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uud Reichthum zu finden. Die Meisten würden enttäuscht und dadurch unzu­frieden und rnißmuthtg,, Daraus erkläre sich im Wesentlichen das rapide An­wachsen der Socialdemokcatie. Der Kaiser ging sodann auf die letzten und vorletzten Reichstagswahlen in Berlin und aus die Betheiligung der Social- demokratte daran ein und schloß seine Ansprache etwa folgendermaßen: Es fei jetzt eine Aera, in der man die Fürsten zu beseitigen strebe in der irrigen Hoff nung', dadurch beffere Zustände zu erzielen. Ihm selbst sei ja aller Voraus­sicht nach nur noch eine kurze Spanne Zett zugemeffen; in dieser stehe sein Leben in Gottes Hand. Die verbrecherische Richtung der Zeit werde ihn nie hindern, wie bisher so auch ferner seine Pflicht zu thun.

Wie dieMagd. Ztg." behauptet, wird die Mehrheit der Tabaks Enquete-Commission bei der zweiten Lesung die Einführung der Gewichtsteuer in erster Linie in Vorschlag bringen. Das Monopol hat in der Commission fast gar keine Anhänger. Auch die amerikanische Fabriksteuer ist zu den Acten ge­legt. Wie man hört, sollen die nach Amerika gesandten Commiffare nicht nur die Einführung der amerikanischen Fabriksteuer als für unsere Verhältniffe ganz unausführbar htnstellen, sondern sie sollen sich auch dahin ausspnchen, daß man in Nordamerika selbst das dortige Steuersystem nicht für rationell hält und es nur in Ermangelung eines befferen Systems beibehält. In Nordamerika sollen alle Sachverständigen darüber einig sein, daß principiell eine Gewichtsteuer von Rohtabak die richtige Art der Tabaksbesteuerung sei.

Von einer dem Tabaksmonopol geneigten süddeutschen Regierung ist, wie demHann. Cour." geschrieben wird, jetzt der förmliche^Antrag auf Ein führung deffelben in der dem augenblicklichen Stadium der Sache entsprechen­den Form etngebracht. Sie selbst aber rechnet keineswegs jene Hunderte von Millionen als Ertrag heraus, die ursprünglich den Blick auf diese französische Institution gelenkt haben. Ihre finanzielle Erwartung übertrifft nicht weit den Betrag, welcher sich von der Wiederaufnahme der Camphausen'schen Vorlage im letzten Winter herausrechnen läßt, falls deren Sätze noch etwas weiter er« höht werden. Sie reicht nicht einmal hin zur völligen Beseitigung der Matri- kularbeiträge, geschweige denn zu dem Erguß eines goldenen Regens über Länder und Städte, der in Aussicht gestellt wird, so oft man uns für das Tabaks­monopol zu gewinnen sucht. Gleichzeitig aber sollen Entschädigungen gezahlt werden, die das Reich mit einer Schuld von vielen Hunderten von Millionen belasten würden, und deren jährliche Verzinsung etwa so viel ausmachen würde, wie der Unterschied zwischen dem berechneten Monopolgewinn und dem Ertrage einer Gewichtsteuer in Verbindung mit angemeffenen Zollsätzen. Der Antrag charaktertsirt sich also schon durch sich selbst ohne Weiteres als unannehmbar.

Aus Sachsen, 13. Decbr. Verflossenen Sonntag stellten sich dem jetzt in Leipzig wohnenden Reichstags-Abgeordneten Fritzsche zwei Herren der dortigen Polizei vor, die ihm mttthetlten, daß sie auf Veranlassung der Berliner Polizei behörde bei ihm Haussuchung halten müßten, er solle die Kaffe des deutschen Tabak-Arbeiter-Vereins, im Betrage von 62,000 Mk., mitgenommen haben. Nachdem Alles durchsucht, von dieser Kasse aber nicht die Spur gefunden wor den war, thetlte Fritzsche auf Befragen der Poltzeibeamten mit: Das Vermögen des von ihm geleiteten Vereins sei nie höher als einige 30,000 Mk. gewesen, habe aber als sog. Reservefonds nie in der zur Disposition des Verwaltungö- rathes stehenden Hauptkasse zu Berlin, sondern in über 100 Ortskassen in ganz Deutschland zerstreut gelegen. Als man die Annahme des SociaÜstengesetzes mit Bestimmtheit voraussetzen konnte, machte Fritzsche der Vereins-Generalver­sammlung im Juni zu Dresden den Vorschlag, damit das Geld nicht zur be liebigen Verwendung der Behörden kommen möge, den Reservefonds der Central Kranken- und Sterbekaffe des Vereins (eingeschriebene Hülfskaffe) zu­nächst als unverzinsliches Darlehen, nöthtgenfalls aber als Geschenk zu über­weisen.. Dies sei geschehen; in der Hauptkaffe befinden sich nur noch einige Pfennig.

