Es erhielt daher Herr Bautechniker Broel von Gießen das Wort zu einem Vortrage über die Verwerthung der Abfallsloffe mit besonderer Bezuz« rahme auf die Einführung des Tonnensystems in Gießen.
Herr Bautechniker Broel: Die Frage über die beste Art der Reinigung der Städte habe in der letzten Zeit eine große Rolle gespielt. Es fei namentlich zwischen dem System der Kanalisation und dem der Abfuhr gestritten worden. Letzteres verdiene aber den Vorzug, weil dadurch der Landwirthsch.nt lie sehr werthvollen Stoffe erhalten blieben. Der Verlust, welcher durch die Ableitung der Excremente in die Flüffe entstehe, werde im Königreich Sachs-» jährlich auf 5—6 Millionen Mark veranschlagt, für Deutschland jährlich auf 75 Millionen Mark. Die Fäcaiten seien aber um so werthvoller, je frischer sie verbraucht würden. Das Grubensystem erscheine ebenso aus sanitären, wie aus landwirtyschafttichen Rücksichten wegen der in den Gruben ftattfindenden Gährunz der Stoffe verwerflich. Nur das Tonnensystem und das System von Lier nur würden der Landwirthschaft gerecht. Letzteres System eigne sich wegen des erforderlichen bedeutenden Kostenaufwandes nur für größere Städte. Das Tonnensystem sei daher für Gießen das Geeignetste und Billigste. Die Tonnen verhinderten die Verunreinigung des Bodens und erhielten die Stoffe der Landwirthschaft. Die erforderliche Einrichtung vermöge jeder Oertlichkeit leicht angepaßt zu werden. Die Stoffe könnten auch durch Compostirung oder Abdampfung präparirt werden. Die Abdampfung erforderte jedoch täglich ein sehr bedeutendes Quantum an Fäcalstoffen, weßhalb hiervon in Gießen zur Zeit noch abgesehen werden müffe. Vorerst soll daher nur eine Compostirung vorgenommen werden. In der Nähe des Tonnenschuppens, welchen er unter Beihülfe der Stadl Gießen am Rodberg erbaut habe, befinde sich schwerer Ackerboden, welcher durch Compostdüngung zu verbeffern sei. Die benachbarten Dörfer hätten von dorther eine leichte Bezugsquelle. Redner beabsichtige, den Straßen- kehricht mit dem Abtrittsdünger schichtenweise zu mischen und nöthigenfalls auch noch Asche, besonders aus den Kalkbrennereien, hinzuzuthun. Der Centn« Compost werde für 20 H geliefert werden können. Auf Wunsch der Landwirthe solle auch auf deren eigenen Grundstücken eine Compostirung ausgeführt werden. Die Composthaufen bedürften keiner Umarbeitung. Nur sei der Boden zu befestigen, um die Flüssigkeiten zu bewahren, da diese wieder übergegoffen werden müßten. Außerdem empfehle sich Ueberdeckung mit Erde. Die frischen Fäcalien hätten für manche Bodenarten, z. B. Sand- und Lehmboden, keinen Werth, während sich die Düngung mit Compost sehr bewährt habe. Es sei zu verwundern, daß man hier noch so wenig Compostdüngung vornehme, während man anderwärts, z. B. bet Neuß, überall Compostdünger sehe. Redner bittet, seine Compostanlagen etnsehen zu wollen. Die Landwirthe möchten Versuche machen, in welcher Zusammensetzung die Vermischung der Fäcalien am Besten wirke. Ec (Redner) erklärte sich zur weiteren Auskunft bereit.
Der Herr Vorsitzende wünscht dem Unternehmen, das in öffentlichem Jntereffe angelegt worden sei, Glück und den in hohem Grade anzuerkennenden Bestrebungen der Stadt Gießen den besten Erfolg.
Herr Mtnisterialrath Dr. Jaup ersucht den Referenten, auch noch das System Lier nur zu erklären, da daffelbe Manchen noch nicht bekannt sein Möchte.
Herr Broel vergleicht hierauf das System Liernur mit einerjGasfabrik. Wie bei dieser würden Röhren gelegt, in welche die Abtritte der einzelnen Häusern etnmündeten. Die Hauptröhre laufe dann in eine Pumpstation, in welcher durch Auspumpen der Luft der Inhalt der Röhren nach Oeffnung der Ventile angesaugt werde. Der Vertrieb der Fäcalien sei dann gerade so, wie bei dem Tonnensystem. Das System Liernur sei wohl das Richtigste, koste aber viel Geld. Jeder laufende Meter Straße erfordere etwa 60 «A Dieses System erscheine daher für Gießen nicht räthlich. Das Tonnensystem fei ebenfalls richtig und erreiche dieselben Zwecke. Im Einzelnen sei das Liernur'sche System im Gewerbeblatt von 1877 , Nr. 16 — 18, und 1878, Nr. 12 und 13 beschrieben worden, worauf er hiermit Bezug nehme.
