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Au- Bayern. Wie eine Münchener Zeitung erfahren haben will, soll wegen der von der dortigen theologischen Fakultät von den zu creirenden theologischen Doctoren verlangten Verpflichtung auf die Decrete des vaticani- schen Concils ein Ausweg gefunden worden sein, der freilich etwas sonderbar sich anläßt. Nachdem der Universitäts-Senat dem bezüglichen Antrag der Fa­kultät seine Zustimmung verweigert hatte, soll der derzeitige Rector v. Helserich das Uebereinkommen getroffen haben, daß die Doctoranten den fraglichen Eid nicht in der Aula der Universität, sondern vorher innerhalb der Fakultät abzu­legen haben. Ob dieses Compromiß gemäß welchem immerhin die promovirten Theologen auf Decrete verpflichtet werden, denen einst das königliche Placet ausdrücklich verweigert worden ist, zur Ausführung gelangen kann, dürfte min­destens fraglich erscheinen.

Italien.

Rom, 14. Januar. Erzherzog Rainer, welcher in der österreichisch­ungarischen Botschaft abgestiegen war, begab sich gestern Nachmittag mittelst eines Hoswagens nach dem Qutrinal, um die Majestäten zu besuchen. Der König erwiderte hierauf in Begleitung des Herzogs von Aosta den Besuch. Am Abend fand im Qutrinal Familiendinec statt, welchem Erzherzog Rainer, Prinz Napoleon, Prinz Carignan und der Herzog von Aosta beiwohnten.

Türkei.

Pera, 12. Januar. Seit 10 Tagen kämpft Suleiman in Tatar- Bazardschik. Die dortigen Regierungs-Magazine stehen in Flammen. Philip- popel ist noch nicht dtrect bedroht. Veffel Pascha ist mit 2000 Manu aus dem Schipkapaß entkommen; mit Hinterlassung der Geschütze erreichte ein Theil derselben Karlowo, ein anderer Philippopel. In letzterer Stadt, sowie in Adrianopel herrscht große Angst; sie wimmeln von Flüchtlingen. Die Archive und die Ottomanische Bank sind nach Konstantinopel gebracht. Die Scenen an den Bahnhöfen sind schrecklich ; die Eisenbahnwagen sind stets von türkischen Frauen und Kindern angefüllt, deren viele auf der Fahrt starben. Die Zahl der schon in Konstantinopel angekommenen Flüchtlinge wird aus 20,000 ange­schlagen. Die Kälte ist sehr groß.

Telegraphische Depeschen.

Privat-Depesche des Gießener Anzeigers.

Berlin, 16. Januar. Der Reichstag ist aus den 6. Februar ein­berufen.

Wagner'S telegr» Eorrespondenz-Bureau.

Konstantinopel, 14. Januar. Die Räumung Adrianopels Seitens der Bevölkerung dauert fort. In Folge der erwähnten Zugentgleisung wurden einige von Adrianopel Flüchtige getödtet oder verwundet.

Konstantinopel, 14. Januar. Server Pascha und Namyk Pascha sind heute Abend nach Adrianopel abgereist, um sich nach Kazanlik zu begeben. Die Zugentgleisung hat zwischen Philippopel und Adrianopel stattgefundem

Petersburg, 14. Januar, Abends. Amtliche Meldung aus Odeffa vom 13. d.: Der Commandeur des 10. Corps berichtet: Heute Vormittag IO1/» Uhr näherten sich zwei große türkische Dreimaster-Monitors Feodosia und eröffneten ein Bombardement. Einige gelungene Schüsse einer russischen Feld- batterie zwangen die feindlichen Schiffe zum Rückzüge, wobei sie jedoch ihr Feuer fortsetzten. Erst Mittags 12V3 Uhr stellten sie dasselbe ein, auf ihrer Stellung bleibend. Durch 132 feindliche Schüsse waren 10 Häuser zerstört, 1 Infanterist getödtet, 5 Artilleristen und 7 Bewohner verwundet. Nachmittags 4 Uhr entfernte sich der eine Monitor in westlicher Richtung, der andere ver­blieb auf der Rhede, anscheinend um Reparaturen auszusühren.

