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Bischof in Speyer ernannt.

New-Aork, 11. Juni. Der SchoonerEothen" segelt nach Nordpol, um die Ueberbleibsel der Franklin-Expedition aufzusuchen.

44. Congreß eine gehörig constitutrte Körperschaft, somit zur Zählung der Stimmen der Präsidentenwahl und zugleich befugt war, das Resultat der Prä­sidentenwahl zu proclamiren. Kein künftiger Congreß sei berechtigt, diesen Act zu revidtren, noch könne irgend ein Congreß dem obersten Gerichtshof oder einem anderen Tribunal die Befugniß ertheilen, die Frage wieder zu eröffnen, welche in solcher Gestalt erledigt worden sei.

Pesth, 12. Juni. Unterhaus. Jstoczy beantragte, daß anläßlich der Orientangelegenheiten das Judenretch Palästina wiederhergestellt werde. Der Antrag wird nach Erledigung des Ausgleichs zur Berathung gelangen. Hierauf wurde die Vorlage in Betreff der Spiritus-Steuer und des Zollbündniffes definitiv erledigt.

Berlin, 12. Juni. Der heutige Tag gilt bei den Congreßmitgltedern vornehmlich den gegenseitigen Besuchen, Vorstellungen und Empfängen. Alle

demokratischer Agitation unwiderstehlich hingewiesen, beschließt:

1. Das freie und selbstbewußte Bürgerthum darf den Schutz der heiligsten Interessen der Nation nicht ausschließlich von der Staatsgewalt erwarten, es muß diesen Schutz als seine eigenste und ernsteste Pflicht betrachten.

2. Die reichstreuen Bewohner der Stadt Gießen, dürfen daher fortan nicht geschehen lassen, daß ein Theil ihrer Mitbürger den gewissenlosen Verführungskünsten berufsmäßiger Agitatoren der Socialdemokratie in Volksversammlungen ohne Gegen­rede preisgegeben wird.

3. Der geschäftsleitende Ausschuß des Vereins der nationalen und liberalen Partei wird hiermit verpflichtet, so oft eine öffentliche Versammlung von social­demokratischer Seite ausgeschrieben wird, alle reichstreuen Bewohner der Stadt, ins­besondere aber die Vereinsgenossen, zum Besuche dieser Versammlung aufzufordern und Sorge dafür zu tragen, daß die Irrlehren der Socialdemokratie niemals un­widersprochen bleiben und alle heuchlerischen Beschönigungen ihrer Endziele entlarvt werden.

4. Allen Vereinsgenossen wird hiermit die Verpflichtung auferlegt, derartigen Aufforderungen des geschäftsleitenden Ausschusses gewissenhaft nachzukommen." Der Vorstand hat weiter beschlossen, an die Herren Professoren Oncken und G arei S Bitte zu richten, Ihnen über diese Anträge Bericht zu erstatten, und ertheile ich nun­

mehr Herrn Professor Oncken das Wort.

Herr Prof. Dr. Oncken:

Meine Herren! Ich habe einige allgemeine Worte über die Lage, in der wir uns befinden, zu sprechen. Angesichts der unbeschreiblichen Erregung, die unser ganzes Volk durchzittert, angesichts der unglaublichen Sprache, in der die Presse der Socialdemokraten noch in diesem Augenblick spricht, in einem Tone, der an die schlimmsten Zeiten des Jahres 1793 erinnert, angesichts der maßlosen Entrüstung, die uns Allen in der Seele kocht, liegt einem Redner unserer Seite die Versuchung nahe, die Leidenschaft gegen die Leidenschaft aufzurufen, den Haß gegen den Haß zu entflammen und zu vergessen, was man leicht ver­gißt, wenn man eine gerechte Empörung nicht meistern kann. Ich werde mir Mühe geben, m. H., dieser Versuchung zu widerstehen und die Sache so ruhig zu behandeln, als mir das mein eigener Gemüthszustand gestattet.