Gotha. Die erste Feuerbestattung im deutschen Reiche hat am 10. De­zember in Gotha stattgefunden. Dieselbe betraf die einbalsamtrte Leiche des schon im vergangenen Jahre verstorbenen Ingenieur Stier, welcher die Ver­brennung seiner irdischen Ueberreste gewünscht hatte. Der größere Thetl der evang. Geistlichkeit Gothas, der Staatsminister Frhr. v. Seebach und der General- Superintendent Dr. Schwarz wohnten dem Acte bei. Der Superintendent Seydel hob in einer Ansprache die Bedeutung dieser seit der Einführung des Christenthums ersten offictellen Leichenoerbrennung in Deutschland hervor, be­tonte daS sittliche Moment, das auch in dieser Bestattungsform liege, und sprack es aus. daß die evangelische Geistlichkeit durch ihr Erscheinen bekunden wolle, wie sie in der Feuerbestattung gegenüber der Beerdigung nichts finden könne, was gegen die christliche Religion und gegen die gute Sitte verstoße. Der ganze Verbrennungsproceß währte etwa von 3 Uhr 15 Mtn. bis 4 Uhr 45 Mm. Nachmittags. Die Angehörigen des Verstorbenen sammelten dessen Asche nach deren Erkaltung in eine Urne. Diesen Act mttgerechnet wurden etwa 4 Stun­den in Anspruch genommen.

Kesterrrich.

Wien, 14. December. DiePoltt. Corresp." meldet aus Konstan­tinopel : Der Abschluß einer neuen englisch-türkischen Convention wird als un­mittelbar bevorstehend betrachtet. Einem Gerücht zufolge sollen nicht nur mehrere Flotten-Stationen England eingeräumt werden, sondern auch einige strategische Punkte der Türket sollen dauernd von englischen Landtruppen besetzt werden. Die diplomatische Action bezüglich Griechenlands ist plötzlich ganz sistirt wor­den. Achmed Mukhtar bleibt vorerst in Janina. Auch die Verhandlungen mit Rußland wegen des defiittttven Friedens-Vertrages find momentan un­terbrochen.

Pesth, 15. December. Die Reichsraths-Delegatton trat den meisten abweichenden Beschlüssen der ungarischen Delegation bei, beharrte jedoch bezüg­lich der Berittenmachung der Hauptleute, der ersten Rate von 300,000 fl. für ein neu zu erbauendes Cttadellschiff und zwei anderer unwesentlicher Posten auf den ursprünglich gefaßten ablehnenden Beschlüssen.

Frankreich.

Pari-, 15. Decen^rr. DasJournal des Debats" schreibt: Laut Privat-Jnsormationen, welche wir für begründet halten, jedoch nur unter Vor­behalt mittheilen, erscheint es als möglich, daß England eine türkische Anleib» garanttrt gegen Abtretung des Hafens Alexandrette, welcher als Ausgangspunkt der kletnafiatischen Eisenbahn dienen würde.

Aegypten.

Alexandrien, 15. December. Ein im Amtsblatt veröffentlichter Erlaß des ginanjmiiii|iere schlägt die Abschaffung des englischen und französischen General Controteurs vor. wenn die Verwaltung der Schuldenkaffe zustimme. Baraoelli, italienisches Mitglied der Verwaltung der Schuldenkaffe, ist zum General-Berichteistatter, Blum zum Unterstaatssecrekär im Finanzministerium, F tzaerald zum General Conrroleur der Rechnungen ernannt.

Eetrgraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Eorrespoudenz-Bureau.

Berlin, 16. December. Der für die Dauer des Jahres 1879 verein­barte deutsch-österreichische Handelsvertrag ist heute im Auswärtigen Amte un­terzeichnet worden.

Potsdam, 16. December. Der Vorleser Sr. Maj. des Kaisers, Geh. Hofrath Schneider, ist vergangene Nacht gestorben.

Rom, 15. December. De Pretis übernahm nach Besprechung mit mehreren Staatsmännern die Mission, ein neues Cabtnet zu bilden.

Pesth, 16. December. Die ungarische Delegation trat den Beschlüffen der österreichischen Delegation betreffs Streichung der Budgetposten für Berit­tenmachung der Hauptleute und den Bau eines neuen Citadeüschiffes bei, wo« mit die Gleichartigkeit der Beschlüffe beider Delegationen hergestellt ist uud die Nothwendigkeit einer gemeinsamen Abstimmung entfällt. Das ungarische Unterhaus nahm die Gesetzvorlage betreffs Verlängerung des kroatischen Aus­gleiches an und begann die Berathung über die Jndemnitätsbewilligung für das erste Quartal 1879. Die Regierung legte den Gesetzentwurf wegen Ein­verleibung von Spizza vor.

Chemnitz, 16. December. Commerzienrath Hartmann ist gestorben.