Großfürst Michael berichtet telegraphisch unterm 14.: Heute bom- ba.dirte ein türkischer Monitor über 2 Stunden lang Anapa; eine Kirche und einige Gebäude wurden beschädigt, ein Mann wurde getödtet. Eine russische Feldbatterie gab einige Schüsse ab.

London, 14. Januar. Dem gestrigen Ministerrathe wohnten sämmtliche Minister bei, ausgenommen Lord Derby, welcher stark erkältet war.

Brüssel, 14. Januar, Abends. Das JournalNord" äußert sich folgendermaßen über die Dardanellensrage: wenn die Schließung der Dardanellen aufrechterhalten werde, müsse Rußland dieselbe durch hinreichende Garantien sichern, damit die Schließung sich als eine ernst gemeinte und permanente dar­stelle. Angesichts der Schwierigkeit, solche Garantien zu finden, erklärt sich Nord" für Oeffnung der Dardanellen, welche Rußland die seiner Größe ent­sprechende Ausbreitung seiner maritimen Macht erleichtere.

London, 15. Januar. Heute fand ein Cabinetsrath in Lord Derby's Wohnung statt.

Karlsruhe, 15. Januar. Von klerikaler Seite der zweiten Kammer wurde heute ein Antrag angekündigt, an die Regieruug die Bitte um Abände­rung des Gesetzes, betr. die Vorbildung der Geistlichen dahin zu richten, daß eine Verständigung zwischen Staat und Kirche möglich werde.

Versailles, 15. Januar. Auf den Antrag des Deputirten Häntjens (Bonapartlst) beschloß die Kammer, am Donnerstag wegen der Beerdigung des Königs Victor Emanuel keine Sitzung abzuhalten.

In der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer verlas der Präsident eine Zuschrift der hiesigen italienischen Colonie, worin diese der Kammer mit- theilt, daß für diejenigen Deputirten, welche dem am Donnerstag zum Gedächt­nisse des Königs Victor Emanuel in der Madeleine stattfindenden Trauergot­tesdienste beizuwohnen wünschen, Plätze reservirt find. Präsident Gr6vy bemerkte, das Bureau der Kammer werde demselben beiwohnen; er glaube, auch die Deputirten würden theilnehmen wollen, was mit Kundgebungen allge­meiner Zustimmung beantwortet wurde.

Konstantinopel, 15. Januar. Nachrichten aus Datum vom 13. d. zufolge sind durch große Schneemassen schon mehrere Tage hindurch militärische Operationen unmöglich gemocht.

Um die Action der Regierung nicht zu hindern, hat die Kammer ein­stimmig den Antrag eines Deputirten, die Regierung um Mittheilung über die Angelegenheit des Waffenstillstandes zu ersuchen, abgelehnt. Von Adrianopel treffen noch immer viele Flüchtlinge ein.

Rom, 15. Januar. Der Kronprinz des deutschen Reiches sprach gegen­über den Ministern Depretis und Crtspi den Schmerz und die Theilnahme des Kaisers, der Mitglieder des königlichen Hauses, sowie der deutschen Nation bei dem Tode Victor Emanuels aus.

Loudon, 15. Januar. DerStandard" meldet: Ein Kohlenberg­werk 111 Wales empfing die Weisung, unverzüglich eine große Quantität Kohlen t>er, britischen Flotte in d?r Vourlah-Bai zu senden. DieMorning Post" erfährt, Granville werde im Oberhause die Adreß - Debatte eröffnen und Lord Beaconsfield zur Erwiderung das Wort ergreifen.

Ä^adrrd, 15. Januar. Der Congreß hat mit 309 gegen 4 Stimmen der Verheiralhung des Königs zugestimmt und der zukünftigen Königin für den ^brer Verwittwung eine jährliche Rente bewilligt.

