Ausgabe 
14.2.1878
 
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dtn, damit die Marine erforderlichen Falles in guter Verfassung in Linie rücken könne.

Griechenland.

Athen, 11. Februar. In der Deputirtenkammer wurden Seitens der Regierung die Gründe der Zurückberufung der Truppen aus Thessalien darge- leat. Minister-Präsident Kumunduros führte aus: Angesichts der Thatsache, daß Tscherkesien und Baschi-Bozuks nach den griechischen Provinzen der Türkei gekommen, sei die Intervention der griechischen Truppen nothwendig geworden, um blutigen Scenen und Plünderungen vorzubeugen, welche stets mit Jnsur- recttonen verbunden seien. Die Regierung habe aber nachgegeben und die Trup­pen zurückberufen muffen, als die Großmächte bei ihr Vorstellungen erhoben und erklärt hätten: wenn Griechenland nach Abschluß des Waffenstillstandes allein für sich vorginge, so würde es die Unterstützung der Mächte verlieren; wen.r es dagegen seine militärische Action einstelle, versprächen die Mächte der Regierung ihre Unterstützung. Kumunduros schloß mit der Aufforderung an die Kammer, Vertrauen zur Regierung zu haben. Triknpis bemerkte: Griechen­land müsse den Wünschen der Mächte nachkommen, um sich deren Schutz zu sichern. Zaimts und Lombardos sprachen sich für die Politik der Regierung aus, worauf die Kammer zur Tagesordnung überging.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Eorrespondenz-Bureau.

Berlin, 12. Februar. Sitzung des Reichstags. Fürst Hohenlohe zeigte an, daß er die Wahl zum zweiten Vicepräsidenten annehme. Die Abthei- lungen und die vier Fach-Commissionen haben sich constituirt. Nachdem der Präsident die neu eingezangenen Vorlagen mitgetheilt. begann die erste Bera- rhung der Rechtsanwalts-Ordnung. Staatssekretär Friedberg begründete die Vorlage unter Bezugnahme auf die Motive und hob die Unterschiede zwischen der jetzigen Regierungsvorlage und den früheren Vorschlägen der Reichs-Justiz- commtssion, namentlich in Bezug auf die Zulaffung zur Advocatur hervor, in Betreff deren die jetzige Vorlage wesentliche Beschränkungen enthält, und empfahl möglichst unveränderte Annahme derselben.

Hofmann erklärte sich gegen den Entwurf, der das Gegentheil von der Freigebung der Advocatur festsetze. Goßler sprach gegen den Entwurf, insofern derselbe locale Verhältnisse zu wenig berücksichtige. Schmitt (Stuttgart) er­klärte sich für den Entwurf, wünschte aber gleichfalls eine unbeschränktere Zu­laffung zur Advocatur. Windthorst (Meppen) verkennt nicht die Vorzüge des Entwurfs, will aber die unbeschränkte Freigebung der Advocatur und die Modi- fication des Entwurfs, soweit es sich um das Verhältniß des Rechtsanwalts zu den Staatsanwälten handle.

Regierungs.Commissar Kurlbaum trat den gemachten Ausstellungen ent­gegen. Die Vorlage ging, nachdem noch Wolffson einzelne Bedenken geäußert hatte, an eine Commission von 21 Mitgliedern. Der von Schulze Delitzsch beantragte Gesetzentwurf, betr. die privatrechtliche Stellung der Erwerbs- und Wirthschafts-Genossenschaften, ging nach kurzer Debatte an eine Commission von 14 Mitgliedern. Der Antrag Demmler's, betr. die Sistirung des vor dem Leipziger Bezirksgericht gegen Liebknecht anhängigen Strafverfahrens wäh rend der Dauer der Session wurde genehmigt. Die nächste Sitzung findet am Donnerstag statt.

Pola, 12. Februar. Das KasemattschiffKaiser" wird heute nach der Levante abgehen; die PanzerfregatteHabsburg" mit dem Contre-Admiral Barry wird demselben wahrscheinlich morgen folgen.