Pesth, 16. December. Das Abgeordnetenhaus nahm die Vorlage über die Verlängerung des Wehrgesetzes mit überwältigender Majorität an. Nur die äußerste Linke stimmte dagegen.

Lokal-Notiz.

Giesten, 17. December. (Außerordentliche Sitzung der Stadtverord­neten am 16. Derember.) Anläßlich des so sehr zu beklagenden Trauerfalls, welcher unser Großherzogl. Haus betroffen, hatte Herr Bürgermeister Bramm auf gestern Nachmittag eine Sitzung der Stadtverordneten anberaumt. In einer Ansprache an die Versammlung wies derselbe auf das betrübende Ereigniß hin, welches mit dem Tode der an edlen Gaben des Geistes und Herzens so reichen Fürstin unseren erhabenen Landesherrn, die Großherzozliche Familie und das hessische Volk in tiefste Trauer versetzt habe. Er bitte zunächst die Versamm­lung, den Gefühlen der innigsten Theilnahme an den herben Schickfalsschläzen, welche das hohe fürstliche Haus und das ganze Land betroffen, durch Erheben oon den Sitzen Ausdruck zu geben. Nachdem dieser Aufforderung Folge ge­leistet worden, wurde sodann die Absendung einer von dem Herrn Bürgermeister bereits entworfenen, von der Versammlung genehmigten Beileids-Adreffe an Se. König!. Hoheit den Großherzog, die Abordnung einer Deputation, bestehend aus dem Herrn Bürgermeister und Herrn Beigeordneten Heß, welche der Bei­setzung der hohen Leiche beizuwohnen habe, sowie die Widmung eines Kranzes Namens der Stadt beschloffen. Die Beiletds-Adreffe hat folgenden Wortlaut:

Alirrdurchlauchfigster GroMm! Allergniidigütr M Herr!

Nach dem unerforschlichen Rathschlusse des Allerhöchsten ist Ew. Königliche Hoheit die treue liebevolle Gattin, Höchstdenen geliebten Kindern die zärtliche fürsorgende Mutter und dem getreuen Lande Hessen die erlauchte edle Fürstin durch eine verderbenbringende Krankheit, lvelche erst kürzlich das Leben unseres erhabenen Landes­herrn und seine Kürder bedrohte lind hierdurch sowie durch den Tod eines liebevollen Kindes dem Herzen der nun Heimgegangenen Gattin und Mutter tiefe Wunden schlug, nach kurzem Krankenlager entrissen worden. Möge der allmächtige Gebieter über Leben und Tod Ew. Königlichen Hoheit Trost wid Frieden spenden in der tiefen Bekümmerniß und in dem schmerzlichen Leid, welche das Herz des tiefgebeugten Gatten erfüllen, möge der allgütige Vater aller Waisen die mutterlosen Kinder in seinen gnädigen Schutz nehmen und möge der Herr geben, daß das Land nie vergesse der Treue u:rd der Wohlthaten, welche seine von ihm verehrte nun in Gott ruhende Fürstin ihm erwiesen hat!

Mit diesen Gefühlen der innigsten Theilnahme an dem herben Schicksalsschlage, welcher Ew. Königliche Hoheit und die hohe fürstliche Familie sowie das ganze Land betroffen hat,

verharrt in tiefster Ehrfurcht Ew. Königlichen Hoheit treugehorsamste Stadt Gießen

und Namens derselben

A. Bramm, W. Keller, A. Hetz.

Bürgermeister. Beigeordnete.

Th. Batst, <5. Diery, Stadtverordnete.

Gießen, 16. December 1878.

Gießen, 17. December. Bet der «rotzen Trauer, welche da« Hinscheiden unserer edlen Fürstin in allen Schickten der Bevölkerung erregt, wird efl vom allgemeinsten Interesse sein, über ihre letzten Stunden noch einige zuoerlässtze Mitthrilungen zu hören, welche dieOff nb. Zt§." auszugsweise einem ihr oon compeient'ster Seite in Darm­stadt gewordenen Briefe entnimmt. Derselbe ist am Morgen deS Todestages geschrieben, und lautet in feinen wesentlichsten Theilen wie folgt:Wenn Sie diese Ze len erhalten, wwd die Großherzogin den letzten Kampf auSgekärnpft haben. BiS gestern M ttag war die Krankheit in stetem Forttchreiten begriffen, das F eber nahm zu, der Kehlkopf war auch angegriffen, man fürchtete eine Erstickung. Es war daher auch daS Gerücht »er- brdtet, daß eine Operation stattgefunden bade, waS jedoch nicht der Fall war, da die AlhmungSbefchwcrden nicht groß waren. Zwischen 3 und 5 Uhr verminderte sich daS Feber, und man konnte sagen, die hohe Patientin befinde stch etwas beffer, was schon darum oon Wichtigkeit war, als eine Verschlimmerung nicht eintrat. Nach 5 Uhr nahm

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