Zum 6. Gegenstände der Tages-Ordnung, Besprechungen über Mittheilungen aus dem Gebiete der Landwirthschaft, welche aus der Versammlung gemacht würden, wünscht Herr Brück von Grünberg die Errichtung eines Molkerei-Instituts in der Nähe von Grünberg. Dieser Gegenstand wird jedoch nicht weiter dtscuttrt, da der heute verhinderte Generalsecretär Dr. Weidenhammer seinen über diesen Gegenstand angekündtgten Vortrag wohl in der nächsten Generalversammlung halten werde, welcher Vortrag zunächst abzuwarten sei.
Es erfolgte hierauf die Mittheilung einer Reihe von Einläufen an den Verein.
U. A. hatte sich die Maschinen Fabrik von Moritz Weil jun. in Frankfurt a. M. erbeten, eine Pflugprobe mit Eckert'schen Pflügen vorzunehmen. Dieses Anerbieten soll für die nächste Vereinsversammlung angenommen werden. Herr Pachter Thon von Londorf wünscht, auch andere Pflüge zur Concurrenz schicken zu dürfen, was ihm zugesagt wurde.
Die Achen-Münchener Feuer-Versicherungs-Gesellschaft hatte ihren Beitrag an den Verein von 86 auf 150 Jt erhöht, was von der Versammlung dankbar angenommen wurde.
Der Herr Präsident eröffnete hierauf die Discussion über die Abhaltung der beiden weiteren in diesem Jahre nach dem Statut noch etnzuberufenden General-Versammlungen.
Herr Bürgermeister Zimmer von Villingen schlägt Hungen vor, da die letzte Versammlung in Gießen, die vorletzte in Lich gewesen sei. Der Vorschlag wird mit dem Anfügen angenommen, daß um Weihnachten herum die letzte Versammlung in Gießen stattfinden solle, in welcher denn auch das Budget für 1879 aufzustellen sei.
Herr Mtnisterialrath Dr. I a u p bemerkt schließlich noch, es sei ihm bet seiner Reise hierher ausgefallen, daß die Fruchtfelder so sehr von der Vogelwtcke überwuchert seien. Er stelle daher an die praktischen Landwirthe die Frage, welche besondere Vorkommnisse dies veranlaßt hätten und ob dagegen Maßregel zu ergreifen seien. Die angegebene Erscheinung finde sich mehr in Oberheffen, als in den anderen Provinzen.
Verschiedene Landwirthe sprechen sich hierauf dahin aus, das der angegebene Mißstand lediglich durch die allzugroße Feuchtigkeit verlaßt worden sei, und daß er mit Wegfall dieses Umstandes von selbst aufhören werde.
Die Versammlung wurde hierauf nach Erschöpfung der Tagesordnung geschloffen.
Zur Beglaubigung
Der Vorsitzende: Der Secretär:
Dr. Boekmann. N over, Kreisaffeffor.
Nokilischer P tz e i k.
$<u«w«ne.
Berlin, 16. August. Hödel wurde gestern Abend 6 Uhr nach dem Moabiter Zellen-Gefängniß gebracht. Sein Benehmen blieb überaus frech; er wies den Geistlichen mit den Worten zurück: „Ich will meine Rolle zu Ende spielen, ich bleibe ein Irreligiöser!" Beim Abendeffen rief er, das Rothweinglas erhebend: „Hoch die Commune!" Auch heute wies er den Geistlichen ab und sagte: „Ich muß gefaßt bleiben." Um Punkt 6 Uhr erfolgte die Hinführung nach dem Richtplatz auf dem Schulhofe des Gefängntffes. Der Untersuchungsrichter Hollmann verlas den Richterspruch und die Bestätigungs- Ordre des Kronprinzen, welche von Homburg, den 8. August datirt ist, und übergab hierauf den Verbrecher dem Scharfrichter Krauts aus Posen, der mit sechs Gehülfen Hödel den Rock und die Weste abzieht und hinten das Hemd aufreißt. Der Kopf wird auf dem Bleck befestigt, die Arme und Beine werden gehalten. Ein sicherer Schlag: der Kopf fällt ab. Der Verbrecher sah in den letzten Augenblicken todtbleich aus und rang mühsam darnach, gefaßt zu erscheinen. Ungefähr 40 Personen wohnten dem Vorgänge bei. Vor dem Eingänge des Gefängnisses standen Wenige in peinlicher Ruhe. Während der Execution läutete die Todten - Glocke. In vier Minuten war Alles vorüber. Hödel befand sich in dem Anzuge, den er am Attentatstage getragen, und wird auch in demselben begraben.
