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_______________Anzeige- ui Amtsblatt fir be» Kreis Gießen.

Amtlicher Theil.

Gießen, am 14. Januar 1878.

Betreffend: Das Landgestüt, nunmehr die Untersuchung der als Beschäler zu benutzenden Hengste von Privatpersonen.

Das Großherzogliche Krcisamt Gießen

an die Großher^oqlichen Bürgermeistereien des Kreises.

Falls Angehörige Ihrer Gemeinden Hengste besitzen, welche dieselben in diesem Jahre zum Bedecken von Stuten verwenden und der dcsfalls anzuordnenden Untersuchung unterwerfen wollen, so wollen Sie uns dieß bis zum 30. l. M. unfehlbar anzeigen.

C .id solche Hengste nicht vorhanden, dann kann die Anzeige unterbleiben.

Dr. Bookman n.

politischer Theil.

(321

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nzeigen.

ein junger Mensch, ch mit schriftlichen

Werts 106.

Berlin, 14. Januar. Obschon nach einem Beschlusie des Bundesraths eine Betheiligung des deutschen Reiches an der diesjährigen Pariser internatio­nalen Ausstellung nicht stattfindet, sind die Staatseisenbahn-Directionen durch den Handelsminister doch ermächtigt worden, für diejenigen Gegenstände, welche auf genannter Ausstellung ausgestellt werden und unverkauft bleiben, im Durch­gangsverkehre eine Transportbegünstigung in der Art zu gewähren, daß für die Hinbeförderung die volle tarifmäßige Fracht berechnet wird, die Rückbeför­derung auf demselben Wege an den Aussteller aber frachtfrei erfolgt, wenn durch Vorlage des Originalfrachtbriefes für den Hinweg, sowie durch eine Be- schenigung des Ausstellungs-Comics nachgewiesen wird, daß die Gegenstände ausgestellt gewesen, unverkauft geblieben sind und die Rückbeförderung inner­halb des Jahres 1878 nach Schluß der Ausstellung stattfindet.

die Linie Tschirpan-Eski-Sagra marschiren, um zwischen Philippopel und Hir- menlu das Maritzathal zu erreichen und den Türken den Rückzug nach Adria- ! nopel abzuschneiden; ja in Konstantinopel selbst waren schon am Freitag Nach­richten eingelaufen, denen zufolge die Russen einerseits bereits in Tatar-Basard- : schik stehen und andererseits die Eisenbahn-Station Jambolt bedrohen, während die Bevölkerung Adrianopels bereits die Stadt zu räumen beginnt. Das Schicksal schreitet in der That schnell mit der Türkei abwärts und wenn diese ' sich nicht sehr beeilt mit dem Abschluffe des Waffenstillstandes, so kann es leicht kommen, daß die Ruffen noch vor demselben in Adrianopel sind.

> In Frankreich hat man gelegentlich des Ablebens des Königs Victor Emanuel Gelegenheit genommen, sich wieder mehr und mehr Italien zu nähern, denn die Reactionsgelüste in Frankreich hatten Italien einigermaßen mißtrauisch gegen dasselbe gemacht. Dos officielle und officiöse Frankreich ist daher jetzt bemüht, den Italienern zu beweisen, daß nur ein Staat in Europa es mit den Italienern ehrlich meine und dieser Staat heiße Frankreich. Leider steht jedoch die politische Ehrlichkeit Frankreichs nicht gerade in gutem Gerüche und wenn die Franzosen dieselbe Italien gegenüber so sehr herausstreichen, so müssen sie doch für dieselbe bange gewesen sein. Die französischen Kammern sind ohne Zwischenfall eröffnet worden und wurden in beiden die früheren Präsidenten wiedergewählt. Da politische Streitfragen in Frankreich nicht ge­rade zu befürchten sind, so werden die Kammern ausschließlich ihre Thätigkeit den Etatsberathungen widmen können.

Angesichts der nahenden Reichstagssession mehrt sich in Deutsch­land das Interesse an den inneren Angelegenheiten. In den Kreisen nationalliberalcr Abgeordneter soll der Vorschlag einer Erhöhung der Tabak­teuer im Allgemeinen nicht mißfällig ausgenommen werden, und es ist schon jetzt wahrscheinlich, daß die meisten Mitglieder der Fraction eventuell dem Anträge zustimmen werden, so daß also, da die Stimmen der Con- servativen von vornherein gewonnen sind, eine Mehrheit im Reichstage in ziem­lich sicherer Aussicht steht. Vorausgesetzt ist jedoch dabei, daß die beantragte Steuererhöhung nicht lediglich eine Vermehrung der Reichseinnahmen ohne gleich­zeitige anderweitige Compensation bedeutet, sondern eine wesentliche Entlastung des Budgets der Einzelstaaten in sich schließt und zum Ausgangspunkte einer allgemeinen Steuerreform wird.