London, 12. Februar. Die Admiralität erließ nach Chatam Befehl, auch über die gewöhnliche Zeit hinaus zu arbeiten, um die in Bau begriffenen Schiffe schleunigst zu vollenden. In allen Arsenalen herrscht außergewönliche Thättgkeit.Times" schreibt: Die Entsendung der britischen Flotte nach Konstantinopel sei unvermeidlich nach dem was vorgefallen sei. Nach den Er­klärungen Rußlands möge die Frage entstehen, ob Rußland durch die wirkliche Besetzung Konstantinopels englische Interessen so affictre, um England zu zwin­gen, stärkere Maßregeln zu deren Schutze zu ergreifen. Es hänge Alles von dem Charakter der Besetzung ab: eine blos demonstrative Besetzung brauche nicht zu alarmiren; aber eine Besetzung durch große Massen ohne Begrenzung, der Zett würde der Regierung eine sehr ernste Verantwortung aufiaden und sie nöthigen, rasch und kühn zu handeln.

* Berlin, 12. Febr. Gerüchtweise verlautet, daß ein deutsches Panzer- Geschwader bereitgestellt werde. Doch ist Bestätigung abzuwarten.

* TVien, 12. Februar. Die Pforte ist bereit, dem Wunsche der Groß­mächte entsprechend einen Ferman behufs freier Einfahrt in die Meerengen aus­zustellen Daraus wird geschloffen, daß der Einmarsch der Russen in Konstan­tinopel entweder bereits erfolgt sei oder unmittelbar bevorstehe. Rußland steht im Begriff, eine neue Anleihe von 300 Mill. Rubel aufzunehmen. Die vorgestern eingetroffme formelle Antwort Rußlands aus Andrasiy's Conferenz Antrag hat hier einen peinlichen Eindruck gemacht. Die Londoner Blätter führen ausnahmslos eine kriegerische Sprache. DerStandard" erklärt, Eng­land sei überlistet, aber Rußland werde seine Superklugheit bereuen. Die Morning Post" nennt den Lord Derby einen Schwachkops, welcher Englands Ehre sehr compromittirt habe.

* Wien, 11. Februar. Es wird allseitig bestätigt, daß die Flotten sämmtlicher Großmächte vor Konstantinopel erscheinen werden. Oesterreich, Frankreich, Italien haben bereits bei der Pforte die Bewilligung nachgesucht. Wie verlautet, hat Gortschakoff an die auswärtigen Vertreter Rußlands fol­gende Instruction ertheilt: Nachdem England seine Flotte zum Schutze der Christen nach Konstantinopel sende, halte sich Rußland für verpfiichtet, Konstan­tinopel von der Landseite aus zu demselben humanen Zwecke zu occupiren.

* Triest, 11. Februar. Heute sind zwei österreichische Kriegsschiffe nach den Dardanellen abgesegelt. Es geht das, allerdings unbestätigte, Gerücht, britische Schiffe seien vom Ufer der Daroanellen aus beschossen worden.

Bukarest, 11. Februar. Seitens der Kammer wurde die Regierung ermächtigt, die Ausgaben pro Februar nach dem Voranschlag von 1877 zu be­streiten. Im Senat interpellirte Sturdza die Regierung, ob ihr die Waffen stillstands- und Friedensbedingungen bekannt seien, ob sie dieselben mittheilen könne und ob sie Delegirte zur Conferenz senden werde. Minister Cogalniceano erklärte darauf: Die Friedensbedingungen seien der Regierung nicht bekannt, und glaube sie, daß dieselben auch den andern Regierungen nicht bekannt feien. Minister Bratiano äußerte die Ansicht, daß diese Bedingungen nur Rußland und der Türkei bekannt seien. Die russischen und rumänischen Truppen, be­

merkte Bratiano weiter, hielten Positionen vor Widdin, Rustschnk und Silistria besetzt und ständen nicht im Innern der Festungen. Der Minister schloß mit einer Mahnung zur Eintracht und Klugheit, damit Rumänien mit Vertrauen und in fester Haltung auf der Conferenz erscheinen könne, zu der es sich bemühe, den Zutritt zu erlangen.