— Bei der Hinrichtung Hödel's waren zugegen außer dem Untersuchungsrichter des k. Staatsgerichts, Hollmann, der Präsident des Staatsgerichtshofs v. Mühlir, der Ober-Staatsanwalt v. Luck, der Gefängniß-Geistliche und 12 bürgerliche Zeugen nebst der nötbigen Polizeimannschaft.
Telegraphische Depeschen.
Wagner's telegr. Tvrrespondenzl «urea«.
London, 16. August. „Reuter's Bureau" meldet aus Konstantinopel: Eine österreichisch.türkische Convention ist abgeschloffen. Oesterreich wollte die Occupatton durch einen Notenwechsel regeln. Angesichts des Wiederstandes der Bosnier machte Oesterreich wichtige Concefsionen, um die Convention herbeizu. führen. Die Dauer der Occupation ist nicht bestimmt. In mehreren Artikeln der Convention wird die Souveränität der Pforte anerkannt. Ebenso werden auch fernerhin die öffentlichen Fürbitten für den Sultan ftattfinden. — Die Schwierigkeiten der Verhandlungen zwischen England und der Pforte über Ein
führung von Reformen in Asien sind fast geebnet. Layard hat gewtffe Forde- rungen, gegen welche die Pforte Einspruch erhob, aufgegeben. Die Pforte be- steht darauf, daß die Convention vom 4. Juni nicht die Entsagung der Unabhängigkeit der Türkei involvire. Sie erklärt, auf die Rathschläge Englands hören, aber die Reformen selbst einführen zu wollen, ohne die englischen Residenten tu Asien, welche die Reformen einführen wollten, anstatt deren Einführung zu überwachen.
Konstantinopel, 15. Aug.. Die Note der Pforte über die griechische Frage führt aus, daß die Pforte niemals das Prtncip einer Grenzberichttgung accepttrt habe. Seit 1829 habe keine wirklich nationale Jnsurrection in Thessa- lien und im Epirus stattgefunden. Bewaffnete Schaaren hätten die Grenze überschritten, aber nicht vermocht, die Bevölkerung mit fortzuretßen. Griechenland hätte während des Krieges Mäßigung zeigen muffen. Aber es habe mit Rußland unterhandelt und mehrmals die Frage einer Theilunz Rumeliens aufgeworfen. Es habe vergebens um Unterstützung gebeten und, da es diese nicht erhielt, auf den Krieg verzichtet, aus Furcht vor der Türkei.
Köln, 16. August. Die „Köln. Ztg." erfährt aus bester Quelle: Alle Zeitungsangaben über Berathungen im Verwaltungsrathe der Köln-Mindener Bahn wegen Uebernahme der Bahn durch den Staat entbehren jedes Grundes.
Berlin, 16. August. Der „Reichs-Anz." bemerkt, daß die Fortführung der Staats-Eisenbahn-Bauten, wofür durch besondere Gesetze Credtte bewilligt sind, im Monat Juli 16,400,000 Mk. erfordert.
Petersburg, 16. August. Als General Mesenzow, Chef der 3. Ab- theilung der geheimen Kauzlei des Kaisers, heute Vormittag aus einem Hause am St. Michael-Platze trat, schoflen zwei Individuen mit Revolvern auf denselben. Der General stürzte zur Erde. Die Mörder bestiegen einen am Platze haltenden Wagen und flohen in der Richtung des Newsky-Prospect. — Ter General wurde in seine Wohnung gebracht. — Dem „Golos" ist der Straßenverkauf entzogen.
Konstantinopel, 16. August. Die Pforte beabsichtigt behufs der Einziehung der Kaimes die Besteuerung des Salzes, der Spirituosen und des Tabaks. Die hieraus zu erzielende Jahreseinnahme wird auf 900,000 Livres geschätzt. Die Einziehung soll in 20 Jahren beendet sein.
Petersburg, 16. August. Das Attentat gegen General Mesenzow erfolgte mittelst eines Dolches und nicht durch Revolverschüffe. Der Stich ist oberhalb des Herzens in den Körper gedrungen. Das Herz ist unverletzt, der
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