Außer durch den Thronwechsel in Italien wird die politische Situation des Erdtheiles von dem neuen Wendepunkte in der Oriental-Affatre beherrscht. Neben den wuchtigen Schlägen eines erbitterten Krieges hat sich zwischen den streitenden Parteien doch das Bedürsniß nach Frieden geltend ge­macht und sind wenigstens die einleitenden Schritte in dieser Hinsicht von der Türkei gethan und von Rußland nicht abgewiesen worden. Auf eine Mitthei- lung der Pforte im russischen Hauptquartiere, daß sie zu Waffenstillstands- Verhandlungen geneigt sei, hat sich Rußland zu solchen bereit erklärt, wünfcht jedoch zunächst von der Pforte die Waffenstillstands- und Friedensvorschläge zu hören. Als türkischer Unterhändler wird Mehemed Ali Pascha genannt, eine Vertrauen erweckende Persönlichkeit, denn Klugheit und Erfahrung kann Mehe- med Ali nicht abgesprochen werden. Ueber den sonstigen Stand der Waffen- flillstands-Unterhandlungen erfährt man noch, daß die Pforte auf das Ansuchen Rußlands die Friedenspräliminarien vorzuschlagen, geantwortet hat, Rußland möge die Friedens-Bedingungen zunächst selbst formuliren. In Konstantinopel ift man im Uebrigen von dem Ernste der Lage vollkommen durchdrungen. An Stelle des den Geschäften nicht mehr gewachsenen Großvezirs Edhem Pascha bat der Sultan feinen bisherigen Minister des Innern, Hamid Pascha, gesetzt. 3n ^m diesbezüglichen Erlaß des Sultans befindet sich ferner eine Stelle über bie Lage des Osmanenreiches, wo es heißt:Unsere Streitkräfte waren den Mdlichen gleich; aber die Unerfahrenheit einiger Führer veranlaßte die Nie- ttrlagen. Wir befehlen, daß Untersuchungen über die von ihnen getroffenen Maßregeln veranstaltet werden und wünschen, daß ihr aus den Lehren der

Deutschland.

Darmstadt, 13. Januar. Durch einen Antrag des Abg. Büchner werden zwei Bestimmungen der Städteordnung zur Abänderung empfohlen, welche schon bei Berathung des fraglichen Gesetzes lebhafte Discusstonen her­vorriefen und hiernächst nach dem Inkrafttreten deffelben die Presse vielfach beschäftigt haben. Nach Position 2 Art. 13 sind nämlich (von anderen Requi­siten abgesehen) nur diejenigen männlichen, die Reichsangehörigkeit besitzenden Einwohner stimmfähig, welche einestheils seit zwei Jahren den Unterstützungs­wohnsitz erworben haben, anderntheils ihr Stimmrecht am Ende des vorher­gehenden Jahres in Anspruch genommen haben. Der gestellte Antrag bezweckt nun den Strich der Worteseit zwei Jahren", so daß man nur zwei (nicht vier Jahre) an dem betreffenden Orte gewohnt haben muß, um stimmfähig zu sein, und völlige Aushebung jeder Declarationspflicht wegen Inanspruchnahme des Wahlrechts.

* Gießen, 16. Januar.

Während manchmal ganze Wochen und Monate arm an politischen @Tei0Hifienepnt) oder für ihre politischen Confiellationen kein Interesse erwecken können, drängen sich oft auf einen kurzen Zeitraum wichtige Begebenheiten zu­sammen. So waren auch die jüngst verflossenen Tage auf dem politischen Ge­biete sehr reich an Ereignissen und werden es wahrscheinlich auch noch für die nächste Zeit sein. In Italien hat über Nacht ein Thronwechsel stattgesunden, rvell eine schlimme Krankheit den thatkrästigen König Victor Emanuel plötzlich dahinraffte. Da es eine löbliche Sitte ist, den Todten nur Gutes nachzureden, denn schon die Römer sagtende mortuis nil nisi bene, (von Gestorbenen rede nichts als Gutes) so kann man wohl von dem entschlafenen König Italiens rüh­men, daß er einen seltenen politischen Schliff aus allen Gebieten des Lebens mit einer rastlosen Thätigkeit vereinigte und so konnte es geschehen, daß ihm, allerdings unterstützt von günstigen Verhältnissen, das noch vor zwanzig Jahren unmöglich Gehaltene, die politische Einigung Italiens, gelang. Dazu kommt, daß der König Victor Emanuel sich auch die Liebe seines Volkes und die Ach tung des Auslandes erwarb; der verblichene Herrscher muß daher unstreitig zu den hervorragenden gerechnet werden und sein Nachfolger, der König Humberts., dürfte schwerlich im Stande sein, den Platz, welchen ihm der Vater hinterließ, so wie dieser ausfüllen zu können.

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1 [ jaq«e9°ff "Mt man, daß die Russen in Folge der Ueberschreitung des Balkan und der Msangennahme der türkischen Schipka-Armee es dahin gebracht haben, daß das

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blt ®1"1 *,r|b ^>"aht seid, Garantien für die Unabhängigkeit und Integrität des

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,, ,®nn jedoch vielleicht die Fricdensgeneigtheit der Türken noch b", nad) 111 jenes Stadium gelangt ist, wo man die Forderungen des Siegers fast

*I»'3 --snahmslos bewilligt, so dürften die Ereignisse aus dem Kriegsschauplätze di- Alb-° 6ei $ Serien doch bald in jenes Stadium bringen. Außer Sofia ist auch der --" ffch'pkapaß durch die strategischen Künste des Generals Radetzky in die Hände "/Al». Wuffn «efallen und die dort befindlichen Türken in der Stärke von 43 Bw |lLi tiiHonen und mehreren Batterien geriethen in russische Gefangeuschaft. Die Ebene von Sofia füllt sich mit russischen und serbischen Truppen und eine Ab- chilung des Generals Gurko hat sich bereits der jenseits des Balkan gelegenen Ki-dt Eski-Sagra bemächtigt. Ferner zwangen die Serben die Festung Risch