Sie wissen, m. H., der Meuchelmörder vom 2. Juni hat den Kaiser Wilhelm erschießen wollen, weil eres für das Staatswohl ersprießlich hielt, das Staatsoberhaupt zu beseitigen. Sie wiffen, daß einer seiner Gesinnungsgenossen, der dieser Tage zu schwerer Kerkerstrafe ver- urtheilt worden ist, mit kaltem Blut und eiserner Stirn dem Richter gesagt hat:Ich hasse den Kaiser WUHelm, ich bebaute, daß er nur verwundet ist; rch habe nicht den Muth, ihn zu erschießen, aber viele meiner Gesinnungsgenossen haben diesen Muth und ehe ein Jahr vergeht, werden alle Hohenzollern todt sein, dann herrschen wir, die Socialdemokraten." Das ist endlich einmal ein offenes freimüthiges Wort nach Jahren der Lüge und der Heuchelei. Das ist das Bekenntniß der Fanatiker einer Partei, die bei den letzten Reichstagswahlcn 600,000 Stimmen auf ihre Kandidaten vereinigt hat. Und dies Bekenntniß, m. H., zeichnet unsere Lage und zeigt auch dem blödesten Auge den Abgrund, vor dem wir stehen. Wenn die Franzosen die Hände über den Kopf zusammenschlagen, weil sie glauben, in Deutschland müßte irgend etwas wie eine Katastrophe vorgefallen sein, die gesunde Menschen krank, ver­nünftige unsinnig gemacht hat, wenn sie im Tone vollständiger Verblüfftheit fragen, wie geht das zu? nun, m. H., mit was für Empfindungen werden wir fragen, wie ist so etwas in dem neuen deutschen Reich, wie ist so etwas in dem Land der Dichter und der Denker möglich gewesen? Wie war cs möglich, daß unmittelbar nach einem verbummelten Gassenbuben ein Mensch von gelehrter Bildung, ein Zögling Deutscher Wissenschaft dem deutschen Kaiser Wilhelm auflauerte, wie einem Jagdwild, zielte auf sein Haupt und los­drückte, ohne daß ihm die Hand zittert, ohne daß sich ihm .<öerz und Gewissen aufbäumten gegen den unnatürlichen, unbegreiflichsten aller Frevel? Die Thatsache ifl entsetzlich, aber noch entsetzlicher ist die einzig mögliche Erklärung, die wir dafür finden. Der Kaiser Wilhelm wird gehaßt, gehaßt bis auf den Tod, nicht obgleich, sondern weil er daS ist, was mir

Phtltppopel zur Jnstallirung des Exarchatssitzes abgereist.

Im Rhodopegebtrge fanden neuerdings bei Stanimak und im Ardathale, wohin die Ruffen eindrangen, Kämpfe zwischen letzteren und den Insurgenten statt. Ein russischer Kordon bewacht die Straße von Tatarbazardschik und Sophia.

Augsburg, 12. Juni. DerAllg. Ztg." wird von hier gemeldet: Der König hat den Prediger an der hiesigen Frauenkirche, Joseph Erler,

AranLreich.

Paris, 11. Juni. Die Zahl bet Besucher der Ausstellung überstieg gestern 198.000. '

Generalversammlung der Suez Canal-Gesellschaft. Aus dem Bericht von Leffeps geht hervor, daß den Canal im Jahre 1877 1633 Schiffe (176 mehr als 1876) passirt haben. Die Gesammteinnahme beträgt 39 Millionen Frcs. (3 Millionen mehr als 1876), der Reingewinn 4y2 Mill., wovon 3,195,000 Frcs. unter die Actionäre vertheilt werden. Die Anträge werden genehmigt. Leffeps theilt der Gesellschaft mit, daß er vorübergehend den Vorsitz in der Enquöte-Commission für die egyptischen Finanzen übernommen habe und sagt, er werde nichts verabsäumen, um diejenigen Reformen zur Annahme zu bringen, welche die Enquete-Commission für nothwendtg erachten werde.

Belgien.

Brüffel, 11. Juni, Abends. Bet den Wahlen siegten die Liberalen in Brüffel mit 5000 Stimmen Majorität, in Antwerpen mit 72 Stimmen Majorität.

Rumänien.

Bukarest, H. Juni. Es wird die Verlängerung der Parlaments- Session bis zum 20. Juni erwartet. Die Deputirtenkammer genehmigte den Gesetzentwurf betr. die Errichtung eines höheren Rathes zur Assistenz des Kriegsministers. __

wir jetzt erklären: so kann und darf es nicht weitergehen.

Von diesen Erwägungen geleitet, hat Ihr Vorstand einstimmig beschlossen, Ihnen Anträge zur Annahme zu empfehlen, die ich mir nunmehr vorzulesen erlaube:

Der Verein der nationalen und liberalen «Partei in Gießen, durch die an dem ehrwürdigen Oberhaupte des deutschen Reiches von Anhängern der Soeial dcmokratie verübten fluchwürdigen Attentate auf die verbrecherischen Resultate social

Telegraphische -ßepeschen.