Nom, 11. Februar. Die neuesten Nachrichten über die Beschlußfassung hinsichtlich des Conclaves widersprechen sich. DemDiritto" zufolge bestätigt sich die Nachricht von dem Beschluß, daß das Conclave in Rom gehalten werde, nicht.Italic" glaubt, daß die Frage über den Ort des Conclave heute end­gültig entschieden werde.Liberia" zufolge sind die Cardinäle vorgestern über- etngekommen, keinen endgültigen Beschluß vor Ankunft der fremden Cardinäle zu fassen; dieselben hätten jedoch mit Stimmenmehrheit beschlossen, daß das Conclave keinenfalls auf einem Gebiete stattzufinden habe, welches unter pro­testantischer Oberhoheit steht.Riforma" meldet: Oesterreich und Italien be­fänden sich bezüglich ihres Verhaltens gegenüber dem Conclave und dem neu- zuwählenden Papste in vollkommener Uebereinstimmung. Eine große Majorität der Cardinäle werde für Abhaltung des Coirclave in Rom stimmen; Manning habe heftig dagegen gesprochen, jedoch Simeont, Pecci, Franchi und Howard hätten seine Ausführungen mit großem Erfolg bekämpft. Die Partei der ita­lienischen Cardinäle verstärke sich täglich durch neue Anhänger Man glaube, daß das Conclave sehr lange dauern werde. In den nächsten Kongregationen sollten die Cardinäle sich über die Gültigkeit der von ihren abwesenden College« auf telegraphischem Wege abzugebenden Stimmen schlüssig machen. Dem­selben Blatt zufolge hat Lasagni, welcher gegenwärtig dem StaatSsecretariat vorsteht, an die päpstlichen Nuntiaturen eine Note gerichtet, in welcher derselbe nach Präcisirung der gegenwärtigen Verhältnisse des päpstlichen Stuhles ange­sichts des Conclave jede Jngerenx ablehnt, hervorhebt, daß die volle Unab­hängigkeit des Conclave in Rom garantirt sei und gegen das Veto protestirt.

Berlin, 11. Febr. Heute Mittag 1 Uhr hielt General Cialdini seine feierliche Auffahrt beim Hof, um dem Kaiser die Thronbesteigung seines Sou­veräns anzuzeigen; hierauf wurde derselbe auch von der Kaiserin empfangen. Um 41/2 Uhr wird das kronprinzliche Paar den General in besonderer Audienz empfangen. Um 5 Uhr findet letzterem zu Ehren große Hoftasel statt, wozu mehrere fürstliche Personen, die Minister und das Reichstagspräsidtum Ein­ladungen erhielten.

Rom, 11. Februar. Der Deputirte Farini begibt sich nach Bukarest, um dem Fürsten von Rumänien die Thronbesteigung des Königs zu notificiren. Das Ministerium ließ 8 Bataillone Infanterie und die Ehrenlegion der Cara­binieri nach Rom kommen, um während des Conclave und der Jnthrontsirung des Papstes Dienst zu thun.

* Rom, 11. Febr. Die Cardinäle sind in drei Parteien gespalten, deren Führer Manning, Panebianco, Simeoni sind. Primas Senior ist definitiv mit der Ausübung des österreichischen Veto-Rechtes betraut worden.

Versailles, 12. Februar. In der heutigen Sitzung der Kammer stellte Man (ultramontan) eine Anfrage wegen eines das Conclave beleidigenden Artikels des JournalsReoeil". Er möchte wissen, ob das Ministerium ge­sonnen sei, diesen Scandal zu dulden. Marcere antwortete, das Ministerium gedenke keinerlei Scandal, woher derselbe auch komme, zu dulden, habe aber geglaubt, den Gerichten die Initiative in Betreff des einzuschlagenden Verfahrens überlassen zu sollen. Der Zwischenfall ist damit geschloffen.