Rom, 15. Januar. Der deutsche Kronprinz stattete sofort nach seiner Ankunft dem Könige und der Königin einen Besuch ab, der alsbald vom Könige, dem Herzog von Aosta und dem Prinzen von Carignan erwidert wurde. Von allen weiten treffen Deputationen ein, so auch von den Universitäten. Pisa entsandte 150, Turin 450 Studirende hierher. Das JournalBersagliere" schreibt: Ministerpräsident Depretis hat dem Erzherzog Rainer gegenüber mit warmen Worten den Gefühlen der Dankbarkeit dafür Ausdruck gegeben, daß der Kaiser von Oesterreich das erlauchte Mitglied feines Hauses enlseudei. Er habe damit einen glänzenden Beweis des lebhaften Interesses geben wollen, das der Kaiser und seine Völker in Freud und Leid an dem Geschicke Italiens nehmen. Der Erzherzog nahm diese Worte sehr gerührt und befriedigt enl- gegen und sprach die Ueberzeugung aus, daß die Beziehungen beider Völker fortgesetzt freundschaftliche bleiben und sich in Zukunft noch inniger gestalten würden.

Wien, 15. Januar. DiePresse" meldet aus Jassy: Die türkischen Schiffe, die Eupatoria bombardirt haben, sind nach Sulina zurückgekehrt.

Wien, 15. Januar, Abends. DiePolit. Corresp.' meldet aus Cettinje: Der Fürst von Montenegro ist mit seiner Armee gegen Skutari auf- gebrochen. Dieselbe Correspondenz berichtet aus Belgrad: Serbien wolle als Friedensbedinguugen aufstellen: Unabhängigkeit des Fürstenthums, Abtretung Älkserbiens und Schadenersatz für die im vorjährigen Kriege von den Türken angerichreten Verwüstungen.

DiePresse" meldet aus Tiflis: Ismail Hakki Pascha stellte dem General Loris-Melikoff das Anerbieten, Erzernm gegen das Zugeständniß des freien Abzuges der Besatzungstruppen übergeben zu wollen.

Petersburg, 15. Januar. Officiell. Odeffa, 14. d.: Nach 12«/2 Ubr Mittags wurde das Bombardement von Feodosia von den Türken nicht erneuert Abends 7 Uhr zogen sich die türkischen Monitors in westlicher Richtung zurück. Im Ganzen wurden 16 Häuser beschädigt, 2 zerstört. Die beginnenden Feuer­schäden wurden sofort gelöscht. Die.Ordnung wurde in der Stadt vollständig aufrechterhalten. Außer den bereits telegraphisch gemeldeten Verlusten bestehen dieselben noch in 2 contusiouirten Soldaten und 3 getödteten Pferden. Odessa, 15. Januar. Einer Meldung aus Novorosstgk zufolge bombardirte heute Morgen um 10y2 Uhr ein türkischer Dampfer Anapa. Nach einem Tele­gramm aus Kertsch kreuzte heute auf der Höhe der dortigen Meeresenge eben­falls ein türkischer Dampfer.

Konstantinopel, 15. Januar. Am Montag hat zwischen Tatar- bazardschik und Philippopel eine große Schlacht stattgefunden. Am Dienstag ist der Kampf wieder aufgenommen worden. Suleimann hat Stellungen näher bei Philippopel genommen. Er fordert die Bewohner auf, die Stadt zu verlassen. Die Russen kamen von Tchispan und marschirten auf Jenimahalgre.

Vermischtes.

H e r f r b. (Ein fideler JrremranSport.) Ein Gastwirth aus her Nähe hiesiger Stadt sollte wegen Geistesstörung in die Jrrenhetlanstalt nach Lengerich gebracht wer- den und der eiste Kellner ihn begleiten. Der Gastwirth verlangte, daß mehrere Flaschen Champagner mitgenommen würden, und um ihn zu beruhigen, geschah es so. Aul halbem Wege wuroe ein Aufenthalt nöthig, und der Kellner mit einem Bürger sprachen dem Champagner tapfer zu; der Gastwirth wußte sich die Papiere für die Irren-An­stalt zu verschaffen und lieferte in Lengerich seinen Kellner, der in Folge des genoffenec Champagners feiner fünf Sinne nicht mehr mächtig war, ab- Der Wirth kam zum Cr- staunkn seiner Bekannten wieder nach HauS und der Kellner verbrachte 3 Taae in der Anstalt, bis sich das Räthsel löste.

Literarisches.

