1N78.
Mittwoch, den 18. December
Nr. 29S
KWner Anzeiger
Anzeigk- und Amtswti für den Knis Gießen
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
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Dies zur Beseitigung von Mißverständnissen. Gießen, den 17. December 1878.
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geben. Wie wir hören, wird während der Ueberführung der Leiche nach dem Schlöffe nur das Glöckchen auf dem weißen Thurme läuten. Der geschloffene Sarkophag wird in der Sckloßkirche ausgestellt und voraussichtlich übermorgen Vormittag der Besuch der Schloßkirche dem Publikum gestattet sein. Die Einsegnung findet am Mittwoch Nachmittag 2y4 Uhr statt und werden hierbei die ürstltchcn Herrschaften, die Mitglieder beider Kammern, die Spitzen der Be- börden, sowie Deputationen der verschiedenen Vereine, deren Protectorin die bohe Verblichene war, vertreten sein. Der evang. Kirchen-Gesangverein wird hierbei die Trauergesänge zur Ausführung bringen. Bei der Verbringung der hohen Leiche in das Mausoleum auf der Rosenhöhe wird die hiesige Garnison Spalier bilden.
— Von Seiten vieler Behörden, Corporationen und zahlreicher Privat- perforiert sind weist prächtige Blumenspenden und Kränze mit entsprechenden Widmungen am Sarge der verstorbenen Landesmntter niedergelegt worden.
— Die Einsegnung der Leiche der hochseligen Großherzogin Alice wird dem Vernehmen nach auch durch den englischen Geistlichen nach dem Ritus der anglikanischen Hockkirche erfolgen.
Darmstadt, 13. December. Heute ist den Ständen auch der erwartete Eniwurs eines Aussührungsgesehes zur Strafproccß Ordnung zugegangen. Derselbe hat, abgesehen von den am Ende befindlichen Uebergangsbestimmungen, folgende Ablhetlungen: Competenz-Conflicte, Zustellungen, Hinterlegungen, Ver- gleichsbehötden, Strafvollstreckung. Aus einer den Ständen vorgelegten Der. einbarung mit der Stadt Mainz ist ersichtlich, daß Mainz eine bedeutende Stromcorrection unterhalb des Raimundilhores nebst größeren Hafenanlagen in's Auge gefaßt hat. Es wird dabet die Wiedereröffnung des mittleren drei- tt)eiligen Stroms, des sog. Wachsbleicharms, und die Abfchließung des dieffet- ligen Stromarms an der Ingelheimer Aue und Verwendung dieses letzteren für die projectirten Hasenanlagen der Stadt Mainz bezweckt. Nach § 11 sollen die -wischen der niutn Cvrrectionslinie einerseits und dem alten linken Stromuser andererseiis gelegenen fiskalischen Land- und Wafferflächen, einschließlich des linken Stromusers und Letnpsades, kostenfrei in das Eigenthum der Stadt übergehen, während für das innerhalb dieser Flächen gelegene Fawilieneigen- ihum des Großb. Hauses die Stadt 12,500 Mk. Werihersatz zu leisten hat. Da es sich hierbei um kostensreie Abtretung von Landet eigenthum sür einen gemeinnützigen Zweck handelt, muß die Genehmigung der Stände eingeholt werden. Auch ist Freiheit der Stadt Mainz von Stempel- und Einregistri-
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rungsgebühren beantragt.
Mainz, 15. December. Wie dem »Neuen Mzr. Anz." mitgetheilt wird, beabsichtigt der Landtags-Abgeordnete für Mainz, Herr Commerzienrath Betz, im Landtage einen Antrag einzubrtngen des Inhalts: „Die Großh. Re- gierung wöge in Berlin dahin wirken, daß dem Militär das Tragen der Waffen außer Dienst nicht gestattet sei." Veranlaßt soll dieser Antrag worden fein durch die neulich im Garienfeld vorgekommenen Exceffe.
