten Anlaß zu folgenschweren Arrangements, welche den Bestand der Officiercorps verringern und von einem Betreten der Officiers- Laufbahn abschrecken. Es ist sodann die Rede von einernothwendig gewor­denen Erhöhung der Umzugskosten für die Personen des Soldatenstandes" (-j- 300,000 Mark); endlich wird die Gewährung der großen Victualienpor- tion an Stelle der kleinen im Cantonnement während der Truppenübung vor­gesehen (+ 464,536 Mark). Durch alle diese Dotationserhöhungen und andere aus Preiserhöhungen folgende Mehrkosten würde noch erhebliches Plus im Militär-Etat entstehen, wenn nicht andererseits Mtnderausgaben in Folge niedrigerer Victualienpreise, eines geringeren Zuschusses zur Militär-Wittwen- kasse und einer richtigeren Etatisirung der Ersparnisse im Manquement der Osficiere u. dergl. entständen.

Deutschland.

Darmstadt, 17. Februar. Se. König!. Hoheit der Großherzog sind nebst Gefolge heute früh 7 Uhr 45 Min. ttf Berlin eingetroffen, von Sr. Kaiser!, und König!. Hoheit dem Kronprinzen empfangen und in das Schloß begleitet worden.

Irankreich.

Paris, 17. Febr. In Versailles herrscht so schreibt dieEstaffette" große Beunruhigung wegen eines im osficiösenSotr" enthaltenen Artikels. Die Pessimisten behaupten, die französische Regierung sei geneigt, ihre bisherige Politik der Nichtintervention zu verlassen und ein Bündniß mit England und Oesterreich abzuschließen.

Versailles, 16. Februar. Im Senate legte der Minister des Innern einen Gesetzentwurf, betr. den früheren Zusammentritt der Generalräthe am 8. April wegen der Ausstellung vor. Die Dringlichkeit wurde erklärt. Die Wahl eines lebenslänglichen Senators hatte wiederum kein Resultat. Carayon (Rechte) erhielt 135, Lefranc (Linke) 133 Stimmen. Nächste Wahl Dienstag.

England.

London, 16. Februar. WieDaily News" melden, sind die russischen Truppen derart vorgeschoben, daß zwei Divisionen des Generals Skobeleff in ungefähr 36 Stunden und zwei andere Divisionen in zwei Tagen Konstanti­nopel erreichen können.

Abends. Ein heute Nachmittag auf Trafalgar-Square stattgehabtes von 2000 Personen besuchtes Meeting nahm zwei Resolutionen an, in denen das Vertrauen der Versammelten zur Politik Beaconsfield's ausgedrückt und gegen eine eventuelle russische Besetzung Konstantinopels, gegen die Erweiterung der russischen Macht am Schwarzen Meere und die Verletzung der Integrität der Türkei protestirt wird.

Griechenland.

Athen, 16. Februar. In Thessalien nahmen die Insurgenten angeb­lich 5000 Türken gefangen. Auf Kreta nimmt der Aufstand große Dimen­sionen an.

Amerika.

Washington, 15. Februar. Im Senate hat die Abstimmung über die Silberbill und die dazu gestellten Amendements begonnen. Es sind An­zeichen dafür vorhanden, daß die Bill mit einer Zweidrtttel - Majorität passiren werde.

Washington, 16. Februar. Der Senat hat mit großer Majorität die Amendements zur Bland'schen Bill, welche von dem Finanzausschüsse bean­tragt worden, und welche den Artikel des Gesetzes über die freie Ausprägung von Silbergeld aufheben und die Ausprägung auf 4 Mill. Dollars monatlich beschränken, angenommen. In Folge der Annahme der Amendements wird auch eine Commission eingesetzt werden, welche den Auftrag erhält, mit der sog. lateinischen Münzvereinigung tn Europa und mit anderen Staaten in Verbin­dung zu treten, um eine gemeinsame Silber- und Goldwährung herbeizuführen. Die Amendements ermächtigen auch zur Ausgabe von Certificaten der Silber- Depots, die bei Zahlung von Steuern und Zöllen angenommen werden. Neber die anderen Amendements liegt noch kein definitives Votum vor. Die Sitzung des Senats war um 4 Ubr Morgens noch nicht zu Ende.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telrgr. Eorrespondenz Bureau.

Wien, 18. Febr. Das hiesigeTelegr.-Corr.-Bur." meldet aus Konstantino­pel vom 17. d.: Die englische Flotte, welche die Prinzeninseln verlassen hatte, ist