Besprechung aus dem »Breslauer Intelligenz- und Frcmdenblatt* Das Hauswesen, nach seine» ganzen Umfange dargestellt in Briefen an eine Freundin mit Beigab! eines vollständigen Kochbuches von Marie Susanne Kübler. Achte verbesserte Auster mit Holzschnitten. Preis: elegant geb. JL 5,50. Verlag von I. Enge lhorn in Stuttgart. Wenn wir von diesem Buche sagen, daß es in keinem Hause fehlen sollte, so gebrauchen wir damit nicht etwa eine leere, hervorgebrachte Phrase, sondern sprechen einfach unsere aufrichtige Meinung aus Wahrlich nock immer unübertroffen ist dieses vortreffliche Koch- und Hausbuch, das in achter Auflage, abermals beträchtlich vermehrt, soeben erschienen ist. Wie leicht ist es den jüngeren Anfängerinnen gemacht, die ganze schwere Haushaltungskunst zu erlernen, wie leichi der erfahrenen Frau, sich in schwierigen Fällen Rath zu holen! Aus dem Schatze reicher (St- ahrung eines vielseitigen Thätigkeitslebcns hervorgegangen, behandelt dieses Werk in angenehm­ster Form das ganze große Gebiet des Hauswesens und nie wird sich eine Hausfrau in seine« Besitz rathlos oder in Verlegenheit befinden. Auf alle Vorkommnisse und Verhältnisse des häuZ- lichen Lebens ist Bedacht genommen, durch die Küche mit ihren zahlreichen Geräthen, di« Speisekammer mit ihren Vorrätben, den Keller mit seinen nassen Schätzen und die sorgenbringen)« Waschküche führt uns die umsichtige und liebenswürdige Verfasserin; auf den Markt, zum Bäckrr, zum Fleischer, kurz bei allen Einkäufen begleitet sie uns als erfahrene Freundin, bald zu weisr Sparsamkeit mahnend, bald vor Täuschungen warnend, bald auf irgend einen Vortheil aufmerl- am machend. Der ausführlichen Anleitung zur Kochkunst ist ein vollständiges Kochbuch, ert Küchenkalender, eine Belehrung über das Tranchiren und Serviren, und damit die nöthige Ar- j Wechslung in den Mahlzeiten eingehalten werde, ein Speisezettel für da- ganze Jahr beig'egebei. , Dem- wichtigen Kapitel von den Brennmaterialien ist ein besonderer Brief gewidmet. Dni Hühnerhof und der Blumen- und Gemüsegarten sind gleichfalls nicht vergesien. In der Kindcv und Krankenstube findet die besorgte Mutter schätzbaren Rath. Doch es würde unseren Rau­überschreiten, wollten wir Alles aufzählen, was dieses Buch, das wir einen wahren Hausschq zu nennen nicht anstehen, noch bietet. Und das Alles für einen so wohlfeilen Preis, daß der­selbe sich durch Befolgung der gegebenen Rathschläge gewiß hundertfach bezahlt. Wie manck Thränen, wie mancher eheliche Zwist könnten vermieden werden, wenn junge Damen ansta: seichter Romanliteratur dasHauswesen" studiren würdenI Möge dasselbe, sowie es schcl Tausenden genützt hat, noch vielen Tausenden ein willkommener Rathgeber fein

Illustrirte Iagvzettung Organ für Jagd, Ftfcherei und Naturkunde. Heraus gegeben vom königlichen Oderfö.ster H. Nitzs che 5. Jahrgang. Nr. 7. enthält: Ja?^- bilder aus Siebenbürgen von M. Wagner mit Illustration. Jagdbtlder aus btf Oitindischen Inselwelt von H. v. Ciaufewitz. Ein geforkelter Hirsch, mit JUustl''-' tioncn. Ein rodfe r Hase. Literatur, verschiedene Notitzm u. s. w. Verlag v ! L-chrnidt & Güntber in L ipzig Alle Buchhandlungen und Postanstalten nehwe« Abonrnents an. Preis 3 halbjährlich

Briefkasten.

_ Herrn Dr. K. Von den von Ihnen bemerkten Veränderungen an hiesiger Unv on-fifat im Laufe dieses I bres bc.b.'n wir bereits vor längerer Zeit schon privat« Mittbeilung erbalien. In Betracht btr 5ohen Wichtigkeit jedoch, w^'che mir einer solch 3 Veränderung beilegen, stehen wir, ehe eine officiell- Mittheilung erfolgt, vor bereu Bekanntgebung ab.