Berlin, 13. December. Wie groß die Vorsicht der Berliner Militärbehörden am Tage des Einzuges des Kaisers gewesen, geht daraus hervor, daß die Truppen mehrerer Regimenter von Mittags ab plötzlich in den Kasernen consignirt wurden; die Mannschaften erhielten den firengen Befehl, sich ruhig zu verhalten, empfingen per Mann 40 scharfe Pakonen und mußten vollständig kriegsmäßig ausgerüstet bereit sein, um jeden Augenblick ausrücken zu kön- neu. So groß der Jubel noch Mittags beim Effen war, welches den Soldaten unter Zugabe von Bier an diesem Tage in besonderer Güte verabreicht wurde, so trat nach Ausgabe des Befehles ein ebenso großer Ernst ein, den man vielen Gesichtern ablesen konnte. Die Osficicre der resp. Regimenter waren bis spät ebenfalls sämmtlich in den Kasernen anwesend, durften aber um Mitternacht ihre Quartiere aufsuchen, da nicht nur nichts pasfirt, sondern auch Nichts mehr zu befürchten war.
Berlin, 14. December. Bei dem am Dienstag stattgehcrbten Empfange der Berliner Geistlichkeit erwiderte der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge der Kaiser auf die Begrüßungsanrede des General-Superintendenten Brückner Mit einer Ansprache, worin er Hervorbob, daß allerdings in der Berliner Geistlichkeit Manches vorgekommen sei, was ihm mißfallen habe; doch habe er die Treue und Anhänglichkeit der gesammten hiesigen Geistlichkeit nie bezweifelt und nehme er gern die erneute Ve.ficherung derselben entgegen. Zur Lage übergehend, be- merkte der Kaiser ungefähr, die Städte glichen einem Schwamme, der Alle- ' aussauge. Zahlreiche Menschen strömten aus den kleineren Städten und vom . Lande, wo in Folge deffen die Arbeitskräste fehlten, nach Berlin, um hier Glück
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Das Großherzogliche Steuer-Commissariat Gießen
an die Großberzoglichen Bürgermeistereien des Bezirks.
Die Brandkataster find jedenfalls nicht vor Jahresschluß hierher einzusenden.
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Darmstadt, 16. Tcbr. Weithin in Deutschland erregt das schwere 1 Unglück, welches las hessische Volk durch den Tod seiner unersetzlichen Landes- Herrin, Ihrer Königlichen Hoheit der höchstseligen Großherzogin Alice betroffen hat, schmerzvollen Widerhall. Die großen Eigenschaften der hohen Verblichenen sie werden allenthalben in vollem Maße gewürdigt. So schre bt die „National Zeitung" am gestrigen Tage unter anderem: „Der Tod schien sich mit dem Opfer der Prinzissin Marte abgefunden zn haben, da kehrte er noch einmal zurück, um die Fürst n des Landes, die Mutter des Hauses, mit sich zu reißen. Eine er'chütternde Katastrophe ichon an sich — und es ist eine ungewöhnliche Erscheinung, die so plötzlich htnweggerofft worden ist. Eine hervorragende geistige Begabung, ein ausg'z<>chneres Talent sür die Kunst war durch die sorgfältige Erziehung, die der Vater, Prinz Albert, selbst überwacht hatte, zur schönsten Entwickelung gelangt. Vor Allem brachte die Großherzogin Alice aus ihrem elterlichen Hause den wissenschaftlichen Trieb, den Eifer zur Weiterbildung, einen wahrhaft edlen und menschenfreundlichen Sinn mit. Eine wahre Fülle von wohlthätigen und Humanitären Einrichtungen hat sie in das Leben gerufen, ein belebender und anregender GeisteSzug ging von ihr aus; sie kannte keine Vor- urtheile und wollte sich vor keinem beugen. Ihrer echt und treu vaterländischen Gesinnung hat die Fürstin auch in trüben Tagcn