Wien, 12. Febr., Abends. Ein derPolit. Corr." aus Konstantinopel vom heutigen (über Athen) zugegangenes Telegramm berichtet: Em türkisch- russtscher Separatvertrag ist abgeschlossen, welcher neben Stipulationen bezüglich des künftigen Verhältnisses der Pforte zu Rußland auch die Abtretung eines Theils der türkischen Kriegsmarine an Rußland als theilweise Kriegsentschädig­ung festsetzen und ferner die Zustimmung der Pforte zur eventuellen Cession eines Theils der Dobrudscha an Rumänien enthalten soll.

London, 12 Febr., Abends. Vier Panzerschiffe des Canalgeschwaders haben telegraphischen Befehl erhalten, nach Gibraltar zu segeln, um dort weitere Anweisung zu empfangen.

Es ist jetzt eine weitere Folge der diplomatischen Correspondenz über die orientalische Frage veröffentlicht worden. In einer Depesche des britischen Botschafters in Petersburg, Loftus, an Derby vom 9. d. wird die Antwort Gortschakoffs mitgetheilt, welche Letzterer auf das Telegramm Derby's vom 7. d., betreffend die Besetzung Tschataldjas durch die Russen und den Rückzug der Türken von den Linien von Tschekmedje ertheilte; danach erklärte Gortscha­koff: er habe noch keine positiven Mittheilungen über die Details der Waffen­stillstands-Convention erhalten und müsse hinzufügen, daß alle Fragen, welche die zwischen den türkischen und russischen Behörde vereinbarte Demarkationslinie betreffen, ausschließlich die Kriegführenden angingen.

London, 12. Februar, Abends. Im Oberhaus antwortete Derby auf eine Anfrage Granoille's: Er hoffe dem Hause am Donnerstag mittheilen zu können, daß die Flotte unweit oder vor Konstantinopel sich befinde. Alle Mächte hätten in die Conferenz eingewilligt; die einzige Schwierigkeit, die indeß, wie er glaube, nicht erheblich sei, bestände noch hinsichtlich des Ortes der Conferenz. Ueber die Bewegungen der russischen Truppen wisse er nur das, was Gort- schakoff's Circular constatire. Frankreich und Italien hätten die Entsendung ihrer Flotten suspendirt, vermuthlich weil sie den Ferman nicht erhalten hätten. Im Unterhause erklärte Northcote auf Anregung von Wolff: Auf die De­pesche Derby's vom 31. Im., in welcher letzterer seine Genugthuung darüber ausdrückte, daß Gortschakoff nichts dagegen habe, den Artikel betreffend die Dardanellen in den Friedensbedingungen zu unterdrücken, sei noch keine ^Ant­wort Rußlands eingetroffen. Ferner kündigte Northcote auf Veranlassung von Cartwnght's an, daß der diplomatische Schriftwechsel bezüglich Griechen' lands demnächst vorgelegt werden würde. Auf eine Anfrage Gordons erwiderte Unterstaatssecretär Bourke: die von Schuwaloff im vergangenen Juli an Derby mitgetheilten Friedensbedingungen seien in vertraulicher Weise überliefert und deßhalb nicht zur Veröffentlichung geeignet; eine solche habe überdies j.tzt keinen praktischen Zweck mehr.

Petersburg, 12. Februar. DerAgence Russe" zufolge findet die Circulardepesche Gortschakoff's die volle Billigung der Presse und des Publi­kums. Dasselbe Organ erklärt die Nachricht für unbegründet, daß vom Peters­burger Cabinet eine Stadt zweiten Ranges als Conferenzort vorgeschlagen woc- ben sei; die Regierung habe sich vielmehr darauf beschränkt, die Ausschließung der großen Hauptstädte bei der Wahl des Conferenzortes als wünschenswerth zu bezeichnen.

Athen, 12. Februar. Depeschen von der thesialischen Grenze melden,