Wagner'S telegr. Correspondenz-Bureau.

Berlin, 12. Juni. Se. Maj. der Kaiser hatte ganz ungestörte er­quickende Nachtruhe.

Berlin, 12. Juni. Bulletin von 10 Uhr Vorm. Se. Maj. der Kaiser fühlt sich durch die ungestörte Nachtruhe wesentlich gestärkt. Am rechten Arm ist eine weitere Verminderung der Anschwellung zu verzeichnen. Nach gewech­seltem Verbände sitzen Se. Majestät wieder im Lehnstuhl.

v. Lauer, v. Langenbeck. Wilms.

Petersburg, 12. Juni. Bulletin über das Befinden der Kaiserin am 11. Juni Morgens. Der Fteberzustand allmählig abnehmend. Das pleu- rittsche Exsudat etwas vermindert. Nacht unruhig. Die Kräfte nehmen nicht zu.

Der italienische Congreßbeoollmächtigte Gras Corti ist mit seinen Attaches Nachts um 12 Uhr, Fürst Gortschakoff mit Begleitung früh 6y4 Uhr hier eingetroffen.

Lord Beaconsfield begab sich gestern Abend nach seiner Ankunft zu Fürst Pismara und verweilte dort iy2 Stunde. Graf Schuwaloff brachte den Abend mehrere Stunden bet Herrn v. Oubrtl zu.

Gras Andrassy ist h^ute früh um &V2 Uhr auf dem Anhalter Bahn­hof hier eingetroffen und wurde von dem gesummten Personal der österreichi­schen Botschaft begrüßt.

Berlin, 12. Juni. Bulletin von 9y2 Uhr Abends. Se. Maj. haben auch heute bis zum Umschläge der Witterung bei geöffneter Balkonthüre im Lehnseffel zugebracht und den wohlthuenden Einfluß der frischen Luft Allerhöchst selbst hervorgehoben.

Berlin, 12. Juni. Die Einrichtung des Congreß-Saales und der an­liegenden Räume wurde heute Abend vollendet. Den Boden des Congreß« Saales bedeckt ein mächtiger Teppich, auf welchen der hufeisenförmige Tisch aufgestellt wird. Die Seffel sind mit Leder von grüner Farbe überzogen; von gleicher Farbe ist die Decke des Tisches. Die Anordnung der Plätze ist in der Weise festgesetzt, daß die Mächte nach dem französischen Alphabet rangiren. Die Protokollführer sitzen an den beiden unteren Enden des Tisches, dem Prästdiren- den gegenüber. An den Wänden des Saales stehen zahlreiche mit rother Seide überzogene Stühle. Der Buffetraum ist mit Treibhauspflanzen sehr geschmack­voll decorirt.

Zu dem Galadiner am Donnerstag zu Ehren des Congreffes sind ungefähr 150 Personen geladen. Um strengste Discretion bezüglich der Verhandlungen zu wahren, würden die mit der Herstellung dec Drucksachen für den Congreß beauftragten Arbeiter der Geh. Oberhosbuchdruckerei auf Verschwiegenheit be­sonders vereidigt.

Wien, 12. Juni. DiePolit. Corresp." meldet aus London von heute: Die Türkei ließ eröffnen, daß sie das Project der Erhöhung des Einfuhrzolles angesichts des Protestes der Mächte aufgegeben habe.

Berlittz, 12. Juni. Die Untersuchung gegen Hödel ist im wesentlichen zum Abschluß gelangt und steht die Uebergabe der Acten an den Anklagesenat des Kammergerichts bevor.

Konstantinopel, 12. Juni. Die russischen Generalstabs-Osfictere wählten einen 10 Kilometer von Adrianopel entfernten Platz behufs Errichtung eines Lagers für die kaiserliche Garde. Der bulgarische Exarch ist nach

am 8. Juni 1878.

Tagesordnung: Die Attentate aus den Kaiser und die Ausgabe deutschen Bürgerthums gegenüber der Socialdemokratie.