vollen Ausdruck gegeben." Der Artikel erwähn! daraus die Verehrung, die David Friedrich Strauß der Verewigten gewidmet, dessen Verkehr an dem damaligen noch prinzlichen Hofe die Welt eines der besten Werke deffelben, dos L'ben Voltaire's, verdanke, sowie der Eigenschaften der Höchstseligen als sorgsält'ger Erzieherin und Mutter ihrer Kinder und in Verbindung hiermit des Verkehrs Höchstde.rselben mit der Erziehungssckriststellerin Louise Büchner und schließt: „Der plötzliche Tod der Fürstin wird überall, wo sie gekannt war, einen tiefschrnerzlichen Eindruck machen; vor Allem in Hessen, dessen Bevölkerung mit wahrer Verehrung und Liebe an der anmuthigen und liebenswürdigen Fürstin hing, die sie stets an der Spitze aller edlen Unternehmungen zu sehen gewohnt war. Eine seltene und ungewöhnliche Frau, wird sie in dem Herzen der Bevölkerung und in der Geschicht. ihres Landes soriltben. In dem umfassenden und großartigen Wirkungskreise, den sie sich im öffentlichen Liben geschaffen hatte, wie in dem fürstlichen Haushalt, den ihr Tod verwaist, wird sie unersetzlich sein." Die „Magdeburger Zeitung" sagt u. a. in einem der Höchflseligen gewidmeten Leitartikel an der Spitze des Blattes: „Die Verblichene war eine Frau von den seltensten und reichsten Geistisgaben, von hellem und freiem Verstände, der die vielseitigsten Jntereffen umspann, und zugleich von tiefem, opfe,vollem Gewüth. Sie war dne der edelsten Fürstinnen, die je einen deutschen Thron geziert haben. Der Tod dieser erlesenen Frau hat aus's Schmerzlichste die weiten Kreise ihrer treuen und warmen Verehrer ergriffen. Mit unserem kronprinzlichen Hofe trauern uw die Geschiedene der von ihr herzlich geliebte Gemahl und fünf Kinder, deren Pflege in langer, gefährlicher Krankheit ihr den Tod gab. Eine unermüdliche Förderin alles Edlen und Schönen, hat sie einen Ehrenplatz in der deutschen Literatur Die sechs Vorträge von David Strauß über Voltaire ziert folgende Widmung: Ihrer Königlichen Hoheit Alice, Prinzessin Ludwig von Hcffen, Prü zeisin von Großbritannien und Irland, für die sie geschrieben, von der sie freundlich angehört wurden, widmet nun die gedruckten Vorträge khrfirrchtsvoll und treu ergeben der Verfaffer." — Aus einem reichen, lebensvollen Wirkungskreise bat der Tod die hochverdiente Dame jäh herausgeriffen; aber mit der Liebe ihrer hohen Familie und weiter Volkskreise wird ihr der Dank aller Der- ieniaen folaen. denen sie so viel Gutes erwiesen hat.
1 9 Darmstadt, 16 December. Zu der am Mittwoch stattfindenden Beb setzung der verewigten Großherzogin werden die Prinzen von Waes und Leo pvld von Großbritannien, die Großherzoge von Baden und Mecklenburg, wie auch Prinz Christian von Schleswig-Holstein hier Eintreffen.
Die Neuen Leff. Volksbl." schreiben: Auch die meisten der uns beute zugekommenen nicht hessischen Blätter widmen Ihrer Königl. Hoheit der Großherzogin Alice warme Worte des Nachrufs. Dos Programm des Traue^ Ceremoniels bei E'nsegnurg und Beisetzung war bei Schluß des Blattes noch nicht erschienen. Wie bereits gemeldet, wird die hohe Leiche morgen Abend (die Stunde der Abholung ist gleichfalls noch nicht befrnnt) \n die Schloßkirche verbracht werden. Der hierbei mit 6 Pferden bespannt Trauerwagen wird von Hosdienern, welche Flambeaux tragen, geleitet sein und voraussichüich eine Escadron des Garde-Dragoner-Regiments das Corlöge ab-
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