Hofgerichts - Advocat Dr. Dittmar, der Vorsitzende des Vereins,

eröffnet die überaus zahlreich besuchte Versammlung mit folgenden Worten: Durch das deutsche Volk geht in diesen Tagen eine Erregung, die uns vielfach erinnert an die Julitage des Jahres 1870. Damals wurde diese Erregung in Bahnen geleitet, die zum Siege führten; um-an unserem Theile mitzuwirken, daß auch die heutige Bewegung in Bahnen ausläust, an deren Ende wir sagen können: unsere gute Sache hat triumphirt über den Anschlag unserer Feinde, hat sich Ihr Vorstand erlaubt, Sie, zur heu­tigen Versammlung einzuladen. Meine Herren! Es steht wahrlich nicht viel besser, als zur Zett der französischen Kriegserklärung, ja, in manchem Betracht könnte man sagen: steht noch schlimmer, denn die Franzosen hatten es nur abgesehen auf unsere materiellen Güter, die Feinde aber, die unS jetzt so unverhüllt entgegentreten, wollen uns ans innere Leben, sie wollen uns vergiften Alles was uns heilig ist, sie wollen uns rauben, was wir im Jahre 1870 erkämpft haben, erkämpft vor Allem durch unseren Heldenkaiser, den Kaiser Wilhelm. Wenn Sie bedenken, meine Herren, daß im Jahre 1870 die verstimmende Er­innerung an den tiefgehenden Zwiespalt der politischen Meinungen des Jahres 1866 noch so nahe lag, daß der Gesandte des Franzosenkaisers nicht dem deutschen Kaiser, sondern dem Könige von Preußen unerhörte Zumuthungen stellte, daß aber dennoch die klare Er kenntniß dessen, was König Wilheim für Deutschland bedeute, genügte, uni durch unser ganzes Vaterland einen Sturm der Entrüstung, aber auch der kampfbereiten Begeisterung gehen zu taffen, dann, m. H., werden Sie sagen müssen: das, was in diesen Tagen ge­schehen, ist so erschütternd, so entsetzlich, daß man's jetzt kaum begreifen kann, das muß uns noch einiger, noch entschlossener machen.

Heute, nach dem zweiten Attentate, ist es nicht mehr möalich, das wegzuleugnen, was man sich nach dem 1. Attentate nicht gestehen wollte; es ist jetzt klar erwiesen, daß wir es zu thun haben mit einem Resultat fortgesetzter, gewissenloser Agitationen der Social­demokratie. Diese Gewißheit drängt allen reichstreuen Männern die Frage: was ist jetzt zu thun ? um so nachdrücklicher auf, als wir gerade nach unseren eigenen Erfahrungen hier in Gießen eine gewisse Mitschuld daran, daß ein erheblicher Theil der deutschen Bevölkerung in die Hände der Socialdenwkratie gefallen ist, nicht von uns weisen können.

Wenn Sie fragen, worin diese Mitschuld besteht, so lag uns Allen gewiß die Absicht ferne, die Socialdemokratie zu unterstützen, aber ohne die politische'Gleichgültigkeit und Unthälig- keit, ohne den deutschen Philister, der die Augen zumacht, um die Gefahr nicht zu sehen, hätte es so weit, wie es gekommen ist, nicht kommen können. An dieser Erfahrung wollen wir einsetzen. Nachdem sich klar herausgestellt hat, wohin die Socialdemokraten treiben, darf es in Gießen auch nicht mehr vorkommen, daß sich bei öffentlichen Wahlen Hunderte von Stimmen auf socialdemokratische Eandidateu vereinigen. Nach Allem, was geschehen, müssen

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London, 11. Juni, Abends. DasReuter'sche Bureau" meldet Washington: Das Justiz« Comitö des Repräsentantenhauses beschloß mit 8 gegen 1 Stimme die Befürwortung einer Resolution, welche ausführt, daß der

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Congreßbevollmächtigten wurden auf den Bahnhöfen bei ihrer Ankunft im Namen des Fürsten BiSmarck von Beamten des auswärtigen Amtes begrüßt. Für die ceremonielle Behandlung der Congreßbotschafter (Ehrenwachen, ossicielle Em­pfänge 2c.) ist das Ceremoniell dem Vorbilde des Wiener CongreffeS entlehnt. Die türkischen Bevollmächtigten sind noch nicht eingetroffen, werden indeß bis zur Eröffnung des Congreffes erwartet; event. würde der hiesige türkische Bot­schafter allein der morgen erfolgenden definitiven Eröffnung beiwohnen. Der Congreß wählt seinen Präsidenten selbst; die Wahl Bismarcks steht außer Zweifel. Bei der Eröffnung wird Geheimhaltung proclamirt werden.

Berlin, 13. Juni. Bulletin. Se. Maj. der Kaiser haben vergangene Nacht ruhig geschlafen.

$trnt>grnpl)ifdjfr Kmcht über die außerordentliche Generalversamiolung des Üereius der nationalen und liberalen Partei in Gießen